Das Dritte Reich und der Islam

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von iamNex, 22. Februar 2011.

  1. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied


    Anfang Februar stand im "Münchner Merkur" ein Artikel über eine Münchner Moschee. In diesem Artikel wurde auch auf die Beziehungen zwischen dem Dritten Reich und dem Islam eingegangen.

    Nach dem Angriff auf die Sowjetunion rekrutiert Nazi-Deutschland Moslems aus den besetzten Sowjet-Gebieten, die sich freiwillig bei der Wehrmacht melden. Vor allem aus dem heutigen Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan.
    Von Hitler soll es sogar ein Zitat von 1942 geben: "Ich halte nur die Mohammedaner für zuverlässig, alle anderen für unzuverlässig." (Kennt vielleicht jemand eine gesicherte Quelle zu diesem Zitat)
    Während des 2. Weltkrieges kämpften ca. 100 000 Muslime für das Dritte Reich, teilweise als Mitglieder der Waffen-SS.
    Heinrich Himmler gründete sogar ein "Erstes Ostmuselmanisches SS-Regiment".
    Um sich die Moslems gefügiger zumachen verteilen die Nazis den Koran unter den Truppen und bilden "Wehrmachts-Imame aus".

    Die Nationalsozialisten ködern sie mit falschen Versprechen über Selbstbestimmung und eine freie Heimat nach dem Endsieg.

    Der Großmufti Al-Husseini kollaborierte ebenfalls stark mit dem Dritten Reich. (siehe hier)
    ___________________________________________________________

    Das alles stammt aus dem Zeitungsbericht.
    Ich bin stutzig geworden, gerade bei den islamischen SS-Einheiten. Die gab es ja wirklich, aber wie passte das denn in die Weltanschauung von Ideologie-Hardlinern wie Himmler es war?
    Und waren sich die moslemischen Freiwilligenverbände nicht bewusst, dass Hitler im Endeffekt mit ihnen wohl nicht anders umgesprungen wäre als Stalin dies tat?

    Kennt ihr vielleicht noch ein paar gute (Online-)Quellen/Literatur dazu?

    Cheers.
     
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  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Über den Großmufti und seine Beziehungen zu den Nazis kam gestern erst eine schöne Doku ,ich glaube auf 3 Sat. Der Mufti war ein Judenhasser und wollte mit Hilfe der Deutschen einen jüdischen Staat in Palästina verhindern.
    Die muslimischen SS-Männer waren alle Bosnier, die wie die Kroaten mit Deutschland verbündet waren. Da sie nützlich waren wurden sie kurzerhand zu einer wertvollen Rasse erhoben.
    Die muslimischen SS-Verbände trugen statt einer Schirmmütze ein Fez auf dem Kopf.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Handschar-Division
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2011
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    NS-Archiv : Dokumente zum Nationalsozialismus : Der Grossmufti von Jerusalem in Berlin"

    Dann in dem Wiki-Artikel findest du ja noch mehr Literatur.

    Dann gibt es die Doku: Turban und Hakenkreuz - Der Grossmufti und die Nazis


    Ich kann dir morgen evt. noch mehr geben, eine Freundin von mir hat eine Arbeit darüber geschrieben. Ich frage sie ob sie noch mehr Quellen und Hinweise hat.
     
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  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

  5. LordNelson

    LordNelson Neues Mitglied

    Passt nur bedingt - aber auch Japan soll sich die Unterstützung der (indonesischen) Moslems "erschlichen" haben - angeblich sollen japanische Beamte sogar von einem möglichen Übertritt des Tenno zum Islam gesprochen haben... viel ist aber nicht draus geworden.
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2011
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    ... und noch ein Hinweis auf VfZ 2/2010:

    Jeffrey Herf: Hitlers Dschihad. Nationalsozialistische Rundfunkpropaganda für Nordafrika und den Nahen Osten
    Institut für Zeitgeschichte: 2/2010
     
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  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Nicht 3sat, sondern WDR war es:
    Turban und Hakenkreuz - WDR-dok - WDR Fernsehen
    Vielleicht kann man den Beitrag noch in den nächsten Tagen in der Mediathek abrufen.

    das ist übrigens auch der von Ursi erwähnte Beitrag:

    Die einfache Logik der Zusammenarbeit zwischen dem Großmufti und dem Nazi-Regime war die alte Regel: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
    Hitler äußerte sich übrigens (lt. der o. g. Dokumentation) anerkennend über den Großmufti ("wohl mehrere Arier in seiner Ahnenreihe").


