Britisch–Indien

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von ursi, 13. August 2004.

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  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Kolonialismus
    Kolonisation bezeichnet im Kern einen Prozess der Landnahme, Kolonie eine besondere Art von politisch-gesellschaftlichen Personenverband, Kolonialismus ein Herrschaftsverhältnis.
    Definitionen:
    Kolonialismus, wirtschaftliche Expansion, die in Form polit. Beherrschung einer unterlegeneren Zivilisation abgesichert wird. (Meyers Lexikon)

    Kolonialismus ist eine Herrschaftsbeziehung zwischen Kollektiven, bei welcher die fundamentalen Entscheidungen über die Lebensführung der Kolonisierten durch eine kulturell andersartige und kaum anpassungswillige Minderheit von Kolonialherren unter vorrangiger Berücksichtigung externer Interessen getroffen und tatsächlich durchgesetzt werden. Damit verbinden sich in der Neuzeit in der Regel sendungsideologische Rechtfertigungsdoktrinen, die auf der Überzeugung der Kolonialherren von ihrer eigenen kulturellen Höherwertigkeit beruhen. (Jürgen Osterhammel)

    Kolonialismus soll heissen, die Kontrolle eines Volkes über ein fremdes unter wirtschaftlicher, politischer und ideologischer Ausnutzung der Entwicklungsdifferenz zwischen beiden. (Wolfgang Reinhard)

    Es gibt drei verschiedene Arten von Klassifikationen:
    1. Beherrschungskolonien
    2. Stützpunktkolonien
    3. Siedlungskolonien


    Beherrschungskolonien/Herrschaftskolonien

    Die Kolonialmacht beschränkt sich nicht nur auf Stützpunkte, sondern kontrolliert das ganze Land, ohne es durchgehend der Neubesiedlung zu unterwerfen:
    Zwei Formen:
    1. Hispano- amerikanische Typ
    Steht der Siedlungskolonie nahe. Einwanderer lassen sich auf Dauer in der Kolonie nieder. Existenz wird in erster Linie auf die Herrschaft über eine eingeborene Mehrheit.

    2. Asiatisch-afrikanische Typ
    Musterfall = britisch-Indien
    Herrschaft einer verschwindenden Minderheit von nicht einmal permanent ansässigen Kolonialherren über eine überwältigende Minderheit von Einheimischen.
    Beide Formen sind auf Kollaborationen einheimischer Helfer angewiesen.
    Stützpunktkolonien

    Stützpunkte dienten zum Handel und wirtschaftlichen Beziehungen. Militärische Präsenz dient zur Sicherung. Die Briten haben mit Stützpunkten ihr weltweites Netz von Flottenstützpunkten aufgebaut.
    Siedlungskolonien

    Urtyp von Kolonien. Nutzung billigen Landes und billiger (fremder) Arbeitskraft.
    Imperialismus
    Imperialismus der Begriff unter dem alle Kräfte und Aktivitäten zusammengefasst werden, die zum Aufbau und zur Erhaltung transkolonialer Imperien beitragen
    Die britische Ostindienkompanie
    Die britische Ostindienkompanie EIC wurde im Jahre 1600 gegründet. Die EIC verhandelte mit dem Mogulherrscher Jahangit und im Dezember 1612 gründeten die Briten die erste Handelsstation in Surat am Golf von Khambhat

    Stützpunkt in Orissa 1633
    Gründung von Madras 1639
    Handelsprivilegien in Bengalen 1651
    Kauf von Bombay 1661
    Handelsvertrag mit den Marathen 1674
    Gründung Kalkutta 1690

    Im 18. Jahrhundert Krieg mit den Franzosen in Indien.
    Nach dem siebenjährigen Krieg in Europa kam es zur Entscheidung zwischen Frankreich und England. England besiegte Frankreich und wurde so praktisch Herrscher über Bengalen.

    Bengalen war strategisch, politisch und territorial wichtig für die EIC. Deren Ziel es war diese Position zu festigen und auszubauen.

    Ab 1773 wurde die EIC zum halboffiziellen britischen Regierungsbehörde.

