1939 - Der Krieg der viele Väter hatte

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von Naphae, 13. August 2008.

  1. Naphae

    Naphae Neues Mitglied


    Hallo,

    mir gehts in diesem Thema vorrangig um die Auslöser und "Verantwortlichen" des Zweiten Weltkrieges. Da aber die Ursachen für diesen Krieg in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg liegen, denke ich mal, dass ich das Thema richtig platziert haben. Wenn nicht, bitte ich um Verschiebung.

    Also, wie der Titel dieses Themas schon sagt:
    Es gibt da ein Buch was ich mal vor einigen Monaten gelesen habe mit dem o. g. Titel.

    Meine Frage(n):

    - Kennt jemand dieses Buch?

    - Sind auch im weiteren Sinne andere Länder am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Schuld?
    Ich möchte hier nicht Deutschland die Hauptschuld nehmen... mich würde nur interessieren, ob England, Frankreich, Polen usw. durch ihre Politik an dem verhängnisvollen Weg teil hatten. Denn an einem solchen Krieg kann doch nicht nur ein Land schuld sein.

    Wenn es dieses Thema in irgendeiner Form schon einmal gab, bitte ich um Info und um Entschuldigung, dass ich dieses Thema neu aufgemacht habe.

    Danke!
     
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  2. Mercy

    Mercy unvergessen

  3. Tekker

    Tekker Gast


    Interessant. :fs:

    Nur die Buchvorstellung.

    Es wird ja hier in vielen Threads festgestellt, daß Kriegsursachen im Grunde nie monokausal sind, jeder Beteiligte seine Rolle spielt. Warum sollte dies für diesen einen Krieg keine Gültigkeit haben?
     
  4. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Ok, etwas unglücklich ausgedrückt. Dies ist mein erstes Buch in der Form... mit den ganzen politischen Sachen... Ich weiß nun nicht, ob ich dem jetzt voll und ganz Glauben schenken darf.

    nur ein Bsp.:
    Es wird geschrieben, dass Deutschland bis zum letzten Tag vor dem Kriegsausbruch versuchte, mit Polen eine Einigung zu finden. Doch da Polen die Zusicherung von Unterstützung von England und Frankreich erhielt und gesagt bekommen hat, dass es nicht nachgeben solle, blieb es halt auf dem "nein" hocken, so dass Deutschland den Krieg begann.

    Des Weiteren steht dazu, dass England und Frankreich hätten nicht eingreifen dürfen in die Kriegshandlungen, wenn Polen Deutschland angegriffen hätte... also arbeiteten sie politisch darauf hin, dass Deutschland der Aggressor sein wird.

    Hoffentlich hab ich mich verständlich ausgedrückt? :S

    Wie gesagt, wenn's das Thema in der Form schon mal gab, dann werd ich mich auf die Suche begeben...
     
  5. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Klingt wirklich nicht seriös. Aber er hat in diesem Buch Schriftstücke die mit ihrer Wortwahl so einiges durchblicken lassen aus dieser Zeit... Die ganzen schriftlichen Korrespondenzen zwischen den Ländern.

    Deswegen fragte ich ja, ob ich dem ganzen jetzt Glauben schenken sollte oder nicht.

    Danke dir für deinen Link.
     
  6. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

  7. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Danke. Somit, denke ich, hat sich das Thema erledigt. Und ich sollte diese Buch schnellstens vergessen und seriösere Quellen zur Hand nehmen.
     
  8. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Bis zum letzten Tag eine Einigung zu finden...
    Das ist eine Umstand, den die Vetreter der "Deutschland wurde zum Krieg gedrängt"-These gerne so sehen. Aber das ist Quatsch!
    Die Kriegsvorbereitungen liefen seit Jahren, im Lebensraum im Osten stand Polen und alle diplomatischen Lösungen, die Hitler vorschlug, waren Schein.
    Stell es dir als eine große Legitimation eines Krieges vor, indem man behauptet, alle diplomatischen Wege seien gescheitert. Einfach so bricht man keinen Krieg vom Zaun, da muss man selbst dem eigenen Volk einen guten Grund vorsetzen, der wenigstens vorübergehend beschwichtigt.


    Und ich stelle Dir die Frage: Nein zu was?

    Und nun zu den Fakten.

