Bismarck, der größte Politiker?

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Paris5885, 19. Dezember 2018.

  1. Shinigami

    Shinigami Mitglied


    Kommt sicherlich auch drauf an, welche Bereiche man betrachten mag und ob man von den absoluten Produktionsleistungen oder denen pro Kopf ausgehen will.
    Letztendlich war die wirtschaftliche Leistung Frankreichs und Deutschlands jedenfalls in der unmittelbaren Zeit nach der Reichgründung noch einigermaßen nah bei einander, so dass man von deutscher Seite hier nicht klar im Vorteil gewesen wäre und somit Österreich sicherlich das Zünglein an der Waage häütte sein können, wäre es zur Konfrontation gekommen.

    Das ein Verzicht auf die Annexion und eine andere Lösung durchaus ein gewisses Maß diplomatischer und wirtschaftlicher Rendite hätte bringen können ist eine Sichtweise mit der ich persönlich durchaus konform gehe, Bismarck und Zeitgenossen aber wohl nicht, habe mir erlaubt dazu entsprechendes abzutippen (werde es auf Wunsch auch gerne per Scan liefern, sobald ich wieder ein brauchbares Gerät zur Hand habe):

    Ist zwar nich ausschließlich auf Bismarcks alleinigem Mist, sondern lediglich unter seiner Mitwirkung gewachsen und sicherlich auch nicht völlig unkritisch zu sehen, lässt aber für mich doch darauf schließen, dass man auf preußischer Seite Revanche Frankreichs auch ohne Annexionen fürchtete.
    Der Gedanke, dass es in Frankreichs Interesse sein musste wenigstens den Status von 1870 wieder herzustellen und die süddeutschen Gebiete wieder heraus zu lösen und unter österreichischer Protektion haben zu wollen, liegt ja durchaus nahe.
    Insofern sicherlich Spekulatius ob die Annexion selbst notwendig oder bereits die Vereinigung mit den süddeutschen Staaten hinreichend war um in Frankreich Revanchegelüste zu wecken.


    Richtig und das geht ja noch bis in das späte Kaiserreich (Zabernaffäre) hinein.

    Nicht unbedingt nur bei den Muttersprachlern. Die politische Diskriminierung Elsass-Lothringens dadurch als "Reichsland" von den internen Entscheidungsfindungsprozessen der innerdeutschen Politik weitgehend ausgeschlossen zu sein, war sicherlich auch nicht dazu angetan im deutssprachigen städtischen Bürgertum besondere Begeisterung hervor zu rufen.

    Stellt sich auf der anderen Seite aber auch die Frage, in wie weit das zusammen zu halten gewesen wäre. Galizien halte ich eigentlich auf Grund der starken polnischen Bevölkerung im Westen in Anbetracht der russischen Polen-Politik für keinen, für russlands Einfluss besonders anfälligen Kandidaten. Ob aber Böhmen, wo die Spannungen ja auch vor dem Weltkrieg schon ganz erheblich waren auf Dauer in einem cisleithanischen Verband verblieben wäre, halte ich für fraglich und die Probleme mit Italien wegen der südwestlichen Peripherie hätte das auch kaum gelöst.
    In einem Szenario des Zerfalls der Donaumonarchie würde ich da eigentlich eher die Tendenz weiteren Zerfalls mit entsprechender Sogwirkung sehen wollen, ist da kontrafaktisch aber ohnehin eine rein akademische Diskussion (die ich nichts destoauch ohne weiteres weiterführen würde, dann allerdings um den Faden nicht zu strapazieren per PN).
     
    Chan und silesia gefällt das.

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