Belgisch-Kongo / 10 Millionen

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von juli-kri, 14. September 2014.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Das habe ich nicht geschrieben.

    Aber meine Meinung ist wohl bei solchen Dingen nicht erwünscht, allerdings muß ich gestehen, hier nochmal darüber nachzudenken und ein paar Sachen zu sortieren.
    Ansonsten dürft Ihr mich jetzt missionieren, zu dem Thema ... :winke:
     
  2. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Wie ist denn dann deine Kritik, dass die verschiedenen Arten der Bevölkerungsdezimierung nicht in einem Atemzug, bzw. auf einer Ebene genannt werden dürfen, sonst zu verstehen? Du erwartest doch dann offensichtlich eine Art Rangfolge?

    Und was soll der Satz, deine Meinung wäre nicht erwünscht?
    Wenn du etwas kritisierst, musst du auch mit Gegenwind rechnen, das ist ja wohl normal. Sich dann zurückzuziehen und zu behaupten, etwas wäre nicht erwünscht, ist eine seltsame Diskussionskultur.
     
  3. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    OT: Hervorhebung durch mich.
    Wie kommst Du darauf, daß ich mich zurückziehen werde? Ich finde es immerweider prikelnd, wie hier jeder seine Gedanken in geschriebene Sätze interpretiert (Davon nehme ich mich auch nicht aus).

    Aber das gehört hier nicht hin. Danke.
     
  4. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Was ist Völkermord oder ab wann ist es ein Genozid? Diese Fragen werden in der Literatur überaus kontrovers diskutiert. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen setzten sich und setzen sich noch, damit auseinander um eine Definition herauszuarbeiten. Dies scheitert vielmals an den unterschiedlichen länderspezifischen Historiographie, Sprache und politischen Interessen der Staaten.
    Jeder der sich mit Völkermord beschäftigt, kennt die Fassungslosigkeit die einem übermannt wenn man sich mit den extrem brutalen Begleitumständen auseinandersetzt und versucht diese zu analysieren.
    Der Begriff Genozid wurde von Raffael Lemkin 1944 in seinem Buch „Axis Rule Ocupied Europe“ geprägt. Das Wort setzt sich aus dem griechischen Wort „genos“ (Stamm, Rasse, Volk) und dem lateinischen „caedere“ (töten) bzw. dem Suffix „cide“ zusammen. Lemkin studierte an der Universität Lwow Jura, während seiner studienzeit wurde sein Interesse am Völkermord geprägt, auslösser dafür war der Mord an Talaat Pascha, der massgeblich die Verantwortung an der Vernichtung der Armenier hatte. Er sorgte später dafür, dass das Problem des Völkermordes auf der Agenda des Völkerbundes und später den Vereinten Nationen gesetzt wurde und auch blieb.
    Am 18. Oktober 1945 wurde der Begriff Genozid das erste Mal in einem offiziellen Dokument verwendet und zwar in der Anklageschrift zum Nürnberger Prozess. Danach wurde er in den weiteren Verfahren die in Polen gegen deutsche Kriegsverbrecher verwendet.
    Nach dem die Zeitung Sunday Times in ihrer Ausgabe vom 21. Oktober 1945 festgestellt hatte, dass das neue Wort „genocide“ für die Angeklagten am Nürnberger Prozess eingeführt wurde, setzte sich der Begriff in den folgenden Jahren in verschieden Sprachen durch.

    Die Debatte um einen Genozid fand ausschliesslich in der Rechtswissenschaft statt, Historiker haben sich da fast nicht beteiligt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verstand man im Völkerrecht dass ein souveräner Nationalstaat unantastbar sei und dass die Regierung des Staates mit ihren Bürgern machen könne was sie wollen. Dieses Denken hat sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Holocaust verändert. Der Staat wird immer noch souverän angeschaut, nur sind bei so ungeheuerlichen Verbrechen wie ein Genozid, dem Staat Grenzen aufgesetzt worden.

