Bevölkerungskontinuität in der Donauebene

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von Pascht, 15. Dezember 2012.

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  1. Peter Pascht

    Peter Pascht Neues Mitglied


    Welche Frage war das bitte? Aus dem Hin und Her der Antworten ist mir das nicht mehr ersichtlich.

    Mir geht es lediglich darum, dass bestimmte Kreise aus einer behaupteten ethnischen Kontinuität von der Antike bis heute, für sich teritorielle Rechte herleiten wollen um anderen Volksgruppen ihr Existenzrecht in einem Gebiet abzusprechen. Das haben wir nicht nur in Rumänien und auf dem gesamten Balkan, sondern auch in Israel/Palästina, Türkei/Kurden, Spanier/Basken, usw. Die Albaner erheben den Anspruch die älteste Nation Europas zu sein. Bez. Europa gibt es kein einziges heutiges Staatenvolk welches sich in direkter Linie ethnisch von einem Volk der Antike oder des frühen Mittelalters herleiten könnte. Ich glaube darauf können wir uns einigen.

    Bez. Romanität, natürlich haben alle lateinischen Sprachen Europas ihren Ursprung im einstigen römischen Reich. Aber eine heute existierende Ethnie welche sich ununterbrochen und in direkter Linie von einer Etnie der Antike herleiten könnte gibt es nicht. Ja es gibt eine einigrmassen sprachliche und kulturelle romanische Kontinuität auf dem Balkan, aber keine ethnische.

    Insofern sind alle ethnischen Kontinuitätstheorien Unsinn, denn solche Theorien gibt es in vielen Teilen Europas. Fast jedes heutige Staatenvolk hat so eine. Auch wir Deutschen und sie wurde mächtig missbraucht.

    Für mich ist das Thema nun exhaustiv geklärt, aber ich beantworte natürlich gerne deine Frage.

    Ich bin dabei das Werk und die Stelle zu suchen wo ich das gelesen habe.
    Ich war auch davon überrascht. Du bekommst diesb. noch eine Antwort von mir.

    Es geht nicht darum ob das hier jemand behauptet hat. Es gibt Historiker die das behaupten. Gut, du bist mit denen nicht einverstanden.

    Jukka Jari Korpela (finischer Historiker)​
    „Nationen“ und „Stämme“ im mittelalterlichen Osteuropa: ihre Bedeutung für die​
    Konstituierung eines nationalen Bewusstseins im 19. Jahrhundert

    "Ein zentraler Bestandteil des modernen Nationalismus sind unumstritten Mythen. Alle nationalistischen Bewegungen nehmen diese auf, integrieren sie in ihre Ideologie und erfinden um sie herum die jeweilige Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. So werden Mythen zum Bestandteil
    kollektiver Identitäten. Bekannte Beispiele hierzu lassen sich überall
    finden: So berufen sich die Griechen auf die glorreiche Geschichte des
    Hellenismus, die Rumänen auf die Zeit der Daker​
    ,(Dakien (lat. Dacia) war eine altrömische Provinz, die sich auf das heutige Siebenbürgen, den östlichen Teil des Banats und Olteniens erstreckte; unter dem Volk der Daker gewann sie ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. an Bedeutung.) die Kroaten und die Albaner betrachten sich als Illyrer und damit „als die älteste Nation Europas“. Die Selbstwahrnehmung einer Nation ist stark von politischen Konjunkturen abhängig. So finden sich über das mittelalterliche Litauen in der Historiografie der Zwischenkriegszeit, als
    Litauen selbständig war, und der Gegenwart Darstellungen von Litauen als einer unabhängigen westlichen Großmacht."

     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. Dezember 2012
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    das ist bekannt, z.B. Patrick Geary zählt einige solche Klitterungen in Myths of nations. The medieval origins of Europe. Princeton University. Princeton 2003 auf.

    allerdings hatte ich dir Prof. Gottfried Schramm, Sieger und Besiegte, empfohlen: dieser sprachwissenschaftlich argumentierende Autor hat da zahlreiche Belege für eine romanische Kontinuität zusammengestellt - und hat keinerlei nationalistische Bestrebungen! Im Gegenteil: er thematisiert diese kritisch ablehnend.

    kurzum: nicht jede Argumentation für eine romanische Kontinuität ist automatisch nationalistische Geschichtsklitterung!

    und ja: auf einen Literaturbeleg zu den Awaren im 17. Jh. in Böhmen bin ich nach wie vor gespannt.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Das liegt an Deinen allgemeinen Ausführungen zum Thema Nationalismus.

