Britisch Indien Gründungsmitglied im Völkerbund?

Dieses Thema im Forum "Die Zeit zwischen den Weltkriegen" wurde erstellt von Lafayette II., 18. April 2016.

  1. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied


    Hallo zusammen,

    ich habe bei Recherchen zu den Commonwealth Realms festgestellt, dass neben den Dominions auch Indien Mitglied bzw. sogar Gründungsmitglied im Völkerbund war. Ich bin jetzt irritiert, dass Indien als Kolonie Mitglied wurde bzw. werden konnte bzw. dass Großbritannien das "gestattet" hat. Ich finde keine Quellen oder weitere Informationen dazu.

    Hat jemand nähere Informationen bzw. Quellen?

    Danke schonmal. :winke:
     
  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Lafayette, ich versteh das auch nicht wie das ist und es geht mir wie Dir.
    1914 wird auf britischer Seite darüber diskutiert Mesopotamien (später Irak) zu einer indischen Kolonie zu machen. [1] Wie das? Indien ist doch selber Kolonie. Also das hat mich erstaunt, da wird wohl eine Subkolonie diskutiert.
    1919 werden Indien und andere Dominions mit eigenen Verhandlungsführern bei den Friedensverhandlungen in Paris auftreten dürfen. [2]
    Ich wunder mich auch.:winke:

    1: Charles Townshend, When God Made Hell - S.74
    2: Margaret McMillan, Paris 1919 - S.45
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. April 2016
  3. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied


    Da bin ich zum Glück nicht der einzige. :) Hinsichtlich der Dominions und deren Entwicklung suche ich selbst noch ein ausführliches Fachbuch, habe aber bislang nichts entsprechendes gefunden. Ich arbeite mich da gerade durch die Geschichte dieser mit dem Wikipediaartikel und dessen Quellenangaben. Für letztere kann ich eigentlich sagen, dass dies eine "de facto" Entwicklung war, die sich durch den 1. Weltkrieg manifestiert hat. So wurde ja der Krieg für die Dominions durch Großbritannien erklärt, während der Versailler Vertrag bereits von diesen unabhängig unterschrieben worden ist. Siehe der ANZAC Day, der ja heute noch in Australien und Neuseeland eine Art Gründungsmythos darstellt.

    Auch hinsichtlich der Außenpolitik generell und des Staatsbürgerschaftsrechts war die Entwicklung mehr oder weniger "de facto", so wurden Botschaften Kanadas und Australiens in den USA in den 20iger Jahren geschaffen, während erst durch die Balfour Erklärung und dem Statut von Westminster es mehr oder weniger offiziell wurde.

    Gerade hinsichtlich der verteidigungspolitischen und staatsbürgerrechtlichen Entwicklung suche ich noch nach Quellen. Gerade bei dem Unterschied zwischen "British subject" und "citizen" habe ich noch so meine Probleme.

    Gruß. :winke:
     
  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    Es könnt auch sein, dass sich da nicht etwas manifestiert hat, sondern ein Schub des Selbstbewustseins der Dominions stattfand.
    Ich weiß es aber net.

    Grüße hatl
     
  5. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Ja, das meine ich. Durch das veränderte Selbstverständnis und -bewusstsein hat man sich mehr Rechte "erlaubt" und "genommen", die sich dann letztendlich durch die Erklärungen und durch das Statut manifestiert hat.
     
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Indien war ein Kaiserreich (seit 1876). Fragt mich nicht, wie das im Detail geregelt war, aber die Kronen des UK und die Indiens waren seit 1876 getrennt, auch wenn sie auf dem gleichen Haupt ruhten.

    BTW, in der UNO waren Weißrußland und die Ukraine Gründungsmitglieder und hatten eine Sitz in der UNO-Vollversammlung. Natürlich waren beide Teil der Sowjetunion, die selber Gründungsmitglied war, und damit in der Vollversammlung über drei Stimmen verfügte.
     
  7. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Das hört sich mehr oder weniger nach "Realpolitik" an. Man hat den Weltmächten zu dieser Zeit einfach Zugeständnisse gemacht.