    Einzelne Völkermorde wurden in der Vergangenheit sehr gut aufgearbeitet. Was aber nach wie vor in den Kinderschuhen der Forschung steckt ist die vergleichende Genozid Forschung. Das hat auch mit, wie oben schon erwähnt, den unterschiedlichen Sprache und Disziplinen der Forschung zu tun. Daneben auch die Sichtung des Quellenmaterials nicht immer einfach ist. In vielen Arbeiten wird aber dennoch nicht verglichen sondern nebeneinander gestellt. Vor allem in Deutschland ist es nicht einfach die vergleichende Genozid Forschung zu etablieren, weil sie mal Grundsätzlich den Verdacht bekommt, dass der Holocaust angezweifelt wird. Einige Autoren sind da auch der Meinung, dass es keine vergleichende Genozid Forschung geben kann, da jeder Vergleich ein Versuch ist der Verharmlosung des Mordes an den europäischen Juden.
    Wobei man sich die Fragestellen muss, kann man überhaupt den einen Völkermord mit einem andern vergleichen? Um das zu können müsste es eine exakte Definition geben.
     
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  5. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Was willst Du jetzt hier eigentlich lesen? :confused:

    Es werden mehrere Faktoren für den Rückgang der Bevölkerung genannt, manche davon sind absichtlich und manche unabsichtlich direkt auf die Handlungen der Kolonialverwaltung zurückzuführen und manche sind Folgen andere Vorgänge. Die Zahlen selbst sind nur mit größeren Fehlern zuzuordnen.

    Von irgendwelchen Relativierungen habe ich hier nichts gelesen.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  7. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Danke, Stilicho. Es geht aber offenbar nicht um PC. Es unterstellt ja auch nur ein Mitdiskutant, ich relativierte Völkermord - bei den anderen ist der Eindruck nicht entstanden, daher wird es wohl um etwas anderes gehen.
     
  8. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Deine Argumentationskette für deine Reaktion auf meine Anfragen/Kritik ist dennoch dünn, wenn sie auf deine Zeitzugehörigkeit im GF oder an der Zahl kritischer Antworten zu deinen Beiträgen (ob die Kritik dann gerechtfertigt ist sei mal dahin gestellt) aufbaut.

    Und Menschen die Hände abzuhacken, weil sie nicht die geforderte Leistung bringen, sind ja nur sogenannte Gräueltaten, die zählen einfach mal zu dem Rest, warum die Bevölkerung im Kongo Verluste erleiden musste.
    Entschuldigung, Ansichten sind mir halt unverständlich.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Köbi, am besten du liest noch mal nach, was Ingeborg tatsächlich geschrieben hat. Es hat seinen Grund, dass niemand nachvollziehen kann, was du eigentlich willst.
     
  10. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Nachdem mittlerweile acht Mitdiskutanten versucht haben, dir etwas zu erklären und keine Relativierung erkennen, bestehst du beharrlich auf deiner Unterstellung. Das ist natürlich auch bereits an sich eine Aussage, zeigt aber auch, daß sachliche "Argumentationsketten" meinerseits vermutlich auch nichts zur Aufklärung beitragen können/ werden. Eine Zeitsperre wg angeblicher Relativierung von Völkermord habe ich bisher auch nicht eingefangen, aber vielleicht diskutiert die Moderation ja noch, ob nur zwei Monate oder gleich dauerhaft... :grübel:

    Allerdings stelle ich erfreut fest, daß eine Auseinandersetzung mit mir offenbar deine Formulierungsfähigkeiten beträchtlich steigert - siehe insbesondere dein erster Absatz! --- oder hast du Formulierungshilfe?
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Möchtest Du mich bloßstellen? Ist das die weitere Steigerung deiner Art sich im Forum zu bewegen?
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Um es nochmal klarzustellen:

    Ingeborg hat eine Quelle zitiert: den Casement-Bericht. Außerdem hat sie darauf hingewiesen, dass es neben den Gewalttoten hohe weitere Opferzahlen in Folge der Kolonisierung gab.

    Ist doch wohl nachvollziehbar, dass der darauf folgende Vorwurf der Relativierung von Völkermord als ziemlich dicke Unterstellung und "auf die Füße treten" empfunden wird?

    Wenn das ein Missverständnis war, wären freundliche klärende Worte per PN angebracht.

    Damit ist das wohl deutlich, weitere Zuspitzungen werden gelöscht.
     
