1981-83 Zweiter Großer Mafiakrieg auf Sizilien: Erfolg der Corleonesi

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von BerndHH, 14. Februar 2017.

  1. BerndHH

    BerndHH Mitglied


    Hallo zusammen,
    wollte heute mal ein sehr spezielles Thema vorstellen.
    Der Zweiter Großer Mafiakrieg auf Sizilien von 1981-83 und der durchschlagende Erfolg der Corleonesi.

    Die Animositäten begannen im Jahr 1981 mit der Ermordung von Stefano Bontade als Auftakt einer beispiellosen Gewaltorgie der Landmafia aus Corleone gegen die etablierte Stadtmafia Palermos (Bontade, Inzerillo, Badalamenti). Auf einmal war die „Geisterarmee“ aus Corleone da und zog in Palermo eine Blutspur, die man bis dato noch nicht erlebt hatte. Woher die unglaubliche Brutalität und Grausamkeit bei ihrer Vorgehensweise kam, kann nicht gesagt werden.

    Vermutlich die Kampfansage eines Vernichtungsfeldzuges aus Corleone: „Wir sind schneller, härter und machen keine Kompromisse mit niemanden!“

    Zuerst waren es Enthauptungsschläge gegen die Capi der etablierten Familien. Dann ihre Sottocapi bis hin zu ihrer männlichen Verwandtschaft. Teilweise Ausrottung ganzer Familien. Den enthaupteten „Verlierfamilien“ blieb nichts anderes übrig, als zum Feind aus Corleone überzulaufen. Viele orientierten sich an die „Jungen Wilden“ und stellten sich in deren Dienste. Darunter die sadistischen Auftragsmörder Filippo Marchese (Famiglia Corso die Mille – einer Verbindungsstraße die auf Palermo zuläuft und an der es viele wichtige Heroinküchen gab) und „Scarpuzzedda“ Giuseppe „Pino“ Greco. Sie arbeiteten im Auftrag der Corleonesi Totó Riina (La Belva – Die Bestie) und Bernardo Provenzano (Benno u Tratturi – der Traktor), richteten an der Piazza Sant’Erasmo (Camera della Morte, die Piazza gibt es heute anscheinend nicht mehr) und einer verlassenen Nagelfabrik (genannt das „KZ von Bagheria“) Verhör- und Folterkeller ein, in denen sie ihre Opfer folterten, mit der Garotte strangulierten, auf andere qualvolle Weise umbrachten, in Säure auflösten, deren Leichen ins Meer, in die Kanalisation, in Felsspalten warfen.

    Vielleicht als klare Botschaft an das Palermitaner Establishment, an die alten Schnurrbärte: „Passt auf! Wir kommen aus Corleone. Widersetzt Ihr Euch, so walzen wir Euch nieder. Es gibt keine Alternative zu Liggio-Riina-Provenzano!“

    Aber warum hat niemand versucht, einen ernsthaften Gegenschlag gegen die „tollwütigen Hunde aus Corleone“, gegen die „Geisterarmee“ der Bauern auszuführen? War es vielleicht die Schockstarre, dass die Jahrhunderte alte „Mafiakultur“ im Jahr 1981 endete und Emporkömmlinge vom Lande auf einmal ganz neue Regeln aufstellten? War es das vielleicht? Dachte man, „Corleone, das sind rückständige Hinterwäldler, wir hingegen kommen aus Palermo, besitzen Kultur, etc.“ Richtige Gegenwehr hat es anscheinend nie gegeben. Keine Vendetta gegen die Eindringlinge aus Corleone. Die alten Familien der Hauptstadt haben sich so mir nichts dir nichts abschlachten lassen, von einem Feind, den niemand richtig einordnen konnte.

    Wie es heißt, war der Fall der Palermitaner Familien und Cosce dem Verrat geschuldet. Das schnelle Geld aus dem Heroin hatte die jungen Männer verrückt gemacht. Sie verfielen in einen Blutrausch, in die sogenannte „Mattanza“ (ähnlich dem traditionell sizilianischem Thunfischschlachten). Aber warum haben sie sich alles nehmen lassen. Im Sommer 1982 wurden 200 Personen (!!!!) in Palermo und Umland ermordet.
     
  2. BerndHH

    BerndHH Mitglied

    Ja Omertá, natürlich.
    In den 1980er Jahren herrschte mit Gewissheit noch eine ganz große Verschwiegenheit mit allen Belangen, die mit der Mafia zu tun hatte. Aber dennoch, das Verhalten der Palermitaner, sich eben nicht geschlossen gegen die äußere Bedrohung aus Corleone zu stellen ist vollkommen unverständlich.
    Ebenso unverständlich wie es ihnen gelang, eine Familie nach der anderen aus Bündnis der Palermitaner herauszubrechen. Ja, es war die Angst und der Respekt vor der Feuerkraft ihrer „Geisterarmee“ (Bauernarmee – normalerweise kannten die rückständigen Corleonesi doch auch nichts anderes als ihre traditionelle Lupara-Schrotflinte, doch seit „Scarpuzzedda“ war das anscheinend anders und die AK-47 kam ins Spiel).
    Meines Wissens hat es nie eine Strafexpedition oder einen Großangriff auf die Familien Liggio, Provenzano und Riina gegeben. Konnten die Palermitaner denn wirklich vergessen und verzeihen? Nach all dem Blut, was Anfang der 1980er vergossen wurde?
     

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