    Zu Beginn des 19. Jahrhunderts standen die Konturen von Britisch-Indien fest. Küste und fruchtbare Gebiete des Inlandes waren in britischer Hand. Verbündete Fürsten waren in ihrer Innenpolitik autonom, sie hatten aber keine aussenpolitischen Handlungsfreiheiten.
    Ursachen der britischen Territorialherrschaft
    Zwei Aussagen:
    Die Briten glaubten denen die meinten „das Reich sei ihnen in den Schoss gefallen“
    „Indien sei mit dem Schwert erobert worden und könne nur mir dem Schwert gehalten werden.“

    Die Eroberung Indiens ist nie stark in das Bewusstsein der britischen Öffentlichkeit gedrungen. Der nationale Einsatz wurde nicht gefordert um Indien zu erobern. Die Schlachten waren keine bedeutsamen, sie wurden vor allem von indischen Truppen geführt und die britischen Steuerzahler mussten dafür nichts bezahlen. Die indischen Truppen wurden aus Steuergelder von Indien bezahlt.

    Waffengewalt spielte bei der Eroberung und später bei der Erhaltung der britischen Herrschaft eine entscheidende Rolle, sie wurde aber wohldosiert eingesetzt.

    Die Briten mussten ihren Einsatz berechnen. Sie hatten von den indischen Herrscher sehr guter Anschauungsunterricht. Diese festigten ihre Herrschaft durch kriegerische Raubzüge oder durch Steuern oder von beidem.
    Vorteil der Briten:
    Es handelte sich um eine Organisation die flexibel war und sich auf neue Bedingungen einstellen konnte.
    Errungenschaften wurden klug und weitblickender, kühner und skrupelloser eingesetzt.
    Die EIC bot ihren Mitarbeitern vielseitige Berufserfahrungen und rasche Beförderungen
    Junge ehrgeizige Männer bekamen Posten mit grosser Verantwortung
    Voraussetzungen in Indien
    EIC spezialisierte sich auf Handel mit Textilien aus Bengalen und bezahlte diese mit barer Münze
    Dieser Handel erforderte das eindringen in den Binnenhandel und der Erwerb von Landeskenntnissen

    Nordindien zwischen Mogulreich und British Empire: Das Beispiel des Fürstenstaates von Awadh

    Lage: in einer landwirtschaftlich ertragreichen Region Indiens
    Interesse des EIC:
    Flusssystem von Ganges und Jamna zu beherrschen.
    Ausweitung der Handelskapazitäten.
    Kontrolle über die Anbaugebiete von Nutzfrüchten  Handel mit China und Europa.
    Zusätzliche Steuereinnamen.

    Nach der Schlacht von Baksar (1756) Friedensvertrag mit Awadh, ungleicher Vertrag
    = günstige Zoll- und Handelsbedingungen

    Ab 1764 unterhielt die EIC einen Commercial Agent am Hofe des Nawab, später umgewandelt in einen Resident  politischer Vertreter der EIC, er schaltete sich direkt und aktiv in die innern Angelegenheiten des Staates ein. Weiter er Vertrag  Umfang und Zusammensetzung seiner Armee, vorgeschriebenen durch die EIC. Später musste er die Oberhoheit der Gebiete des Rajas von Benares an die Company abtreten.

    Kontrolle der Briten über das Flusssystems: Son, Ganges und Ghayra
    Handel in Richtung Bengalen
    Grundsteuererhebung

    Zwei Mechanismen zur Unterminierung der politischen und ökonomischen Unabhängigkeit Awadhs:
    1. Up Country trade
    Privat organisierter Handel von europäischen Händlern, die sich die von der Company aufgebaute Infrastruktur zunutze machten. Konnten sich rasch ausbreiten. Aggressives Mittel der ökonomischen Penetration, europ. Rechtssprechung Anbau von Baumwolle, Indigo und Zuckerrohr.
    2.Subsidiärverträge = ungleiche Verträge diese führten zu einer politischen und wirtschaftlichen Beherrschung durch die EIC.

