2 Fragen zum Preußisch-Österreichischen Krieg 1866

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von winner5e, 1. April 2011.



  1. winner5e

    winner5e Neues Mitglied

    Hallo. Ich befasse mich derzeit mit dem deutschen Krieg 1866, in dem Preußen das Ende des deutschen Bundes besiegelte. Mir stellen sich momentan zwei Fragen:


    1. Warum konnte Preußen genau diesen Kreig gewinnen? Sie waren doch territorsch und zahlenmäßig Österreich unterlegen
    2. Warum verschonte man die Bündnisstaaten von Österreich (Bayern, Baden etc.) in Bezug auf territoriale Verluste?
    Danke schon für die Fragen im Voraus! :yes:
     
  2. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    1.
    Militærisch war Preussen ueberlegen; Zahlen alleine sagen nicht unbedingt etwas aus:

    Bessere Strategie (Schnelligkeit), bessere Ausruestung (Zündnadelgewehr) und ein bischen Glueck

    2.
    Bismarck hat an die Zukunft gedacht: Nur bei einem ertræglichen Friedensschluss war Østerreich und die sueddeutschen Lænder kuenftig fuer ein Buendnis mit Preussen zu bewegen.
    Mit anderen Gegnern wurde uebrigens radikaler verfahren: Gegner Preussens nørdlich der Mainlinie wurden kurzerhand annektiert.

    Gruss, muheijo
     
  3. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Peter Aumüller nennt folgende Gründe für die Niederlage Österreichs:

    1. Die österreichische Friedenspolitik im Vorfeld der Schlacht mit massiver Abrüstung der Artillerie und der Kavallerie, denn Österreich rüstete unter dem Finanzminister Ernst von Plener sichtbar ab. Der Budgetanteil der zivilen Ressorts stieg, dem Militär hingegen wurden permanent Kräfte und Mittel gestrichen. 93 Kavalleriee-Eskadronenn wurden aufgelöst, ebenso 51 Batterien der Artillerie.
    2. Überlastung der Stäbe durch Wegfallen der Zwischeninstanzen infolge der Sparpolitik.
    3. Kein Ergänzen der Depotvorräte.
    4. Jahrelanges Außerdienststellen von erfahrenen Offizieren.
    5. Verschiebung der Einführung des Zündnadelgewehres aus angeblich budgetären Gründen.
    6. Der seit 1. Juli im Gange befindliche Austausch der operativen Berater Benedeks, der Feldmarschalleutnantee Alfred von Heniksteinn und GideonvonKrismanic.
    7. Nutzlose Gefechte entgegen gegebener Befehle durch die Unterführer, vor allem im Swiep-Wald.
    (1)Aumüller, Feldzugmeister Benedek und die Schlacht bei Königgrätz. Anatomie einer Niederlage hier zitiert nach Schlacht bei Königgrätz ? Wikipedia

    @muheijo

    Folge einmal dem Link und lies dir die Passage zum Zündnadelgewehr durch. Ist interessant.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2011
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  4. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    zu 2:

    Bismarck musste natürlich auch die internationale Konstellation im Auge behalten. Zu nennen ist hier beispielsweise Frankeich, welches klar gemacht hat, das der sächsische König nicht, wie der König von Hannover Georg V., sein Thron verlieren darf.

    Es kam ja schon wenige Tage nach dem Sieg vom 03.Juli zu preußisch- französischen Gesprächen, in denen klar wurde, was Frankreich nicht mehr akzeptieren würde. Eine vollständige Einheit Deutschlands unter Einbeziehung des Südens war nach Lage der Dinge 1866 nicht möglich. Des Weiteren war man in Bayer und Württemberg dazu auch nur wenig geneigt, vor allem wenn man die ausgesprochene preußenfeindliche Einstellung dieser Staaten berücksichtigt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2011
  5. winner5e

    winner5e Neues Mitglied

    Danke euch beiden für die Infos. :winke:
     
  6. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Turgot hat die militärische Gründe schon im wesentlichen genannt. Zwei Aspekte will ich auch noch ergänzen:

    1) Die Wahl des Oberbefehlshabers der Österreichischen Nordarmee

    Zur Wahl standen Erzherzog Albrecht sowie der Feldzeugmeister von Bedenek. Albrecht galt in Fachkreisen als der bessere Stratege und Organisator. Benedek dagegen hatte seine Stärke in der Taktik und in seine Art, die Zuneigung seiner Soldaten gewinnen zu können.

