Aussterbende Wörter - vergessene Wörter

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Jacobum, 21. Februar 2007.

  1. hatl

    hatl Premiummitglied


    Ich hab ein bisserl recherchiert und komme zu dem Schluss, dass Dein Einwand zutreffend ist.

    Grüße
     
  2. corto

    corto Aktives Mitglied

    Ich bin mir sehr sicher das "OPFA" ähnlich wie "TÄTA" eine verballhornung ist, die überpersifliert dann nicht mehr fälschlich aus einem "opfer" ein "OPFA" macht - sondern es sogar noch betont.

    gleiches war/ist im amerikanischen mit "nigger" bzw "nigga" zu beobachten. dazu evtl noch ein wenig lolcat-internetmeme und fertig ist das "opfa". ähnlich "gunz" anstatt guns und so weiter..
    "Biatsch" aus "bitch" ist auch ein gutes Beispiel

    Genau wie bei "nigga" kann man "Opfa" auch untereinander sagen und es heißt soviel wie "homies" oder Jungs.


    allerdings wird dieses Wort meist nur noch ironisch benutzt - zumindest in der Rapmusik die ich gerne höre ;)

    edit:
    verballhornung ist ein wort das ich bisher "live" nur von mir gehört habe - schade.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Oktober 2013
  3. enrico

    enrico Mitglied


    Da fällt mir das verwirrende Wörter "von hinnen" und "von dannen" ein. Viele wissen damit nichts mehr anzufangen ,aber einiger ältere Menschen gebrauchen diese Wörter ab und zu noch mal. "Von hinnen" bedeutet von hier weg bewegen, "von dannen" von einem entfernten Ort wegbewegen. Wenn ältere Menschen heut zu Tage im Volksmund sagen: "Ich mache mich jetzt von dannen " ist das strenggenommen falsch. Es ist also manchmal gut ,das Wörter, die sich überholt haben, aussterben.
    Normalerweise gehört ein Meerschweinchen auch nicht zu der Familie der Schweine und ein Koalabär hat nix mit einem Bären zu tun .Trotzdem werden diese falschen Bezeichnungen und diesem Falle nie aussterben,weil sie noch modern sind und sich die Menschen daran gewöhnt haben.
     
  4. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Sie werden bleiben weil sie, neben den lateinischen Namen zur wissenschaftlichen Bezeichnung geworden sind.
     
  5. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Aktuell läuft eine Dokumentation auf 3sat mit dem Titel "Du Opfer!".

    3sat TV-Programm Freitag, 18.10.

     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2013
  6. hatl

    hatl Premiummitglied

    Meines Eidams Oheim ist ein Kraftdroschken-Entrepreneur.
     
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  7. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Ein schönes Wort ...
     
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  8. Pidibaer

    Pidibaer Neues Mitglied

    Interessant sind auch fremdsprachige Wörter, die durch die Geschichte in die verschiedenen Dialekte Einzug gehalten haben und auch langsam wieder verschwinden.
    Im München z.B. waren Wörter wie ( wahrscheinlich schreibe ich diese jetzt falsch )
    Trottoir ( gesprochen trottwa ) = Bürgersteig / Gehsteig , Portmonai = Geldbeutel oder Cannapee = Sofa im Umgangsprachlichen völlig normal.

    Durch die Tatsache, daß ich bei meiner Uroma ( Bj.1903 ) aufgewachsen bin, habe ich diese Wörter noch in meinem Sprachgebrauch.
    Ist interessant, daß ich aufgrund dieser Wörter noch als echter Münchner tituliert werde.
    Diese Wörter sterben ebenfalls immer mehr aus und bei den Jungen werden diese Wörter eher befremdend aufgenommen.

    Nach meinem Wissen haben sich diese Wörter zu Napoleons Zeiten in den Bayerischen Dialekt festgesetzt und waren um 1900 sogenannte Modewörter, die gerne in höheren Kreisen verwendet wurden, um sich von dem gemeinen Volke zu unterscheiden.

    Wenn ich als Kind das Wort Gehsteig verwendet habe, meinte meine Uroma: Na, jetzat fangt der des Preisl'n o.

    Pidibaer
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Portmonnaie/Portmonee ist ein in Norddeutschland völlig normales Wort. Trottoir dagegen ist etwas antiquiert, klingt nach 19. Jhdt. Ebenso Kanapee oder Chaiselongue.

    Dabei ist gerade das Berlinerische doch von Galloromanismen (französischen Lehnworten) des 18./19. Jhdts. durchsetzt, wie sonst kaum ein deutscher Dialekt.
     
  10. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Da kommt doch jetzt die Schweizerin ;-) Trottoir ist bei uns gang und gebe, hier spricht auch im 21. Jahrhundert niemand von einem Gehsteig :)

    Aber ich bin auch schon wieder weg, denn es geht ja nicht um Schweizer Dialekte :D
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei euch parkt man ja auch nicht, man parkiert. Und eine Tür öffnet man nicht durch drücken, sondern - brutaler - durch stoß... entschuldige stossen. :winke:
     
  12. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Nicht nur in Norddeutschland (es sei denn, NRW zählt bereits zu Norddeutschland, wogegen ich heftigst protestieren möchte=)) ist Porte-monnaie/Portemonee ein geläufiger Ausdruck.

