Ädil Aufgaben zur Zeit Caesars

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Hannes, 1. Juli 2018.

  1. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied


    Hallo liebes Forum,

    Mich würden die Aufgaben der Ädile zur Zeit Caesars interessieren.
    Vorallem der plebeischen.

    Ich habe das dazu gefunden:
    Seit 494 v. Chr. gab es zwei plebejische Ädile (aediles plebei), die die Polizeigewalt in der Stadt Rom innehatten.

    Welche Truppen unterstützten Sie dabei?
    Die vigiles wurden doch erst später von Augustus gegründet.

    Welche Männer halfen den Ädilen zur Zeit Caesars bei Polizei oder Feuerwehr Aufgaben?
    Mussten sie dazu selbst Männer aufstellen?


    Vielen Dank für eure Zeit
    Lg Hannes
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gerade die Feuerwehr ist "zu Caesars" Zeiten recht interessant. Eine "staatliche" Feuerwehr gab es nicht. Das war privat organisiert und der "Organisator" war der reichste Mann Roms, Crassus. Der organisierte die Feuerwehr aber nicht aus Philanthopie sondern verfolgte ein ganz anderes Ziel: Noch reicher zu werden. Brannte ein Haus, dann war eine ganze insula, also ein ganzer Häuserblock gefährdet. Crassus sprach dann die Besitzer der Mieskasernen an, dass sie ihm ihren Besitz preisgüstig verkauften und die FW löschte. Verkauften sie nicht, konnten sie zusehen, wie ihr Besitz niederbrannte.
     
    Hannes gefällt das.
  3. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied


    Ja stimmt das von Crassus hab ich schon mal gehört. Danke für deine Antwort.

    Der Ädil war ja das niedrigste politische Amt oder?
    Hab jetzt auch gelesen das er für die Marktaufsicht und die Tempel zuständig war.
    Da muss er doch sicher Männer gehabt haben die in seinen Diensten standen.
    Konnte der Ädil bei bei Polizeiähnlichen Aufgaben auf die Stadt Kohorte zurück greifen? Die unterstand ja eigentlich dem Stadpräfekten oder?
     
  4. Pausanias

    Pausanias Neues Mitglied

    Der Quaestor war das niedrigste Amt im cursus honorum, der Aedil folgte darauf.

    Der Stadtpräfekt (praefectus urbis) und die Stadtkohorten (cohortes urbanae) entstanden erst in der Kaiserzeit.
     
  5. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Okay danke für deine Antwort.

    Welche Aufgaben hatten die Ädile zur Zeit Caesars genau?

    Und wer kümmerte sich um die Sicherheit in der Stadt Rom?
     
  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Bei den Ädilen muss man grundsätzlich zwischen den plebejischen und den kurulischen Ädilen differenzieren. Letztere hatten das höhere Ansehen und mehr äußerliche Privilegien.

    Die Kompetenzen waren aber im Wesentlichen in der Zeit der späten Republik gleich: Aufsicht über die Straßen in Rom, die Marktordnung, die öffentliche Ordnung und die städtische Infrastruktur (auch Wasserversorgung); Verfolgung bestimmter Straftaten; Beaufsichtigen und Veranstalten von Spielen; auch die Getreideversorgung, vor allem die Überwachung des Getreidepreises.
    Die Aufgaben in Zusammenhang mit Getreide wurden von Caesar allerdings zwei neugeschaffenen Cerialädilen übertragen.

    Über ihr Personal ist nur wenig bekannt. Es gab jedenfalls Schreiber. Belegt sind weiters (zumindest für die kurulischen Ädilen) Ausrufer sowie für alle "viatores", über deren Aufgaben sich aber kaum etwas sagen lässt. Die Viatores verrichteten vor allem Botendienste, fungierten aber wohl auch als Liktorenersatz.
     
  7. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Super Danke Ravenik
    Das ist sehr hilfreich Danke.

