Bevölkerungszahlen der Stadt Rom

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Frontinus, 25. Oktober 2006.



  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Grundsätzlich sind diverse Volkszählungsergebnisse überliefert, aber erstens umfassten sie nicht die gesamte Bevölkerung und zweitens beschränkten sie sich nicht auf die Stadt Rom.
    Die von Dir genannten Zahlen (sollte es beim Wert für 332 v. Chr. nicht 150.000 heißen?) geben teilweise trotzdem diese Volkszählungsergebnisse wieder, teilweise nicht.
    In der fortgeschrittenen Kaiserzeit gab es in der Stadt Rom wohl keine Volkszählungen mehr.
     
  2. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Auch beinhaltet die Volkszählung nicht die zahlreichen Sklaven oder Nicht-Römer in Rom.
     
  3. Idomenio

    Idomenio Neues Mitglied

    Warum genau war Rom eigentlich so dicht bebaut worden? Wie ich das verstehe, hat es nämlich zu einer Verschlechterung der Lebensqualität geführt, denn die Insulae waren ziemlich ungemütlich, die Gassen waren immer überfüllt, Feuer breitete sich leicht aus, im Sommer entwickelte sich oft eine Gluthitze etc.

    Gehe ich richtig davon aus, dass es schlichtweg an den Laufzeiten lag?
    Alle wichtigen Orte wie Arbeitsplatz, Markt, Freizeiteinrichtungen etc. mussten täglich in akzeptabler Zeitspanne erreichbar sein, Laufen war jedoch die einzige Transportmöglichkeit für fast alle, deshalb hätte eine große flächenmäßige Ausdehnung der Stadt keinen Sinn gemacht?

    Zum Beispiel an Platzmangel kann es nicht gelegen haben, weil um die Stadt herum war ganz normales relativ flaches Land und heute ist das alles bebaut.
    Die Aurealianische Mauer wurde erst später errichtet, vorher war es genauso dicht bewohnt und Rom hätte sich dank seines Reichtums bestimmt locker auch eine größere leisten können, die Mauer kann die potenzielle Stadtfläche also ebenfalls nicht eingeschränkt haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juni 2017
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Du scheinst davon auszugehen, dass Rom nach einem durchdachten städtebaulichen Konzept errichtet wurde. Dem war aber lange Zeit nicht so. Insbesondere nach der Zerstörung durch die Gallier sollte der Wiederaufbau schnell (und improvisiert) erfolgen. Großräumig durchdacht erfolgten Wiederaufbaumaßnahmen anscheinend erst nach dem Brand Roms unter Nero. Bis dahin beschränkten sie sich eher auf Stückwerk wie die Anlegung neuer Foren.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zumal Rom ja auch versorgt werden wollte. Es war ja nicht immer die Hauptstadt des Weltreiches, die Getreide-, Öl- etc.-Lieferungen aus Nordafrika, Gallien, Spanien, Ägypten erhielt. Das Umland von Rom war teilweise sumpfig, teilweise schroff, ackerbaufähiges Land wertvoll.

    Städtebaulich war es natürlich auch preiswerter, billige, mehretagige Mietskasernen hochzuziehen. Crassus hat damit (und dass er recht frühzeitig eine Privatfeuerwehr unterhielt, die dann zu löschen begann, wenn er eine brennende Insula sein eigen nannte) sein Vermögen gemacht. (Und natürlich damit, dass Politiker bei ihm vor Antritt des Konsulats Schulden machten, die sie ihm dann ihres Prokonsulats zurückzahlten - auf Kosten der von ihnen verwalteten Provinzen.)
     
  6. Idomenio

    Idomenio Neues Mitglied

    Hatte Rom eigentlich eine "Vorstadt"? Auf Karten sieht man zwar nie was davon, doch ich kann mir vorstellen, dass die Oberschicht keine Lust hatte, in dieser Enge zu leben und deshalb lieber weiter draußen wohnte. Ich hab mal gelesen, das dem so war und es die Angabe einer Einwohnerzahl schwer macht, weil unklar ist, was genau zu Rom gehört.

