Bizzare Bestattungsriten aus dem Neolithikum*Herxheim*

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von superneun9, 20. Mai 2018.

  1. superneun9

    superneun9 Neues Mitglied


    Herxheim bei Landau vor 7000Jahren :
    Knochen von Männern, Frauen und Kindern (auch Ungeborenen) sollen Merkmale aufweisen wie sie bei der Zurichtung von Schlachtvieh auftreten,ein in der europäischen Geschichte einmaliges Ereignis hat sich in Herxheim abgespielt

    [Mod: bitte keine YT-links/ alternativ:
    Ausgrabung in der Pfalz: Die Menschenschlachter von Herxheim - SPIEGEL ONLINE ]
     
  2. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo

    Ja, ist bekannt, aber das geschah aber alles post-mortem

    mfg
    schwedenmann

    P.S.
    link zu youtube Videos sind heir gar nciht gerne gelitten, siege AGB des Forums
     
  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Vermutet werden kannibalistische Ritualmorde.
    https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2010-03/kannibalen-pfalz
     
  4. superneun9

    superneun9 Neues Mitglied

    hallo,
    hatte einen link mit eingefügt,wurde leider entfernt,
    schaut mal bei youtube:
    DIE MENSCHEN AUSBEINER AUS DER STEINZEIT- Eine Siedlung bei Herxheim aus dem Neolithikum
     
  5. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Kannibalismus halte ich für wissenschaftlich nicht bewiesen, weder in der Frühzeit, noch in Südamerika, oder in Polynesien. Rituellen Kannibalismus wohl. Deshalb tendiere ich hier eher zu zweitem, wobei Kannibalismus m.M. nach nur in Extremsituationen vorkam (Floß der Medusa, Mobi Dick und in der Neuzeit der Flugzeugabsturz in den Anden mit der chil. ?? Basketballnationalmannschaft ?) und vorkommt (von kannibalistischen Serienmördern mal abgesehen, das ist eher ein pathologisches Problem).

    mfg
    schwedenmann
     
  6. superneun9

    superneun9 Neues Mitglied

    Das ist auch meine meinung dazu,falls sie verpeist wurden,dann nicht aus not,war eher ein ritus.
    war auch nicht jeder essbar den sie da zerstückelten da nicht nur frische leichen dabei waren die sie von weit hergeschleppt(getragen,gebracht) haben.
    angeblich sollen die meisten zu lebzeiten bei bester Gesundheit gewesen zu sein. Ihre Gelenke sind nicht verschlissen, die Zähne außergewöhnlich gut erhalten und auch von Mangelerscheinungen durch knappe Ernährung keine Spur.Es waren auch durchschnittlich viele 12-19jährige dabei,der durchschnitt wurde anhand von anderen begräbnisstätten aus der gleichen zeit ermittelt.
    Man hat auch bestimmte"dinge" in den gräben gefunden die tatsächlich am stück sind und absichtlich nicht zerstört wurden.
    grüsse,
    9er
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2018
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich glaube, da hast du etwas falsch verstanden - oder aber man hat seit 2009 neue Erkenntnisse, die an mir vorbeigegangen sind. Die Menschen, die in Herxheim getötet wurden, wurden nicht als Leichen hergeschleppt sondern sie kamen aus weit entfernten Gegenden, brachten teilweise wertvolle Keramik aus ihren Gegenden mit, die man in Herxheim zwischen den Knochen gefunden hat und die man selbst in den lokalen Gräbern höchst selten findet. Sie wurden erst in Herxheim getötet. Es hat die These gegeben, dass sie sich freiwillig opferten. Diese These ist freilich im Bearbeitungsteam selbst kontrovers diskutiert worden. Die Argumente, die für die These der freiwilligen Opferung sprachen waren:
    - Herxheim war nur recht kurz überhaupt als Siedlung belegt (ca. zwei Generationen), es ist fast unmöglich, dass die Herxheimer in dieser kurzen Zeit eine Macht erlangt hätten, die ihnen Opfer aus so disparaten Gegenden beschert hätten
    - die angesprochene Keramik: Hätte man vor Ort Gefangene gemacht, wäre sicherlich die wertvolle Keramik nicht mitgekommen; die hat jemand mitgenommen, der gezielt zu einer rituellen Opferung nach Herxheim kam
    - keine Kampfverletzungen an den Knochen feststellbar
    Streng genommen sagt das aber nichts zur Freiwilligkeit der Opfer aus, die können ja auch von Angehörigen der eigenen Sippe dorthin gebracht worden sein.

    Es konnte bisher nicht festgestellt werden, ob die Opferungen relativ zeitgleich (etwa in einem einmaligen Ereignis über mehrere Tage) oder über Monate oder gar Jahre hinaus vollzogen wurden.
     
