Alexander der Große - Die Menschheitsidee

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von naradas, 13. April 2012.

  1. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied


    Ich hab hier Hermann Bengtsons Alexanderbiographie vor mir. Ein grauenhaftes Werk, eine einzige Lobhudelei. Auch wenn er Tarns Idee einer Weltverbrüderung durch Alexander ablehnt, so schildert er doch einen Übermenschen der auf allen Ebenen brilliert, während die negativen Ereignisse durch widrige, externe Umstände zu Stande kommen
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Dagegen spricht schon Alexanders Biografie. Seit er mit seinem Heer nach Kleinasien aufbrach, war sein Leben von Schlachten und Eroberungen gekennzeichnet.

    Als friedlichen Administrator, der in Babylon sein ferneres Leben verbirngt, kann ihn sich wohl kaum jemand vorstellen.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied


    Das passiert wohl, wenn man sich erstens zu weit von den Quellen entfernt und zweitens in eine Gestalt das hineininterpretiert, was man in ihr sehen möchte. Da können dann Selbstläufer entstehen, die sich verselbstständigen und mit den Quellen nicht mehr viel zu tun haben. Denn bei aller Bewunderung, die die antiken Autoren Alexander entgegenbrachten: Unkritisch sahen sie ihn nicht (wenngleich sie eher anderes kritikwürdig fanden als wir heute), und von einem Weltfriedensplan schrieben sie auch nichts.

    Da wäre z. B. sein brutaler Feldzug gegen die Kossaier.

    Seine Armee war ja auch seine Machtbasis. Mit ihr konnte er es sich freilich nicht komplett verscherzen, er war auf sie angewiesen.

    Formal stimmt das. Aber die Versammlung hätte nach der Eroberung Thebens wohl kaum anders als in etwa Alexanders Wünschen entsprechend zu entscheiden gewagt, außerdem waren vor allem Vertreter der alten Rivalen Thebens anwesend.

    Tyros war kein Einzelfall, Gaza z. B. erging es nicht viel anders. Wenn eine Stadt Alexander härteren Widerstand leistete, ging er nach ihrem Fall mit großer Härte gegen sie vor. Das war in der Antike zwar nicht ungewöhnlich, zeigt aber, dass, wie Du selbst schon angemerkt hast, Alexanders Einstufung als Friedensbringer und Humanist ungerechtfertigt ist.

    Aber nicht im heutigen Sinn und wie sie heute gerne interpretiert wird. Die heutige europäische Einigung z. B. erhebt den Anspruch, einen Raum der Demokratie, der Freiheit, des Rechts, der Sicherheit und des Wohlstands zu schaffen. Im Mittelpunkt soll der europäische Bürger stehen, die Einigung soll ihm nützen, um in Freiheit und Wohlstand und ohne Angst vor Kriegen der Nationalstaaten untereinander leben zu können. Für Alexander hingegen waren seine Untertanen nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck.

    Sehe ich auch so.

    Na dann lies' einmal Wielands unvollendetes Epos "Cyrus" ...
    Irgendwelche Glorifizierer finden sich wohl bei jedem großen Eroberer und Erschaffer/Herrscher eines Großreichs.
     
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  4. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ich frage mich was für Leute so einen Schmarrn verzapfen. Ganz zu schweigen, dass es nach ihm einen Bürgerkrieg gab da hielt die Pax Romana oder Pax Mongolica länger.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In der Geschichtswissenschaft wird man sicherlich eher die Frage nach der Sacherkenntnis stellen, aber die Geschichtdidaktik beschäftigt sich sehr wohl mit dem Sach- als auch Werturteil.
    Karl-Ernst Jeismann ? Wikipedia

    Du kennst ja den Tacitus-Ausspruch: "Sine ira et studio". Tacitus warf seinen Kollegen vor, dass sie über lebende Herrscher lobend, über Verstorbene geifernd schrieben und dass das unehrlich weil ungerecht sei.
     

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