    Außerdem wurden Ostia und Porta Augusta unter Konstantin Rom eingegliedert, Portus hatte etwa 30,000-40,000 Einwohner. Politisch/Verwaltungstechnisch waren sie damit Teil Roms, aber geographisch gehörten sie meines Erachtens eher nicht dazu, weil zwischen ihnen und der Kernstadt eine ganz große Grünfläche war.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die römische Oberschicht kannte bereits so etwas wie Sommerfrischeorte. Besonders prominent ist der quasi in Sichtweite gelegene Ort Tusculum in den Albaner Bergen, wo verschiedene Politiker der späten Republik ihre Sommervillen hatten. Hierher zog man sich zurück, wenn es im Sommer zu heiß in der Stadt wurde (und der Gestank aufgrund biochemischer Prozesse Überhand nahm). Eine der philosophischen Arbeiten von Cicero ist nach Tusculum benannt.
    Kaiser Tiberius, der zweite römische Kaiser (nach Sueton bereits der dritte weil dieser seine Kaiserbiographien bereits mit Caesar beginnt, manche systemtheoretische Schriften sehen in Tiberius auch den ersten tatsächlichen römischen Kaiser) zog sich nach Capri zurück. Aber ganz grundsätzlich befanden sich die römischen "Villen" in der Stadt. Wobei man unterscheiden muss zwischen villa urbana und villa rustica. Eine villa rustica war ein Landwirtschaftsbetrieb. Manche villae rusticae waren familiäre Kleinbetriebe, andere waren Großunternehmen (Latifundien), welche für den Besitzer allen Luxus bereithielten, wenn er denn mal auf seinem Landgut auftauchte.
     
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Die eigentliche Stadt war auf einer recht kleinen Fläche, ca 13,9 km² (das heutige Rom hat 1.285,306 km²) erbaut. Darin befanden sich aber nicht nur Wohnhäuser sondern einer ziemliche Menge an öffentlichen Gebäuden,Parks, Foren, Tempel, Kaiserpalästen etc. Aus Konstantins Zeit ergeben sich laut Aufzeichnung : 1790 Privathäuser(domus) , 46602 Miethäuser (Insulae), 8 Brücken, 190 Getreidespeicher, 254 Mühlen, 8 große Plätze, 11 Foren, 36 Triumphbögen, 1152 Brunnen, 28 Bibliotheken, 2 Zirkusse ,2 Amphitheater, 3 Theater, 11 große Thermen, 856 kleine Bäder.... Kurz Rom war restlos überfüllt und die Wohnverhältnisse waren für die große Menge der Bevölkerung extrem gedrängt. In den überbelegten Wohnquartieren dürften sich die Bewohner ,tagsüber kaum aufgehalten haben denn in den höheren Etagen der Häuser gab es weder Kochgelegenheiten, noch sanitäre Einrichtungen oder Möglichkeiten einer Arbeit nachzugehen , vielmehr fand das Leben auf der Straße statt, was diese restlos verstopft haben dürfte. Es war also kein Wunder, dass es ein Verbot für Wagen am Tage gab, weil diese wohl ohnehin nirgends durchgekommen wären. Geht man von einer Bevölkerungszahl von 1 Million (ich weiß nicht ob die zahlreichen Sklaven da mitgerechnet wurden) zur Glanzzeit aus, so ist es nicht wahrscheinlich, dass diese alle auf der kleinen Fläche gelebt haben, welche das heilige Pomerium (Stadtgrenze) umgab. Es muss auf alle Fälle auch Besiedelung vor den Mauern gegeben haben. Inwieweit diese Menschen zur Stadtbevölkerung gerechnet wurden ist strittig. Wiederum wäre eine flächenmäßig sehr große Ausdehnung in einer Stadt ohne jede Verkehrsmittel auch nicht sehr sinnvoll, da man zu lange für tägliche Wege gebraucht hätte.
    Dass Reiche meist auch Landsitze besaßen ist unstrittig aber wer etwas darstellen wollte musste auch in der Stadt sichtbar sein, weshalb ein Wohnsitz in Rom nötig war.
     
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  9. Idomenio

    Idomenio Neues Mitglied

    Das ganze scheint also kompliziert zu sein.

    Wenn viele Reiche in der Stadt einen Melde-Wohnsitz hatten, aber sich lieber außerhalb aufhielten, lebten sie faktisch gesehen doch nicht in der Stadt, obwohl sie natürlich als Einwohner gezählt werden. Das reduziert die tatsächliche Einwohnerzahl.

    Und wie sieht es eigentlich mit Betrieben (Werkstätten etc.) aus, die in der Liste der Gebäude gar nicht vorkommen? Irgendwo müssen die Leute doch gearbeitet haben.

    Was die große Aurelianische Mauer angeht, so wurde sie erst später (271-275 AD) gebaut. Unter Augustus und Trajan etwa, gab es nur die kleine Servianische Mauer, die meisten Leute lebten definitiv außerhalb von ihr, da sie nur etwa 4 km² umfasste, Rom aber wie gesagt 1 Million Einwohner hatte. Meines Wissens nach verzichtete man lange auf eine größere Mauer, weil man sie nicht für nötig hielt, da das Imperium so mächtig war, dass man dachte, dass ohnehin kein Feind bis zur Hauptstadt vordringen könnte (was dem zu diesen Zeitpunkten auch so war). Wahrscheinlich wollte man sich dann aber doch absichern, als es während der Reichskrise Probleme gab.

