Cäsars Körpergrösse

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Hospes, 3. August 2005.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied


    Das ist eine Frage der Perspektive. Südlich des Weißwurstäquators wird man die Hessen und Thüringer schon zu den nordischen Stämmen rechnen. Und wer aus Umbrien kam, war vielleicht für einen alteingesessenen Römer schon ein "Nordlicht".
     
  2. Marcia

    Marcia Aktives Mitglied


    Ich habe bei Junkelmann ("Die Legionen des Augustus") nachgelesen. Er berichtet, dass die Waffen und Ausrüstungsgegenstände, die er bei seinem Experiment benutzte und die in ihren Abmessungen mit erhaltenen Originalen übereinstimmten, am besten geeignet waren für den Gebrauch durch kräftige Männer von 1,75 bis 1,85 m Größe. Zu den körperlichen Anforderungen in der römischen Armee beruft er sich auf Vegetius, der als Mindestmaß für die Reiterei und die ersten Kohorten der Legion 5,5 Fuß angibt, was etwa 1,63 m entspricht - allerdings bezeichnet er das schon als Zugeständnis, denn eigentlich wären es sechs Fuß - 1,76 m. Dies relativiert Junkelmann jedoch: eine solche Durchschnittsgröße kann höchstens für zahlenmäßig beschränkte (Elite-)Einheiten gegolten haben. Er schreibt, aber auch ein Minimum von 1,63 m spricht dafür, dass die römischen Soldaten doch nicht so "zwergenhaft" wie in einigen modernen Vorstellungen waren. Er erwähnt, dass alemannische Skelette darauf hindeuten, dass die Germanen oftmals größer waren als Mitteleuropäer des 20. Jahrhunderts, gibt aber auch zu bedenken, dass römische Schriftsteller auch zu Übertreibungen neigten, wenn sie die Kämpfe mit den "hünenhaften" Germanen beschrieben. Bei den Schuhen der römischen Soldaten dominierte Größe 42. Junkelmann beschreibt das alles differenziert. So lange kein Biograf konkrete Maße nennt, können wir lediglich raten, wie groß Cäsar war.
     
    Carolus gefällt das.
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied


    Laut Skelettuntersuchungen in Herculaneum lag die Durchschnittsgröße von Männern bei 1,69 cm.

    The Natural History of Pompeii
     
  4. Marcia

    Marcia Aktives Mitglied

    Das passt ja zusammen. Danke für den Hinweis!
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wir können ja seine (verlorene) Asche untersuchen ;)
     
  6. Idomenio

    Idomenio Mitglied

    Woher stammen eigentlich die Größenunterschiede zwischen Völkern und Äras? Warum waren Germanen im Durchschnitt 20 cm größer als Latiner, wenn man das mal glauben mag? Und warum werden die Menschen heute größer? An besseren Lebensbedingungen kann es doch nicht liegen, weil dann müsste die Oberschicht damals auch deutlich größer gewesen sein (oder war sie das?), so etwa Cäsar. Ich habe mal aufgeschnappt, dass Augustus 1,73 m groß war, war das dann klein, mittel oder groß im damaligen Maßstab?
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Es liegt wie meistens an der Veranlagung und an den Lebensbedingungen.
     
  8. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Die Römer waren fast Vegetarier Fleisch zu beißen bekamen sie selten.

    Völker die viel Fleisch essen sind deutlich größer im Schnitt. Siehe die Masai in Afrika.

    Die Griechen nannten die Römer "Körnerfresser".
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dafür hätte ich gerne eine Quelle.

    Da ist natürlich die Frage, wen du meinst. Die römischen Soldaten bekamen im Großen und Ganzen Weizen- und Käserationen, hin und wieder mal Speck (wozu sonst züchtete man Schweine? Die geben keine Milch, um Käse herzustellen und legen keine Eier). Da aber die contubernia selbst für ihre Nahrungszubereitung verantwortlich waren, ist die Frage, wie viel Fleisch da im Kochtopf landete eine, die jedes contubernium für sich entscheiden musste (was wurde individuell zugekauft?) und die sich wohl kaum über historiographische Quellen ermitteln lässt* sondern hauptsächlich über die Abfälle der Legionslager, sofern erhalten oder zufällige Zeugnisse (hier ein ägyptischer Papyrus, dort ein Holztäfelchen aus Vindolanda).
    Aber die Frage, was ein Römer ist, erstreckt sich auf weit mehr als nur Legionäre.
    Wir müssen jetzt nicht auf die teils exaltierten Speisen eingehen, die wir durch Apicius kennen oder die im Gastmahl des Trimalchio ridikulisiert werden. Ein Großteil der stadtrömischen Bevölkerung kochte nicht selbst bzw. hatte nicht die Möglichkeit, im eigenen Haushalt kochen zu lassen. Wer in einer insula wohnte, hatte keine Feuerstelle. Aber häufig musste er nur ins Erdgeschoss gehen, um sich dort in einer Garküche zu versorgen. Oder eben in einer benachbarten insula. Womit natürlich noch nicht gesagt ist, was es dort gab. Du hast insofern Recht, dass die in den Garküchen angebotenen Gerichte vorwiegend vegetarisch waren, jedoch wird es einen Fleischanteil (v.a. Schwein, weniger Rind, Schaf oder Ziege oder andere Nutz- bzw. Wildtiere) gegeben haben, vor allem im Bereich der Wurstwaren.

    Das interessante ist auch, dass die Römer wussten, dass Rinder, wenn man sie zu jung kalben lässt, nicht ihre vollständige Größe erreichen, wir wissen aus der Archäologie, dass die römischen Rinder größer waren als die der Kelten oder Germanen (die also offenbar diese Beobachtung nicht gemacht hatten).

    *Es geht um die Größenordnung des Fleischkonsums vor allem bei den unteren Schichten, der Mehrheitsbevölkerung. Dass Fleisch konsumiert wurde, wissen wir. Die Agrarschriftsteller sind da ebenso deutlich, wie etwa Preisedikte.
     
    Zoki55 und dekumatland gefällt das.
  10. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @El Quijote exzellenter Beitrag!
    Zum Speck habe ich eine Frage. Du schreibst:
    war speziell Speck bei den Römern bekannt und, weil haltbar (!), beliebt? Ich erinnere mich nur unscharf, in einem Aufsatz gelesen zu haben, dass gerade Speck bei den fränkischen Foederaten und später ohnehin bei den Franken bzw Merowingern und Karolingern alltäglich wurde. (bei Gelegenheit schau ich das nach) hingegen hätte die römische mediterrane Küche auf andere Fleischerzeugnisse grösseren Wert gelegt.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Schwein war der Hauptfleischlieferant für die römische Küche.
    Ich möchte freilich nicht so verstanden werden, als wolle ich Zokis Darstellung grundsätzlich widersprechen. Widersprechen möchte ich vor allem dem Eindruck, den sie durch ihre Kürze hervorruft.
     
  12. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Muss wohl zurückrudern ich habe im Hinterkopf sowas gelesen zu haben im Zusammenhang mit Ernährung im römischen Reich. Jetzt finde ich es nicht.

    Natürlich gab es bei den Römern auch Fleisch, aber relativ wenig. Die Haupteiweisquelle wahren Linsen und Bohnen.
     

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