    Die Briten verpflichteten sich zur Bereitstellung von Truppen.
    Awadh verlor seine politische Unabhängigkeit. Der Fürstenstaat durfte keine Kontakte mehr zu anderen Staaten ohne die Einwilligung der Briten unterhalten.
    Eigene Rechtssprechung für Europäer
    Britische Truppen mussten aus der Steuerkasse Awadhs finanziert werden. Umfang und Bezahlung wurde durch die Briten festgelegt.
    Die Annexion wurde mittels Vertragswerken vorbereitet.
    Ambitionen der EIC:
    Vermehrung des politischen Einflusses
    Einnahmensteigerung durch die Steuern um die verschuldete EIC zu retten und weitere Expansionskriege zu finanzieren
    Ausbau des Handels
    Übergang der EIC zur Territorialherrschaft in weiten Teilen Indiens.
    1800 bis 1858
    1773 wurde in London ein neues Gesetz verabschiedetet die Regulation Act. Die EIC sollte als Puffer zum einheimischen politischen System herhalten. Man wollte von den Ereignissen in Indien nicht betroffen werden. Um diese Position zu erfüllen musste die Führungsstruktur der Company verbessert werden.
    Amt des Generalgouverneurs
    Rat zu seiner Unterstützung mit Sitz in London

    Ab 1784 hatte der Generalgouverneur das alleinige Sagen in Indien. In London gab es einen politischen Aufsichtrat, ein Vorläufer des späteren Staatssekretärs für Indien. Es wurde ein geheimer Rat gebildet, der aus Mitgliedern des Aufsichtsrats und drei Direktoren der EIC bestand. Sei waren das Entscheidungsgremium und gaben dem Generalgouverneur politische Richtlinien.

    Das Aufsichtsorgen befasse sich nicht mit Handel, sondern steckte den Rahmen des Generalgouverneurs ab und vermittelte zwischen dem autokratischen System in Indien uns dem politischen System in London.

    Der Verfassungsstruktur erwies sich als Stabil genug um die EIC in ein Regierungsdienstleistungsbetrieb zu verwandeln. Erster Generalgouverneur in Indien war Warren Hasting.

    Der zweite Generalgouverneur Lord Cornwallis konnte, dank dem neuen Gesetz zwei Massnahmen durchsetzten die für die weitere Entwicklung der britischen Herrschaft in Indien von Bedeutung waren.

    1. Die Angestellten der Gesellschaft, die bisher nur minimale Gehälter erhielten, wurden zu hochdotierten Beamten von denen Unbestechlichkeit erwartet wurde. Mit diesen Beamten besetzte er alle wichtigen Verwaltungsstellen indische Beamte wurden ausgeschlossen.  Instituinalisierung von Herrschern und beherrschten.
    2. Permanent Settlement wurde als Steuerveranlagung festgeschrieben (siehe Steuersysteme)

    Bengalen wurde zu Ader gelassen, Zölle und andere Abgaben besteuerten den wachsenden Handel. Mit den Einnahmen musste Tribut nach London bezahlt werde und die Eroberungszüge in Indien finanziert werden. Lord Wellesly schloss die Feldzüge erfolgreich ab, doch die Ereignisse in Europa trafen die EIC empfindlich = Kontinentalsperre

    Rückgang der Exporte aus Bengalen. Die Aufrechterhaltung des Handelsmonopols war nicht mehr nötig und wurde 1813 abgeschafft. Jetzt war die Kompanie nur noch eine Handelsfirma unter vielen. Der Handel diente nur noch dazu Tribut zu zahlen.
    Agency Houses

    Vor 1813 hatten sie die Aufgaben die Versorgung der Briten mit europäischen Konsumgütern oder den gewinnbringenden Einsatz von Ersparnissen der Angestellten der EIC im country trade zu organisieren. Nach der Öffnung des Indienhandels stiegen die Agency Houses in s Indiengeschäft ein. Sie finanzierten Produktionen und sorgten dafür das ich r Bedarf zu geringen Preisen gedeckt wurde. Sie fungierten auch als Hausbank. Ein Grossteil ihres Kapitals investierten sie in das Indigogeschäft, das sehr Krisenanfällig war. Es kam zu Bankrotten und die Agency verschwanden. 1833 beschloss das Parlament das die EIC sämtliche Handelsgeschäfte einstellten müsse und nur noch ihre Herrschaftsfunktion ausüben solle.
    Der Aufbau der britischen Kolonialmacht in Nordindien
    Das Privateigentum in Indien
    Land und Ackerbau waren in Indien bis in 19. jahrhundert im Überfluss vorhanden. Grundeigentum war kein Wirtschaftsfaktor. Die EIC Beamten massen die Fortschrittlichkeit an der Veräusserbarkeit von Grund und Boden. In Indien waren die Arbeitskräfte knapp nicht der boden. Die Briten fanden keine den ihren vergleichbaren eigentumsreichlichen Vorstellungen.

