Bildquelle eines freien Bauerns gesucht

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Laura123, 12. September 2018.

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  1. Laura123

    Laura123 Mitglied


    Hallo zusammen,

    ich bin auf der Suche nach einer mittelalterlichen Bildquelle, die einen freien Bauern bei der Arbeit zeigt, also eventuell aus der Zeit Karls des Großen. Ich möchte das Bild mit einer Buchmalerei gegenüberstellen, die Bauern bei der Fronarbeit zeigt.

    Hat jemand eine solche Bildquelle "parat" (digital wie mental ;-) )?

    Vielen Dank im Voraus!!
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Wenn du Bildquellen aus dem frühen Mittelalter suchst, wirst du das Problem haben, dass du erstens nicht so viel findest und 2. bildliche Abbildungen zeichnerisch nicht auf einem so hohen Niveau sind wie etwa die zahlreichen bäuerlichen Genreszenen, die Künstler wie Pieter Breughel der Ältere herstellten, der wegen seiner Vorliebe zu solchen Szenen, die er mit großer Akribie und Authentizität malte, der "Bauern-Breughel genannt wurde.
    Breughels (geb. 1510) gehört dann freilich schon in die frühe Neuzeit.

    Dieser Holzschnitt eines unbekannten Petrarcameisters stammt etwa aus der Zeit des großen Bauernkrieges. Er stellt die ständische Pyramide dar, an der Wurzel Bauern, deren Arbeitskraft die andren ernährt. Untypisch aber, dass sich zwei Bauern auch ins geäst aufgeschwungen haben, über Doktoren, geistliche und weltliche Fürsten und selbst über Kaiser und Papst.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 12. September 2018
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied


    Schau mal in Pierre Riché, Die Welt der Karolinger, Stuttgart 1981, Original: La vie quotidienne dans l'empire Carolingien, Paris 1963. Die Alltagsgeschichte zur Zeit.

    Je nach Ausgabe sind da auch die Einschlägigen Abbildungen zu Landwirtschaft und Handwerk zu finden. Ob du darin Freie und Unfreie unterscheiden kannst, ist zu bezweifeln. Es gibt da auch Landwirte, die bei der Feldarbeit typisch fränkische Tracht samt dem so typisch auf der rechten Schulter zusammengehaltenen Mantel tragen. Die kannst du immerhin als Franken ansprechen.

    Der Sachsenspiegel ist dir zu spät? Da die Bilderhandschriften dem Text folgen, sollten da Freie und Unfreie zu unterscheiden sein.

    Vielleicht fällt dir auch eine Bibelstelle ein, wo das ebenso möglich ist, wenn du eine Illustration findest.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Abbildung die ich meine, findest du in einem anderen Thread vom 27.Juli 2018 unter Alltag im Mittelalter "Warum haben Bauern die Feudalherrschaft mitgemacht?"

    Dieses Bild von Breughel zeigt eine Bauernhochzeit. In einer Scheune wird gefeiert, Dudelsackpfeifer spielen zum Tanz auf und man isst tüchtig. Als Tisch dient eine ausgehängte Tür, auf der eine Art Grütze serviert wird. Unter die Festgesellschaft haben sich auch Grundherren gemischt, erkennbar an der pelzverbrämten Kleidung und am umgehängten Schwert. Einer der Herren unterhält sich mit einem Franziskaner. Der ältere Herr, der in einem Lehnstuhl sitzt, ist wohl ein Notar.
    Die Braut sitzt unterhalb des grünen Gobelins, über ihr ist die Brautkrone aufgehängt. Der vordere Bauer, der die ausgehängte Tür mit den Grützetellern schleppt, trägt an seiner grünen Mütze einen Holzlöffel, was ihn als Wanderarbeiter kennzeichnet. Der Bräutigam ist nicht genau bestimmbar, der Sitte der Zeit gemäß sitzt er nicht am Tisch. Es könnte der Mann im Festgewand sein, der Hochzeitsbier in einen Krug füllt.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter gibt es als Digitalisat. Ich kann nicht garantieren, ob da Abbildungen verzeichnet sind, aber ein Versuch ist es wert.
     
  6. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Sehr interessant, aber in einem anderen Zusammenhang. Ich bin wirklich auf der Suche nach einer Darstellung oder zwei Darstellungen die ich in Kontrast setzen kann, die freie und unfreie Bauern zeigen.
     