    Um nicht allzu sehr mit der NS-Rassenideologie zu kollidieren, hat Himmler die muslimischen Bosniaken zu Ariern erklärt.
     
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Immerhin hat er ihn aber auch als Spitzmausgesicht betitelt.:)
     
  10. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    "Ich halte nur die Mohammedaner für zuverlässig, alle anderen für unzuverlässig."

    Kann ich nun guten Gewissens glauben, dass Hitler dies gesagt hat, oder sollte ich weiter zweifeln?
     
  11. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Woher genau hast du denn diese Aussage? Aus der von dir erwähnten Artikel?

    In welchem Jahr soll das Hitler gesagt haben?
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich denke, wenn das Zitat authentisch ist, dass es aus Hitlers "Tischgesprächen" kommt.

    Wenn jemand die Stelle nicht parat hat, ist so etwas schwierig zu finden. Da müsste man wohl auf den Zufall warten.
     
  13. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Ich Genie hab die Zeitung gestern weggeschmissen. Aber wenn ich mich recht erinnere soll er dies laut dem Artikel bei einer Lagebesprechung 1942 (oder 1943?) gesagt haben.
     
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  14. Melchior

    Melchior Neues Mitglied


    @silesia

    Da hast Du wohl recht.

    @Nex

    Hier ist der link auf die Findbücher des stenographischen Dienstes.

    http://startext.net-build.de:8080/b...27a5-f3dd-418c-86a2-71d008ba59a4&searchPos=39

    Aber wenn Du den Kontext, die anwesenden Herren nicht kennst bzw. das Datum nicht einschränken kannst, wirst Du dort wochenlang suchen. Im übrigen, dort geht es auch zu den Archivalien der Adjudantur.

    Jetzt sei nicht sauer von dem Tipp eines Seniors. Der hat über vieles "schwadroniert", manches davon hat tausende von Menschen das Leben gekostet; ein Massenübertritt von Parteibonzen, "SS-Leuten" zum Islam ist nicht überliefert. Insoweit hat das Zitat, sollte es stimmen oder auch nicht, keine Relevanz.

    M. :winke:
     
  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Es sind zwei Bücher rausgekommen, das eine im Januar und das andere im Februar 2011. Evt wurde der Satz daraus entnommen.

    Ian Johnson
    Die vierte Moschee: Nazis, CIA und der islamische Fundamentalismus

    Stefan Meining
    Eine Moschee in Deutschland: Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen

    Wäre natürlich nicht schlecht wenn wir noch genauere Angaben haben. Sonst wird es ganz schwer werden, zu prüfen ob der stimmt.
     
  16. Friesengeist

    Friesengeist Gesperrt

    Ich weiß nicht ob es hilft, aber laut Google kommt der gesuchte Satz in "Die vierte Moschee" von Ian Johnson vor:

    Quelle wie gesagt Google
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. Februar 2011
  17. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    "Herrenmenschen" waren doch in dieser Ideologie immer auch die, die nützlich waren. Wenn man sich so die Nazi-Eliten anschaut inkl. Hitler, dann passen auch die nicht in die Rassenideologie. Man hat den Begriff immer wieder gedehnt oder je nach Bedarf ausgelegt.

    Was sollte also die Nazis daran hindern auch Muslime in den "Herrenmenschen"-Stand zu erheben.
     
  18. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dass Hitler massive Probleme hatte mit der systematischen Einordnung von "Unterstützergruppen" für das NS-Regime kann man in Europa (Belgien oder beipsielsweise auch deutlich Norwegen) bereits deutlich zeigen.