    Wer konnte alles plebejischen Ädil werden.
    Was war für einen plebejer Ausschlag gebend um dieses Amt zu erreichen?
    Wahrscheinlich Geld oder?
    Konnte zB ein Reicher Kaufmann Ädil werden?
     
  8. Pausanias

    Pausanias Neues Mitglied

    Plebejischer Ädil konnte werden, wer Plebejer war, also dem "einfachen Volk" angehörte. Einfaches Volk meint hier, dass es sich nicht um Patrizier, also "Adelige", handelte. Das heißt aber nicht, dass diese Leute nicht reich waren. Um politische Ämter zu erlangen, war ein großes Vermögen nötig; viele Kandidaten verschuldeten sich, insbesondere wenn es um die Ausrichtung großer Spiele ging (z. B. Caesar).
    Ein reicher Kaufmann konnte rein theoretisch Ädil werden, aber die Politiker stammten normalerweise aus der Nobilität. Die Nobilität waren die Patrizier, also der alte Adel, und diejeniegen plebejischen Familien, die nach den Ständekämpfen ebenfalls hohe Ämter erreichten. Innerhalb der Nobilität war eigentlich nur Landbesitz als Einkommensform akzeptiert.
     
    Hannes gefällt das.
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Um plebejischer Ädil werden zu können, musste man vor allem Plebejer sein. Die Wahl fand im concilium plebis statt, also einer Volksversammlung unter Ausschluss der Patrizier.

    Ansonsten gab es auch in der späten Republik keine speziellen formalen Voraussetzungen. Insbesondere war es - entgegen den üblichen Darstellungen des "cursus honorum" - anscheinend nicht zwingend vorgeschrieben (wenngleich in der Praxis üblich), dass vor der plebejischen Ädilität die Quästur bekleidet werden musste.
    Außerdem galt zumindest für die kurulische Ädilität ein Mindestalter von 36. Ob dieses auch für die plebejische Ädilität galt, scheint nicht sicher zu sein.
     
    Hannes gefällt das.
  10. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Vielen Dank für eure ganze Hilfe.

    Was ich jetzt nicht ganz verstehe bzw. was ich mich jetzt noch frage.

    Wie wurde ein Ädil bezahlt?
    Erhielt er ein Einkommen vom Staat?

    Ich meine wenn ein Ädil spiele ausrichtete und diese von seinem Geld bezahlen musste dann machte er eigentlich minus.
    Selbst wenn er vorher Reich war verlor er durch das Amt an Geld oder nicht ?

    Welchen Vorteil hatte zB .ein plebejer von diesem Amt?
    Auf einen großen politischen Aufstieg konnte ein nicht Adeliger doch nicht hoffen oder?
    Konnte ein Ädil mit diesem Amt auch an Reichtum gewinnen? ( durch Korruption zB.)
    Oder ging es dabei nur um Politischen Einfluss?

    Ein Statthalter zB . wurde ja nicht bezahlt der hatte aber dafür eine ganze provinz zum auspressen.

    So ich hoffe meine frage ist nicht blöd ich möchte einfach nur die zusammenhänge verstehen.

    Vielen Dank euch allen.

    Lg Hannes
     
  11. Pausanias

    Pausanias Neues Mitglied

    Das Ädilat war - wie jedes andere Amt - ein Ehrenamt, es gab also kein Geld. Daher musste man auch- ganz abgesehen von den Ausgaben für Wahlkampf, Spiele etc. - reich sein, um überhaupt das Amt ausüben zu können. Eine spätere Statthalterschaft war dann häufig die Vorgehensweise, das Geld wieder reinzuholen.

    Zu Plebejer/Adeliger: Diesen Gegensatz darf man sich nicht wie im Mittelalter oder der Neuzeit vorstellen. Vereinfacht gesagt, waren allle patrizischen (adeligen) Familien reich und einflußreich, aber auch ein Teil der Plebejer war in die Oberschicht aufgestiegen und bildete mit den Patriziern die Nobilität. Patrizier/Plebejer spielte für allem die Rolle, dass Patrizier einige Ämter, wie plebejischer Ädil und Volkstribun, nicht ausüben konnten. Plebejer hingegen durften einige Priesterämter nicht ausüben.
     