  7. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Besser, wäre früher, weil ich es im Zusammenhang mit der Entwicklung der Grundherrschaft verwenden möchte. Ich werde mal das erste von dir genannte Buch konsultieren, obwohl das was du über den Sachsenspiegel schreibst, eigentlich in die genau richtige Richtung geht aber halt zeitlich nicht so ganz :-(
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Wegen Renovierungsarbeiten kann ich erst morgen-übermorgen wieder auf meine Bibliothek zurückgreifen. Heinz Schilling hat in Aufbruch und Krise-Deutschland 1517-1648 einige Abbildungen gepostet, von Vertretern eines "dörflichen Patriziats" etwa aus der Zeit des frühen 16. Jahrhunderts.
    Wie gesagt, frühere Darstellungen sind oft wegen der Technik im wahrsten Sinne des Wortes oft holzschnittartig und kommt nicht an die Qualität eines Pieter Breughel heran.
    Es ist auch zu bedenken, dass sich der Status von "freien" und "unfreien" Bauern in punkto Kleidung, Habitus nicht so sehr unterscheidet, da der Aufwand beschränkt war durch die Kleiderordnungen des späten Mittelalters/der frühen Neuzeit.
    Auch gab es in Punkto Freiheit und Grundherrschaft erhebliche Unterschiede. Bindung an einen Grundherren beinhaltete ja auch einen gewissen Schutz, und Bauern, die völlig frei von Abgaben und Verpflichtungen waren, gab es sehr wenige. es war kein Zufall, dass die Pariahs der Gesellschaft "herrenloses Gesindel" genannt wurden. Die waren auch frei, manche vogelfrei. Manche Bauern begaben sich freiwillig in den Dienst einer Herrschaft, wenn sie dadurch Schutz erlangen und Abgaben und Fronden nicht so drückend waren, dass praktisch nichts mehr für die Subsistenz übrigblieb. Dass Bauern tatsächlich Eigentümer des Grundes waren, war selten. Am besten standen sich Bauern, die einem weit entfernten mächtigen Herrn dienten und etwa Hifenland in erblicher Pacht bestellten. Für die Kolonisation etwa in Siebenbürgen machten Herrschaften Kolonisten günstige Angebote, erließen Abgaben und Fronden, um attraktiv für Fachkräfte zu sein.

    Bildliche Abbildungen, aus dem Hochmittelalter bei denen sich "freie Bauern", besser gesagt, privilegierte Bauern und "unfreie", beser gesagt, stärker belastetere Bauern so augenfällig unterscheiden, wie gewünscht, sind selten, und die oft erheblichen Unterschiede zwischen Bauern und Bauern sind für uns schwer erkennbar.
    Auch wenn die Abbildung spät ist, ist vielleicht Pieter Breughel gar nicht so schlecht für den Projekt. Er hatte ein scharfes Auge und seine Bilder zeigen auch scheinbar unbedeutende Details wie in der geposteten Bauernhochzeit. Vordergründig scheinen diese Bauern alle gleich auszusehen, aber tatsächlich ust da auch ein soziales Gefälle abgebildet. Sieh dir die Musiker und den Bauern mit dem Holzlöffel an der Kappe an, das sind arme Schlucker, während die in den Lehnstühlen sitzenden Leute und die Bauern, die neben ihnen sitzen, sowie der Bierzapfer/Bräutigam festlicher gekleidet sind. Vielleicht sieht die soziale Realität nach dem Fest wieder ganz anders aus, das lässt Breughel offen. Für deine Präsentation bietet aber dieses und andere Genreszenen von Pieter Breughel dem Älteren gute Beispiele. Kaum ein Maler verfügte über so scharfe Beobachtungsgabe und das Interesse an Bauern wie Breughel und kaum einer hatte die Fähigkeit das mit wenigen Pinselstrichen anzudeuten.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Da stellt sich das Problem, dass es diesen Kontrast in einer gewünschten Tiefenschärfe, die ohne weiteres auf den ersten Blick erkennbar ist, eben nicht gibt. Oder besser es gab sie, aber diese Unterschiede zu zeigen war durch die Kleiderordnungen begrenzt. Nur sehr wenige Bauern in Mitteleuropa waren im Mittelalter wirklich Grundeigentümer. Am besten standen sich Bauern, die einem einzigen Herrn oder Herrschaft verpflichtet waren und in Erbpacht Hufenland bestellten. In der Ostkolonisation etwa in Siebenbürgen machten Herrschaften verlockende Angebote um Kolonisten zu gewinnen, und eine Verpflichtung gegenüber einer Herrschaft konnte Vorteile und Schutz bedeuten.
    Vielleicht nimmst du trotz allem Breughels Bauernhochzeit für deine Präsentation. Pieter Breughel hatte eine geschickte Hand und ein scharfes Auge. Die Hochzeitsgesellschaft erscheint homogen auf den ersten Blick, aber sie ist es keineswegs. Der Bauer mit der Kappe und dem Holzlöffel und sein Gefährte, die auf der ausgehängten Tür. Grütze servieren, sind arme Schlucker, ebenso die Musikanten. Der Mann am Kopfende mit dem Schwert, der Franziskaner, der im Lehnstuhl sitzende Notar und der Bierzapfer/Bräutigam? sind dagegen festlicher gekleidet. Vielleicht ist der Bierzapfer auch bloß ein Bediensteter des Grundherren, der einen geborgten Rock seines Herrn aufträgt, Breughel lässt das offen, aber im Bild sind durchaus Rang- und Statusunterschiede angedeutet, die du bei einer Präsentation erwähnen kannst. Kaum ein Künstler hatte einen solchen Blick für Details wie Pieter Breughel der Ältere und keiner hat so viele bäuerliche Genreszenen gemalt wie er.
     
