Buchempfehlungen zum 30-jährigen Krieg

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von Loris, 6. April 2015.

  1. Loris

    Loris Neues Mitglied


    Kann mir jemand gute Bücher über den 30-jährigen Krieg, auch zur Vorgeschichte, empfehlen?

    Ich habe bisher die Bücher von R. Huch, F. Schiller und C.v. Wedgewood gelesen, außerdem die Wallenstein Biographie von G. Mann und Richelieu von C.J. Burkhardt.

    Jetzt habe ich mir die Bücher von K. Kunze und P. Milger bestellt.


    Gibt es noch andere Bücher zu dieser Zeit die ihr empfehlen könnt?


    Vielen Dank schon mal im Vorhinein,
    Loris.
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

  3. Jörg Olbrich

    Jörg Olbrich Neues Mitglied


    Verwüstung kann ich ebenfalls nur empfehlen
     
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    unverzichtbar ist hierzu auch ein gewichtiges Stück Weltliteratur:
    Grimmelshausen: Simplicius Simplicissimus
    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_abenteuerliche_Simplicissimus
     
  5. timeless

    timeless Neues Mitglied

    Habe mir auf Empfehlung hier ebenfalls "Verwüstung" gekauft und komme gut voran. Was meines Erachtens leider etwas zu kurz kommt bei Darstellung all der politischen Winkelzüge & militärischen Truppenbewegungen ist eine detailliertere Schilderung der tatsächlichen Verwüstung bzw. Verheerung der Zivilbevölkerung, die in "Verwüstung" meist nur am Rand erwähnt wird. Gibt es dazu außer literarischen Darstellungen (Gryphius, Grimmelshausen) auch Veröffentlichungen von Historikern?
     
  6. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

    Beispiel Wetter/Hessen

    Ab Seite 37/38

    [FONT=&quot][FONT=&quot]https://books.google.com/books?id=K3gAAAAAcAAJ&pg=PA263&dq=krieg+Wetter+Plitt&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiGluG5_LfJAhWhJXIKHajJBUsQ6AEIIDAB#v=onepage&q=krieg%20Wetter%20Plitt&f=false


    [/FONT]
    [FONT=&quot]Link klappt nicht: [/FONT][/FONT]
    [FONT=&quot]
    [/FONT]
    Nachrichten von der Oberheßischen Stadt Wetter und denen daraus abstammenden ... von Plitt ist bei e-books


    [FONT=&quot]

    von Biedenkopf (mit Serbischen Ureinwohner) gibt es auch en Schilderung, muss ich mal nachschauen.
    [/FONT]

    en hesse
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2015
  7. ning

    ning Gesperrt

  8. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    "Gegen Land und Leute, Der Dreißigjährige Krieg"
    von Peter Milger
     
  9. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Hallo zusammen,

    das Buch von Christoph Kampmann kann ich Euch empfehlen. Zur Vorgeschichte und frühen Phase des Krieges auch Leins, Prager Münzkonsortium.

    Gruß, Peterchen
     
  10. ning

    ning Gesperrt

    Englund = Mist.

    Verwüstung gelesen und zutiefst den Kauf (meiner lieben Weihnachts-Schwester) bedauert! Interessant war nur, DASS es aus schwedischer und dabei selbstkritisch-objektivierender Sicht ist. Ärgerlich, peinlich vereinfacht und manchmal sogar haarsträubend verfälscht ist die gesamte "reichstreue" bzw. kaiserliche-ligistische Betrachtung und foglich Darstellung. Beinahe in "amerikanischer Ferne" und völlig verständnislos tastend. Ein hochgejubelter Quatsch, schon wieder ... schade eigentlich um den Erik Dahlberg-Rahmen darum ...
    -
    Was lob ich mir da Ricarda Huch und Schiller, oder Das Treffen von Telgte, wenn schon "literarisch" ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Dezember 2015
  11. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Hallo ning,

    ich bin von Englunds "Verwüstung" auch nicht begeistert. Wenn Du in die literarische Richtung gehst, ist sicher Golo Manns Wallenstein für die erste Kriegshälfte immer noch eine Empfehlung. Auch C.V. Wedgwood, Der Dreißigjährige Krieg, wurde relativ gut ins Deutsche übersetzt.

    Ein weiterer Klassiker ist Herber Langer, Kulturgeschichte des Dreißigjährigen Krieges, reich bebildert, hochwertig ausgestattet und v.a. sehr gut geschrieben. Letzteres mehr für die stückweise Lektüre, während man Wedgwood oder Mann auch wunderbar auf einen Sitz lesen kann, dabei natürlich auch Zeit braucht.

    Soll es eindeutig wissenschaftlich sein, ohne Ambition auf einen schönen Schreibstil, aber geistig anregend: Johannes Burkhardt! Dann gibt es noch die englischen Bücher von Ronald G. Asch, Thirty Years War und von Peter H. Wilson, Europe's Tragedy. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was man so finden kann.