  13. swie

    swie Aktives Mitglied

    Um das Thema gegenüber diversen persönlichen Stellungnahmen wieder in den Vordergrund zu rücken, anbei einige historische Angaben aus verschiedenen Lexika zur Einwohnerzahl jenes Gebietes, das ab 1908 als Belgisch-Kongo und zuvor vielfach bloß als Kongostaat bekannt war:

    Herder, 1854: "stark bewohnt" (Originalzitat)
    Pierer, 1857: 6 Millionen Einwohner
    Brockhaus, 1894-1896: Schätzungsweise 19 Millionen Einwohner
    Meyers, 1905: Etwa 14 bis 30 Millionen Einwohner
    Brockhaus, 1911: 19 Millionen Einwohner
    Roell, 1912: 19 Millionen Einwohner

    Es entsteht also der Eindruck, dass zu keinem Zeitpunkt auch nur näherungsweise eine genaue zahlenmäßige Bestimmung der Bevölkerung des Kongostaates möglich war. Die Fläche wird demgegenüber übereinstimmend mit Werten reichend von 2,2 bis 2,4 Millionen Quadratkilometern angegeben.
     
  14. BZwo

    BZwo Aktives Mitglied

    Wie's scheint kann oder will keiner Köbi verstehen. (Er macht das einem aber manchmal auch nicht ganz leicht.)
    Ich denke das Ingeborg die Einleitung ihres Beitrags durchaus einigermaßen missverständlich formuliert hat.
    Wenn jemand bspw. zu einem Thema im Bereich WW2 schreiben würde: "Der sogenannte Holocaust ist dabei ja nur ein Aspekt der jüd. Bevölkerungsverluste", dann stieße das sicher bei vielen hier im Forum sauer auf. Ich möchte damit Ingeborg natürlich in keinster Weise irgendetwas unterstellen. Ich denke, das hier (wie so oft) eine unglückliche Formulierung zu Missverständnissen geführt hat. Allerdings wundert mich manchmal schon, wie schnell solche Lappalien zum Streit eskalieren können.
     
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  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn man den Holocaust auf das reduzieren würde, was namentlich in den Vernichtungslagern geschah, und dies als eine unter vielen Arten der Vernichtung subsummieren würde (was der Satz explizit tut!) wäre daran nichts auszusetzen.
     
  16. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Diese Zahlen können wirklich nur sehr grobe Schätzungen sind.

    Zur Verdeutlichung: Dies ist eine Karte von Afrika aus dem 1861.
    Der große weiße Fleck in der Mitte ist der Kongo, fast vollkommen unerforscht. Die Fläche ließe sich schon berechnen, sobald die Außengrenzen bekannt sind. ;-)

    Im Jahr der Unabhängigkeit soll das Land lediglich 16,5 Millionen Einwohner gehabt haben. 1996 bereits 46, heute 77 Millionen Einwohner.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. September 2014
  17. hatl

    hatl Premiummitglied

  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das war auch mein Hinweis.

    In einigen kolonialen Gebieten sind grobe Zählungen vor 1900 durchgeführt worden, so in britischen und deutschen. Die kann man anhand der statistischen Jahrbücher nachvollziehen.

    Für den Kongo gab es nichts vor 1921, und wie oben erwähnt sind auch Teile der belgischen Akten verloren.
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ein schon etwas älterer Thread.

    Wie schon mehrfach gesagt, lassen die demographischen Daten nur relativ grobe Schätzungen zu. Dass der Kongo aber fast die Hälfte seiner Bewohner verlor durch direkte genozidale Maßnahmen also Massaker, Ermordungen von Geiseln, "Vergeltungsmaßnahmen" Tode durch die Spätfolgen von "Zwangsamputationen" und daraus resultierenden Fluchten, Vertreibungen, Hungerkatastrophen dürfte wohl der historischen Wahrheit nahekommen. Flucht, Vertreibung und Hungerkatastrophen standen in engem kausalen Zusammenhang zu "direkten" Maßnahmen". diese Gräuel aufzurechnen oder von Verharmlosung zu sprechen, wenn man den einzelnen Faktoren nachgeht und versucht zu rekonstruieren, welche Verlustziffern direkt auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit und welche "nur" auf Flucht und Vertreibung davor entfallen, erscheint angesichts dieser surrealistischen Gewalttaten etwas makaber. Doch wie konnte es dazu kommen, was waren die Antriebskräfte für diesen Völkermord?

