Der große König - NS Propagandafilm

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Sugar, 18. September 2012.

  1. Sugar

    Sugar Neues Mitglied


    Hallo :winke:

    Ich schreibe grade eine Arbeit über den Veit Harlan Film "Der große König" von 1942. Vielleicht kennen hier einige von euch diesen Film und würden mir dazu ein paar Fragen beantworten :O Dabei geht es mir nicht um "richtig" oder "falsch", sondern um eure persönliche Meinung. Vielleicht ergibt sich dadurch ja auch die eine oder andere (gerne auch kontroverse) Diskussion.

    Ein dickes Dankeschön schon mal im Voraus!

    1. Wie hat der Film wohl damals auf sein Publikum gewirkt?

    2. Wie wirkt der Film heute, reflektiert betrachtet?

    3. Sind Propagandafilme eine sogenannte "duale Strategie der Geschichtsvermittlung"? (z.B. das damalige Publikum "lernt" etwas über Preußen, wir "lernen" heute etwas über Preußen und den NS)

    4. Wie wird Geschichte allgemein in dem Film vermittelt?

    Falls euch noch was anderes einfällt, was ihr im dem Zusammenhang gerne besprechen möchtet, würde mich das ebenfalls freuen!

    LG
    Sugar :winke:
     
  2. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Zu 3. und 4.: Der Film war mit Sicherheit schon damals nicht als "Geschichtsvermittlung" gedacht, sondern als Propaganda- und Durchhaltefilm. Die Handlung widerspricht weitgehend den historischen Fakten sondern ist eher eine Kollage aus tatsächlichen, verdrehten und hinzuerfundenen Elementen des Siebenjährigen Krieges. Interessant für Dich wäre, rauszufinden, wann die finale Fassung des Drehbuchs entstanden ist; dann vergleiche den Plot mit den Zuständen an der (Ost-)Front. (Sinngemäß: Zum ersten Mal müssen die Preußen fliehen, der perfide Russe, mit dem man zwar verbündet ist, aber dem man schon ins Gesicht geschrieben sieht, dass man den Brüdern nicht über den Hohlweg trauen darf.)
    Die Identität der politischen Protagonisten ist frappierend: Schau Dir den Film an und denk dir an den Fritzen einen kleinen, seeehr dunkelblonden Oberlippenbart: der geniale Staaten- und Schlachtenlenker, der in seiner Genialität nur allzuoft von seinem preußisch-deutschen Volk falsch verstanden wird - was natürlich am verstockten Volk liegt, nicht an Seiner Hoheit. Das geht von seinen Mitführern (Bruder Heinrich), über die Führung der Truppe ((hoch: Seydlitz, mittel: Bernburg) - die zivile Führung (die eine Abordnung der Städte) - bis runter zum einfachen, mal skeptischen, mal aufrührerischen doch immer loyalen - bis zum Tod - bleibenden einfachen Landser - Tresckow (welch unbeabsichtigte Ironie der Geschichte :devil:) bzw. zum jungen blonden und sicherlich noch sehr gebärfreudigen (BdM-)Mädel, deren Hütte die pösen Feinde zwar abgefackelt haben und die deswegen anfangs sauer auf den Führerkönig war, die aber dann doch alles unternimmt, die kämpfende Truppe bei Laune und im Felde zu halten - nicht für den Führerkönig, sondern fürs Volk :devil:.

    Allein der allererste Satz der allerersten Ansprache Friedrich Hitlers vor Kunersdorf, in der er statt von "Preußen" von "Deutschland" spricht, ist vollkommen ahistorisch aber gleichzeitig programmatisch für den Film, den ich persönlich in seiner subtilen und wirklich diabolischen Perfidie schon wieder für "handwerklich" genial halte, was gleichzeitig meine persönliche Antwort auf 2. ist: Als Propagandafilm kann man ihn nur als meisterhaft bezeichnen: Wie der olle Fritz Preußen durch persönliches Vorbild durch schwere Zeiten, tiefe Täler und dunkle Stunden zum Licht geführt hat, so wird auch der Führer das deutsche Volk aus der gegenwärtigen Stunde unser aller Todes zur Weltherrschaft ... wie es die Geschichte noch beweisen wird, bewahrt nur das Vertrauen in seinen weisen Ratschluss und sein Vorbild und ihr werdet sehen, im übrigen geht's ihm genauso hundeelend wie Euch und er opfert sich für EUCH auf undsoweiterundsofort.