  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    700 Jahre Unterschied sind allerdings gewaltig. Und Grundbesitz war nicht die Voraussetzung von Freiheit.

    Hier dürfte einiges zu finden sein.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Zeichnungen im Utrecht Psalter hätte ich nie für mittelalterlich gehalten. Die wirken durch ihre verschiedenen Ebenen und auch die Federführung so modern, ganz anders als alles, was ich aus dem frühen und hohen MA kenne. Die früh- und hochmittelalterlichen Zeichnungen, die ich kenne sind i.d.R. eher eindimensional
     
  12. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Du darfst nicht vergessen, dass diese Eindimensionalität Absicht ist. Die Kunst sah eher auf Form, Position und Material. Du wirst oft Illustrationen finden, in der ein Bruch der Darstellung zu erkennen ist, an dem die für uns korrekt wirkende Darstellung in die Zweidimensionalität übergeht. Ein Beispiel ist das Krönungsevangeliar aus der Hofschule. Besonders interessant ist es bei Darstellungen aller 4 Evangelisten zu beobachten, wie hier aus dem Schatzkammer-Evangeliar. Durch die Hinzufügung der Evangelistensymbole sind 8 dargestellt und es sind je 8 blaue und grüne Steine am Rand dargestellt. Zur Interpretation müsste ich nachschlagen. Aber das konnte von Autor zu Autor variieren, insbesondere bei den Zahlen. Zu den Edelsteinen finden sich die wichtigsten Bedeutungen im Lexikon des Mittelalters. 8 steht für Taufe und Beginn. Hier sehen wir, wie die Evangelisten, ein jeder vom Geist Gottes inspiriert sein Evangelium verfasst. Denn die Evangelistensymbole schreiben nicht, sondern lesen vor. Der Goldene Rand, der Rahmen wird so gleichsam von den Evangelisten (grüner Hintergrund) und den Symbolen, die hier die Inspiration, die Offenbarung darstellen, (blauer Hintergrund) gleichsam wie mit Nägeln gehalten. Der Rahmen ist aber auch einem Bucheinband nachempfunden. Es geht also darum, dass die Evangelien Offenbarung Gottes sind.

    Das ist nur eine Interpretation. Und ich habe nicht einmal darauf hingewiesen, dass die 4 Evangelisten gleichsam von einem Kreuz getrennt werden und somit auch in Bezug auf ihre Position relativ zum Kreuz interpretiert werden können. In den Quellen finden sich die "Geheimnisse der Edelsteine" oder "des Materials" oder gar "die Geheimnisse der Zahl der ..." erwähnt. Aber fast immer ohne Interpretation, da diese vom einzelnen Betrachter vorgenommen werden sollte, der sich so gewissermaßen meditativ dem Glauben nähern konnte. Daher kann man zwar verschiedene Interpretationen von Zahl, Material und Position zitieren, aber fast immer nicht zuordnen wo und wann was für eine Interpretation vorlag. In dem Sinne ist die obige Interpretation reine Spekulation, um das Vorgehen zu verdeutlichen. (Zur Zahlenmystik haben wir irgendwo auch einen Thread mit Literaturangaben. Wenn der Artikel auch durchwachsen ist, ist bei Wikipedia unter Zahlensymbolik die Literatur genannt. Bei den Gesamtdarstellungen zu Bibel, bzw. Mittelalter finden sich auch Hinweise zu Form, Materialien und Anordnung sowie weiterführende Literatur.)