    Wenn Du Deine Wünsche genauer beschreibst, kann ich Dir gerne den einen oder andern konkreteren Hinweis geben.

    Viele Grüße
    Peterchen
     
    1 Person gefällt das.
  12. ning

    ning Gesperrt

    Danke dir Peterchen für die Antwort!

    ... kurz noch zu Englund: Es hat mich so verärgert, dass der HIER gelobt wird. Nicht mal in der ->überarbeiteten<- Auflage redigiert er seine schweren Fehler, wie auswahlsweise: Italien war laut ihm KEIN Kriegsschauplatz (also kein Erbstreit Mantua, vor Ort reichgewordener Aldringen, kein "vergessenes Casale" etc ...) oder der: nur weil Karl V Spaniens Krone zusätzlich auf hatte, hatte es keine "deutschen Habsburger" vor Ferdinand I auf dem Thron gegeben ..
    "Literarisch" war gehöhnt von mir: wenn er, wie ich vertrauen muss, korrekt übersetzt wurde, ist das einfallsloser grauer Beamtenstil und nicht mal ein "trockener Historiker" würde so schreiben.

    Um Missverständnisse auszuräumen: unter "literarisch" verstehe ich durchaus auch Burckhardt -) Und den hab ich schon intus und auf der Liste für MEHR, danke noch mal. Wedgewood und Followers, bekannt und (für mich) nicht zielführend, obwohl man sich ja gerne an dem feigen Schöngeist Jakob I delektieren könnt.

    Kannst du mir tatsächlich helfen? Carl August Mebold, in etwa aus dessen Zeitnähe (1830er, Autoren gerne bis WK 1) zum mich interessierenden Geschehen (siehe unten) hätte ich zu gerne Tipps bzw. am liebsten gleich Handfesteres, i.e. links zu pdfs wie in seinem Falle zur Harvard-University.

    Zeit und Raum meines Interesses: letzte Phase Banérs, etwa 1638/1640 bis 1666, also auch die Nachkriegszeit, das historisch nebeligst gebliebene DANACH (der Nebel bzw das "Dünnwerden" beginnt ja eigentlich schon ab Phase 2, als der Krieg zum Selbsternährer wurde.
    Besonderer Raum: Oberpfalz, Südböhmen, Südmähren und das anschließende Bayern und Österreich bis zur Donau, also dort, wo der Krieg - in all schon absehbaren Wut, Amoral und "Sittenlosigkeit" - seinen Ausgang nahm (1618-20) und sein Ende fand.

    Vielleicht fällt dir ad hoc ein inzwischen vergessener, verdrängter oder "Besser-Menschen-political-untauglicher" Autor, bin da angstfrei selbst was Autoren der NS Zeit betrifft. Verschonung allerdings vor post-Geschichtsverdrehender katholischer oder protestantischer Autorenschaft. Da ist leider gerade Österreich BVIS 1900 ein böses Lügenmaul an Geschichtsschreibung.

    Ein gutes neues Jahr! Henning
     
  13. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Wenn es ein älteres Werk sein soll: Schiller, Geschichte des 30jährigen Krieges?
     
  14. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt


    Hallo Henning,

    ein gutes Neues! Die Literatur zum 30jährigen Krieg aus dem 19. Jh. ist sehr umfangreich. Sicher sind immer auch Protestanten und Katholiken dabei. Genauso gibt es meistens Großdeutsche und Kleindeutsche. Das lässt sich bei deutschsprachiger Literatur nicht ganz umgehen; das ist kennzeichnend für diese Phase.

    Ich finde allerdings nicht, dass alle Autoren aus Österreich zum Thema "bis 1900 ein böses Lügenmaul" wären. Sie haben halt meist eine Färbung, aber die hat letztlich jeder von uns auf die eine oder andere Weise. Die Auswahl für Dich ist groß. Sie reicht von Friedrich Wilhelm Barthold, Leopold von Ranke über Anton Gindely, Beda Dudík bis hin zu Moriz Ritter, um nur einige zu nennen.

    Ritter ist m.E. einer der besten, aber für die von Dir favorisierte Periode eher schwach; schau doch mal bei Dudík rein, der trifft Deine Periode und Landschaft (Böhmen/Mähren) mit am besten, allerdings war er selber ein Mönch, was aber seine Geschichtschreibung kaum beeinflusst, finde ich.

    Bayerische Militärgeschichte für die bewusste Periode aus dem 19. Jh.: Johann von Heilmann. Gerade die von Dir als interessant angesprochene letzte Phase des Krieges wird eher von neueren Autoren gut bearbeitet. Für die politische Geschichte z.B. Christoph Kampmann, wenn's um Literatur auf Deutsch geht.

    Das einzige, was m.W. aus der NS-Phase halbwegs Sinnvolles zum Thema übrig geblieben ist, sind die Bevölkerungsstatistiken von Günther Franz, der allerdings stark in den NS involviert war und in dieser Phase auch völlig absurde Dinge in anderem Zusammenhang hervorgebracht hat, weil es seiner Karriere genützt haben dürfte.