    Benedek selbst hatte seine Dienstzeit überwiegend in Norditalien absolviert und kannte sich dort sehr gut aus. Zudem sagte er von sich selbst:

    Aus militärischer Sicht hätte die Wahl für die Stelle des Nordbefehlshabers auf Erzherzog Albrecht fallen müssen. Benedek dagegen zwang sich geradezu für die Stelle des Befehlshabers an der Italienfront auf. Nur ist leider nicht immer nur die fachliche Eignung entscheidend, bei solchen Positionen spielt auch immer die Politik mit. Erzherzog Albrecht als Angehöriger des Hauses Habsburg war bei der Bevölkerung unbeliebt. Albrecht hatte 1848/1849 die Revolution als Militärbefehlshaber niedergeworfen und 1860 als Reichsverweser in Ungarn sich auch die letzten Sympathien im diesem Reichtsteil verspielt. Der Kaiser in Wien hatte Angst, dass bei einer schweren Niederlage unter der Führung von Albrecht das Haus Habsburg stürzen könnte. Deshalb wählte man den volkstümlichen Benedek aus, welcher in Österreich als Held von Solferino gefeiert wurde. Albrecht wurde mit der Führung auf den weniger wichtigen Kriegsschauplatz in Italien betraut. Albrecht bewährte sich gegen die Italiener erfolgreich und wurde nach der Niederlage von Königgrätz zum Nachfolger Benedeks im Norden ernannt. Zu diesem Zeitpunkt war die österreichische Nordarmee nur noch ein Trümmerhaufen

    2) Während Preußen ein weitgehend homogener Staat war (es gab eine polnische Minderheit, wobei diese jedoch in weiten Teilen schon in der Schule deutsch lernten), war Österreich ein Vielvölkerstaat. Zudem war es in Österreich so, dass nur die Unterschicht als einfacher Soldat diente. Dies zeigte dann auch in der Qualität der Truppen entsprechende Auswirkung

    - in Österreich waren Gymnasiasten und Hochschulabsolventen sowie Angehörige bestimmter Berufe vom Militärdienst befreit

    - theoretisch gab es eine achtjährige Wehrpflicht in Österreich. Gegen Zahlung von 1.000 Gulden konnte man sich davon befreien lassen. Diese 1.000 Gulden waren für einen Landarbeiter unerschwinglich, dagegen konnte ein kaufmännischer Angestellter diesen Betrag ohne weiteres aufbringen

    - das Kaiserreich hatte Probleme mit Nationalbewegungen. Nur eine Minderheit sprach deutsch. Es gab ungarische Bestrebungen, einen eigenen ungarischen Staat zu bilden. Die italienischsprachigen Österreicher galten als unzuverlässig, auch den Tschechen begegnete man aus Wien mit Misstrauen. Die Ruthenen ( = Ukrainer ) und Galizier ( = Polen ) wurden als geistig dumpf eingeschätzt. In meiner Familie werden heute noch unglaubliche Anedokten weiter erzählt, mit welchen Methoden man diese Sprachprobleme in der KuK-Armee auch noch während des 1. Weltkrieges Herr zu werden versuchte.

    Zu der 2. Frage, warum man mit den Süddeutschen Staaten aus preußischer Sicht pfleglich umging:

    Der badische Großherzog Friedrich war mit Luise von Preußen verheiratet, also der Schwiegersohn des preußischen Königs. Das badische Herrscherhaus war also pro-preußisch, dagegen war der badische Ständetag anti-preußisch. Preußische Truppen hatten 1848/1849 die badische Revolution blutig niedergeschlagen*. Nach der Niederlage der Bundestruppen unterstellte Baden im August 1866 aufgrund eines Friedens- und Allianzvertrages seine Armee dem preußischen Oberkommando. Die höheren Offiziere waren Preußen. Dagegen wurde der Antrags Badens - dem Norddeutschen Bund beizutreten - von Bismarck aus Rücksichtsnahme auf Frankreich und den anderen süddeutschen Staaten abgelehnt.

    *württembergische Truppen waren auch beteiligt, dies sei insbesondere für Repo angemerkt. Als exzellenten Kenner der württembergische Geschichte müsste er mich sonst auf meinem Fauxpas hinweisen
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. April 2011
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  7. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Vielen Dank nochmal dazu, das war mir in der Tat neu...Liest sich ja fast wie: "Die Preussen haben nicht wegen, sondern trotz des Zuendnadelgewehrs gewonnen."

    Gruss, muheijo
     
  8. winner5e

    winner5e Neues Mitglied

    Es ergibt sich nun für mich noch eine Frage, und zwar beim deutsch-frz. Krieg:

    Warum steigt England nicht mit in den Krieg ein? Was hat Bismarck dazu machen müssen? Vielen Dank im Voraus.
     
  9. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    In England wurde Frankreich als Aggressor wahrgenommen und deshalb sah Gladstone keinen Grund zugunsten Frankreich in dem Krieg einzutreten. Bismarck hat für die englische Neutralität nichts tun müssen. Schwieriger wurde es für Bismarck, als der Sieg errungen war und die Annektion Elasaß-Lohthrings im Raume stand.
     
  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das ist ein Standpunkt sehr aus einer späteren Perspektive heraus. Das Zündnadelgewehr war alles andere als Perfekt, aber es war das erste funktionierende militärische Hinterladergewehr, das in Serie produziert wurde.