  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Alle und niemand ...
    Blöde Antwort, ich weiß, aber die Kompetenzen waren eben ziemlich zersplittert. Irgendwie spielten Sicherheitsaspekte in die meisten Ämter hinein, auch bei den Ädilen.

    Erwähnen möchte ich aber die Tresviri capitales, die zu den Vigintisexviri gehörten. Die Tresviri capitales nahmen auch Polizeiaufgaben in der Stadt Rom wahr, indem sie z. B. nachts patrouillierten und verdächtige Elemente aufgriffen.

    Ädil zu sein war vor allem sinnvoll, wenn man danach noch weitere Karriere machen wollte. Zu den Aufgaben der Ädilen gehörte auch das Veranstalten von Spielen, und dabei konnten sie sich profilieren und den Wählern für höhere Ehren (also die Prätur) "empfehlen".
    Dass auch ein Plebejer weiter aufsteigen konnte, hat Pausanias schon geschrieben.

    Außerdem, je höher man die Karriereleiter hinaufkletterte, umso enger wurde es: In der späten Republik wurden jährlich 20 Quästoren gewählt, aber nur 10 Volkstribunen und nur 4 Ädilen. Sprich, schon rein mathematisch gesehen hatte nur jeder zweite Quästor die Chance, später einmal Volkstribun zu werden. Als Alternative blieb die Ädilität.
     
    Hannes gefällt das.
  13. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Was das Personal angeht, so war die römische Republik mehr als knausrig. Ein Beamter hatte zwar ein paar vom Staat bezahlte apparitores (Schreiber, Kurier, Herold, ...). Aber die konnte man sich an einer Hand abzählen. Damit kannst du gar Nichts bewegen. Es wurde von den Beamten erwartet, daß sie entsprechendes Personal aus ihrem Haushalt nutzten. Und auch jede Menge eigenes Geld.

    Ging ein solcher Beamter später als Pro-Prätor in die Provinz, hatte er auch hier auch nur eine Hand voll Apparitores dabei, aber ein Vielfaches an privatem Gefolge aus Familie und Freunden. Diese konnten zwar viele Aufgaben übernehmen, aber sie schauten natürlich auch, daß sie dabei für sich gute Geschäfte machten.

    In der kaiserlichen Verwaltung wurde die Personalaustattung zwar etwas besser, aber auch hier wurden oft die Soldaten genutzt, und natürlich das große Heer der Sklaven und Freigelassenen der familia caesaris. In dem Sinne agierten auch die Kaiser oft nur wie ein großer republikanischer Beamter. Man kann die Personalaustattung der Ämter aber nicht ein mal annähernd mit modernen Staaten vergleichen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2018
  14. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Vielen vielen Dank für die Antworten.

    Konnte ein plebejer auch bis zum Pro-Prätor aufsteigen?
    Also eine provinz übernehmen?
    Oder war dies nur Adeligen vorbehalten?
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ja natürlich konnte er das.
     
  16. Hannes

    Hannes Aktives Mitglied

    Super vielen Dank
     
  17. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Ich wiederhole nochmals, was Ravenik schon oben erwähnt hat. Weil es wichtig ist für das Verständnis der späten Republik. Der römische Adel, die sogenannte Nobilität, bestand aus reichen Plebejern und reichen Patriziern; eher mehr Plebejern. Die Patrizier sind nicht der römische Adel! Die Nobilität war der Adel. Was zählte in Rom waren Beziehungen und Geld. Edle Geburt konnte zwar hilfreich sein, war aber ohne Beziehungen oder Geld Nichts wert. Rom wurde von der Nobilität regiert, nicht von den Patriziern.
     
    Hannes gefällt das.

Diese Seite empfehlen