Bevölkerungskontinuität in der Donauebene

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von Pascht, 15. Dezember 2012.

Schlagworte:
  1. Wsjr

    Wsjr Neues Mitglied


    Das ist richtig. Hasdeu und Russu haben da wohl recht unterschiedliche Auffasungen zu gehabt und ich weiß nicht mal ob die noch aktuell sind.

    Mein Opa, Gott hab ihn seelig, war Phililoge und hat auch dahingehend geforscht. Es müssten noch einiges an Aufzeichnungen in unserem Hause herumliegen.
    Wenn ich dieses Jahr in Rumänien bin, werd ich mir mal paar Tage Zeit nehmen und das durchforsten. So weit ich weiß hat er speziell in dne Dialekten der Moldau geforscht. Hab mich aber viel zu wenig damit beschäftigt zugegeben.
     
  2. vizidoc

    vizidoc Neues Mitglied

    Thorpe 1999. Hinweise auf Agrargesellschaft in Lepinski Vir am Eisernen Tor gefunden, 8. Jahrtausend. Der Weg wie man aus geologischer Sicht heute weißt, war nicht der Küste entlang sondern über Bosporus. Damals hier war keine Wasserstrasse (Ryan et al : Konferenz Italien 2002) sondern Land. Also : Anatolien, SO Europa uns dann Griechenland etc.
     
  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Diese Feststellung hat niemand bestritten. Allerdings ging der andere Ausbreitungsweg der frühen Ackerbauern über Afrika nach Spanien und Westeuropa durchaus entlang der Küste des Mittelmeers.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Bewertung des dakischen Substrats im Rumänischen folgt häufig politischen Bruchlinien. So postulierte die kommunistische Regierung unter Ceaușescu eine ungebrochene Kontinuität der Rumänen, und zwar von den romanisierten Dakern bis heute. Folglich "entdeckten" linientreue rumänische Sprachwissenschaftler hunderte dakische Erbworte und gehen auch heute noch von etwa 200 Worten aus. Hier handelt es sich vorwiegend um die Anhänger der dako-rumänischen Kontinitätstheorie.

    http://www.geschichtsforum.de/658737-post48.html.
    Dako-romanische Kontinuitätstheorie ? Wikipedia

    Wer der Migrationstheorie folgt, also einer Einwanderung walachischer rumänischer Gruppen in die Walachei und nach Siebenbürgen erst ab dem 11./12. Jh., der findet höchstens rund 30 dakische Wörter im Rumänischen. Der unverdächtige deutsche Sprachwissenschaftler Harald Haarmann spricht von etwa 80 Substratwörtern, die aus dem Dakischen stammen.
     
  5. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Viele mehr thrakische Wörter wird es im bulgarischen auch nicht geben, oder thrakisch/illirische im Serbokroatischen..

    Also die Romanisierung wird am Balkan (außer bei den Albanern) recht erfolgreich gewesen sein.
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Leider ist mir keine Publikation bekannt, die ein eventuelles dako-thrakisches Substrat im Bulgarischen untersucht.

    Dennoch mussten die balkanromanischen Sprachen dem Slawischen weichen - einmal abgesehen vom Rumänischen und wenigen romanischen Sprachinseln wie dem Aromunischen oder dem Istro-Rumänischen.
     
  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Rumänen+Albaner gibt es mehr als Balkanslawen. :)
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Es gibt meines Wissens rund 20 Millionen Jugoslawen (einfachheitshalber gesagt) und etwa 7 Millionen Bulgaren. Ferner rund 23 Mio. Rumänen und etwa 6 Mio. Albaner. Das hält sich also in etwa die Waage.

    Aber du hast schon recht. Man muss hier auch Griechenland und Ungarn einbeziehen, wo die Slawen im frühen MA ebenfalls gewaltig vordrangen. Allerdings haben sie sich dort ethnisch und sprachlich nicht durchsetzen können.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt eine Regel für Substrat- und Superstratwortschatz, die meistens (aber nicht immer) greift:
    Substratwortschatz zeigt sich meist in der Bezeichnung einheimischer Tier und Pflanzen, welche in die überlagernde Sprache eingehen: Mais, Kakao, Schokolade, Lama, Tomate, Maniok...
    Superstratwortschatz: aus der verloren gehenden Sprachschicht - du kennst aus der Archäologie sicher den Begriff stratum - der Eroberer/politisch dominierenden Zuwanderer wird der Verwaltungs- und Militärwortschatz erhalten.

    In dem theoretischen Fall, dass du in einer Sprache anhand von strukturell unterscheidbaren Lehnworten zwei Sprachschichten identifizieren könntest, die keine (nähere) Verwandtschaft mit der eigentlichen Sprache haben - etwa im Rumänischen Dakisch und Slawisch (oder im Westarabischen Latein und Berber) - könntest du anhand der Art dieses Wortschatzes versuchen auszumachen, ob es sich um ein Sub- oder ein Superstrat handelt, selbst wenn die historische Überlieferung zu ungenügend wäre, um aus historischen Quellen etwas Verwertbares ziehen zu können.

    Wann der Bosporus zur Meerenge wurde, ist keineswegs unumstritten. Ryans Sintfluthypothese ist in den geographischen Wissenschaften nicht unumstritten.

    Was die Frage danach angeht, wo in Europa genau die ersten Spuren einer Neolithisierung auszumachen sind, so sind natürlich Donaukulturen wie Lepinski Vir ganz vorne mit dabei (wobei die Lepinski-Vir-Kultur bereits im Mesolithikum ansetzt und später neolithisiert wird). Es gibt da aber ein interessantes Buch von Silviane Scharl welches sich gewissermaßen aus wissenschaftspolitischer Sicht mit der Neolithisierung und ihrer Wahrnehmung durch die Archäologen verschiedener Länder auseinandersetzt: Die Neolithisierung Europas. Ausgewählte Modelle und Hypothesen. Würzburg 2002.
     
  10. Wsjr

    Wsjr Neues Mitglied

    Danke El, für die Aufklärung zur Sprachwissenschaft. Davon hab ich nämich keinen Schimmer.
    Gäbs son schönes Standardwerk zu diesem Themenkomplex wo man sich als aussenstehender zumindest ein grobes Bild von Substrat und Superstrat bilden kann?
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du wirst in jedem einigermaßen vernünftigen sprachhistorischen Buch etwas über Super-, Ad- und Substrate finden. Ein Buch welches sich nur mit Sub-, Ad- und Superstraten befasst, kenne ich jetzt nicht - oder ganz viele, wie man's sieht. Jedes Buch welches sich mit dem Einfluss einer bestimmten Sprache auf eine andere beschäftigt befasst sich mit Sub-, Super- oder Adstraten.
     

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