    Den Österreichern war es in der Tat bekannt (In Dänemark war es ja auch schon zum Einsatz gekommen) man glaubte aber dass die größere Reichweite des Minie, gepaart mit der guten Schiessausbildung der Österreicher überwiegen würden. Ausserdem setzte man, nach der Erfahrung der italienischen Kriege, auf ein bedingungsloses offensives Vorgehen mit dem Bajonett. Bei Königgratz war dann das viel höhere Feuervolumen der Preussen ausschlaggebend. Nicht einmal die überlegene Artillerie der Österreicher konnte daran etwas ändern.

    Der Schock sass auch in Frankreich tief , dessen Armee daraufhin beschleunigt das Chassepot einführte, das durch mehrere technische Verbesserungen deutlich überlegen war* . Dieses hat aber wiederum den Blick gegen anderen Neuerungen versperrt die dann wiederum entscheidend waren.

    *Wenn man ein Dreyse-Zündnadelgewehr neben ein Chassepot betrachtet sieht man schon deutlich welches das modernere ist. Es liegen über 40 Jahre Entwicklung zwischen den Beiden. Als Dreyse sein Gewehr erfand, haben die meisten Armeen noch nicht einmal die Aptierung auf Perkussion durchgemacht und nutzten noch Steinschlösser.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2011
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  11. JohnSteed

    JohnSteed Neues Mitglied

    AD1: das preussische Zündnadelgewehr hatte wohl doch eine verheerende Wirkung auf die Bündnistruppen.
    Bayern hat nur sehr zögerlich die Eisenbahn für österreichische Truppen bereitstellen wollen, aber da war es fast zu spät.
    Die eine oder andere preussische Taktik war wohl doch nicht von schlechten Eltern....

    AD2:
    König Ludwig II. war kein Kriegskönig, er hatte kaum Finanzmittel in die kgl.bayr.Armee gesteckt, sodass er auch wenig Lust verspürte dort beteiligt zu sein.....denn die bayr. Truppen wären heillos unterlegen gewesen.
    Wie es mit Württermbergern und Baden aussah, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Meines Wissens waren aktiv an österreichischer Seit nur die Sachsen involviert.
     
  12. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    [FONT=&quot]Ergänzend lässt sich noch hinzufügen, das Benedek die Versammlung der Nordarmee weit ab vom Feind, um Olmütz, durchführte und ihm sogar Entscheidungsfreiheit für eine eventuelle Rückzugsbewegung eingeräumt worden war. Schon die Wahl des Versammlungsortes legt nicht gerade Zeugnis von einer Entschlossenheit ab, offensiv vorgehen. Immerhin ging es für Österreich um die Vormachtstellung in Deutschland. Auch versäumte es Benedek sträflicher Weise militärischer Absprachen mit den süddeutschen Verbündeten zu treffen. Das war schon grob fahrlässig.
    [/FONT]
    [FONT=&quot]
    [/FONT]
    [FONT=&quot]Ganz anders die Überlegungen von Erzherzog Albrecht, die offensiv ausgerichtet waren und den Krieg in das Land des Gegners bringen sollte. Albrecht wollte eine weite Aufstellung von Zentral- und Nordböhmen aus Berlin und den feindlichen Aufmarsch, beispielsweise in Oberschlesien, bedrohen und gleichzeitig die eigene Hauptstadt decken. Hier wäre sicher die Möglichkeit geboten worden, aktiv einzugreifen, anders als Bendek, der sich auf die Defensive beschänkte. Benedek begnügte sich hingegen damit Wien zu decken.[/FONT]
     
  13. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Die einzige Niederlage haben die Preussen gegen die Hannoveraner erlitten, die m.W. jedoch ohne größere Koordination mit den Österreichern agierten. Der Sieg war aber kurzlebig und ohne größere Folgen für den weiteren Kriegsverlauf.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Langensalza
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Dezember 2012
  14. Mischo

    Mischo Neues Mitglied

    Zu deiner zweiten Frage: Ich kann mir gut vorstellen, dass England 1871 nicht Preußen unterstützt hat, da Preußen z.B. 1866 Staaten ausgelöscht hat, die England nahe standen (Kgr. Hannover hat sich bis 1837 mit England den König "geteilt" und war mit dem danach noch sehr stark verbandelt), und so England das Vorgehen Preußens nicht unterstützen wollte.


    [MOD: link gelöscht]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 21. Januar 2013
  15. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    England stand ganz gewiss nicht aus der Seite Preußens; ganz im Gegenteil. Die Engländer unterstützten Frankreich zumindest insofern, das man an ihnen Waffen verkaufte. Bismarck war über diese besondere Art der englischen Neutralität nur mäßig amüsiert. Die englische Regierung war zunächst entschlossen sich aus dem Krieg herauszuhalten und nur in Abstimmung mit den anderen Großmächten zu engagieren. Als sich aber immer deutlicher die französische Niederlage abzeichnete, wurde London aktic, in dem es einen "harten" Frieden für Frankreich vermieden wissen wollte.
     
  16. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Stimmt es eigentlich, dass der von Österreich angeführte Deutsche Bund die schwarz-rot-goldene Fahne geführt? Gibt es hierzu Bildmaterial?
     
  17. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Meines Wissen nach, sind die Truppen der einzelnen Länder unter ihren Landesfarben in dem Krieg gezogen.
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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