    Durch Verträge, Landüberschreibungen und ähnliche fragwürdige Maßnahmen verloren die Kongolesen alle Eigentumsrechte an Land, Haus- und Wildtieren, Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen. Anfangs war der Kongo ein Zuschussprojekt, der Export von Elfenbein brachte nicht den erhofften Gewinn. Das änderte sich aber durch den Kautschukboom. Der Kongo verfügte über große Ressourcen an wilden Kautschukpflanzen. Es existierten keine künstlich angelegten Kautschukplantagen in Monokultur wie etwa in Brasilien. Um Kautschuk ernten zu können, musste die eingeborene Bevölkerung in den Dschungel vordringen, Kautschuk suchen und oft hoch in die Bäume klettern. Es fehlte an geeigneten Gefäßen und Gerät das Latexharz zu ernten und aufzufangen, so dass viele Kautschuksammler keine andere Wahl hatten, als Latex auf die eigene menschliche Haut zu schmieren und trocknen zu lassen. Den angetrockneten Latex von der Haut abzulösen war äußerst schmerzhaft. Die Suche nach wilden Kautschukpflanzen, die Ernte, oft hoch in den Baumkronen und die Trocknung war äußerst zeitintensiv, gefährlich, mühsam und schmerzhaft. Um eine hohe Ausbeute zu erzielen, legte die Kolonialverwaltung sehr hohe Quoten fest. Kautschuksammler, die diese Quoten erreichen mussten, fanden dann kaum noch genug Zeit, um sich mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigen zu können. Aus nachvollziehbaren Gründen war diese Arbeit extrem unbeliebt und gefürchtet. Um die Eingeborenen trotzdem zum Kautschuksammeln zu zwingen, führte die Kolonialverwaltung immer härtere und brutalere Sanktionen ein. Die Sanktionen bestanden aus Schlägen mit der Chicotte einer gefürchteten Peitsche aus Nilpferd oder Nashornhaut, Geiselnahmen und Verstümmelungen wie dem abhacken der Hände.

    Diese Verstümmelungen waren nicht etwa irgendein skurriler, barbarischer afrikanischer Brauch, sondern europäischer Kulturimport. Wer ihn ersonnen hatte, ist unklar. Eine Gründungslegende Antwerpens berichtet von einem Riesen, der Reisenden, die über die Maas übersetzen wollten, die Hände abhackte und in den Fluss warf, bis ihn ein römischer Soldat besiegte ihn tötete, selbst die Hand abhackte und in den Fluss warf. Von "Hand werpen"-Hand werfen soll sich der Name der Stadt ableiten, und eine Hand findet sich heute noch im Stadtwappen.

    Die Kolonialverwaltung von König Leopold traute den afrikanischen Askari der Force Publique nicht. Die weißen Offiziere waren davon besessen, eine mögliche Meuterei in Schach zu halten. Sie befürchteten, dass ihre Askari Munition horten könnten und verlangten schließlich für jede verschossene Patrone eine abgeschlagene Hand. Damit setzten sie die Soldaten natürlich stark unter Druck. Hatten die mal gejagt oder geschossen, mussten Hände her, was schließlich dazu führte, dass die Soldaten Eingeborenen Hände amputierten. Ein Missionar berichtete, dass Soldaten der Force Publique, körbeweise Hände sammelten und räucherten, um bei den Offizieren die Quote erfüllen zu können. " S.. Die Folge waren Hungerkatastrophen und Missernten. Vielen Eingeborenen blieb nur die Flucht in den Dschungel was weitere Abgänge zur Folge hatte. Eine geordnete Verwaltung ließ sich unter solchen Voraussetzungen nicht aufbauen. Die Angst vor Aufständen und Meutereien führte zu fast grotesken Gewalttaten. Nach außen hin rühmte sich Leopold II., die Sklaverei zu bekämpfen. Zeitweise wurde Tibbu Tib ein legendärer Sklaven- und Elfenbeinhändler, der Stanley auf seiner 2. Expedition durch Afrika unterstützt hatte, Gouverneur am oberen Kongo. Zugunsten von Tibbu Tib, den Stanley als kultivierten Gentleman beschrieb, muss man sagen, dass er noch weniger grausam agierte, als die weißen Offiziere. Als erfahrener Elfenbeinjäger und Sklavenhäscher wusste er, dass man wenigstens einige Eingeborene am Leben lassen musste, um weiterhin lohnende Reviere für Sklavenrazzien zu haben. Die Sklaverei hieß bei den Europäern vornehmer Zwangsarbeit. Um die hohen Quoten für Kautschuk erfüllen zu können, mussten die Eingeborenen immer tiefer und tiefer in den Dschungel vordringen. Wenn man die Kautschukwurzel kappte, konnte man einmalig mehr Kautschuk zapfen. Die Pflanze ging dann aber ein, was wieder neue Sanktionen, "Strafen" und Maßnahmen der Unterdrücker zur Folge hatte. Natürlich wurden ganz summarisch Dörfer und Hütten zerstört, was wiederum Flucht und Vertreibung zur Folge hatte. Der Kongo wurde so zum "Heart of Darkness" wo sich unglaublich brutale, geradezu surrealistische Verbrechen gegen die Menschlichkeit abspielten. Die Szenen, die Joseph Conrad in "Heart of Darkness" beschrieb, wo der gefeierte und gefürchtete Mr. Kutz wie ein absoluter Fürst herrscht, sind nur allzu realistisch- Aber nochmals, diese Exzesse waren nicht etwa irgendwelche barbarischen afrikanischen Stammesbräuche von "unzivilisierten Wilden", sie wurden erdacht und ausgeführt von Europäern, die selbstherrlich den Anspruch erhoben, Afrika die Zivilisation zu bringen und die Afrikaner vor sich selbst und arabischen Sklavenjägern wie Tippu Tib zu beschützen.seinen Dörfern und Pflanzungen als Preis bezahlt worden. Es ist geradezu unglaublich, dass das reiche herz Afrikas noch jetzt zur Wüste gemacht, dass Einwohnerschaften, Stämme und Völker vollkommen vernichtet werden sollen, weil man Elfenbein zu Schmucksachen und Billiardkugeln braucht." (Stanley Im dunkelsten Afrika Bd. I S. 225)