    Noch gravierender wird seine Distanz zu derartigen eigenständigen Bewegungen, sofern sie antikolonial auftreten. Sicherlich zum einen erwünscht, sofern es GB betroffen hat, aber normativ hatte Hitler sicherlich eine instinktive Abneigung gegen derartige Bewegungen.

    Und das betraf dann auch die unterschiedlichen politischen Bestrebungen im Nahen Osten. Wie beispielsweise die sehr "laue" Unterstützung des Irakischen Aufstands 1941.

    Irak 1941: Für ein freies Arabien

    Die komplette Ambivalenz der ideologisch bzw. rassischen Beurteilung von Vorgängen im Nahen Osten kann auch an der unklaren bis langfristig kriegerischen Haltung von Hitler in Bezug auch Japan gezeigt werden.

    Eine Haltung die auch unter dem Aspekt der Rassenideologie zu betrachten ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es eher eine "Überinterpretation" zu sein, wollte man Hitler eine "nachhaltige Sympathie" für "Nicht-arische-Volksgruppen" unterstellen.

    Sieht man mal von den dubiosen "wissenschaftlichen Expeditionen" zu einzelnen Stämmen ab, die sogenannte "Rasseforscher" durchgeführt haben ab und "arische" Merkmale festgestellt haben, wie beispielsweise bei einzelnen Stämmen im Himalya, kann von seiner prinzipiellen arischen Orientierung eigentlich kein Abstrich gemacht werden.
     
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  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Luftwaffengruppe die nach Bagdad kam, hatte eine beachtliche Stärke. Aber im Ölland Irak gab es kein Flugzeugbenzin! Wer da die Logistik hätte bringen sollen weiß ich nicht.

    Da kann man übrigens einige interessante personelle Kontinuitätslinien verzeichnen.
    Der "Chef" der deutschen Unterstützung, General Felmy, war 1916 als Fliegerhauptmann beim türkischen Angriff auf den Suezkanal dabei, und dann als Chef der Luftflotte 2 im Jahr 1940 aus der Luftwaffe entlassen worden. Der Flugunfall der die Angriffspläne den Alliierten in die Hände brachte, war in seinem Verantwortungsbereich.
    Als sich die Irakische Chance bot, holte man ihn auf Grund seiner Nahosterfahrungen wieder. (Sein Sohn war der vor kurzem verstorbene Schauspieler Hans-Jörg Felmy)
    Der irakische Chef-Putschist von 1941 hatte einen Neffen, den ein halbes Jahrhundert später 2 US-Präsidenten, Vater und Sohn, als Staatsfeind Nr. 1 bekämpften. Saddam Hussein.
     
  20. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Angedacht hierfür war Iran, daraus wurde aber nichts. Die Iraker verfügten zwar entsprechende Tankanlagen, aber eben nicht über geeignetes Benzin. Der Bedarf musste aus Rhodos mit JU 52 eingeflogen werden, da in Syrien zu geringe Vorräte vorhanden waren.

    Was verstehst du unter beachtliche Stärke?

    Gemäßt der Auskunft von Legationssekretär Kramarz sind zwei Staffeln am 13.05.41 in Rohodos für dem Einsatz in Irak zusammengezogen wurden.

    Rahn berichtet, das bereits am 12. und 13. Mai in Damaskus acht Heinkel, in Beirut neun Heinkel und zwei JU 90, zwei JU52 und drei Messerschmitt-zerstörer gelandet waren.

    Und es gab reichlich Motorenausfälle und eine nicht gerade prfessionelle Wartung der Maschinen; die Zusammenarbeit mit den Franzmännern funktionierte nicht optimal.

    An der Lufterherrschaft der RAF konnte die Luftwaffe jedenfalls nicht kratzen, dafür war der vorhandene Kräfteansatz zu gering.

    Quelle Schröder, Deutschland und der Mittlere Osten im Zweiten Weltkrieg, S.119f
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Februar 2011
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