Denisowa-Mensch

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Kukumatz, 14. Dezember 2011.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Offenbar ist diese Differenzierung von EPAS1 (HIF2α) Tibeter-typisch (Andenbevölkerung wird hier in der älteren Studie 2010 auch angesprochen):
    Natural selection on EPAS1 (HIF2?) associated with low hemoglobin concentration in Tibetan highlanders
    ... nun mit dem Hinweis verbunden, sie stamme vom Denisowa-Menschen.
    "our results suggest either that there is a genetic variant that is quite specific to the Tibetan population"

    Den Hintergrund verstehe ich so, dass die auffällige Abgrenzung gegenüber Han-Chinesen nunmehr über eine Verbindung zum Denisova-Menschen erklärt wird, die Differenzierung also danach stattfand:
    "Vermutlich geschah das, bevor sich die Populationen von Han-Chinesen und Tibetern voneinander trennten. Während es bei den Han-Chinesen dann fast vollständig wieder verloren ging, ermöglichte es den Tibetern die Besiedelung des Hochplateaus und wurde folglich bewahrt."
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Neues von Pääbo&Co., diesmal weitere Untersuchungen zum Denisowa-Genom:

    Nuclear and mitochondrial DNA sequences from two Denisovan individuals
    Nuclear and mitochondrial DNA sequences from two Denisovan individuals. - PubMed - NCBI

    "Denisovans, a sister group of Neandertals, have been described on the basis of a nuclear genome sequence from a finger phalanx (Denisova 3) found in Denisova Cave in the Altai Mountains. The only other Denisovan specimen described to date is a molar (Deni- sova 4) found at the same site. This tooth carries a mtDNA sequence similar to that of Denisova 3. Here we present nuclear DNA sequences from Denisova 4 and a morphological description, as well as mitochondrial and nuclear DNA sequence data, from another molar (Denisova 8) found in Denisova Cave in 2010. This new molar is similar to Denisova 4 in being very large and lacking traits typical of Neandertals and modern humans. Nuclear DNA sequences from the two molars form a clade with Denisova 3. The mtDNA of Denisova 8 is more diverged and has accumulated fewer substitutions than the mtDNAs of the other two specimens, suggesting Denisovans were present in the region over an extended period.

    The nuclear DNA sequence diversity among the three Denisovans is comparable to that among six Neandertals, but lower than that among present-day humans."
     
  3. friloo

    friloo Mitglied


    Hi,

    Es dürfte inzwischen jedem klar sein das Svante Pääbo nicht rum spinnt sondern ernst zu nehmen ist. Er hat den Denisova-Menschen klar vom HS und HN differenziert. Er hat dem DM nur deswegen keinen "Namen" gegeben weil er diese Art der Klassifizierung ablehnt. Die Gene des DM wurden eindeutig wieder gefunden, in den australischen, neuguineeischen und polynesischen Ureinwohnern.
    In Westafrika gibt es Y-Gene die über 300.000 Jahre alt sind, bei den Männern dort. Wo kommen die her, wenn der HS erst 100.000 Jahre alt ist?
    In Georgien gibt es 1,8 Millionen alte Menschenknochen (H. erectus). In Europa sind es 800.000 Jahre.
    Out of Africa, mag sein aber nicht erst vor 60.000 Jahren. Und die, die vor 60.000 Jahren aus Afrika kamen, haben sich mit den Menschen vor Ort vermischt.
    Das ist was ich glaube.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Denisova, nun kartographiert nach Geneintrag im modernen Menschen, verbunden mit der These herabgesetzter männlicher Fertilität, um das Muster der Vermischungen zu erklären (ähnlich wie beim Neanderthaler):

    Thesen:

    - Denisovan admixture into modern humans occurred after Neanderthal admixture
    - There is more Denisovan ancestry in South Asians than expected from current models
    - Denisovan ancestry has been subject to positive and negative selection after admixture
    - Male infertility most likely occurred after modern human interbreeding with Denisovans

    The Combined Landscape of Denisovan and Neanderthal Ancestry in Present-Day Humans
     
  5. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Kürzlich ging durch die englischsprachige Presse, dass der Neandertaler ausgestorben ist, weil er im Gegensatz zum Jetztmenschen nicht in der Lage gewesen sein soll, passende Kleidung herzustellen [1].

    Nun wurde die bislang älteste Nadel der Welt (50.000 Jahre alt) in der Denisova-Höhle in der selben Schicht wie die Denisova-Überreste gefunden [2].

    Am fehlenden Nähzeug wird es also doch nicht gelegen haben ;)


    [1] How Parka jackets saved early humans from the chilly fate of the Neanderthals
    [2] World's oldest needle found in Siberian cave that stitches together human history
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2016
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Untersuchungsmethoden werden immer weiter verfeinert.

    Nun wurden in verschiedenen Sediment-Layern DNA von Denisowa und Neandertaler entdeckt, ohne Knochenfunde in den Höhlen zu haben. Interessant sind auch die Abbildungen, die das plastisch/verständlich aufbereiten:

    Neandertal and Denisovan DNA from Pleistocene sediments | Science
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    NEWS

    Überreste eines vierten Denisowa-Menschen sind nun zugeordnet worden, wie ein Aufsatz in der Science Advances berichtet. Die DNA des Fundstückes von 1984 (Denisova 2) ist jetzt abschöießend untersucht worden.