    Ich wiederhole gern ein viertes Mal:
    Nach den bisher nur ausweichenden Antworten hat sich das hier aber vermutlich erledigt:

    Darauf basierte mal die Nachfrage.
     
  4. Peter Pascht

    Peter Pascht Neues Mitglied

    Das Buch werde ich mir bei Gelegenheit besorgen.

    Was soll man darunter verstehen "romanische Kontinuität"?

    Eine sprachliche? Eine sprachlich-kulturelle?
    Eine ethnische? Eine biologische?

    Eine sprachliche und kulturelle romanische Kontinuität mit wechselnden Zentren und Wohnsitzen und gemischter ethnischer Bevölkerungszusammensetzung auf dem Balkan ist unbestreitbar.

    Jedoch eine ethnische Kontinuität von Volksgruppen der Antike bis heute ist nicht gegeben. Aber genau letzteres behaupten sogenannte "Kontinuitätstheorien", zumindest in bestimmten Historikerkreisen. Man muss als Historiker da aufpassen nicht missbraucht zu werden. Eine Kontinuität einer romanischen Ethnie oder Nation hat es nie gegeben, weder aus ihrem eigenen Selbstverständnis noch aus der Sicht anderer. Die Walachen des Hämus, Epirus, Rodhopen, Dalmatiens, Griechenlands und Mazedonien sind nicht als Nation oder geeinte Etnie zu betrachten, obwohl ihre Sprache noch bis vor etwa 150 Jahren ja fast identisch war, sondern als gemischt ethnische Sprachgruppe.

    Eine Kontinuität eines geschlossenen romanischen Siedlungsgebiets von der Grösse des heutigen Rumänien, wie das rumänische Historiker behaupten, hat es weder sprachlich-kulturell noch ethnisch je gegeben, von organisierten administrativen Strukturen ganz zu schweigen.

    Es ist dieser chauvinistische Beigeschmack der dabei gewollt oder ungewollt entsteht, deswegen sollte man mit solchen Begriffen vorsichtiger umgehen. Aber möglicherweise argumentieren wir aus verschiedenen Lebenserfahrungen heraus.
     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    pardon, ich hatte den Titel nicht korrekt in Erinnerung - es muss heißen:
    Gottfried Schramm:
    Eroberer und Eingesessene. Geografische Lehnnamen als Zeugen der Geschichte Südosteuropas im ersten Jahrtausend n. Chr., Stuttgart 1981
    des weiteren zu dieser Thematik:
    Nordpontische Ströme. Namenphilologische Zugänge zur Frühzeit des europäischen Ostens, Göttingen 1973
    Ein Damm bricht. Die römische Donaugrenze und die Invasion des 5.–7. Jahrhunderts im Lichte von Namen und Wörtern, München 1997

    (möglicherweise interessiert dich auch:
    Anfänge des albanischen Christentums. Die frühe Bekehrung der Bessen und ihre langen Folgen, zweite, überarbeitete Aufl., Freiburg 1999)

    ...helfen solche rhetorischen Fragen dieser Diskussion? (von letzterem - "biologisch" - hat man sich doch längst entfernt!)

    Südosteuropa ist bzgl. der Völkerwanderungszeit und des frühen Mittelalters leider nicht allzu quellenreich. Wir haben z.B. keine altrumänischen, altbulgarischen Schriftquellen aus dem 5.-8. Jh. - dennoch wollen wir nicht, dass die Geschichte dieser Region (Südosteuropa) im Dunklen bleibt. Und erstaunlich angesichts der völkerwanderungszeitlichen und frühmittelalterlichen Wirren ist nun mal, dass balkanromanische Sprachen und eben das Rumänische existieren.