    Jagiradare = Militärische Würdenträger (Administration des Mogulreichs)
    Zamindare = Grundbesitzer und Steuereintreiber

    Beide konnten vom Mogul beliebig eingesetzt werden. Den Briten war es Grundsätzlich egal wie die Eigentumsverhältnisse in Indien waren. Die Steuerbeamten legten die Landsteuer nach belieben fest.
    Das britisch-indische Steuersystem
    In Indien zur Mogulzeit gab es unterschiedliche Steuersysteme, die Briten folgten zumeist den Methoden ihrer Vorgänger, reduzierten aber die Systeme auf drei verschiedene. Sie hatten aber nicht das notwendige Fachpersonal und ihre Kenntnisse über Land, Boden und Produktion in der Gebieten war nicht ausreichend.
    1. Das Zamindari Settlement später das Permanent-Settlement in Bengalen
    Der Zamindari war früher mit dem Steuereinzug bei den Moguln beauftragt. Die Briten machten aus ihm einen Grossgrundbesitzer und die Bauern wurden zu Pächtern. Für die Bauern machte es keinen Unterschied an wem sie ihre Steuern zahlen müssen.
    Das Rechtsverhältnis war zwischen den Briten und dem Zamindari geregelt. Diese wurden bei Steuersäumigkeiten belangt. Nun konnten die Briten Grundbesitz Zwangsauktion wenn Unregelmässigkeiten eintrafen.
    Das Rechtsverhältnis zwischen Zamindari und Bauern blieb bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ungelöst. Dies war für die Briten nicht interessant, das die Grossgrundbesitzer schaffen wollten und nur eine Person belangen wollten bei Steuersäumigkeiten.

    2. Rayatwari Settlement
    Im Herzstück des Mogulreichs, in Doab und Rohikhand, führten die Briten ein anders Steuersystem ein.
    Die Grundsteuern wurden soweit es ging mit den Bauern festgesetzt. War dies nicht möglich konnten auch Dorfgemeinschaften als gesamtes zur Entrichtung der Steuern herangezogen werden. Es musste aber ein Bauer für die Gesamtsumme verantwortlich sein.

    3. Mahalwari Settlement
    1822 unternahmen die Briten einen neuen Ansatz der Steueradministration. Konnte ein Grundeigentum nachgewiesen werden, so waren die Verhandlungen mit Einzelpersonen zu führen, es konnte entweder das Zamindari-Settlement als auch das Rayatwari-Settelement zu Anwendung kommen. Das System war aber schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt.

