Cäsars Invasion muss neu datiert werden

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Daniel Oswald, 3. Juli 2008.

  1. Daniel Oswald

    Daniel Oswald Administrator Mitarbeiter


    Vor fast 2100 Jahren eroberte Cäsar Britannien - aber wann genau? Lange haben Wissenschaftler über den genauen Tag der römischen Invasion gestritten. Jetzt hat ein Physiker das Rätsel anscheinend gelöst - mit Hilfe eines Touristenboots und eines Apfels.
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast


    Daß Caesar Britannien erobert haben soll, ist mir vollkommen neu. Ich dachte immer, er habe sich dort zwar mit einigen einheimischen Stämmen herumgeschlagen, sich jedoch dann wieder zurückgezogen, ohne irgendwelche Besatzungstruppen hinterlassen zu haben.
     
  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied


    Journalisten...:motz:
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Das hat sicherlich Auswirkungen auf die gesamte Weltgeschichte, dass das Übersetzen Cäsars über den Ärmelkanal vier Tage früher erfolgte.
     
  5. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Weltgeschichte ist schon gelaufen, aber vielleicht baut es die Physiker auf. Haben die auch mal nötig.
    Historisch find ich das auch eher uninteressant, aber dass die Strömung dort so rasch wechselt erstaunt mich.
     
  6. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Dachte ich auch. Jetzt müssen alle Geschichtsbücher neu geschrieben werden...
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mit dieser Methode kann man wohl Gezeitenströmungen zu bestimmten Daten messen, mehr aber auch nicht. Man müsste dann ja davon ausgehen, Cäsars Schiffe hätten weder Segel noch Ruder gehabt, eine einigermaßen absurde Vorstellung. Auch Wetterverhältnisse sind überhaupt nicht mitberücksichtigt. Ein Schiff - ungesteuert und selbst mit gerafften Segeln - wäre ja nicht nur der Strömung, sondern auch dem Wind ausgesetzt.


    Vielleicht ist das zu großzügig interpretiert, aber der Satz BG IV, 23, 6 spricht von progressus: "his dimissis et ventum et aestum uno tempore nactus secundum dato signo et sublatis ancoris circiter milia passuum septem ab eo loco progressus, aperto ac plano litore navis constituit."
    Wenn ich davon ausgehe, dass Portus Itius in der Gegend des heutigen Calais lag und Cäsar von dort nach Norden segelte, dann wäre zu erwarten, dass mit progressus auch die Fahrt entlang der Küste weiter nach Norden gemeint war. Natürlich ist eine Wendung nach Westen nicht auszuschließen, näher läge bei der Wortwahl aber doch Norden.

    Dieser Satz wäre - zumindest bei dem Informationstand den der Artikel liefert - zurückzuweisen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juli 2008
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Britische Archäologien meinen jetzt, in Pegwell Bay den Landeplatz Caesars identifiziert zu haben:
    Archäologie - Cäsars Landeplatz in Britannien entdeckt
    Das würde meiner damaligen Mutmaßung auf Basis des progressus entsprechen, dass er entlang der britischen Küste weiter nach Norden segelte.
     
  9. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Carolus hatte dazu ja schon im Sammelthread zu neuen archäologischen Entdeckungen was gepostet. Spannende Sache, aber bisher ist dazu noch recht wenig zu erfahren. Vor ein paar Tagen gab's in der BBC Archäo-Doku-Serie "Digging for Britain" ein paar Bilder von Ausgrabung und Funden; die Ausstrahlung dieser Sendung war ja offenbar auch Anlaß für die umlaufende Pressemitteilung. Viel zu sehen gab's da noch nicht an aussagekräftigen Funden - eine Pilum-Spitze und einen mutmaßlichen Sandalennagel. Seit Aufzeichnung scheint aber noch eine Anzahl Münzen gefunden worden zu sein, die ins 1. Jhd. BC deuten. Auch von einer C14-Datierung ist die Rede, die auf die Mitte des 1. Jhds. BC hinweist. Abwarten.

    Etwas skeptisch macht mich die Rekonstruktionsskizze dieses angenommenen Caesar-Lagers. In der BBC-Doku zu sehen war, daß die Ausgräber großflächig mit Magnetometer die Anlage geophysikalisch untersucht haben. Entsprechend gehe ich davon aus, die Skizze basiert auf dem Prospektionsbefund. Weil Screenshots aus Film & Fernsehen nicht ganz unproblemtisch sind in Sachen Urheberrecht, hier mal eine Umzeichnung der Rekonstruktion:
    ebbsfleet.gif
     
  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es wäre allerdings nicht das einzige Mal, dass Caesar seine Lager für Römer extrem an die Gegebenheiten anpasste.
     
  11. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Durchaus möglich. Dazu müßte man aber die Topographie genauer kennen.

    Stichwort Topographie: Bisher wurde Caesars Landung meistenteils etwa 12km weiter südlich zwischen Deal und Walmer Castle angenommen. Im wesentlichen geht das zurück auf eine Stelle in der Historia Brittonum aus dem 9. Jhd.
    wobei eben "Dola" mit "Deal" gleichgesetzt wird. Archäologische Indizien gibt es in Deal keine.
    Nördlich von Deal schließt sich tiefes Marschland an, für das Anlanden einer Armee größtenteils ungeeignet. Ebbsfleet, der jetzt neu diskutierte Ort, lag bis ins Mittelalter auf einer Insel, die vom britischen Festland durch den Wantsum Channel getrennt war. Militärstrategisch betrachtet sicherlich ein guter Ort für einen Brückenkopf. Andererseits spricht Caesar eben nicht von einer Landung an einer natürlich relativ geschützten Stelle, vielmehr werden die Legionäre beim ersten Anlanden in 55 BC direkt am Strand von Streitwagen angegriffen - in den Marschen? durch den Wantsum Channel?
    Der fragliche Küstenabschnitt von Kent rekonstruiert, wie er um die Zeitenwende ausgesehen hat (die gestrichelte Linie markiert die heutige Küste):

    [​IMG]
    (übernommen von The Landing-Place of Julius Caesar in Britain )

    Rutupiae/ Richborough wird übrigens als Landepunkt von Claudius' Invasion in 43 AD angenommen wegen eines damals vorhandenen geschützten Hafens. Der wiederum könnte zu Caesars Zeit womöglich noch nicht existiert haben bzw. nicht schiffbar gewesen sein, sondern erst durch eine schwere Sturmflut in dem Jahrhundert dazwischen entstanden sein. Ebbsfleet jedenfalls läge noch nördlich von Richborough (3km nordnordöstlich, um genau zu sein).
     
    balkanese gefällt das.
  12. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Zumal polygonale/unregelmäßig geformte Lager noch bis in claudische Zeit häufig vorkamen. Das wäre kein Ausschlusskriterium.
     
  13. Der Dussel

    Der Dussel Mitglied

    "Am bisher angenommenen Zeitpunkt des Einmarsches, dem 25. oder 26. August, führte Olson ein denkbar einfaches Experiment durch: An der Pier von Deal warf er einen Apfel ins Meer. Das Ergebnis: Der Ärmelkanal floss nicht in die Richtung, die für eine erfolgreiche Landung notwendig gewesen wäre. Statt nach Nordosten dümpelte der Apfel in Richtung Südwest davon - direkt nach Dover, wo die bewaffneten Kelten auf Cäsars Landung lauerten." Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd...ähm..Schiff ! :D
     
  14. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ob das ihn aufhalten konnte?
     

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