    1. Der deutsch-sowjetische Angriffspakt datiert auf den 23.8.1939, also 8 Tage vor Kriegsbeginn, in welchem im geheimen Zusatzprotokoll die Interessensspähren Deutschlands und der UdSSR klar abgegrenzt werden.
    2. Schon Jahre vor dem Krieg gab es Planungen eines Krieges, die Stichwörter waren der Kampf gegen Versaillles, Lebensraum im Osten, Wiederherstellung politischer Macht. Siehe dazu die Liebmann-Aufzeichnung vom 3. Februar 1933.
    3. Eine Weisung Hitlers vom 11. April 1939 ("Fall Weiß"): [...] Die gegenwärtige Haltung Polens erfordert es, über die bearbeitete "Grenzsicherung Ost" hinaus die militärischen Vorbereitungen zu treffen, um nötigenfalls jede Bedrohung von dieser Seite für alle Zukunft auszuschließen. [...]
    4. Hitlers Rede vor Befehlshabern der Wehrmacht am 22. August 1939:[...] Wir werden den Westen halten, bis wir Polen erobert haben [...]
    5. In einem Brief an Mussolini vom 3.9.1939 bedankt sich Hitler bei diesemfür dessen Vermittlungsversuche, stellt aber fest, dass zu diesem Zeitpunkt die beste Gelegenheit für einen Krieg gegen Polen gewesen sei, da die Wehrmacht den polnischen Truppen technisch weit überlegen gewesen ist und dies in ein bis zwei Jahren durch englische Hilfe sicher nicht mehr der Fall gewesen wäre.
    Ich hoffe, dass dir diese Anhaltspunkte helfen. Zu den Stichwörtern findest du im Internet viel Material.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. August 2008
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  9. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Danke Martas... Hab mich während des Lesens dieses Buches nämlich auch gewundert.

    Zu dem "nein": Ich glaub, da gings um den Korridor nach Danzig oder so... Deutschland hatte nach dem Autor Vorschläge für Polen gemacht... die Polen jedoch wegen England und Frankreich ablehnte.

    Aber jetzt ist mir das auch klar, dass ich dieses Buch außer Acht lassen sollte. Danke dir für die Fakten.
     
  10. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Dass jeder Beteiligte eine Rolle spielt, würde ich mal verneinen - es sei denn, du meinst damit auch rein passive Rollen. Aber ansonsten hast du natürlich Recht und man könnte und sollte sich viele Fragen zur Mitverantwortung anderer Akteure stellen, so z. B. zur Appeasementpolitik oder zur Rolle Stalins.

    Diese Fragen zu stellen ist auch deshalb wichtig, weil man so - und nur so - auch solchen Revisionisten und *hust* NS-Apologeten wie Schultze-Rhonhof begegnen kann.

    Im Übrigen: Gute Frage und harte Antworten!
     
  11. Seldschuk

    Seldschuk Neues Mitglied

    Da - bei der Appeasementpolitik Englands - möchte ich nachhaken.

    Zui allererst muss ich vorausschicken, dass das Dritte Reich ganz klar Aggressor und Hauptschuldiger am Ausbruch des WK II. war.

    Aber hätten England und auch Frankreich nicht schon Maßnahmen ergreifen müssen, als Österreich "angeschlossen" wurde? Und das Münchner Abkommen vom 29.09.1938 hätte gar nicht erst zu Stande kommen dürfen, zumal Hitler am 15.03.1939 den Rest der Tschechoslowakischen Republik besetzte.

    Stalin trifft natürlich auch eine Mitschuld, da er die Zerschlagung Polens für Hitler zu einem Kinderspiel machte. Hätte er sich dem verweigert, wäre es Hitler so leicht gefallen Polen, zu überrennen? Aber Polen war schon immer ein Zankapfel der Großmächte, was ja auch zur zeitweiligen Teilung und "Fastauflösung" des Staates führte.
     
  12. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Da geb ich dir natürlich vollkommen recht... Und langsam müsste es an der Zeit sein, dass man das vielleicht auch mal anspricht. Und ich wiederhole mich: Deutschland trägt nun mal die Schuld am 2. WK! Aber ohne die Politik der anderen wäre es nicht so weit gekommen. Jedes Land hatte seine eigenen Interessen und wollte diese auch durchsetzen.
     
  13. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Verantwortlich für den Beginn des Krieges ist das Land, dass den Krieg angefangen hat. Da muss man nicht querphilosophieren wie passive oder aktive Provokation.
    Wikipedia weiß sogar von einem Mann zu berichten, der den Namen "Der Mann, der den Zweiten Weltkrieg auslöste" trug.
    Alfred Naujocks ? Wikipedia

    Und hier der Überfall auf den Sender Gleiwitz mit einer eidesstattlichen Erklärung des Mannes.
     
  14. Naphae

    Naphae Neues Mitglied

    Deswegen schrieb ich das ja auch so: "Verantwortlichen". Wie ich schon sagte, will ich nicht die Schuld von Deutschland nehmen... Aber es gibt in der Politik nun mal ein Mitschuld, auch wenn die geringer erscheint, als die Hauptschuld.
     