    Wenn Schramm nun anhand von Ortsnamen bzw. insgesamt sprachhistorisch unter anderem (sic! nicht nur) Argumente dafür findet, dass das rumänische nicht allein durch spätere Zuwanderung in Rumänien auftauchte sondern dass es eine sprachliche Kontinuität (spätlatein-romanisch) gab, dann ist das erstmal ein diskutierenswerter Beitrag, der etwas Licht ins Quellendunkel bringt (u.a. belegt Schramm einige interessante Zu- und Abwanderungsbewegungen)


    ...und bei wem entsteht der?
    Vielleicht sollte man etwas vorsichtiger mit pauschalen Verurteilungen bzw. Verdächtigungen sein... Die Liste der Publikationen solcher Forscher wie Geary oder Schramm legt nun wahrlich nicht nahe, dass sich unter diesen Namen irgendwelche chauvinistischen Balkangeschichtsklitterungen befinden.
     
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  6. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Hier muss ich doch einmal - etwas verspätet - Einspruch einlegen. Von einer Identität habe ich nie geredet, sondern von einer Übertragung der Bezeichnung auf eine sich neu bildende Gruppe. Das ist etwas völlig anderes.
     
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  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Eine Ethnie definiert sich durch eine kulturelle und sprachliche Identität, die sie von anderen Ethnien abhebt. Eine solche Identität hat sich z.B. bei den Griechen erhalten und so kann man dort von einer Kontinuität sprechen, die von der Antike bis heute reicht. Die Sprache hat sich über Altgriechisch und Mittelgriechisch bis zum Neugriechischen entwickelt, zugleich ist das Bewusstsein einer griechischen Identität bis heute lebendig geblieben. Ergo gibt es eine Kontinuität der Griechen von der Antike bis heute.

    Dass solche Entwicklungen nicht bruchlos verlaufen, versteht sich von selbst. Gerade bei den Griechen gab es vom 6.-9. Jh. einen starken Zustrom slawischer Gruppen bis in die Peloponnes, die allerdings im Lauf der Zeit assimiliert wurden, während die türkische Besetzung keine nachhaltigen Auswirkungen auf die ethnische Zusammensetzung hatte.

    Was die romanischen Sprachen des Balkans betrifft, so hat es zweifellos eine Kontinuität gegeben, die von den balkanromanischen Idiomen einer altbalkanischen Restbevölkerung bis heute reicht. Beispiele dafür sind die rumänische, aromunische, meglenorumänische und istrorumänische Sprache, ferner das Dalmatische, das allerdings im 19. Jh. ausstarb.

    Wenn bei den Rumänen von der hypothetischen "Kontinuitätstheorie" gesprochen wird, so ist damit zunächst die romanische Sprache gemeint, die ihre Wurzel in der Antike hat und von einer romanisierten Balkanbevölkerung ausgeht. Es handelt sich dabei - wie oben schon gesagt - um eine altbalkanische Restbevölkerung, die aus romanisierten Illyrern, Thrakern und Geten bestand, die sich vor den expandierenden Slawen in unwegsame Gebiete zurückzog, wo romanische Sprachinseln überdauerten.

    Niemand behauptet allerdings, dass das rumänische Volk eine ungebrochene Kontinuität seit der Antike hat. Die rumänische Ethnogenese erfolgte vermutlich zwischen dem 6. und 10. Jh., und wie sie im einzelnen ablief, ist bis heute ungeklärt und strittig. Faktoren, die bei dieser Ethnogenese mitwirkten, sind dakische, thrakische und slawische Gruppen, möglicherweise auch kumanische und pethschenegische Splitter. Immerhin setzte sich aber ein romanisches Idiom durch, sodass sich vermuten lässt, dass eine romaniserte altbalkanische Gruppe wie die thrakischen Geten oder Daker ihr Idiom durchsetzte.

    Ob die rumänische Ethnogenese durch Populationen erfolgte, die aus Gebieten südlich der Doanu in den Karpatenraum einwanderten (Migrationstheorie), oder durch romanisierte Bevölkerungsreste, die ihre Stammsitze im Karpatenraum hatten (Kontinuitätstheorie), lässt sich heute kaum noch entscheiden ist bekanntlich umstritten.

    Was hinter dem Streit um Kontinuitäts- oder Migrationstheorie eigentlich steckt, wurde bisher überhaupt nicht erörtert. Rumänen behaupten, Siebenbürgen sei quasi schon immer von dako-rumänischen Gruppen besiedelt gewesen, sodass die Rumänen einen alten Besitzanspruch auf diese Region hätten.