     Die Beamten waren nicht Gerüstet
     Zu wenige Mitarbeiter und zu grosses Land

    Die Briten waren die Erfolgreicheren Steuereintreiber als die Moguln. Sie setzten in Bengalen 1789 die Grundsteuer fest und dies hatte den Vorteil, das Land nicht immer wieder neu abschätzen zu lassen. Es half auch Unruhen zu vermeiden, denn jede Schätzung konnte bei den Bauern Missmut hervor rufen.
    Die Zamindare mussten nun ihre Steuern an einem festgesetzten Tag beim brit. Steuerbeamten abliefern. Möglichkeit der Stundung oder Nachlasses gab es nicht. Die EIC konnte aber auch nicht die Forderungen anheben.
    Bei den Grundsteuerreformen hatten die Briten nie die Absicht einen Steuernachlass zu gewähren.
    Bauern hatten ein ungleiche und unausgewogene Steuerlast
    EIC war darauf aus möglichst viele Steuereinnahmen zu erzielen
    Verarmung der Bauern
    Die Bildung
    Die Inder
    Es musste eine neue indische Bildungsschicht entstehen. Sie mussten Englisch als Verwaltungssprache lernen. Es gab bald verschiedenen westliche College, deren Absolventen Posten im Verwaltungsdienst, als Richter, Rechtsanwälte, Lehrer und Professoren wurden. Der höhere Verwaltungsdienst blieb ihnen aber verwehrt.
    Die Briten
    Die Direktoren des EIC durften eine gewisse Anzahl von Kandidaten stellen. Diese gingen dann aufs Haileybury College in England. Sie absolvierten einen Lehrgang in dem sie auf ihre neue Aufgabe vorbereitet wurden. Ab 1826 konnte das College nicht mehr genügend Beamte nach Indien senden uns so ward die EIC gezwungen auch von den anderen Colleges Absolventen zu nehmen, sie mussten eine Aufnahmeprüfung ablegen.
    Der Aufstand der Händler, Bauern und Soldaten von 1857/58
    Ursachen und Anlass des Aufstandes

    Die EIC hatte finanzielle Probleme, diese versuchten sie durch Annexionen indischen Territoriums zu lösen. Sie erhofften sich mehr dadurch mehr Steuereinnahmen.

    Lord Dalhousie meinte: „Wenn ein indischer Staat schlecht regiert werde und damit das Wohl der Allgemeinheit leide, so habe die britisch-indische Regierung das Recht und die Pflicht, diesen Staat zum Wohlergehen der Bevölkerung unter ihren Schutz zu nehmen.“

    Doctrine of Lapse
    ... dass bei fehlendem Nachfolger eines indischen Herrschergeschlechts das entsprechende Staatsgebiet an die EIC fallen soll. Das Hindu-Erbrecht sah aber auch einen Adoptivnachfolger als legitim an.

    Dieses Verhalten der EIC hätte nicht dazu geführt, das die Fürsten, Söldner, Grundherren und die Bauern gemeinsam zum Kampf gegen die Briten aufriefen. Eine Meuterei der Armee gab das Signal zu Aufstand. Der äussere Anlass war die Verteilung neuer Patronen, die mit tierischem Fett geschmiert waren, das die religiösen Reinheitsvorschriften der Soldaten verletzte.
    Vertrauensverhältnis zwischen den indischen Soldaten und den britischen Offizieren war nicht mehr so intakt. Britische Offiziere waren Berusssoldaten und sahen daher in den indischen Söldnern Diener. Die Soldaten waren aber selbstbewusst und kriegserfahren. Taktgefühl wäre angebracht gewesen. Das Ereignis ist ein Musterbeispiel für den Mangel an Taktgefühl bei den britischen Offizieren.

    Der britische Oberst der in Meerut in der nähe von Delhi stationiert war, wollte den Gerüchten über die neuen Patronen öffentlich entgegentreten und ein Exempel statuieren.
    90 Soldaten mussten antreten und die Patronen wurden verteilt. Bis auf 5 Mann verweigerten alle diese. Der Oberst leitete ein Kriegsgerichtsverfahren wegen Befehlsverweigerung ein. Die Soldaten wurden zu langenjährigen Zuchthausstrafen verurteilt, der Oberst lies die ganze Truppe antreten um sie zu sehen zu lassen wie die Verurteilten in Ketten gelegt wurden.
    Am nächsten Tag brannte die Kaserne und in Mirat wurde das Cantonment gestürmt. Händler und Handwerker beteiligten sich an den Plünderungen der britischen Einrichtungen. Das Hauptquartier wurde zerstört, darin befanden sich die Steuerrollen. Die Unruhen breiteten sich aus und die meuternde Soldaten, Händler und Bauern zogen nach Delhi.
    Ein britischer Versuch den Ausstand zu stoppen gab es nicht. Der Mogul wurde nicht geschützt, dieser Schloss sich widerwillig den Aufständischen an. Von Mai bis Sept. 1857 konnten die Aufständischen Delhi halten.
    Erst als die Briten irreguläre Sikh Truppen unter britischer Führung aufstellten kann die Wende. Rückeroberung Delhis und Laknaus. Die Gerichte übten grausame Rache an den Indern
    Auswirkungen nach dem Aufstand
    Reform 1858
    Die Reform diente dazu die Macht zu stabilisieren.
    Rückgängig machen des antitaluqdar-settlement
    Integration der Taluqrare
    Auflösung der EIC und Erklärung zur Kronkolonie
    1874 wir Königin Victoria Kaiserin von Indien

     Die Briten haben die Nachfolge der Moguln in Indien angetreten.

