Aussterben der Neandertaler

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von KnightMove, 5. Dezember 2006.

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  1. Heine

    Heine Aktives Mitglied


    Wie man es oben vielleicht herauslesen konnte, habe ich so meine Zweifel an der Hypothese.
    Man muss ja auch noch den mysteriösen Folgesatz dazu lesen:
    "For Neanderthals, paleoclimatic fluctuations likely precluded consistent hunting of cold-adapted game, a property making game more approachable for close-range hunting with thrusting spears. As evidence of less historical wariness of humans, many of the species hunted by Neanderthals were eventually domesticated."
    Welche Tierarten könnten gemeint sein?
    Leider ist die Studie nicht frei zugänglich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Februar 2018
  2. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Der Sinn des fraglichen Satzes ist m.E. folgender: Afrikanisches Wild war vorsichtiger gegenüber Menschen, weil es über hundertausende Jahre mit Wurfspeeren von frühen Menschen gejagt wurde. Daher musste der anatomisch moderne Mensch in Afrika aus der Ferne jagen und entwickelte die visuomotorische Koordination, die auch Voraussetzung für die Höhlenmalereien war. Währendessen war das kälteangepasste Wild in Europa weniger vorsichtig gegenüber den Neandertalern, weil diese es aufgrund der paläoklimatischen Schwankungen dort nicht dauerhaft bejagen konnten. Da das europäische Wild also weniger Angst hatte, ließ es die Neandertaler im selteneren Fall des Aufeinandertreffens näher ran, so dass diese mit Stoßspeeren aus naher Distanz jagen konnten und deshalb nicht die visuomotorischen Fähigkeiten wie die anatomisch modernen Menschen entwickelten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Februar 2018
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied


    Oder in Kurzfassung: Weil der Afrikaner das Wild mit Wurfspeeren aus der Ferne beschoss, deshalb musste er es mit Wurfspeeren aus der Ferne beschießen. ;)

    Habe ich das nun richtig verstanden:
    Der Neandertaler zog also im Fall einer Klimaerwärmung nicht den Herden nach, die er bisher gejagt hatte, sondern blieb in der Gegend und erfreute sich am Zuzug zutraulichen Wildes aus wärmeren Gegenden?
     
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  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein „Teil“ der Hypothese scheint aus einer 2015er Studie zu stammen, die sich offenbar mit Fluchtverhalten afrikanischer Tiere beschäftigt. Die Fachpresse zitiert da durchgehend von der Uni-Seite:

    Coss’ paper grew out of a 2015 study in which he and a former graduate student reported that zebras living near human settlements could not be approached as closely before fleeing as wild horses when they saw a human approaching on foot — staying just outside the effective range of poisoned arrows used by African hunters for at least 24,000 years.

    Neanderthals, whose ancestors left Africa for Eurasia before modern human ancestors, used thrusting spears at close range to kill horses, reindeer, bison, and other large game that had not developed an innate wariness of humans, he said.

    Neanderthals’ Lack of Drawing Ability May Relate to Hunting Techniques

    Auf welche Hypothesen zum „cold-adapted game“ zurückgegriffen wird, ist wohl nur der Publikation selber zu entnehmen.
     
  5. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Richtig. Solange wir nur Abstract und Presseveröffentlichungen haben, ist eine ernsthafte Diskussion schwierig. Hoffentlich ist die Studie zeitnah frei zugänglich.
     
  6. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo

    Es wäre aber zu fragen, ob dieses angebliche Fluchtverhalten afrikan. Tiere nicht durch tierische Jäger ausgelöst wird, denn durch Menschen, dann ist die ganze Theorie im Eimer.

    mfg
    schwedenmann
     
  7. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Dann müsste man auch klären, welche tierischen Jäger es überhaupt gab - und inwieweit sie für welche Tiere gefährlich waren. Der heutige Elch z.B. kennt eigentlich keinen Feind, er hat keinen Grund, vor Wölfen oder Bären wegzulaufen. Für einen (bewaffneten) Menschen ist er deshalb als Jagdopfer sicher interessant.

    Gruss, muheijo
     
  8. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo

    @muheijo
    Ich bezog mich da eher auf Afrika. Aber es stimmt nat. das Bison, Elch (der damalige Riesenelch) und andere große Tiere, den Menschen nicht zu fürchten brauchten und deshalb nicht die Flucht ergriffen. Ist halt eine Frage von Masse und Geschwindigkeit:D

    mfg
    schwedenmann
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    nochmals zur Toba-Katastrophe und dem nach wie vor andauernden Streit in der Wissenschaft, ob dieses Ereignis für einen genetischen Flaschenhals (bottleneck) verantwortlich sei.

    Während in Indien zB meterdicke Ascheschichte in weiten Landstrichen als „layer“ von der Katastrophe zeugen, die offenbar weite Regionen förmlich erstickt haben muss, und global ein vulkanischer (Aschewolken-)Winter (oder Dürre, je nach Regionen) jahrelang geherrscht haben muss, zeugen jetzt Untersuchungen in Südafrika von davon völlig unbeeinträchtigter Siedlungskontinuität. Es gab offenbar Eckchen auf dem Globus, wo unsere Vorfahren diese Katastrophe gut überstanden haben (und sich von dort dann wieder ausbreiten konnten)

    Presse:
    How ancient humans survived global ‘volcanic winter’ from massive eruption

    Artikel (hinter paywall) aus der Nature:
    Humans thrived in South Africa through the Toba eruption about 74,000 years ago
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zwei neue Artikel zur genetischen Historie:

    Genetische Spätgeschichte der Neanderthaler:
    Reconstructing the genetic history of late Neanderthals
    weil hinter paywall, dazu die Pressemitteilung der MPG:
    Neue Einblicke in die späte Geschichte des Neandertalers

    [Edit: und inzwischen auch dort publiziert:
    http://www.eva.mpg.de/documents/Nature/Hajdinjak_Reconstructing_Nature_2018_2522088.pdf]

    und Science zu den vermuteten zwei Vermischungen, und mit weitem Wurf über die genetische Geschichte des HS:
    Insights into Modern Human Prehistory Using Ancient Genomes - ScienceDirect
    mit Presse:
    Ancient Eurasian DNA sequencing is revealing links with modern humans
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. März 2018

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