Das äthiopische Reich

Dieses Thema im Forum "Afrika" wurde erstellt von askan, 3. Dezember 2007.



  1. askan

    askan Neues Mitglied

    Das äthiopische Reich war eines der ersten christlichen Staaten überhaupt, obwohl sie nur durch den Nil Kontakt zum Mittelmeerraum hatten, waren sie bis ins Mittelalter mit Alexandria und Konstaninopel in Kontakt. Erst Anno 16xx betraten Europäer (Franzosen) äthiopischen Boden.
    Was mich interessiert, hatten die Äthiopier im Zeitalter der Kolonialstaaten eine Art Sonderstatus?
    Ich meine, die schwarzafrikanischen Völker wurden größtenteils von den Europäern in dieser Epoche als Primitive angesehen, hatte die Äthiop. aufgrund ihrer langen Geschichte, ihren Glauben und ihrer Staatsordung in europäischen Augen einen "höheren" Status als ihre Nachbarn? Ist davon etwas überliefert?
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast


    Wohl eher nicht.

    Äthiopien (Geschichte)
     
  3. Turandokht

    Turandokht Neues Mitglied

    Ich mache hier mal weiter, damit etwas Leben ins Afrika-Unterforum kommt.

    Proto-aksumitische Reiche

    Die Existenz semitischsprechender Völker im Gebiet des heutigen Nord-Äthiopien und Eritrea ist schon für die Zeit um 2000 v. Chr. nachgewiesen. In der Region entwickelten sich kleine Reiche, über die allerdings nur sehr wenig bekannt ist.
    Zu nennen wäre hier das Reich von D'mt (oder Da'amot), das im 8. und 7. Jh. v. Chr. bestand. Als Zentrum des Reiches gilt der Ort Yeha, nicht weit von Axum, wo heute noch die Mauern eines monumentalen Mondtempels zu sehen sind, der etwa um 500 v. Chr. erbaut wurde. Zumindest gab es an dieser Stelle also über lange Zeit ein Kultzentrum. Außerdem wurden eine Nekropole und die Ruinen eines Palastes ausgegraben. Die Bewohner von D'mt betrieben Landwirtschaft, setzten Bewässerungstechnik ein und benutzten Eisenwerkzeuge und -waffen. Einige wenige Königsinschriften aus dieser Periode sind bekannt; sie sind in einer proto-äthiopisch-semitischen Sprache in alt-südarabischer Schrift geschrieben.
    Was aus D'mt in den späteren Jahrhunderten wurde, bleibt unklar. In irgendeiner Form ging das Reich in das spätere Axumitische Reich ein, das wohl ab dem 4. Jh. v. Chr. im heutigen Nord-Äthiopien und Eritrea entstand.​




    Axumitisches Reich

    Das Axumitische Reich wird in griechischen Quellen des 1. Jh. n. Chr. erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit gehörte es bereits in ein weitgespanntes Netz internationaler Handelsbeziehungen und hatte intensive Kontakte nach Rom (später Byzanz) und Indien. Die Hafenstädte an der Küste des Roten Meeres spielten in dieser Zeit eine wichtige Rolle und brachten Axum große Handleseinnahmen. Die Herrscher exportierten v. a. Gold, Elfenbein, Weihrauch und Tiere und importierten z.B. Seide und Gewürze. Mit der Expansion des Reiches gelang es ihnen, auch Kontrolle über die Handelswege nach Ägypten zu erhalten. Außerdem eroberten sie im 3. Jh. Gebiete im Süden der arabischen Halbinsel. Während der Zeit seiner größten Ausdehnung beherrschte Axum Nord-Äthiopien, Eritrea, Nord-Sudan, Teile Süd-Ägyptens, den Süden Saudi-Arabiens und Djibouti.​
    Seit dem 3. Jh. prägte das Reich auch eigene Münzen. Ebenfalls in diesem Jahrhundert (in den 320ern) führte König Ezana das Christentum als Staatreligion ein – sehr schön zu erkennen an den Veränderungen auf den Münzen (ein Kreuz ersetzt Sonne und Mond). Damit gilt Äthiopien als der zweitälteste christliche Staat der Welt.​
    Axum hatte seine Blütezeit im 5. und 6. Jh. Danach gab es einen Niedergang, der unter anderem auf Klimaveränderung (Dürreperioden) und die Überbevölkerung mit einhergehender Entwaldung und Desertifikation zurückgeführt wird. Im 9. und 10 Jh. wurde das Axumitische Reich durch Überfälle von südlichen Heeren unter Führung der halb-legendären Königin Gudit zerstört.​
    Bekannte Überreste des Reiches sind die vielen, teils noch aufrecht stehenden Grabstelen in der Stadt Axum und ihrer Umgebung. Einige davon sind über 20m hoch. Außerdem gibt es noch einige monumentale Grabbauten der axumitischen Könige sowie zahlreiche Steine mit königlichen Inschriften; auch Palastruinen befinden sich innerhalb der Stadt. Archäologen vermuten noch unendlich viel mehr potentielle Ausgrabungstätten überall in der Region.​
    Die Sprache Axums war das Ge'ez, eine süd-semitische Sprache mit eigenem Schriftsystem seit mind. 5. Jh. v. Chr. Ge'ez wird heute nur noch als liturgische Sprache in den Kirchen verwendet und unterscheidet sich stark von den Nachfolgesprachen Amharisch und Tigray. Die Schrift des Ge'ez aber wird – leicht ergänzt – auch heute noch in Äthiopien und Eritrea verwendet.​