    Laut PORTE-MONNAIE : Etymologie de PORTE-MONNAIE ist Porte-Monnaie im Französischen erstmals 1856 belegt, kann also nicht aus der Zeit Napoleons stammen.

    Trottoir ist mir auch aus dem Jargon von Berlin bekannt, klingt aber schon ein wenig antiquiert, genau wie Chaiselongue oder Kanapee. Da muß ich auch an das höherpreisige Segment im Möbelgeschäft denken und bei letzterem Ausdruck (Kanapee) an aufgespießte Mini-Brote.:pfeif:

    Wie El Q scho oben erwähnte, sind zahlreiche Worte französischen Ursprungs im 18./19. Jahrhundert ins Deutsche gelangt. Zum einen war die kulturelle Ausstrahlung Frankreichs für diese Lehnwörter ursächlich, ein ähnliches Phänomen erleben wir seit geraumer Zeit mit der Übernahme englischer Ausdrücke. Zum anderen sind zahlreiche französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) nach Deutschland geflüchtet. Insbesondere Berlin hatte damals einen hohen Anteil an Hugenotten: Hugenotten in Berlin ? Wikipedia

    Ich kenen den Trottoir ohnehin nur als Bürgersteig oder Gehweg (Gehsteig hört sich für mich ungewohnt an).
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2015
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auch im MA sind viele französische Worte ins Deutsche gelangt, nur die erkennen wir z.T. gar nicht als Fremdworte. Zum Teil als Lehnworte (eigentlich stammen fast sämtliche Verben auf -ieren aus dem Französischen), z.T. auch als Lehnübersetzungen (cour > courtois/courtoisie :rechts: Hof > höflich/höfisch/Höflichkeit; im deutschen Parzivâl findet sich auch kurtoys: ...er was kurtoys, | sîn vater was ein Franzoys...)
     
  14. Pidibaer

    Pidibaer Neues Mitglied

    Schade nur, daß diese Wörter immer mehr aussterben. Diese Wörter waren nur ein Beispiel. Das es noch viel mehr gibt, ist klar.
    In der Schweiz kann ich mir durchaus vorstellen, daß es noch eine Vielzahl mehr an französischen Wörtern gibt. In einigen Teilen der Schweiz wird ja auch noch vorwiegend Französisch gesprochen. Kanton Valis ist eine Region nach meinem Wissen.

    Pidibaer
     
  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Kleine Kantonskunde ;-)

    Im Wallis oder auf französisch Valais wird deutsch und französisch gesprochen. Das Oberwallis ist deutschsprachig und das Unterwallis franösisch. Kanton Waadt oder auf französisch Vaud, ist die Amtssprache Französisch, ebenso im Kanton Genf, Jura und Neuenburg. In Freiburg und Bern werden Deutsch und Französisch als Amtssprache aufgeführt. Biel zum Beispiel geht
    die Sprachgrenze durch die Stadt.

    Das gehört nun aber nicht zum Thema, sollte als Hinweis dienen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2015
  16. Pidibaer

    Pidibaer Neues Mitglied

    Danke für die Aufklärung. Auch wenn es nicht zum Thema gehört, finde ich es interessant.

    Pidibaer
     
  17. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied


    Mir wurde mal erklärt (ich weiss nicht ob es stimmt) dass der Bayer, wenn er früher von den (Sau)Preissn sprach, vorwiegend den Rheinländer meinte.

    Zu Zeiten der Bonner Republik hatten sie ja auch keine anderen Preussen zur Verfügung.

    "Gehsteig" ist in Berlin heute eher unüblich und wird m.W. nur von Kreuzberger Exilschwaben verwendet. Hier sagt man Gehweg, Fußweg oder Bürgersteig.

    Trottoir ist nicht mehr üblich. Wie auch nicht mehr "Chaussee" oder "Damm" (für Strasse) was unter älteren Mitbürgern von wenigen Jahren noch verwendet wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2015
  18. Pidibaer

    Pidibaer Neues Mitglied

    Als Saupreiß wurde eigentlich alles tituliert, was nicht Bayer war. Einfach und banal. Dies wurde nicht auf einen Teil runterreduziert.
    Wobei man auch beachten muß, daß dieses Wort nicht unbedingt immer Böswillig zu verstehen war und ist.

    Als Beispiel sei das Wort "Depp" erwähnt. Dieses Wort kann böswillig gemeint sein, aber auch respektvoll. Man muß immer den Zusammenhang sehen.
    Ich versuche ein Beispiel :
    Jemand verlässt einen sicheren Job mit Gutem Gehalt, einfach nur, weil er die Schnauze voll hat. Dann heisst es: Du ( oder der ist doch ein ) Depp.
    Gleichzeitig ist es ein gewisser Respekt davor, daß er seinen Mut zusammengenommen hat und seinen Weg gegangen ist.

    Als ehemaliger Münchner werde ich im Chiemgau gerne als "Isar-Preiß" tituliert, was definitiv nicht als Beleidigung zählt.
     
  19. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    =) .. obwohl antiquiert ...=)
     
  20. Pidibaer

    Pidibaer Neues Mitglied

    .... aber mit der Sprache happerts.....Spaß beiseite. France klingt gar nicht so schlecht. Versteht halt keiner
     

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