    Beliebte Anordnungen waren Kreuz und die Bezirke des Tempel des Salomo (außen die Wildnis, dann der Garten als Symbol der bewohnten Erde, dann der Vorhof der Heiden, der Vorhof der Frauen, der eigentliche Vorhof und darin der Tempel und darüber das Allerheiligste). An der Stirnplatte der Reichskrone sind die Anordnung nach Kreuz und nach dem Tempel kombiniert. Und auf die Geheimnisse der Edelsteine einer Krone als Insignie und ihrer Materialien -ob schon die Reichskrone gemeint ist, ist unsicher- gibt es Anspielungen in einem Lehrgedicht über die Reichsinsignien Gottfried von Viterbos, wohl für den jungen Heinrich VI., um ein Beispiel für die Erwähnung der Zahlenmystik zu nennen. Die Reichskrone ist dann auch ein Beispiel für den umgekehrten Weg. Es sind am Gegenstand die ursprüngliche Anzahl der Steine und Perlen nicht mehr genau zu ermitteln. Aus der Zahlensymbolik ergeben sich hier begründete Vermutungen. (Die hauptsächliche Literatur zur Krone findet sich im Wikipedia-Artikel.)

    Nun sind dadurch die mittelalterlichen Illustrationen alles andere als eindimensional, wenn auch meist nicht perspektivisch gezeichnet. So führen die Bruchstellen der karolingischen Illustrationen dieses Stils zwischen einer mehr perspektivischen Darstellung und einer 'eindimensionaleren' Darstellung vom irdischen Abbild zu einer tieferen Bedeutung. Im Grunde führen die für uns realistischeren Darstellungen also vom eigentlichen Hintergrund oder im Sinne der Künstler von der eigentlichen Wahrheit fort, indem wir sie als realistischer sehen statt uns durch die Interpretation davon weg zur "Wahrheit" führen zu lassen.

    Die Dominikaner erschufen aus dieser Art der Darstellung später Gedächtnisbilder, wie es Giordano Bruno nannte, bzw. im Zusammenhang mit ihm übersetzt wird. Diese Bilder sollte es den Mönchen ermöglichen, anhand derselben über die christliche Lehre zu meditieren und sie durch die verwendete Symbolik verinnerlichen. Viele dieser Bilder waren aber auch einfacher und sollten durch ihre vorgestellte Anschaulichkeit wirken. (Hier ein Bild Brunos, eines der Dominikaner habe ich nicht gefunden.) Die Grundidee wurde also auch noch in der Neuzeit bewahrt.

    (Wer sich den Hintergrund nicht erarbeiten will, kann den Roman "Der Name der Rose" von Umberto Ecco lesen, in dem der Charakter des William von Baskerville anhand der Reliefs in der Bibliothek ganz ähnliches vorführt, wenn auch meist gleich mit deutlichen Anspielungen auf bestimmte Schriften. Aber es geht da ja schließlich auch um eine geheime Bibliothek.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2018
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    "Freiheit" war aber auch Voraussetzung von Grundbesitz, und im Frühmittelalter verbreitete sich das System von Leibeigenschaft und Hörigkeit , weil viele Freie sich freiwillig in Grundhörigkeit begaben, um Dienstverpflichtungen für den Kriegseinsatz zu entgehen. Ein Teil dieser Grundhörigen besetzte Bauernstellen und war lediglich zu Abgaben und Hilfsdiensten verpflichtet. Dieses System konnte unter Umständen sowohl für den Pächter, wie für den Grundherren Vorteile bieten, und wenn solche Bauernstellen in erblicher Pacht bewirtschaftet wurden, konnten daraus "freie Bauern" werden, ähnlich wie aus ursprünglich einmal unfreien Dienstleuten, den Ministerialen der Ritterstand hervorging. Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist dass Grundherrschaft, Hörigkeit und Leibeigenschaft im Mittelalter weitaus differenzierter und regional sehr unterschiedliche Züge aufwies, als die Unterscheidung "freie" und unfreie" Bauern es suggeriert.
     
  14. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Eher ist m.E. problematisch, was im Frühmittelalter ab so etwa Karl dem Großen unter 'Freien' zu verstehen ist.

    Da sind ja schon ganze Regale geschrieben worden.
     

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