    Ich denke, so ein paar Anhaltspunkte, zumindest für weitere Recherchen, hast Du nun. Was Dir letztlich liegt, kann ich auch nicht vorhersagen.

    Gruß, Peterchen
     
  15. ning

    ning Gesperrt

    Sehr gut, du bist mein Mond, den ich fürderhin zum Thema anheule ;)

    Barthold hab ich schon via glory Harvard, ... Ich bin ziemlich hingerissen von diesem Mebold (Erscheinungsjahr 1840), satztechnisch sauschwer zu lesen aber oft schöner (auch gewitzter und eleganter) schreibend als Schiller, der journalistisch bzw in seinen Vorlesungstexten (Niederlande) ein ganz anderer als der Dichter war. Aber natürlich steht er, die Wedgewood, Golo auf oberstem Bücherbord. Was meinst du übrigens zu (dem mir vorher ganz unbekannten) Mebold, wie wurde er von der histor Nachwelt rezipiert, ganz abgesehen von der Kind-seiner-Zeit-gemäßen Frankophobie?

    Ich sehe, Kampmann ist dein Favorit, bei ihm führen also alle zuvor gewobenen Fäden fein zusammen ?....

    Dank für die Erinnerung Dudiks, genau diesen Namen hab ich unter tausend Zetteln nicht mehr gefunden. Der darf er auch gerne Mönch sein ;)
    Oben hätte ich genauer "pfäffisch belehrende Feder" schreiben müssen - hier ein Einblick von einem gewissen Czerny, der nicht mal der schlimmste aber öffentlich ungebremst laut sein durfte:

    http://www.zobodat.at/pdf/JOM_42_0001-0196.pdf

    Dem Bevölkerungs-NS-Franz bin ich enthoben, weil die Österr Akademie der Wissenschaften nicht ganz auf der faulen Haut liegt und mit den Historischen Ortslexikas ziemlich plausible Bevölkerungzahlen und -verläufe einsehbar gemacht hat.


    Kleine Frage noch: ob es von Merians Theatrum Europäum vielleicht irgendwo eine Daten-Ressource in Chronologie gibt? Denn eine Druckauflage scheint es nicht zu geben.

    "Mit Jesus, Luther und Jungfrau Maria!" stürmt in den Kampf, ergebenst ning
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Januar 2016
  16. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Hallo Henning,

    in aller Kürze:

    Mebold habe ich nicht gelesen, Protestant aus Südwestdeutschland, schreibt gefällig für ein allgemeines Publikum ("Leser aller Stände"). Wurde nicht stark zitiert. Eher ein fast vergessener Autor.

    Kampmann ist mein Favorit von heute für die politische Geschichte auf Deutsch, ansonsten gibt es viele andere, teilweise oben genannt.

    Bei Wiki findest Du unter Stichwort "Theatrum Europaeum" eine Auflagenübersicht.

    Gruß, Peterchen.
     
  17. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das Buch hat leider den Nachteil, gegen Ende hin sehr gerafft zu werden. Da scheint Schiller die Lust verlassen zu haben.
     
  18. timeless

    timeless Neues Mitglied

    Danke für die Hinweise, habe mir jetzt mal den Langer bestellt!

    Für weitere Lektüreempfehlungen zur Demographieentwicklung, Kultur- und Sozial-, gerne auch Medizingeschichte etc. bin ich dankbar!
     
  19. ning

    ning Gesperrt

    ad "Kulturgeschichte":
    Friedell ist ein Schatz (auch an Querverweisen/Zitaten anderer), ihn las ich quer zu LvRanke, dessen Geschichtsbild Friedell einigermaßen als tendenziös entblättert.
    Wie ich sehe, gibt es ihn online (aber leider ohne Anhang, Verweise):
    Kulturgeschichte der Neuzeit von Egon Friedell - Text im Projekt Gutenberg

    Als privaten Sammler und Forscher fand ICH bisher Dr. Wolfg Koniarek sehr löblich, seine Biografien auch ein Aufräumen mit Sagen, Legenden und Nacherfindungen selbst "arrivierter" Übersichten*. Vor vielen weiteren Privatiers rate ich zur Vorsicht, da keine kompetente Redaktion darüber zu walten scheint

    dreißigjähriger Krieg

    Koniarek fasste auch die heißen Eisen Geld-, Kriegswirtschaft und Waffenhandel an uvm.

    *bei Englund zB hat die LÜGE der kathol. Nachwelt nämlich gefruchtet und er lässt den 1618 defenestrierten Martiniz als schlotternden Greis in der von Königsmarck eroberten Prager Kleinseite sterben und so den Kreis des Kriegs poetisch enden.
    Martiniz, der echte, starb allerdings mehr als ein Jahr danach an den Auswirkungen der Podagra (Gicht), weil sie halt alle dem Grauen durch viel Saufen zu entfliehen suchten
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2016
  20. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Friedell gab es auch mal günstig bei 2001
     

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