    Ich habe gerade was gefunden:

    - Stärkung des britischen Ansehens in der Welt durch die Scheinförderung Britisch-Indiens.
    - Schienzugeständnis ohne Reale Macht
    - Realpolitik und stärkerer Einfluss

    https://static-content.springer.com/lookinside/chp:10.1007/978-3-663-15922-3_6/000.png

    p. 108 Jorrowitz, Indien unter Britischer Herrschaft.
    Ist aber vo 1928, daher weiß ich nicht wieweit "korrekt" das ist.

    Was anderes habe ich noch gefunden, nämlich dass der Vertreter ein Fürst gewesen sei. Ergo würde das meiner Meinung nach die Intention Großbritanniens stärken, mehr oder weniger indirekt Einfluss im Völkerbund zu gewinnen.
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

  9. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    "Auf der Pariser Friedenskonferenz hatten die Briten 1919 die Repräsentation Indiens und ihrer Dominions (Australien, Kanada, Neuseeland und Südafrika) durch je eigene Delegationen durchgesetzt. Doch nur 'Staaten, die sich selbst regieren', sollten nach den Worten Woodrow Wilsons Mitglieder des Völkerbunds werden können. Auf das eng ins britische Empire eingebundene Indien traf diese Definition nach Wilsons Auffassung nicht zu. Der britische Delegierte Lord Robert Cecil versicherte indes, dass die britische Regierung alles tun werde, um Indien so schnell wie möglich zu einem sich selbst regierenden Territorium zu machen. Ohnehin habe sich Indien schon durch die Teilnahme an den Pariser Friedensverhandlungen qualifiziert, Gründungsmitglied des Völkerbundes werden zu können.

    Am Ende setzte sich die britische Position durch(...)"
    TWAIL 3.0: Indien, die Juristerei als Wissenschaft und das internationale Recht | Verfassungsblog

    "Dimensionen internationaler Geschichte" J.Dülffer, W. Loth (Hrsg) S.118ff könnte ebenfalls interessant sein.

    @Lafayette und hatl: Ist Indiens Status in dieser Zeit tatsächlich, mit denen der ANZAC-Länder oder Kanadas zu vergleichen oder vielleicht doch "sui generis", wie es die Autorin im Verfassungsblog darstellt?
     
  10. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Danke. Also für mich ist es klar "sui generis" und nicht mit Australien und Co. vergleichbar, weil es eben kein Dominion war und meiner Meinung nach auch UK dies nicht für Indien wollte. Und kein Zugeständnis vor der Entwicklung, sondern zum einen ein Mittel um mehr Einfluss im Völkerbund zu haben, zum anderen ein "Zugeständnis" für die indischen Bewegungen ohne wirklichen Wert, sondern mehr ein zahnloses "unwichtiges".
     
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  11. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Ich habe eine Frage zu den Commonwealth Realms, ich nehme einfach mal diesen Thread, da er am ehesten zu passen scheint - und auch von mir ist :D -.

    Wie ist aktuell die Situation bei der Thronfolge? Zum einen muss der Nachfolger von Queen Elizabeth II. Doch eigentlich von jedem Commonwealth Realm bestätigt werden. Es könnte eventuell sein, dass alle außer z.b. Kanada dies tun und somit eine andere Person aus der königlichen Familie Monarch wird - wenn überhaupt. (ich muss an Edward denken, wenn er nach dem Skandal Monarch geworden wäre). Ist das richtig so?

    Das andere betrifft die Nummerierung. Aktuell ist es überall Elisabeth II., aber wie ich hinsichtlich Schottland gelesen habe, gab es durchaus die Diskussion, ob es nicht Elisabeth I. Wäre, da Elizabeth nie Monarchin von Schottland gewesen ist. Wie wäre das bei anderen Nummerierungen, wenn einer der Vorgänger nie Monarch in einem Commonwealth Realm war? (ich denke an einen Potenziellen Charles III.)

    Danke schön :)
     

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