Berenike (Tochter Agrippas)

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Altertum" wurde erstellt von Venezia Borgia, 25. Dezember 2012.

  1. Venezia Borgia

    Venezia Borgia Neues Mitglied


    Hallo alle zusammen,

    hier mal ein interessanter Name aus der römischen Antike, der Fragen aufwirft:
    Berenike (Tochter Herodes Agrippas I.)

    Diese Frau war 3mal verheiratet und trotzdem lag ihr bis zum Schluss ein römischer Kaiser zu Füssen. Sie hatte Macht, Reichtum und Ansehen, obwohl die damalige römische Oberschicht ihre Religion und ihr Volk ablehnte! Wäre sie keine Jüdin gewesen, hätte sie als vierten Ehemann den römischen Kaiser Titus haben können. So musste sie sich mit "nur" 2 königlische Ehemännern und einem König als Bruder zufrieden geben. Wie muss diese Frau gewesen sein, um soviele Männer zu fesseln und auch zu halten (zumal sie 11 Jahre älter war als Titus)?
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Dass Berenike Jüdin war, war wohl nicht das einzige Problem. Als orientalische Prinzessin erinnerte sie wohl auch an die verabscheute Kleopatra, außerdem gab es Gerüchte über ein inzestuöses Verhältnis zu ihrem Bruder. Wenn Titus sie geheiratet hätte, wäre er beim Senat und wohl auch Volk vermutlich unten durch gewesen.

    Dass sie "soviele Männer zu fesseln und auch zu halten" vermochte, ist nicht gesagt. Ihre beiden ersten Ehen waren wohl politischer Natur, zumal sie bei beiden Eheschließungen noch sehr jung war. Die dritte Ehe mit Polemon soll sie eingegangen sein, um die Gerüchte über die Beziehung zu ihrem Bruder verstummen zu lassen, wobei Polemon sie in erster Linie ihres Reichtums wegen genommen haben soll. "Fesseln" konnte sie also nur Titus und, wenn man den bösen Gerüchten glauben will, ihren Bruder.

    Was Titus so an ihr gefallen hat, muss offenbleiben. Äußerungen von ihm darüber sind nicht bekannt, und wer kann schon in einen Menschen hineinsehen?
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied


    Noch eine Ergänzung:
    Man muss auch bedenken, dass wir hier vom antiken Römischen Reich reden. Im Mittelalter und in der Neuzeit war es normal, dass Fürsten kreuz und quer heiraten, aber die römischen Kaiser heirateten fast ausschließlich Römerinnen und nicht etwa Prinzessinnen aus Parthien oder Armenien. Berenike hatte zwar das römische Bürgerrecht, aber trotzdem wurde sie mit ziemlicher Sicherheit als "Ausländerin" und "Barbarin" wahrgenommen, jedenfalls nicht als Römerin. Dass ein römischer Kaiser eine Ausländerin heiratete, hatte es bis Titus noch nicht gegeben und kam erst Jahrhunderte später hin und wieder vor. Der erste Fall (bei Gallienus und der Germanin Pipa handelte es sich wohl nur um ein Konkubinat), der mir auf die Schnelle einfällt, waren die beiden Gattinnen von Honorius, die die Töchter des Halbvandalen Stilicho waren, aber sie waren somit auch wesentlich weniger barbarisch als Berenike, zumal sie mütterlicherseits der Familie des Theodosius entstammten. Erst im byzantinischen Reich gab es dann hin und wieder auch Ehen mit ausländischen Prinzessinnen.
    Eine Ehe zwischen Titus und Berenike wäre also auch ein Tabubruch gewesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Dezember 2012
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