    Ungarn behaupten das genaue Gegenteil. Sie sagen, Siebenbürgen sei seit dem 10. Jh. von Ungarn besiedelt worden, während Rumänen (oder romanische Gruppen) erst seit dem 11./12. Jh. einwanderten. Somit hätten die Ungarn einen historisch fundierten Besitzanspruch auf Siebenbürgen.

    Beide Seiten werfen sich nun "Chauvinismus" vor und angesichts der Verve unseres Freundes Peter Pascht vermute ich, dass er zur ungarischen Fraktion dieses unerfreulichen Streits zwischen beiden Volksgruppen zählt.
     
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  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ergänzend zu meinem Beitrag oben noch einige Bemerkungen zur Ethnogenese der Rumänen.

    Alle seriösen Ethnologen und Historiker sind sich einig, dass sich auf wissenschaftlichem Wege nicht mehr entscheiden lässt, ob die rumänische Ethnogenese innerhalb (dako-romanische Kontinuitätstheorie) oder außerhalb (Migrationstheorie) des heutigen Rumänien erfolgte. Die Kontinuitätstheorie wird besonders von rumänischen Forschern vertreten, die Migrationstheorie von ungarischen. Ideologisch aufgeladen ist die Kontroverse, weil sowohl Ungarn als auch Rumänen für sich beanspruchen, als erste vorzugsweise in Transsylvanien/Siebenbürgen gewesen zu sein, was den "historischen Besitzanspruch" begründen soll.

    Ich persönlich vertrete bei diesem Streit, der in Balkanforen und anderswo erbittert ausgefochten wird, eine vermittelnde Hypothese. An ein Fortleben dakischer Kontinuität Jahrhunderte nach dem Abzug der Römer aus Dakien Ende des 3. Jh. n. Chr. vermag ich nicht recht zu glauben. Archäologische Zeugnisse, die auf romanisierte Daker hindeuten, versiegen etwa 150 Jahre nach Aufgabe der Provinz Dakien. Das Karpatenbecken und die vorgelagerten Ebenen im Osten und Süden (spätere Walachei und Moldau) werden nach dem Untergang Westroms von Goten, Gepiden, Hunnen, Slawen, Proto-Bulgaren, Awaren, Petschenegen und Kumanen durchzogen. Es mag sein, dass sich lateinischsprachige Bevölkerungsreste Dakiens in die Karpaten zurückzogen und dort zu einem Hirten- und Bauerndasein übergingen, doch lässt sich nicht sagen, welcher Identität sie sich lange Zeit später zugehörig fühlten.

    Sicher ist, dass es nach dem Untergang Westroms eine romanisierte Bevölkerung auf dem Balkan gab, die auf die autochthonen Illyrer und Thraker zurückging. Nach dem Einbruch der Slawen seit dem 6. Jh. zerriss der Zusammenhang der romanisierten altbalkanischen Bevölkerung, die weitgehend von Slawen assimiliert wurde. Allerdings behauptete sich eine romanische Restbevölkerung, die sich in unwegsame Wälder und gebirgige Gegenden zurückzog und dort - der Not gehorchend - zu einem Leben als Viehzüchter und Wanderhirten überging. Das war die Geburt der Walachen (Vlachen, Wlachen, Vlahen), was die Grundbedeutung von "romanisch" hat (verwandt z.B. mit nhd. welsch). Bis heute bilden die Walachen romanische Sprachinseln auf dem Balkan, die früher vermutlich einen größeren Umfang hatten: Aromunen und Megloromanen in Makedonien, Griechenland und Bulgarien, Istrorumänen auf der Halbinsel Istrien (im Aussterben) sowie das Dalmatische, das bis ins 19. Jh. in der dalmatinischen Küstenzone und ihren Städten gesprochen wurde.

    Die Balkanromanen waren die Vorfahren der Rumänen und bilden ihren ethnischen Kern - nur so ist diese ostromanische Sprache erklärbar. Slawische Gruppen und später kumanische und petschenegische turkstämmige Splitter kamen hinzu und es setzte sich vielleicht seit dem 6. Jh. (?) eine Ethnogenese in Gang, an dessen Ende im 10./11. Jh. (?) die Rumänen standen. Wegen der dürftigen archäologischen und schriftlichen Quellen liegt dieser Prozess weitgehend im Dunkeln.