    Der Kontakt bestand auch über den Seehandel - siehe oben.
    Die ersten Europäer kamen im 15. Jh und es waren Portugiesen, keine Franzosen. Für die Europäer war Äthiopien extrem faszinierend - sie vermuteten hier den legendären Priesterkönig Johannes.
    Später in der Kolonialzeit sahen sie das Äthiopische Reich schon als schwierigeren Gegner, aber letztlich überwog wohl die übliche Herablassung gegenüber den Afrikanern. Das war ein schwerer Fehler, wie die Italiener 1896 in der Schlacht von Adwa feststellen mußten. Da wurden sie nämlich von den barfüßigen Äthiopiern jämmerlich geschlagen und konnten nur noch das heutige Eritrea halten.



    Fortsetzung folgt
     
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  4. PapaSchlumpf

    PapaSchlumpf Mitglied

    Nach der Schlacht von Adwa 1896 hatte es das sehr wohl. Die Europäer erkannten Äthiopiens Souverinität an und so konnte Äthiopien lustigerweise selbst ungestört kolonialisieren. Eine imperialistische Politik wurde während der gesamten Herrschaft Meneliks verfolgt. Das was wir heute Äthiopien nennen ist tatsächlich ein Mosaik vieler verschiedener Königreiche und Völker die im 19. Jahrhundert erobert wurden. Das berühmteste und mächtigste war wohl Kaffa, das Ursprugsland des Kaffees.
    Hier ein wenig bekanntes Bild aus dem späten 19. Jahrhundert, dass Käfficho (Wie sich die Bewohner Kaffas selber nennen) in ihrer letzten Schlacht zeigt:
    [​IMG]
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2016
  5. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Ich finde die Frage nach wie vor interessant. Die vordem begonnene historische Darstellung (#3) hätte, wäre sie fortgeführt worden, vielleicht zur Klärung beitragen können. Was die Zeit des ausgehenden 19. Jh. betrifft:
    Aber warum und inwieweit?

    Dass die Küstenbereiche verloren gingen (#2), hat vielleicht mit einer Formel des Berliner Kongresses zu tun, worin die imperialistischen Signatarmächte die (Selbst-) Verpflichtung anerkannten, »in den von ihnen an den Küsten des afrikanischen Kontinents besetzten Gebieten das Vorhandensein einer Obrigkeit zu sichern, welche hinreicht, um erworbene Rechte ... zu schützen.« [1]

    Zur Erklärung der Sonderrolle verbleibt einstweilen »die Tradition eigenständigen Christentums in Äthiopien«. [2]

    [1] Zitiert bei Franz Ansprenger, Geschichte Afrikas (2002), S. 78.
    [2] a.a.O., S. 87
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Dezember 2016
  6. PapaSchlumpf

    PapaSchlumpf Mitglied

    Weil Äthiopien die größte Kolonialarmee besiegt hat die, so weit ich weiß, bis dato jemals nach Afrika entsadt wurde. Und das deutlich.

    Im Vertrag von Addis Abeba 1896 wurde Äthiopien von Italien als unabhängiger Staat anerkannt. Ähnliche Verträge wurden kurz darauf auch mit den UK und Frankreich abgeschlossen, in denen Äthiopien aber nicht nur als souveräner Staat anerkannt wurde, sondern auch wirtschaftliche und diplomatische Aspekte behandelte. So etwas hat es nirgendwo sonst in Afrika gegeben.
     
