Das Markusevangelium

Dieses Thema im Forum "Das Christentum" wurde erstellt von Chan, 13. März 2017.



  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Inwiefern?
    Falls dieser Brauch existiert hat, handelte es sich um einen Brauch, der von den römischen Machthabern Jerusalems ausgeübt wurde - was nicht heißen muss, dass er von den Römern eingeführt wurde, er könnte auch von den herodianischen Machthabern übernommen worden sein.

    Nach der Zerstörung des Tempels muss dieser Brauch dann jedenfalls obsolet geworden sein.
    Er könnte trotzdem Spuren im rabbinischen Schrifttum hinterlassen haben:

    "Auch die Mischna setzt an einer Stelle voraus, daß es das Versprechen der Freilassung von Gefangenen zum Passahfest gegeben hat; sie ordnet nämlich an, daß man für einen solchen Gefangenen das Passahlamm mitschlachten dürfe, nicht aber für ihn allein, weil er möglicherweise doch nicht freikommt und dann niemand das Lamm verzehren kann."
    http://www.iguw.de/uploads/media/Otte_-_Neues_zum_Prozeß_gegen_Jesus.pdf
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Pilatus' Amtssitz war in Caesaraea, nicht in Jerusalem. Aber du hast Recht, die Behauptung der Synoptiker Markus und Matthäus sowie Johannes ist, dass es Brauch gewesen sei, dass der Statthalter/Pontus Pilatus zum Fest einen Gefangenen frei ließ, nicht dass dies ein alter Pessach-Brauch sei. Lukas als dritter Synoptiker entscheidet sich hier für einen anderen Narrativ bzw. hier sind die Textzeugen uneins. In manchen Fassungen schreien die Leute durch kein klar erkennbares Motiv motiviert, er solle Barabbas freilassen, einzelne Textzeugen setzen zwischen Vers 17 und 18 die Variante, dass Pilatus einen Gefangenen freilassen musste. Bei beiden Varianten des Lukas bleibt eine logische Lücke.
     
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Schon klar, aber offensichtlich pflegten die Statthalter - samt Truppenverstärkung - zu den Pessach-Feierlichkeiten in Jerusalem Präsenz zu zeigen. Das wurde wohl von allen Statthaltern so gehandhabt. Das erwähnt Flavius Josephus beiläufig, wo er den blutigen Tumult unter Cumanus schilderte - ausgelöst durch den "verhängnisvollsten Furz der Weltgeschichte" (Ernst Jünger).
     
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  4. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    Das ist doch ganz klar bei Graham Chapman et al. (1979) bezeugt. Offenbar machten sich die Einwohner Jerusalems sogar einen Spaß daraus, bei der Durchführung dieser Sitte willkürlich Namen von Personen zu rufen, die entweder nicht existierten oder zumindest nicht gefangen gehalten wurden. :winke:
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Chapman et. alii habe ich natürlich vor Jahren bereits zur Kenntnis genommen, sie haben allerdings auch einiges zur Bergpredigt geäußert, was mir ... nicht ganz kosher vorkam.
     
  6. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    :yes:

    Ja, sie dürften wohl eher eine späte Quelle darstellen, die sich auf die Evangelien und möglicherweise andere, inzwischen verloren gegangene literarische Zeugnisse stützt.
     
  7. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Mod/

    Beitrag gelöscht/Mod.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. März 2017
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vorstehender Beitrag wurde gelöscht.

    Chan wurde wiederholt auf die Regeln hingewiesen, dass das Geschichtsforum keine Plattform für Hobbybibelexegese, theologische oder weltanschaulich-religiöse Debatten darstellt. Ein Deutungsschwall zu religiösen Texten gleich welcher Prägung und gleich welchen Alters des Literaturbezugs ist nicht Gegenstand dieser Plattform.

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  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Hab dazu noch die Übersetzung der Version im "Jüdischen Krieg" von Heinrich Clementz gefunden:

    "Als nämlich das Volk zum Fest der ungesäuerten Brote nach Jerusalem zusammenströmte, war über der Säulenhalle des Tempels eine römische Kohorte aufgestellt, wie denn die Römer an Festtagen stets eine Heeresabteilung auf Wache stehen hatten, um etwaige aufrührerische Bewegungen der versammelten Menge zu unterdrücken. Da zog auf einmal einer der Soldaten seinen Mantel in die Höhe, kehrte mit einer unanständigen Verbeugung den Juden das Gesäss zu und gab einen seiner Stellung entsprechenden Laut von sich. Voll Entrüstung darüber forderte die gesamte Menge von Cumanus mit lautem Geschrei die Bestrafung des Soldaten; ja, eine Anzahl jugendlicher Brauseköpfe und der stets zur Empörung geneigte Teil des Volkes schritten sogar ohne weiteres zum Angriff, rafften Steine zusammen und bewarfen die Soldaten damit. Cumanus, der einen Angriff von seiten des ganzen Volkes befürchtete, liess sogleich eine grössere Abteilung Schwerbewaffneter heranrücken. Als diese nun in die Hallen eindrangen, befiel die Juden ein gewaltiger Schrecken, sodass sie eilends aus dem Tempel rannten und in die Stadt flohen. Dadurch entstand aber an den Ausgangen ein so fürchterliches Gedränge, dass mehr als zehntausend Menschen zertreten und erdrückt wurden. So wandelte sich die Festfreude in eine allgemeine Trauer des ganzen Volkes, und jedes Haus hallte wieder von Jammer und Wehklagen."

    Flavius Josephus - Bellum judaicum (Deutsch: Heinrich
     

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