    Der Kongofreistaat aber sollte trotz des philanthropischen Anspruchs Leopold II. vor allem eines: Gewinn abwerfen. Diese Erwartung und die geschilderten Umstände im Kongo waren dafür verantwortlich, dass sich diese Privatkolonie zu einem Herz der Finsternis verwandelte mit beispiellosen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die erst durch die Shoah übertroffen wurden. Zu Ehren der Belgier sei erwähnt, dass sich die Verhältnisse zumindest ein wenig besserten, als der belgische Staat nach Leopolds II. Tod 1908 selbst die Administration übernahm. Das System der Zwangsarbeit wurde allerdings beibehalten, und belgischen und kongolesischen Schulkindern wurde beigebracht, dass ihnen Leopold die Zivilisation beibrachte. Im Kongo regte sich erst Widerspruch, als ein junger Mann-Patrice Lumumba Ende der 1950er Jahre König Baudouin widersprach, als der bei einem Besuch von den Segnungen der Zivilisation zu reden begann. In Belgien aber blieben die Kongogräuel und die Verstrickung der USA und des belgischen Königshauses in die Ermordung Lumumbas ein Tabuthema. Wissenschaftler, die sich damit kritisch auseinandersetzten, wurden behindert und als Nestbeschmutzer verunglimpft. 2012 schloss das Museum für die Geschichte Zentralafrikas in Tervuren bei Brüssel, das Leopold II.selbst gegründet hatte, seine Pforten und überarbeitete komplett die museale Präsentation neu, da man wie die Leitung mitteilte, sich der Darstellung von Adam Hochschild angeschlossen habe, dass es sich bei den Kongogräueln um Völkermord handelt.
     
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  20. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Der letzte Beitrag ist vielleicht an manches Stellen etwas holprig. Ich bitte das zu entschuldigen, denn ich musste ihn kürzen, weil er zu lang war und ich ihn im Original nicht abgeben konnte.