    Was das heutige Rom angeht, so sind nicht alle von den 1285 km² bebaut.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. September 2017 um 14:53 Uhr
  10. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Werkstätten und Läden befanden sich überwiegend im Erdgeschoss der Insulae. Da diese Räume zwischen 3,40 und 4,80 m hoch waren, wurde meist noch eine niedrige Zwischenetage hineingezogen in welcher entweder der Besitzer oder auch seine Gehilfen schliefen. Manchmal wurden diese Räume, in denen man sie nur auf allen Vieren bewegen konnte weitervermietet. Große Betriebe im heutigen Sinn dürfte es, außer die Tiberhafenanlagen, mit ihren Lagerhäusern innerhalb der Stadt kaum gegeben haben. Es gab in den Markthallen, wie den Trajansmärkten natürlich auch Geschäfte und Handerkerwerkstätten.
    Man darf auch nicht annehmen, dass alle wohlhabenden Römer in einem eigenen Haus lebten. Da es mehrere Tausend Senatoren und Ritter gab ,zu denen ein die eigentliche Familie und die familia (Haussklaven) gehörten ,hätten die 1797 Privathäuser wohl nicht gereicht. Es muss also auch eine gewisse Anzahl von Wohlhabenden in einer, wenn auch sicher besseren Insula, im Erdgeschoss gelebt haben.
    Auch die Zahl der Nichtsnutze, die keiner Arbeit nachgingen, dürfte nicht gering gewesen sein. Nicht umsonst versuchten alle Kaiser (bis auf Tiberius) den Pöpel auf irgendeine Weise mit Spielen, riesigen Badeanlagen u.s.w. zu unterhalten. Man konnte, durch die kostenlosen Getreiderationen und wenn man zum Klienten eines reichen Patrons wurde, auch ohne Arbeit leben(Das Ansehen eines Reichen richtete sich auch nach der Zahl seiner Klienten) . Klienten mussten nur sehen, dass sie am frühen Morgen zur Begrüßung (salutatio) ihres Patrons mit einer weißen Toga bekleidet erschienen und bekamen im Gegenzug von ihm ein Frühstück (Sportula) in Form eines Esskorbes oder etwas Taschengeld. Wenn sie sich beeilten, schafften sie es eventuell noch zu einem weiteren Reichen, dem sie einen guten Morgen wünschten und bekamen dann noch eine Sportula. Sie wurden allerdings von ihren Gönnern herablassend behandelt und selbst die Haussklaven rümpften über die Klienten die Nase. Die Dichter Juvenal und Martial hatten auch zeitweise diese Form des Broterwerbs gewählt. Den Rest des Tages konnten sie sich in den Thermen oder auf den Foren vertreiben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. September 2017 um 15:40 Uhr
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  11. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Und soviele Besitzer reicher Villen außerhalb Roms gab es dann auch nicht. Und diese verbrachten durchaus einen großen Teil des Jahres in Rom. Wer etwas sein wollte, musste an den gesellschaftlichen Ereignissen Teilnehmen.

    Vitellius als prominentes Beispiel soll seine Mutter in einer Insula untergebracht haben. Aus Geiz behaupteten seine Gegner. Ich meine, dass das Tacitus zu entnehmen ist.
     
  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Auch Sulla lebte eine Zeit lang, zusammen mit einem Freigelassenen zur Miete in einer Insula. Häufig wurde auch die Erdgeschosszone einer besseren Insula als Domus bezeichnet und dienten zahlungskräftigen Mietern , streng abgeschlossen vom Rest der Bewohner der oberen Etagen, als noble Wohnung. Die Wohnungen wurden immer billiger, je weiter sie oben lagen.
    Obwohl die Kaiser ständig die Höhe, der häufig einsturzgefährdeten Insulae begrenzen wollten, hielten sich einige Unternehmer nicht daran. So besaß Rom seit der Zeit der Antoninen einen kleinen Wolkenkratzer, die Insula der Felicula, im Berirk Circus Flaminius, deren erstaunliche Höhe die Zeitgenossen staunen ließ und die alle anderen Häuser überragte. Tertullian tadelt den Bau so hoher Häuser, am Beispiel der Insula der Felicula als Überheblichkeit der Menschen. Das Haus war aber offenbar recht solide gebaut den es wurde noch über 100 Jahre nach Tertullian wieder erwähnt (ich glaube von Cassiodor ,bin mir aber nicht ganz sicher).
     

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