Das Imperium schreibt zurück

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von El Quijote, 1. Dezember 2017.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


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    Das Imperium schreibt zurück - WELT
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da ist Berthold Seewald mal wieder eine Hammer-Überschrift gelungen! Was ich aber seltsam finde, ist, dass Gallienus in gespreiztem Deutsch geschrieben haben soll...:D

    "In gespreiztem Deutsch versichert der Kaiser..."
     
    Zananga, dekumatland und balkanese gefällt das.
  3. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied


    Die Römer bezogen Weizen aus der Ukraine?
    Man lernt nie aus.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das war mir auch neu, aber so ganz unlogisch ist das nicht. Die Ukraine besitzt das größte Schwarzbodengebiet Europas und damit eine der ertragreichsten Regionen, die unser Kontinent zu bieten hat. Die Anbindung an das Schwarze Meer macht die Ukraine zu einem idealen Lieferanten für die an Schwarzes Meer und Ägäis angrenzenden Gebiete.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Dass die Römer noch Getreide aus der Gegend bezogen, war mir auch neu, allerdings hätten sie damit nur eine Tradition fortgeführt. Südrussland und die Ukraine gehörten zu den Hauptherkunftsgebieten, aus denen das "klassische" Athen sein Getreide bezog.

    Sinn ergeben die Ausführungen im Artikel. Wenn die Römer (oder zumindest Städte in Kleinasien) noch Getreide aus der Gegend bezogen, dann lief das wohl über das Bosporanische Reich auf der Krim und am Asowschen Meer, das seit langem mit Rom eng verbunden war. Genau diese Gegend stand zur fraglichen Zeit aber unter massivem Druck der Goten und Heruler, die mit ihrer Piraterie auch die Region des Bosporos unsicher machten. Eine geregelte Getreideversorgung war so wohl kaum möglich.
     
  6. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich vermute, mit den Getreideanbaugebieten in der Ukraine ist das Bosporanisches Reich – Wikipedia gemeint, das von Griechen in vorchristlicher Zeit kolonisiert wurde, und später ein römischer Vasallenstaat wurde. Noch heute gibt es eine griechischsprachige Diaspora in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, die ein archaisches Griechisch sprechen.
     
  7. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  8. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Es liegt in der Natur lateinischer oder altgriechischer Texte, bei wörtlicher Übersetzung in gespreiztem Deutsch enden zu müssen. Selbst Trivialliteratur wie die eines Julius Caesar bewegt sich grammatikalisch weit jenseits des im modernen Deutschen Üblichen. Verwunderlich ist nur, daß es solche Selbstverständlichkeiten in eine Überschrift schaffen. Ich tippe mal auf das in akademischen Kreisen mittlerweile sehr populäre "Clickwhoring".

    Ich habe mich schon immer gefragt, woher die Donaulegionen ihr Getreide bekamen. Das Illyricum selbst sollte zu dünn besiedelt und wenig kultiviert gewesen sein. Africa oder Ägypten wäre etwas umständlich gewesen. Am Rhein übernahm ja Gallien, später sogar Britannien die Hauptlast. Auf die Ukraine wäre ich aber nicht gekommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Dezember 2017
  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es wäre natürlich auch interessant, ob Gallienus in gespreiztem Latein schrieb, oder eher -äh, sagen wir mal- militärisch kurz. Denn in der Mitte des 3. Jahrhunderts muss es da schon einen ziemlichen Unterschied gegeben haben.

    In gespreiztem Deutsch hat er jedenfalls nicht geschrieben. Und das ist es wohl, worauf sich El Quijote bezieht.

    Allerdings sind die Übersetzungen aus einer anderen Sprache nicht in gespreiztem Deutsch, sondern entweder in einem als schlecht geltenden oder zumindest unüblichen Stil. Und der bei Übersetzungen aus dem Lateinischen gewöhnlich erreichte Stil ähnelt sehr einem gespreiztem Deutsch. Hat man des Öfteren mit Übersetzungen aus einer Sprache zu tun, erkennt man den jeweiligen Stil sofort. Bei nahe verwandten Sprachen -z.B. Englisch- wird das natürlich schwieriger. (Ein Süddeutscher wird das womöglich anders sehen. Aber nur die Deutsche Standardsprache ist so einheitlich wie es heute viele als selbstverständlich erachten.)

    Und Caesars Latein ist definitiv nicht die Sprache von Trivialliteratur. Ihre scheinbare Einfachheit ist der Form des Berichts geschuldet.
     
  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich gehe davon aus, dass die Inschrift nicht nur in griechischen Buchstaben, sondern auch in griechischer Sprache geschrieben worden ist. Vielleicht weiß jemand anders mehr, aber ich bezweifele, dass es Inschriften gibt, in denen ein lateinischer Text in griechischen Buchstaben transkribiert worden ist. Das werden allenfalls Namen sein, vielleicht das ein oder andere aus dem Lateinischen übernommene Fremdwort.

    Ich vermute, dass der Brief von Gallienus in Latein geschrieben wurde. Wahrscheinlich hat der Kaiser wohl nicht selbst zu Hammer und Meißel oder Pergament und Schreibfeder gegriffen haben, sondern es werden in der kaiserlichen Kanzlei die Juristen den Text verfaßt haben. Der wurde dann wohl in entweder in Side ins Griechische übersetzt oder gleich nach Side auf Griechisch geschickt. Side im Ostteil des Reiches gehörte zum griechischsprachigen Teil des Reiches. Als ich vor einigen Jahren in Side im archäologischen Museum war, habe ich einiges an Inschriften gesehen, alle auf Griechisch, keine einzige in Latein.

    Noch mal zum "gespreizten Deutsch": wenn der Text von Juristen verfaßt wurde (wovon ich einfach mal ausgehe), ist das sicherlich ein gespreiztes Latein oder Griechisch.
     
  11. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es mag natürlich sein, dass die Kanzlei gleich zur Griechischen Sprache gegriffen hat. Sinngemäß gilt dafür aber das Selbe.
     
  12. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    Ja, dort haben schon die Athener ihr Getreide billig gekauft um ihre Nutzflächen mit teureren Produkten wie Wein oder Oliven bebauen zu können; das war sogar gesetzlich geregelt, wenn ich mich recht erinnere.
     
  13. Agricola

    Agricola Aktives Mitglied

    Die Kaiser haben schon im 1ten Jhdt. die Kanzlei ab epistulis für den Schriftverkehr aufgeteilt. Im 3ten Jhdt. wurde der Brief also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits in Rom in griechisch abgefasst.
     
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