    Henry M. Stanley war ein überaus harter Mensch. Obwohl er selbst während des Bürgerkrieges desertiert war aus der konföderierten Armee und in einem Gefangenenlager zu den Yankees übergegangen war, urteilte er gnadenlos über Deserteure. In seinem Tagebuch schrieb er: "am leichtesten kriegt man sie durch Ketten klein. Manchmal wurde es aber selbst ihm zu viel. In seinem Buch über die Expedition zur Rettung Emin Paschas besuchte er ein Dorf der Elfenbeinjäger und Sklavenfänger vom Stamm der Manjewa in Ipoto. Diese richteten sich danach, was sie von Sklavenjägern wie Tibbu Tip gelernt hatten: Es wurden fast nur Frauen gefangen genommen, Männer, Greise und kleine Kinder aber getötet. Die Frauen wurden verkauft oder für den Eigenbedarf als Partnerinnen gehalten. Kleine Kinder, die zu schwach waren, wurden getötet, die älteren als "Nachwuchs" rekrutiert. waren sie etwa 14-16 Jahre alt, nahm man sie mit auf Elfenbein und Sklavenrazzien. Stanley nahm die Zustände in Ipoto als Argument für die Kolonialisierung Afrikas und des Kongofreistaats. Er forderte ein Waffen- und Pulverembargo und eine Zusammenarbeit der Kolonialmächte GB, Deutschland, Frankreich, Portugal und des Kongofreistaats. Tatsächlich herrschten aber in Leopolds Privatkolonie die gleichen Zustände wie in Ipoto. Warlords und Elfenbeinkönige wie Tibbu Tip wussten, dass man wenigstens einige Menschen am Leben lassen musste, wollte man sie weiter ausbeuten. Tibbu Tip war der Sohn einer schwarzen und eines Arabers aus Sansibar. Ihn lernte Stanley bei seiner 2. Expedition als er Afrika von Ost nach West durchquerte kennen und beschrieb ihn als "Gentleman". Sein Plan, ein afrikanisches reich zu gründen scheiterte. Die Belgier und Deutschen, die vorgaben, Leuten wie ihm das Handwerk legen zu wollen, arbeiteten mit ihm zusammen. Er war zeitweilig Gouverneuer am Oberen Kongo und arbeitete später mit den Deutschen zusammen. Zuletzt zog er sich nach Sansibar zurück, wo er seine Memoiren schrieb.

    Doch zurück zu den Manjewa von Ipoto und Stanleys Bericht:

    " Es gibt heutigentags kein Stück Elfenbein mehr, dass legal erbeutet wurde. jeder Stoßzahn, jedes Stück, jeder Abfall ist in Blut getaucht. Jedes Pfund Elfenbein hat das Leben eines Menschen gekostet. für jede fünf Pfund ist eine Hütte niedergebrannt, für zwei Stoßzähne ein ganzes Dorfzerstört, für zwanzig die Vernichtung eines ganzen Distrikts mit seiner Bevölkerung, seinen Dörfern und Pflanzungen als Preis bezahlt worden. Es ist geradezu unglaublich, dass das reiche Hrz Afrikas, dass Einwohnerschaften, Stämme und Völkerschaften vollkommen vernichtet werden, weil man Elfenbein für Billiardkugeln und Klaviertasten braucht."

    Ersetzt man das Wort "Elfenbein" durch "Gummi" sind treffend die Zustände im Kongofreistaat beschrieben, und ersetzt man das Wort "Gummi" durch Coltan, Kupfer, Uran und Diamanten, könnte der Bericht Stanleys ohne weiteres die Lage im 20. und 21. Jahrhundert beschreiben. Dass er Verhältnisse, an denen er selbst nicht schuldlos war als Argument für die Kolonialisierung des Kongo für den "Philanthropen" Leopold II. anführt, ist natürlich extrem scheinheilig. Stanley, den die Afrikaner Bula Matari, den Felsenbrecher nannten, war ohne Zweifel der beste Lobbyist und Propagandist der Kolonialisierung des Kongo. Lange gelang es ihm und Leopold II. ein positives Image zu erhalten. Erst als Edmund Morel, einem Mitarbeiter auffiel, dass ausschließlich Waffen und Munition in den Kongo geliefert wurden, kamen die Philanthropen ins Gerede. Neben Morel war William Sheppard ein afroamerikanischer Missionar eine wichtige Quelle. Sheppard hatte Stanley bei Vortragsreisen gehört und war fest von dessen Integrität und guten Absichten überzeugt. Er hatte sogar zu Spenden aufgerufen und war selbst in den Kongo gereist. Er beschreibt, wie Soldaten der Force Publique mehrere Körbe voll abgeschlagener Hände räucherten, um sie den Offizieren vorlegen zu können.

    Adam Hochschild King Leopolds Ghost deutsch Schatten über dem Congo
    Pagan Kennedy Black Livingstone a True Tale of Adventure in the 19th Century Congo
    William Sheppard, Personal Observations of Congo Misgovernment
    Henry M. Stanley In Darkest Africa or the Quest, Rescue and Retreat of Emin Pasha Governor of Equatoria 3 Bände Deutsch Im Dunkelsten Afrika Band I S. 224-225)
    Mark Twain King Leopold´s Ghost
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Juni 2018
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