    Damit zu 1.: Ich bin sicher, je größer der Abstand des Publikums von der Front war, desto wirksamer war der Film und der eine oder andere Kämpe von vorn oder Volksgenosse in den demnächst ausgebombten Städten könnte durchaus auch seine schwankende Motivation, für Führer/König, Volk und Vaterland durchzuhalten, kurzzeitig gefestig gesehen haben. "Kolberg" sollte dann ja noch kräftiger in die selbe Kerbe schlagen: Haltet durch mein Volk, wir schaffen das schon, wenn wir es nur gründlich genug anstellen - "Rücksichtslos!!!" war dort das mit Abstand häufigst verwendete Wort im Film.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. September 2012
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  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Da muss man eher die Durchhaltesituation 1942 nach der enttäuschenden Winterschlacht erahnt haben.

    Der Film war angeblich schon im April 1941 fertig abgedreht, und wurde zunächst von Goebbels als vollkommen mißlungen nicht freigegeben (Tagebuch 1.6.1941). In der Urfassung soll ein russischer General Friedrich zum Sieg verholfen haben. Die Passage musste wie andere dann natürlich gestrichen werden, da sich am 22.6.1941 die Verhältnisse geändert hatten.

    Die Durchhaltesituation bestand natürlich auch schon 1941, da der Krieg trotz Sieg über Frankreich weiterging und die allgemeine Erwartung auf Frieden vom Regime gekontert werden musste.
     
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  4. Sugar

    Sugar Neues Mitglied

    Das war mit Sicherheit die primäre Intention der Nationalsozialisten. Sie waren ja nicht unbedingt für die Vermittlung von Fachwissen (außer was die Technik betrifft) bekannt :pfeif: Dennoch denke ich, dass man schon sagen könnte, das hier versucht wurde Geschichte zu vermitteln. Natürlich im Sinne der Propaganda.


    Das sehr ich genauso!

    Wie unten schon erwähnt wurde, musste der Film ja noch ein paar Mal (auf Goebbels Anordnung hin) überarbeitet werden. Er musste ja schließlich zum aktuellen politischen Geschehen passen. Natürlich wurde auch unterschlagen, dass erst der Tod der russischen Kaiserin Elisabeth und das daraus entstandene Bündnis mit ihrem Nachfolger dem guten Fritz den Poppes gerettet hat ;)

    Sie hat ihre "Pflicht" ja noch am Ende des Films erfüllt :pfeif:

    Ich halte ihn ebenfalls für handwerklich gut gemacht, frage mich aber, warum die Stimmung am Ende so düster ist? Anstatt sich über den Sieg zu freuen, sitzt Fritz allein in der Kapelle und weint. Warum? Vorahnung (jetzt auf die politische Lage 1942 bezogen?)? Motivation ist das Ende nicht wirklich, meiner Meinung nach...

    Stimmt, im Gegensatz zu Kolberg ist DgK ja noch fast harmlos.

    Gute These übrigens mit dem Abstand zur Front. Denn ich glaube die Soldaten, die sich an selbiger befanden, haben das keineswegs soooo motivierend aufgenommen.

    Das deckt sich genau mit meinen Informationen :)
     
  5. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    wobei das Otto Gebühr gegenüber wohl etwas unfair ist ; der hatte ja schon vor 1933 ein Abonnement auf die Rolle. Ein witziger Mensch sagte damals: "Friedrich wurde über Gebühr berühmt."
     
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  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Goebbels legte übrigens großen Wert darauf, Anspielungen und Identifikation mit dem "Führer" zu vermeiden, aber gewisse Parallelen wie das schwadronieren, das "alles_besser-wissen_ und können als "Experten" wie Prinz Heinrich, der feststellt, dass das Regiment Bernburg am unmöglichen gescheitert ist und er Friedrich selbst schuld ist.