    Presse
    Alte DNA: Denisova-Mädchenzahn belegt lange Siedlungsgeschichte - Spektrum der Wissenschaft
    Fourth Denisovan Fossil Found - Archaeology Magazine

    Aufsatz:
    A fourth Denisovan individual | Science Advances

    Abstract
    The presence of Neandertals in Europe and Western Eurasia before the arrival of anatomically modern humans is well supported by archaeological and paleontological data. In contrast, fossil evidence for Denisovans, a sister group of Neandertals recently identified on the basis of DNA sequences, is limited to three specimens, all of which originate from Denisova Cave in the Altai Mountains (Siberia, Russia). We report the retrieval of DNA from a deciduous lower second molar (Denisova 2), discovered in a deep stratigraphic layer in Denisova Cave, and show that this tooth comes from a female Denisovan individual. On the basis of the number of “missing substitutions” in the mitochondrial DNA determined from the specimen, we find that Denisova 2 is substantially older than two of the other Denisovans, reinforcing the view that Denisovans were likely to have been present in the vicinity of Denisova Cave over an extended time period. We show that the level of nuclear DNA sequence diversity found among Denisovans is within the lower range of that of present-day human populations.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Eine weitere Studie bietet nun ein komplettes Modell für die HSS-, HSN- und Denisova-Stämme.

    Der Beitrag ist derzeit noch im freien download in der early edition der PNAS verfügbar:
    http://www.pnas.org/content/early/2017/08/01/1706426114.abstract

    Die Neanderthal-Populationsstärke soll demnach auch bislang unterschätzt worden sein. Bisherige Annahmen über den Genfluss vom HSN in den eurasischen HSS wurden bestätigt.

    Abstract:
    Extensive DNA sequence data have made it possible to reconstruct human evolutionary history in unprecedented detail. We introduce a method to study the past several hundred thousand years. Our results show that (i) the Neanderthal–Denisovan lineage declined to a small size just after separating from the modern lineage, (ii) Neanderthals and Denisovans separated soon thereafter, and (iii) the subsequent Neanderthal population was large and deeply subdivided. They also (iv) support previous estimates of gene flow from Neanderthals into modern Eurasians. These results suggest an archaic human diaspora early in the Middle Pleistocene.


    Presse, zB
    https://www.eurekalert.org/pub_releases/2017-08/uou-nla080217.php
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Neues zum "Beitrag" des Denisova zum Genpool heutiger Menschen:
    Cell Biology, open access,
    Analysis of Human Sequence Data Reveals Two Pulses of Archaic Denisovan Admixture


    summary, übersetzt ~DeepL
    Anatomisch moderne Menschen haben sich mit Neanderthalern und einer verwandten archaischen Population, den Denisovan-Meschen, gekreuzt. Genome von mehreren Neandertalern und einem Denisovan wurden sequenziert, und diese Referenzgenome wurden verwendet, um introgressiertes genetisches Material in heutigen menschlichen Genomen nachzuweisen.

    Segmente der Introgression können auch ohne Verwendung von Referenzgenomen detektiert werden, was für die Suche nach introgressierten Segmenten, die weniger eng mit den sequenzierten archaischen Genomen verwandt sind, von Vorteil sein kann. Wir wenden eine neue referenzfreie Methode zum Nachweis archaischer Introgression auf 5.639 Genomsequenzen aus Eurasien und Ozeanien an.

    Nachzuweisen ist die DenisovaAbstammung in Populationen aus Ost- und Südasien und Papuans. Denisova-Abstammung besteht aus zwei Komponenten mit unterschiedlicher Ähnlichkeit zum sequenzierten Altai Denisova-Individuum.

    Dies deutet darauf hin, dass mindestens zwei verschiedene Fälle von Denisova-Beimischung in den modernen Menschen aufgetreten sind, aus unterschiedlichen Denisova-Populationen, die verschiedene "Verwandtschaft" mit dem sequenzierten Altai-Denisova hatten.


    Interessanterweise erschien das nun in den nature-news. Für die Presse offenbar "kein Futter", weil mit Denisowa wenige etwas anfangen können. Dafür gibt es seit Tagen eine Welle zur Neanderthaler-Nase.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Überblick offener Fragen bei Denisowa, Neanderthaler & Co.
    Outstanding questions in the study of archaic hominin admixture
    Artikel im open access der PLOS.one

    abstract:
    Die vollständige Sequenzierung von archaischen und modernen menschlichen Genomen hat die Erforschung der menschlichen Geschichte und Evolution revolutioniert. Die Anwendung der Paläogenomik hat Fragen beantwortet, die über den Rahmen der Archäologie hinausgingen - eine Mischung zwischen archaischen und modernen Menschen. Trotz der bemerkenswerten Fortschritte bei der Erforschung der archaisch-modernen menschlichen Beimischung bleiben viele Fragen offen. Hier werden einige dieser Fragen beleuchtet, wie häufig archaisch-moderne menschliche Beimischungen in der Geschichte waren, inwieweit Drift und Selektion für den Verlust und die Beibehaltung von introgressed Sequenzen in modernen menschlichen Genomen verantwortlich sind und wie überlebende archaische Sequenzen menschliche Phänotypen beeinflussen.

    The complete sequencing of archaic and modern human genomes has revolutionized the study of human history and evolution. The application of paleogenomics has answered questions that were beyond the scope of archaeology alone—definitively proving admixture between archaic and modern humans. Despite the remarkable progress made in the study of archaic–modern human admixture, many outstanding questions remain. Here, we review some of these questions, which include how frequent archaic–modern human admixture was in history, to what degree drift and selection are responsible for the loss and retention of introgressed sequences in modern human genomes, and how surviving archaic sequences affect human phenotypes
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