    Ich kann mir nicht denken, dass diese Ethnogenese außerhalb des heutigen Rumänien erfolgte, also südlich der Donau, wie es die Migrationstheorie behauptet. Nach ihr wären die Rumänen als entwickeltes Volk erst im 10. Jh. (!) in ihre heutigen Sitze eingewandert. Ich glaube vielmehr, dass sich die romanische Restbevölkerung nach dem 6. Jh. sowohl in die Karpaten als auch die Gebirge südlich der Donaulinie zurückzog. Dort erfolgte die rumänische Ethnogenese. Und von dort aus zogen die walachischen Rumänen seit dem 10. Jh. in die Ebenen und breiteten sich im Gebiet der Walachei und Moldau aus, wo seit dem 13. Jh. die Gründung der gleichnamigen Fürstentümer erfogte.

    Was das heute ideologisch umstrittene Transsylvanien/Siebenbürgen betrifft, so halte ich eine dako-romanische Kontinuität für unwahrscheinlich. Ich vermute, dass rumänische Walachen und Bauern erst seit dem 10./11. Jh. aus den Bergen herabstiegen und Siebenbürgen zeitgleich mit den Ungarn besetzten. Ob zuvor schon walachische Hirten Siebenbürgen durchzogen und welche anderen ethnischen Gruppen dort siedelten, lässt sich heute nicht mehr entscheiden. Auf jeden Fall sind dort slawische Siedler und kumanische und petschenegische Gruppen anzunehmen. Alle diese Ethnien wurden später von Rumänen und Ungarn assimiliert.

    Demgemäß enthält das Rumänische einen beträctlichen Anteil slawischer Wörter - etwa 15-20% - sowie ein dakisches Substrat, das etwa 80-150 Worte umfassen soll (der Anteil ist umstritten). Die Basis des rumänischen Wortschatzes bildet allerdings das gesprochene Balkanlatein. Das zeigt deutlich die Dominanz der Balkanromanen im Vergleich zu anderen Ethnien, die an der rumänischen Ethnogenese beteilogt waren. Dass selbst Turkvölker hier eine Rolle spielten, zeigen die Fürsten Basarab I. (gest. 1352) - Gründer des Fürstentums Walachei - und dessen Vater Tutomir. Sie tragen beide kumanische Vornamen, gelten aber auch aufgrund ihres orthodoxen Glaubens als Rumänen.
     
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  9. vizidoc

    vizidoc Neues Mitglied

    antroplogische beweise gibts. z zt . am institut für paläogenetik in hamburg gibt es eine arbeit die mitochondriale DNA ketten aus paläo und neolythikum untersucht. Das thema wäre die ursprung der europäischen bauern zu definieren. die ergebnisse werden für viele mehr als überraschend
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wofür genau?
    Wo genau?
    Ich ahne zwar, auch aufgrund älterer Beiträge von dir, worauf du hinaus willst, aber was hat das mit dem Thema zu tun?
    Bestimmt...
     
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  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Der frühe Ackerbau breitete sich von Thessalien (Protosesklo-Kultur) und vom Balkan allmählich nach Mittel- und Osteuropa aus. Diese Erkenntnis ist allerdings nicht "überraschend", wie du das vermutest.
     
  12. vizidoc

    vizidoc Neues Mitglied

    http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2004/2019/pdf/dissertation.pdf

    nicht die verbreitung von ackerbau ist überraschend sondern die genetische komponente der population in provinz dakien und die in der jetztigen rumänien. in diesem link ist die arbeit die ich erwähnt habe, arbeit die unter der leitung von dr rodewald in hamburg durchgeführt wurde.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Oktober 2013
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  13. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ja warum sollte das verwunderlich sein????
     
  14. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Paar Worte ist gut, bevor man die rumänische Sprache im 19. Jahrhundert von slawischen und türkischen Wörtern gesäubert hat war ein großer Teil des Vokabulars slawisch, Kirchenslawisch war in den beiden Fürstentümern Moldau und Wallachei Amtssprache.

    Angesicht dessen was ich über die Etnogese der Südslawen gelesen habe, wundere ich mich persönlich immer wieder warum ich heute als ich mit meinen Eltern geredet habe, eine slawische Sprache rede und warum ich meine rumänische Kollegin nicht verstehe.
     
