Christusfigur aus dem 10. Jhd. bei Avnslev gefunden

Dieses Thema im Forum "Die Wikinger" wurde erstellt von Xander, 19. März 2016.



  1. Xander

    Xander Aktives Mitglied

  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, sicher nicht. Ein Bedarfsgut für Christen in Skandinavien waren die sogenannten Friesenkannen, auch Tatinger Ware. Es handelt sich um zinnfolienverzierte Keramik aus dem 8./9. Jhdt., wobei die Kannen meist am Hals Tatzenkreuze aufweisen. Wir finden diese Kannen zu einem großen Teil in heidnischen Gräbern. Offenbar wurden sie allgemein für schön empfunden und entkontextualisiert. Also so oder so, ein Fund aus dem 10. Jhdt. kann, wo Mission in Skandinavien bereits seit dem 8. Jhdt. betrieben wurde, kaum geeignet sein, diesbezüglich die Geschichte umzuschreiben.
     
  3. Japhet

    Japhet Neues Mitglied

    Das ist eine Figur im sogenannten "Orantengestus".
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ich dachte, das sei ein Kruzifix.

    Der breitet seine Arme aus, weil er gekreuzigt ist.
     
  5. Japhet

    Japhet Neues Mitglied

    Ein Kruzifix würde bedeuten, die Figur wäre ans Kreuz geheftet dargestellt. Ich kann an diesem Schmuckanhänger jedoch nirgendwo ein Kreuz oder Nägel erkennen. Nicht einmal das "Leiden" des Dargestellten.
    Die Interpretation als Jesus ist meiner bescheidenen Meinung nach zu voreilig und wohl eher dem Umstand geschuldet, daß das Christentum heute auf Fünen verbreitet ist.
    Dem Künstler, der den Ahänger geschaffen hat müsste man u.a. unterstellen, daß er eine historische Figur abbilden wollte. Genauso gut kann er aber auch ein X-beliebiges metaphysisches Himmelswesen gemeint haben oder etwa auch eine erst für die (seine) Zukunft erwartete Erlösergestalt o.ä.

    Dies aber auch nur, insofern man überhaupt ein religiöses Motiv unterstellt.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vielleicht hilft das ja:
     

    Anhänge:

  7. J-M-K

    J-M-K Neues Mitglied

    Ich finde der Artikel zeichnet ein falsches Bild. Als wenn es in ganz Jütland keinen einzigen Christen gegeben hätte. Wenn ich das aus der Vita Ansgari recht erinnere ist selbst Ansgar schon auf größere Gruppen von Christen getroffen, Vor allem waren wohl viele Christliche Händler in Skandinavien unterwegs.
     
  8. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Moin

    Basiert aber die Orantenhaltung nicht auf das Kreuz, bzw. auf den gekreuzigten Jesus? Oder ist diese Geste auch aus Zeiten vor der Kreuzigung bekannt?
    Zudem gibt es ja eine Reihe stilisierter Kruzifixe, die keine Nädel oder Dornenkrone zeigen.

    Gruß
    Andreas
     
  9. Japhet

    Japhet Neues Mitglied

  10. Japhet

    Japhet Neues Mitglied

    Nicht unbedingt.
    Siehe hier.
     
    1 Person gefällt das.
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich verstehe auch nicht, wieso anhand dieses Fundes gleich die dänische Geschichte umgeschrieben werden müssen soll. Immerhin gab es bereits zur Zeit Karls des Großen, ein Jahrhundert vor diesem Fund, mit Harald Klak einen christlichen König in Dänemark. Die Christianisierung der Region war ein langandauernder Prozess.

    Ich verstehe auch diese Aussage nicht: "Derjenige der dieses Schmuckstück getragen hat, hat sich ohne Zweifel zum christlichen Glauben bekannt". Warum kann es sich nicht auch einfach um Beute (die nichts über das religiöse Bekenntnis des Besitzers aussagen würde) gehandelt haben? Er muss es ja auch gar nicht offen getragen haben. Dank des Materials wäre es auch für einen Heiden interessant gewesen.

    Und wie kann man den Fund eigentlich so genau datieren, wenn er von einem Sondengänger gemacht und mitgenommen wurde?
     
  12. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Die Meldung ist reine Sensationsmache-mehr nicht
    bereits im frühen 8. Jahrhundert ist der Angelsachse Willibrord von Utrecht in Jütland und am Hof des Dänenkönigs Angantyr als Missionar erwähnt -da muß also wegen eines Fundes aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, selbst wenn es sich denn um eine Christusdarstellung handeln sollte , überhaupt nix umgeschrieben werden
     
  13. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Hat nicht mal jemand bei einem ähnlichen Thema gefragt: "Ist das jetzt Christus oder Odin?"
     
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Für Odin hat die Figur wohl ein Auge zu viel.
     
  15. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Fehlte es ihm schon, als er aufgehängt wurde? Soll er da nicht erst die Erkenntnis gewonnen haben, die zu seinem Verlust führte?
    (Bin mir aber gerade selbst unsicher.)
     
  16. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich weiß nicht, ob sich das überhaupt in eine zuverlässige chronologische Ordnung bringen lässt.
    Die neun Nächte, die Odin hängend verbrachte, werden im Havamal (Lieder-Edda) erwähnt; das Opfer seines Auges für einen Trunk aus Mimirs Brunnen in der Völuspa (Lieder-Edda); in beiden Fällen rückblickend ohne Datierungsansatz.
     

Diese Seite empfehlen