Buch über Napoleon Bonaparte gesucht

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von KaraBey, 23. November 2018.

  1. KaraBey

    KaraBey Neues Mitglied


    Hallo, ich würde mir gerne ein Buch kaufen, welches Napoleon thematisiert. Da es mein Erstes dazu wird sollte es großmöglichst alle Aspekte über ihn abdecken, statt sich auf eine bestimmte Kampagne zu beziehen. Es kann schon ein Brocken sein, also ein ausführlicher Band, als nur sporadisch alles mal ankratzen. Bis jetzt stehen für mich Namen wie Georges Lefebvre, Jean Tulard und Munro Price im Raum, jedoch wüsste ich gerne was ihr mir letzendlich tatsächlich empfehlen würdet. Danke im Voraus :)
     
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  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dwyer ist wohl derzeit das Referenzwerk. Willms ist in Deutschland wohl am bekanntesten.

    Zusätzlich gibt es eine breite Literatur zu seinen militärischen Wirken.

    Cronin, Vincent (1994): Napoleon. London: HarperCollins.
    Dwyer, Philip G. (2007): Napoleon. The path to power 1769 - 1799. Vol. 1. 2 Bände. London: Bloomsbury.
    Dwyer, Philip G. (2013): Citizen emperor. Napoleon in power 1799 - 1815. Vol. 2. 2 Bände. London: Bloomsbury.
    Ellis, Geoffrey James (2013): Napoleon. London: Routledge, Taylor and Francis (Profiles In Power).
    Lefebvre, Georges; Schöttler, Peter (Hrsg.) (2003): Napoleon.. Stuttgart: Klett-Cotta.
    Markov, Walter (1996): Napoleon und seine Zeit. Geschichte und Kultur des Grand Empire. . Leipzig: Ed. Leipzig.
    Tulard, Jean (1978): Napoleon oder der Mythos des Retters. Eine Biographie. . Tuebingen: Wunderlich.
    Willms, Johannes (2005): Napoleon. Eine Biographie. München: Beck.
     
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  3. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied


    Zu den deutschsprachigen Ausgaben:
    Ich glaube, dass man wenigstens Cronin, Tulard und Willms lesen sollte, weil sie doch recht unterschiedlich in den Schwerpunkten und Bewertungen sind. Erst dann, glaube ich, erhaelt man ein einigermassen abgerundetes Bild.

    Gruss, muheijo
     
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  4. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Wenn man übrigens Lust hat, der napoleonischen Propaganda im Reinformat unterliegen zu wollen, dem sei "Napoleon Ich, der Kaiser" empfohlen. Es ist ausdrücklich als Autobiographie zu verstehen, basiert auf seiner Korrespondenz, Diktaten und Bulletins. Eine vergnügliches Buch, besonders, wenn man die o.g. Bücher zum Vergleich heranzieht.

    Mein allererstes Buch über Napoleon war von David Chandler. Das ist hauptsächlich interessant für diejenigen, die sich für die militärische Seite Napoleons interessieren. Dann ist es allerdings ein "Muss", jedenfalls als Einführung/Übersicht.

    Um auch mal eine Liste von Biografien der Klasse B aufzumachen:
    Zu oberflächlich fand ich "Napoleon" von Herman Lindquist, Andererseits auch leicht zu lesen. (Gibt's den eigentlich auf Deutsch?). Lindquist hat mit "Karl Johan" eine weitaus bessere Biographie zu Bernadotte herausgegeben.
    Norweger haben zwei weitere Biografien zu lesen, und zwar von Eugen Tarle und Philipp Bouhler (Et genis kometbane), eine Übersetzung aus dem Russischen bzw. Deutschen. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass da nichts von hängen geblieben ist.
    Genausowenig wie von der "Volksausgabe" "Napoleon Bonaparte - Ein Lebensbild für die deutsche Jugend" von G.Gramberg - ein dünnes Buch, dass allenfalls zur Leseübung der altdeutschen Schrift taugt.
    Und dann gibt es noch einen Dmitri Mereschkowski, der über "den Menschen" Napoleon geschrieben hat. Na ja, immerhin mal ein etwas anderer Blickwinkel.

    Aber was immer man sich entscheidet zu lesen, der Vorteil bei Napoleon ist, dass seine Geschichte in sich selbst spannend ist. Da muss ein Autor schon wirklich schlecht sein, um die Lektüre langweilig werden zu lassen.