  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Dissertation von Susanne Müller besagt nichts anderes, als dass im Lauf der Alt- und Jungsteinzeit sowie der Bronzezeit immer wieder Wanderströme aus Vorderasien über den Balkan Richtung Zentral- und Westeuropa gingen. Andere kamen aus Richtung Südrussland oder Asien. Dabei entwickelten sich im Raum des heutigen Griechenland, Rumänien, Bulgarien sowie anderer Balkanstaaten unterschiedliche Kulturen.

    Bestimmte Großgruppen hinterließen spezifische genetische Marker, die sich in unterschiedlicher Stärke in allen Balkanvölkern wiederfinden. Somit gibt es unterschiedliche genetische Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den verschiedenen Völkern. Das ist die die zentrale Aussage.
     
  16. vizidoc

    vizidoc Neues Mitglied

    die Daten aus der paläogenetische Analyse der paleo und neolythischen Knochen aus europäischen Regionen und Rumänien stehen noch aus. einige Einblicke sind mir erlaubt worden und die Ergebnisse sind richtig interessant. Es wurden mitochondrialen und autosomalen Chromosome analysiert um typischen Merkmale der damaligen Bevölkerung und jetzigen Bevölkerung Rumäniens zu vergleichen. Interessanterweise die genetische Amprente der heutigen Bevölkerung ist eklatant hoch ähnlich mit der genetischen Struktur aus den Knochen aus paleo und neolithikum. Zumal wurden tatsächlich Ähnlichkeiten, wie in der obengeposteten Dissertation, mit der griechischen und norditalienischer Bevölkerung gefunden. Die Slawische Komponente ist relativ schwach exprimiert, was überraschenderweise eine sehr geringe Mischung der rumänischen Bevölkerung mit slawischen Merkmale wiederspiegelt.
     
  17. vizidoc

    vizidoc Neues Mitglied

    ....solange das mitochondriale Genom einer Population die vor 5000 Jahren in einem Gebiet gelebt hat, in über 65% des Genoms der aktuell lebenden Population aus dem selben anlysierten Gebiet übereinstimmt, kann man über eine Kontinuität der genetischen Merkamle reden, also eine Kontinuität der Population die das Gebiet bewohnt hat.
     
  18. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Zentrales Ergebnis der Untersuchung ist in bezug auf die Rumänen ein geringer genetischer Abstand zu den Griechen und ein etwas weiterer zu den Italieniern. Das wird mit der speziellen historischen Situation der Rumänen bzw. ihrer Vorgänger begründet.
     
  19. vizidoc

    vizidoc Neues Mitglied

    das komische ist aber dass die Untersuchungen der alten "Knochen" aus Italien Änlichkeiten hatten mit dennen die aus Paleos in Rumänien gefunden worden sind, aber deutlich weniger ähnlichen genetischen Merkmale sowohl mitochondrial und auch autosomal mit der jetztigen Bevölkerung Italiens. Als Schlussfolgerung könnte man Ableiten dass die jetztige iatalienische Bevölkerung deutlich eterogener ist als die Population die heute in Rumänien lebt. Hilar ist aber dass über das heutige Rumänien multiple Völker ihren weg gezogen haben und sollte eigentlich eine genau so hohe wenn nicht höher Eterogenität der Bevölkerung bestehen.
     
  20. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Provinz Dakien gehörte nahezu 200 Jahre zu Rom, der übrige Balkan einige hundert Jahre mehr. Man könnte also vermuten, dass das der Grund für den geringeren genetischen Abstand zwischen Italienern und Rumänen ist.

    Seit der Zeit der Antike und heute hat sich die italienische Bevölkerung durch Zuwanderung von Bevölkerungsgruppen erheblich verändert. Insofern ist es möglich, dass der genetische Abstand auf der Basis antiken Knochenmaterials geringer ausfällt als anhand einer Stichprobe mit aktuellem Material.

    Alles nur Vermutungen!

    Ich habe hier ein Dendrogramm mit Ähnlichkeitsbeziehungen südosteuropäischer Völker aufgrund der fünf häufigsten Y-Haplogrppen (aus: Vonderach, Anthropologie Europas, S. 383). Auch dort stehen Rumänen und Griechen (mit ihnen näher verbunden Türken) in einem engen Abstand, etwas weiter Menschen aus Kalabrien und Italiener.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2013

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