  7. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Zur Rückfrage nach den Gründen für Äthiopiens Sonderrolle:
    Für die Zeit ab 1896 leuchtet das unmittelbar ein.

    Damit ist jedoch nicht die Frage beantwortet, warum die imperialistischen Großmächte vor 1896, d.h. wenigstens eine Generation lang, das Land (Landesinnere) weitgehend in Ruhe gelassen haben. Weil man sich vor den äthiopischen Kriegern fürchtete? Wohl eher nicht. Weil dort an Rohstoffen usw. nichts zu holen war? Das war anderswo kein Grund, von Eroberungsversuchen abzulassen.

    Papier war schon damals geduldig. Wikipedia: »1906 schloss Italien entgegen den Vertragsvereinbarungen mit Frankreich und Großbritannien einen Vertrag, der Äthiopien zur gemeinsamen Einflusszone erklärte.« Gleichwohl ist Dein letzter Satz gültig.

    Noch zu einer früheren Aussage:
    Dass Menelik ein Imperialist/Kolonialist war, ein "Räuber unter Räubern" sozusagen (neben UK, Frankreich usw.), könnte man mit der Unterwerfung von Kaffa (1897) belegen. Ich bin aber nicht sicher, ob der Begriff wirklich passt. Welche weiteren Aktivitäten könnte man anführen, welche die Politik des Negus als imperalistisch/kolonialistisch erkennen lassen?

    PS:
    Bei Superlativen zucke ich stets zusammen. Italien soll 14-18.000 Mann entsandt haben – kennt jemand Vergleichszahlen?
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Ich biete 38.000 Mann, 1798 auf dem Weg nach Ægypten:

    "An Bord waren neben 38.000 Soldaten auch zahlreiche Wissenschaftler und Künstler, die das Land, seine Geschichte und Kunstdenkmäler erforschen und in Ägypten moderne politische und wirtschaftliche Strukturen aufbauen sollten."
    (aus: Wikipedia)

    (Bei Superlativen sollte man immer erst an "ihn" denken. ;)

    Gruss, muheijo
     
  9. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Nun gut die Kolonisten werden Äthiopien schon anders in der Wahrnehmung gehabt haben als den Rest Afrikas. Als uraltes christliches Kulturland, was die Legenden in Europa beflügelte. Vielleicht ein Grund es in Ruhe zu lassen.
     
  10. PapaSchlumpf

    PapaSchlumpf Mitglied

    Die meisten afrikanischen Großreiche wurden generell erst um das Jahr +-10 1900 erobert. Diese zu annektieren erfordert ein bisschen mehr als bloß einen kleinen Erkundungstrupp loszuschicken, der dann irgendwo die Nationalflagge hisst.

    Einfluß ja, Kontrole nein.

    Wie erwähnt war Kaffa nur das berühmteste / am besten erforschte dieser Reiche. Andere prominente Vertreter sind z.B. die Gibe Reiche.
    Hier hast du jedenfalls drei Kärtchen:
    [​IMG]

    [​IMG]

    [​IMG]
    Stimmt, hab den Napi vergessen, auch weil ich ihm einer anderen Ära zugerechnet habe.
     
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  11. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Welche Eroberungen von Großreichen zwischen 1890 und 1910 hast Du konkret im Blick?

    Die schönen Kartenbeispiele – vielen Dank! – zeigen, dass Äthiopien um 1880 ein "Kleinreich" war. Für eine imperialistische Macht hätte es doch nahegelegen, einfach zuzugreifen. Auch Italien hätte in diesem Stadium eine reale Chance gehabt...:still:

    ... von denen die beiden ersten die Zeit vor Adua betreffen. Das bedeutet: Nicht erst die internationale "Anerkennung" gab den Startschuss zur territorialen Expansion unter Menelik (siehe aber #4), sondern diese war seit 1879 in vollem Gange!

    Diskussionwürdiger freilich scheint mir das begriffliche Problem:
    "Imperialismus" [1] wird gewöhnlich bezogen auf die "Epoche der vor allem durch europäische Groß- und Mittelmächte betriebenen weltweiten Ausdehnung von Herrschaftsgebieten auf Übersee-Territorien im Zeitraum ab ca. 1870 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914), motiviert vornehmlich durch strategische Interessen wirtschaftlicher und politischer Art, später auch zunehmend von Prestigestreben und irrationalen Rivalitäten zwischen den imperialistischen Mächten" (Wikipedia); Schumpeters abstrakte Formulierung hebt insbesondere das Irrationale heraus, wenn er von der "objektlose(n) Disposition eines Staates zu gewaltsamer Expansion ohne angebbare Grenze“ schreibt.