    Viel Spass beim Lesen,

    muheijo
     
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  5. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Hat jemand schon die aktuell in den Läden liegenden Biographien von Gueniffey und Zamyski gelesen? Letztere wurde bei Amazon in Grund und Boden verrissen
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  7. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Von Zamoyski kenne ich "1812 - Napoleons russiske tragedie", das ja inzwischen auch auf Deutsch erhältlich ist. Das halte ich für ein hervorragendes Buch, wenn man sich intensiver mit dem Feldzug von 1812 befassen will. Beleuchtet beide Seiten, ist auch für den militärischen Laien gut geschrieben, aber beschränkt sich eben nicht nur auf das Militärische sondern auch die politischen Hintergründe. Absolut empfehlenswert!

    Es ist sehr schade, wenn die Biografie nicht ebenso geglückt sein soll. Aber wie bei Lindquist gilt wohl, einmal gut bedeutet nicht automatisch immer gut.

    Gruss, muheijo
     
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  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wobei da Napoleons Weltbild ganz gut rüberkommt, das auch etwas menschenverachtendes hat, so wenn er den Italienern attestiert, dass sie eh unfähig wären sich selbst zu regieren, weshalb er sie diktatorisch unterjochen müsse.
    Ich habe mal ein paar Kapitel gelesen, aber bin da tatsächlich wegen des Stils nicht sonderlich weit gekommen. Hab's dann an einen Napoleonfan weiterverschenkt, der jetzt aber auch keiner mehr in der Art ist. :rolleyes:

    Ich muss aber auch sagen, dass ich das ultimative Buch zum Thema nicht sagen könnte. Liegt bei mir auch zu weit zurück, dass es mich beschäftigt hat und die neuere Literatur hab ich garnicht gelesen. Damals aber auch die eine oder andere Biographie, v.a. von Franzosen glaub ich.
     
  9. KaraBey

    KaraBey Neues Mitglied

    Hey, aufgrund Zeitdrucks eines vorstehenden Referats, habe ich ganz schnell das Buch von Volker Ullrich und Georges Lefevbre erworben. Hoffe mal dass sind keine Fehlkäufe, aber bis jetzt bin ich zumindest von der Volker Ullrich Version begeistert(kurz und knackig). Freue mich auch schon auf das dickere Buch von Lefevbre. Ich werde meine Sammlung jedoch definitv mit der Zeit aufstocken(durch eure empfohlenen Bücher), da wie vom lieben @muheijo erwähnt, Napoleons Geschichte so spannend und faszinierend ist, dass man sich da dutzende Bücher durchlesen kann ohne sich zu langweilen oder nur noch Wiederholungen zu lesen. Danke für all eure bisherigen Beiträge
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Methodisch ist muheijo sehr nahe am Kern einer aktuellen und kritischen Geschichtswissenschaft. Zu jedem Thema gibt es rivalisierende "Erzählungen" (Narrativ) , auf Deutsch, Englisch oder Französisch, und ein fundiertes eigenes Urteil kann nur zustande kommen, wenn man die alternativen Narrative für sich selber zuläßt.

    Dann kann man eine spannende Reise machen und die Facetten seiner eigenen Beurteilungen kennen lernen. Und ich kann als Ergebnis für mich festhalten, dass orthodoxe Narrative "alle" falsch sind und am spannendsten die "heterodoxen" Narrative bzw. auch damit zusammenhängende Theorien sind.

    In diesem Sinne, viel Spass bei Deiner Reise in die spannenden Facetten eines "Napoleons", der wie wenige historische Personen Licht und Schatten so stark in sich vereinigt.
     
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  11. Shinigami

    Shinigami Neues Mitglied

    Mit Lefevbre machst du, meiner Erfahrung nach nichts falsch. Was Ullrich betrifft, charakterisierst du es mit "kurz und knackig", meine ich, recht gut, ich würde allerdings noch "insgesamt enttäuschend" hinzusetzen. Als grobes Überblickswerk und damit für ein Schulreerat sicherlich tauglich, für alles weitere eben auf Grund der knappen Ausführung und der daraus resultierenden Eindimensionalität eher nicht zu gebrauchen, es sei denn man wollte eine Rezeptionsgeschiche vor dem Kontext populärer und tradierter Geschichtsbilder am Beispiel des Kaisers der Franzosen zusammenzimmern.
     

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