    Reform der Pachtverhältnisse

    Act X of 1859
    Wenn ein Bauer nachweislich sein Land über 12 Jahre bestellt hatte, war er zur weiten Kultivierung berechtigt.
    Die Pachtregelung sagte nicht über Pachterhöhnung aus.
    Das liberale Bewusstsein der Briten gegenüber den Indern war nach dem Aufstand nicht mehr vorhanden.

    „Die Briten brachten Segnungen der Zivilisation einem Dankbaren Indien, Indien habe sich aber als undankbar und feindselig verhalten.“

    Die neue Bildungsschicht war Loyal geblieben und hat sich hinter den Briten versteckt. Die Briten dankten es mit Verachtung. Man wollte mit dieser Schicht nichts mehr zu tun haben. Davon profitierten die Grundherren und Fürsten die sich aus dem Aufstand herausgehalten haben.

    Es kam eine neue einflussreiche Beamtenschaft nach Indien, die aus einer aristokratischen Schule kamen. Diese bestimmten nun die politischen Entscheidungen.

    Indien war konservativ und sollte daher auch konservativ regiert werden.
    Das britisch-indische Imperium
    Aus dem Generalgouverneur wurden nun Vizekönige, die aber auch in einem Fünfjahreszyklus abgelöst wurden. Diese kurze Amtszeit erlaubte es dem Vizekönig kaum, einen Sachaverstand zu erwerben, der ihm ein wirksames Eingreifen ermöglichte. Der Beamtenapparat bereitete alle Entscheidungen soweit vor, dass dem Vizekönig allenfalls noch ein Vetorecht verblieb.

    Parlament in London beschäftigte sich nur selten mit Indien
    Das Budget des Indienministeriums wurde vom indischen Steuerzahler getragen, deshalb interessierte sich das Parlament bei den Haushaltsdebatten nicht dafür
    Die Bürokratie in Indien hatte weitgehend freie Hand

    Ab 1861 gab es neben der Exekutive auch noch eine Legislative.

    Die Exekutive konnte sich selber Gesetzte geben, die den Erfordernissen der Verwaltung entsprachen. Das Unabhängige Oberlandesgericht in Bombay, Madras und Kalkutta, führten diese Gesetze durch ein unbequemes Urteil ins absurdum, so dass die Bürokratie ihre Arbeit noch einmal machen mussten. Die Richter handelten lieber nach englischer Sitte und wollten mit Präzedenzfällen arbeiten. Die Bürokraten liessen sich nicht entmutigen uns schufen ein imposantes Gebäude an britisch –indischer Gesetzgebung, das später auch in andere Kolonien exportiert wurde:
    Zivilprozessordnung
    Gesetz über die Beweisaufnahme
    Eigentumsübertragung
    Die Gesetze wurden von Expertenkommissionen geschrieben.
    Beim Pächterschutzgesetz und den Gesetzen zum Schutz verschuldeter Bauern gab es heftige Debatten. Hier wurde gegen die von den Briten selbst verteidigte Vertragsfreiheit verstossen, die als eine der Segnungen der britischen Herrschaft betrachtet wurde.

    In der Legislative gab es keine Partein, deshalb gab letztlich die Meinung der höchsten Beamten den Ausschlag. Die Zentralregierung hatte kein eigenen Besamtenkorps.
    Administration und Indian Civil Service

    Die Herrschaft der EIC ging 1858 zu Ende.


    Quellen: Jürgen Osterhammel, Kolonialismus
    Wolfgang Reinhard, Kleine Geschichte des Kolonialismus
    D. Rothermund, Indiens wirtschaftliche Entwicklung, Von der Kolonialherrschaft bis zur Gegenwart
     
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