  15. Martas

    Martas Neues Mitglied

    Es wird angesprochen, kein ehrbarer Historiker ignoriert Englands Appeasementpolitik oder Stalins Vorgehen. Das muss daher nicht endlich einmal angesprochen werden.
    Nur bitte ich zu bemerken, dass die Appeasementpolitik darauf hinauslief, friedlich einen Weg zu finden, der auf sämtliche militärische Konflikte oder Konflikte generell verzichtet. Es war ein Versuch der Beschwichtigung. Im Nachhinein ist man immer schlauer und dass diese Politik gegen ein von Anfang an verbrecherisches Regime wirkungslos war, erlebte man erst hinterher.
    Die "Schuld" Englands, nicht eingegriffen zu haben, meinetwegen auch militärisch, ist vielleicht einfach der Glaube an das Gute gewesen.
    Bedenkt, was dächten wir jetzt über Großbritannien, hätten sie eingegriffen?

    Schuld am Krieg, das ist Deutschland gewesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. August 2008
  16. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Man sollte die Appeasementpolitik nicht verdammen.
    Sie wurde ja nicht in München 1938 begonnen, sondern beendet.
    Solange es in Deutschland eine Regierung gab, die ebenfalls den Verhandlungsweg suchte (Locarno, etc.), war diese Politik durchaus erfolgreich.
    Sie krankte allenfalls an dem Grundkonflikt zwischen den Beteiligten am Versailler Diktat.
    Frankreich wollte Deutschland zerstören, Großbritannien dagegen schwebte ein multilaterales Sicherheitssystem einschließlich Deutschlands vor.
    Zunächst konnten sich die Franzosen im Versailler Diktat stärker durchsetzen, später die Briten. Daraus resultierte jedoch ein Schlingerkurs, der beide Ziele in unerreichbare Ferne rückte. Insbesondere die innerdeutsche Entwicklung lief nach Stresemann den britischen Bemühungen zuwider.
    1938 dann haben die Briten ihren Fehler erkannt, waren aber noch nicht in der Lage, darauf militärisch zu reagieren. Allein unter diesem militärischen Gesichtspunkt betrachtet, schien es den Briten so aussichtsreich, gegen die Aggression zu intervenieren, als würde Deutschland heute gegen Russland zugunsten Georgiens militärisch intervenieren wollen. Als Deutschland nach Polen griff, waren sie aber gerüstet und bereit.
     
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  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das sehe ich anders. 1938 ist es noch gelungen, den Krieg zu verhindern. Auf lange Sicht war das nicht möglich, da H. mehr wollte, als sich nur die Gebiete mit mehrheitlich deutsch(sprachig)er Bevölkerung einzuverleiben. Die Zerschlagung des im damaligen Jargon als "Resttschechei" bezeichneten Staatsgebietes war da ein deutliches Signal. Wenn man aber 1938 Hitler nicht nachgegeben hätte, dann hätte der Krieg auch schon früher begonnen.
     
  18. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Ich würde zumindest Stalin und der Sowjetunion eine Teilschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs konstatieren. Denn wie diese sich positionieren würde, war sehr entscheidend für Hitlers Kriegspläne - Deutschland stand Anfang August 1939 praktisch ohne echte Verbündete da (Italien hielt sich ja aus dem Polenfeldzug raus). Bei einer nur neutralen Haltung der Sowjetunion wäre die Lage Deutschlands schon am ersten Kriegstag prekär gewesen.

    Was Schultze-Rhonhof und andere betreiben ist meines Erachtens, dass sie die Hauptschuld am Kriegsausbruch Polen, England und der USA zuschieben wollen. Das hält einer objektiven Prüfung nicht stand.
     
  19. Rüdiger

    Rüdiger Neues Mitglied

    Wie ist denn in diesem Zusammenhang die Reaktion bzw. Nicht-Reaktion Frankreichs bzw. GB's auf Hitlers Remilitarisierung des Rheinlandes, die ja einen eindeutigen Vertragsbruch darstellte, zu beurteilen? Als aktive Appeasementpolitik, als achselzuckendes Gewährenlassen, etc...?
    Zum Vergleich: Über die deutschsprachigen Gebiete in der Tschechoslowakei wurde immerhin ausführlich verhandelt.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es ist ein gewaltiger Unterschied, was ein souveräner Staat, bzw. ein Staat der dabei ist, seine militärische Souveränität zurückzugewinnen auf seinem eigenen Staatsgebiet (Rheinland) macht und dass man ohne Rücksprache mit einem souveränen Staat (der Tschechoslowakei) einem anderen souveränen Staat (Deutsches Reich) einen Teil des Staatsgebietes (Sudeten) zuspricht.
     

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