    War Menelik ein Imperialist? Die Äthiopier sehen das vermutlich anders: Für sie diente die Expansion "nur" dem Zweck, eine bestimmte historische Größe zurückzugewinnen: "Im Laufe des nächsten Jahrzehnts [ab 1879] betrieb Menelik Äthiopiens Rückkehr in die südlichen und westlichen Regionen, die im 17. Jahrhundert aufgegeben worden waren"! [2]

    Ich gebe gern zu, dass die Differenzierung zwischen Imperialismus einerseits, Rückgewinnung andererseits schwierig ist, vor allem für die davon Betroffenen. Wenn man die Frage bejaht, dann war die spanische Reconquista vor 1492 ebenfalls "imperialistisch", auch das italienische Risorgimento vor 1870 – und manche Imperialismus-Definitionen kippen weg ins Beliebige.

    Wie war denn das französische Militär in Nord- und Westafrika nach 1830 zahlenmäßig vertreten?


    [1] Zum "Kolonialismus" vielleicht noch später.
    [2] Paulos Milkias: Ethiopia, Santa Barbara 2011 mit längeren Ausführungen zu besagten Regionen; Zitat S. 51.
     
  12. PapaSchlumpf

    PapaSchlumpf Mitglied

    Aschanti, Benin, das Sokoto Kalifat, das Tukulor-Reich, Rabihs Reich, Wadai und was weiß ich. Die Mahdisten und Dar Fur zählen vielleicht auch noch.

    Geht. Bereits zum Anfang der Expansion war es schon größer als das gesamte italienische Mutterland. Zum Zeitpunkt von Adwa war es dann bereits fast doppelt so groß.

    Unwahrscheinlich, denn die Krieger von Adwa 1896 kamen größtenteils aus den Gebieten die bereits 1880 Teil des Reiches waren. Außerdem waren die Italiener zu dem Zeitpunkt noch mit der Küste beschäftigt. Wie Deutschland war Italien ein Spätzünder.

    Das stimmt, nur konnte sich Äthiopien ab 1896 erst recht seine ganze Aufmerksamkeit der Expansion schenken. Auch die Madhisten, in den 80'ern und frühen 90'ern noch eine ernsthafte Bedrohung, wurden schwächer.

    Der Autor bezieht sich auf die Oromo-Expansion. Die Gebiete die im 19. Jahrhundert erobert wurden waren allerdings zum Großteil nie Teil des Kaiserreiches, sondern es handelte sich um unabhängige Reiche die dem Kaiser tributpflichtig waren. Darunter befand sich auch das gute Kaffa oder Ennarea, das wahrscheinlich mächtigste Reich südlich von Äthiopien vor der Ankunft der Oromo. Das direkte Herrschaftsgebiet lag nie weiter südlich als Shoa und nie weiter westlich als Gojjam, so weit ich weiß.

    Frankreich war tatsächlich ein Frühzünder. Ab 1830 wurde z.B. Algerien erobert. Dann widmete man sich ab ca. 1850 der Zerschlagung der ganzen Minireiche im Senegal.
    Und ja, extra noch mal auf Wikipedia nachgeschaut und da steht dass man zigtausende Soldaten nach Algerien geschickt hat. Also gut, nennen wir die italienische Armee von 1896 einfach "eine der größten" Kolonialarmeen die je nach Afrika geschickt wurde. Die Armee im Krieg von 1935-36 war dann aber mit hundertausenden von Soldaten tatsächlich die größte Kolonialarmee überhaupt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dezember 2016
  13. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Du weißt ziemlich viel! :winke:
    Ich komme bei Gelegenheit darauf zurück, und zwar auch unter der Fragestellung, was man unter einem Großreich verstehen kann (a) im afrikanischen Kontext und (b) in Relation zum globalen.

    Bei dieser Gelegenheit ist mir so recht zum Bewußtsein gekommen, wie kümmerlich in modernen deutschen Geschichtsatlanten über Afrika informiert wird – ob Hegel da noch durchschlägt? ;)
    Deshalb hast Du wohl Deine Beispielkarten aus französischen Quellen entnommen bzw. aus dem einschlägigen Depot in https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Maps_of_the_history_of_Ethiopia.