    Dion und balkanese gefällt das.
  8. superneun9

    superneun9 Neues Mitglied

    bin auf dem neuesten stand.
    2009 war lange her, es gibt gibt viele neue und spanndende erkenntisse.
    selbstverständlich konnte man mittlerweile feststellen wann und wie oft übers jahr dieses ritual stattfand.pollenanalyse war in dem sehr kalkhaltigen boden nicht mehr möglich,aber man fand andere hinweise dafür um festzustellen wann und wie oft über jahr diese gräben verfüllt wurden.
    geschätzt werden um die 1200personen die in 50jahren dort deponiert wurden.
    die toten wurden hergebracht um mit ihnen ein fest zu feieren,manche mussten noch entfleischt(bei ca.10% war das der fall) werden,manche sind als komplette skelette und manche in teilen gebracht worden,wahrscheinlich ging die feier über tage,man vermutet auch ein "Gästehaus"für die angehörigen des toten.
    ich weis nicht ob du die das video angeschaut hast das ich hier vorstelle,eher nicht.
    die siedlung,der weiler bestand ca.350jahre...vielleicht sogar 400jahre
    man kann viele infos gar nicht wissen da viele sachen nicht veröffentlicht sind*stichwort--->Silexartefakte*aber der leitende archi gibt gerne ausunft auf anfragen.
    vielleicht machen wir noch ein 2.video,nur über die gräben,und das ritual und die besonderheit an den silexartefakten.
    nebenbei noch...man hat einen "normalen" friedhof,gräberfeld innerhalb der anlage gefunden.
    grüsse
    9er
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da ist Haack aber anderer Auffassung. In seiner Diss. von 2014 (Disputation 2015) schreibt er, dass anhand der Keramik lediglich die "Ritualphase" auf die jüngste LBK zu datieren sei, eine genauere Datierung sei nicht möglich. Sie habe damit max. 50 Jahre gedauert.

    Dafür hatte Haack 2014 noch keinerlei Hinweise:

    In den untersuchten Abschnitten der Grabung 1996 bis 1999 und im gesamten Bereich der Grabung 2005 bis 2008 gibt es keinen eindeutigen Beleg für einen Baubeginn der Grabenanlage vor der jüngsten LBK. Im inneren Grabenring liegen fast durchgehend Funde der „Ritualphase“ [...] bis in den Sohlenbereich vor.
    Bei den wenigen, aus unvermischten Zusammenhängen stammenden Scherben der älteren Phasen, handelt es sich um sekundär umgelagertes Material.
    Die durchgehende Streuung von Funden der „Ritualphase“ über die gesamte Länge des inneren Grabenrings
    und die zahlreichen Stellen, an denen Konzentration bis in den Sohlenbereich reichen, sprechen außerdem dafür, dass dessen Bau chronologisch direkt im Zusammenhang mit der „Ritualphase“
    steht.
    Ähnlich verhält sich die Situation im äußeren Grabenring, obwohl hier deutlich weniger Konzentrationen
    als in der inneren Trasse deponiert wurden; [...]
    Zudem existieren innerhalb der äußeren Trasse längere Abschnitte, aus denen überhaupt kein Fundmaterial der „Ritualphase“ vorliegt. Aus diesen Teilen fehlen allerdings generell chronologisch aussagekräftige Funde, so dass eine Datierung dieser Bereiche anhand des Fundmaterials nicht möglich ist.
    Da sich die Verfüllungsprozesse jedoch über diese wenigen fundleeren Teile ohne Brüche bis in die Bereiche mit Funden der „Ritualphase“ fortsetzen, dürften sie ebenfalls in der jüngsten LBK angelegt worden sein.​

    Zusammengefasst: Der innere Grabenbereich ist sicher, der äußere wahrscheinlich in der jüngsten LBK (Dauer 50 Jahre) angelegt worden. Stand 2014/15. Da müsste seitdem viel dazu gekommen sein, was die Datierung völlig über den Haufen würfe.

    Wozu sich Haack nicht weiter äußert, das sind die umgelagerten älteren Scherben. Die müssen ja aus dem Grubenauswurf stammen und würden damit doch eine Siedlungsphase bereits vor der jüngste LBK bedeuten.
     
  10. superneun9

    superneun9 Neues Mitglied

    das ist doch mal schön wenn sich auch noch andere für das thema wirklich interessieren,
    ich kenne Haags puplikationen,hab mich auch schon mit ihm unterhalten,auch mit Dr.Zeeb-Lanz habe ich kontakt,
    sollte vielleicht erwähnen das ich aus Herxheim bin und die Geschichte von Anfang an verfolge,auch bei der ausgrabung manchmal dabei war (ALS ZUSCHAUER NATÜRLICH).
    man schreibt momentan gerade an einem 2.Buch,das 1.erschien 2016,vielleicht werden dort meine angaben ja bestätigt,
    Projektkoordination
    Dr. Andrea Zeeb-Lanz,
    Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz Direktion Landesarchäologie,wird sich zu wort melden und Herr Schimmelpfennig,Köln, wird auch endlich bilder von den silexartefakten preisgeben.
    Fragen werden weiterhin offen bleiben wie,wer sind die Toten? Das ist weiterhin noch völlig unklar...; wie kommt es zu diesem außergewöhnlichen Ritual, das keinerlei Tradition in der Bandkeramik hat und auch so in der gesamten Vorgeschichte Europas nicht wiederholt wird? Und vieles mehr... Man wird also weiterforschen müssen...
    Wegen der Datierung der gruben völlig über den haufen werfen...
    Es wurden Makrorest-Proben genommen, also archäobotanische Makrorestproben; die in den Proben erhaltenen Makroreste von Pflanzen und die ergebnisse werden ebenfalls in Band 2 publiziert.
    die gräben waren uspünglich Abfallgruben,die mit der zeit "opferguben" wurden.

    Es bleibt also spannend,
    grüße
    9er
     

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