    Anhand des erwähnten Kartendepots kann man die Entwicklung einigermaßen nachvollziehen. Das Kartenbild evoziert natürlich die üblichen Fragen: Stellt eine einheitliche gefärbte Kartenfläche ein "einheitliches" Territorium dar oder sind darin auch Gebiete enthalten, die "nur" tributpflichtig (oder teilabhängig) waren? Welche Gebiete wurden kontrolliert, welche "nur" beeinflusst usw. – Selbstverständlich stellen sich solche Fragen auch in anderen Bezügen, z.B. beim deutschen Alten Reich.
     
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Was war eigentlich mit Liberia?
     
  15. PapaSchlumpf

    PapaSchlumpf Mitglied

    Du wirst generell kaum einen Atlas finden der nicht gröbere Fehler beinhaltet, sprich das ein oder andere Reich auslässt oder falsch wiedergibt. In 99% aller historischen Atlanten fehlen zum Beispiel einfach mal alle Reiche südlich von Äthiopien. Ist aber zugegebenermaßen auch ziemlich Drecksarbeit die zu recherchieren, da es nur sehr wenige Bücher über sie gibt.

    Joa, ehrlich gesagt habe ich einfach nur "Menelik Expansion" gegoogelt und das erstbeste genommen :scheinheilig:
    Allerdings befindet sich ein wichtiges Forschungszentrum zu Äthiopien in Deutschland, genauer in Hamburg. Hab da mal zwei Semester studiert.

    Die eroberten Gebite wurden in der Regel amharischen Königen unterstellt. Nur das Königreich Jimma, das mächtigste der Gibe-Reiche, durfte noch weiterhin von seinem eigenen König regiert werden, musste aber Tribut zahlen. Erst in den 30'ern wurde es dann wie der Rest formal eingegliedert.

    War de facto ein Protektorat der USA. Deswegen haben auch keine Europäer gewagt es anzugreifen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2016
  16. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Napoleons Armee in Ägypten kann man m.M. nach nicht zu den Kolonialarmeen zählen. Das Ziel war ein anderes und die Eroberung Ägyptens "nur" Beifang. Die französischen Truppen die 1830 Algerien eroberten waren aber insgesamt zahlreicher als die italienischen Kräfte in Äthiopien.
    Man darf sich fragen inwieweit die Entscheidung für das massive Aufgebot der Britisch-Ägyptischen Trupen im Sudan 1898 von den Ereignissen in Adwa beeinflusst wurde.
     
  17. Turandokht

    Turandokht Neues Mitglied

    Es ist ziemlich sicher, dass sich Menelik II zumindest nach dem Vertrag von Adwa 1884 (bzw. nachdem er den Trick der Italiener bemerkt hatte) ganz gezielt auf eine große Konfrontation mit den Italienern vorbereitet hat. Die Gebiete südlich und westlich von Shewa waren sehr reich und die Kriegsbeute aus den Eroberungszügen ist zum großen Teil in den Kauf von modernen Waffen gegangen. Die waren ein wichtiger Faktor in der Schlacht bei Adwa.
    Schon vorher, in den 1870ern, gab es mehrere Auseinandersetzungen mit dem ägyptischen Heer, wo die Äthiopier auch erfolgreich waren und viele moderne Waffen erbeuten konnten.

    Zum Teil wurden sogar die gerade erst besiegten Herrscher als Statthalter eingesetzt. Wahrscheinlich hing das auch davon ab, wie gefährlich sie der Zentrale werden konnten. Jimma und ein paar andere Reiche (z.B. diese kleinen zum Sudan hin) waren sehr praktisch als Pufferstaaten und brachten wahrscheinlich durch Tribut mehr Geld ein, als eine Eroberung gebracht hätte. Sie hatten auch wesentlich mehr Erfahrung und die besseren connections in Sachen Sklavenhandel. Diese Gebiete sind dann erst unter Haile Selassie in den 30er Jahren aufgesogen worden. Der hatte offiziell den Sklavenhandel verboten, um auf die internationale Bühne zu gelangen - da machte sich das mit den Sklavenlieferanten als Vasallen nicht mehr so gut.
    (In Guba (Benishangul) haben sie uns die Palastruine vom letzten Sheikh gezeigt. Einer der Nachkommen war etwas sauer, weil wir nicht ihn um eine Führung gebeten haben. Die Familie ist lokal anscheinend immer noch ziemlich wichtig.)
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