    Das größte Problem, das der historische Friedrich hatte, nämlich die hohen Verluste und Desertionen, wird im Film gar nicht erwähnt, "wirklich schlimm" ist für einen Offizier der Verlust des Glaubens an den Endsieg, und der alte Fritz kann sich gar nicht drüber einkriegen, dass seine Preußen Rückenwunden hatten, dass die Bernburger so unverschämt waren, einen Wall aus Leibern zu errichten, bis er, der große Schlachtenlenker alles gerichtet hat.
    Immerhin haben sie aber noch ihre Fahne, die ihnen am Ende voran flattert, die die "Reichswasserleiche" Christina Söderbaum blöderweise als Verbandsmaterial benutzen will. Aber sie ist ja nur ein Mädel und versteht das nicht. Ihr Mann nach Kriegstrauung ohne Pfarrer, der Unteroffizier Treskow versteht am Ende die Welt auch nicht mehr, denn er hat die Schlacht von Torgau gewonnen, indem er ohne Befehl Zietens Husaren das Angriffssignal gibt, wofür ihn "der große König" ans Rad binden lässt, Treskow aber- ohne das er es weiß, zum Leutnant befördert.

    Am Ende hat dann auch die zur Soldatenwitwe geläuterte Söderbaum die Botschaft begriffen: "Du bist nichts, dein Volk ist alles", Die Führung hat allein die nötige Einsicht, der Befehl ist heilig, auch wenn er unsinnig ist, Die Fahne ist mehr, als der Tod, und wer durchhält, wird am Ende auch erfolgreich sein, so wie der alte Fritz, der im Gegensatz zu allen "Experten" seine "gerechte Sache" nicht verloren gab. Als ihm alle Generale raten, zu kapitulieren, nimmt er die Sache wieder selbst in die Hand mit den Worten.

    "Meine Herren, wir werden Berlin retten, oder uns in Stücke hauen lassen!"
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied



    Dass Friedrich am Ende traurig und nachdenklich wirkt, macht durchaus Sinn, denn es geht ja darum, dem Publikum die Botschaft nahe zu bringen:
    "Die da oben oder der da oben, weiß, was das Volk, was der Einzelne zu leisten hat, was der Volksgenosse zu leiden hat, dem das Haus abbrennt. Er führt ja die Kriege nicht, wie er Voltaire schrieb, um, des Ruhmes, der "Gloire wegen", sondern aus Staatsräson. Persönliches Glück, das sagt er seinem Neffen, den er lieber mag, als den Kronprinzen Friedrich Wilhelm II, steht einem Staatsoberhaupt nicht zu. Ein entrückter, einsamer, genialer Herrscher versteht das Leid der Bevölkerung. Wenn das durchhalten zur Kardinalstugend des Volksgenossen erhoben wird, muss der Monarch natürlich auch ein "Durchhalter" und "göttlicher Dulder" sein.
     
  8. Sugar

    Sugar Neues Mitglied

    Ein durchaus stringenter Ansatz, den du da ansprichst. Allerdings stellt sich mir da die Frage, ob es vom damaligen Publikum auch so aufgenommen wurde. Hat der allgemeine Zuschauer, vor allem, da es sich um einen Kinofilm/Unterhaltungsfilm gehandelt hat, das wirklich so interpretiert? War da Publikum nicht eher enttäuscht von dem Ausgang?
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Das ist eine interessante Frage was beim Publikum ankam, mitunter verstand ja selbst Goebbels einen Film total. In seinem Tagebuch äußerst er sich ganz begeistert über Fritz Langs Film "M- eine Stadt sucht einen Mörder". Er verstand die Ansichten des "Schränkers" Gustav Gründgens "ne, ne, so einer wie du muss weg und aus der Welt geschafft werden als Bekenntnis zu einer "Rübe- runter- Rechtsauffassung". Im Propagandafilm der "Ewige Jude" machte dann Hipler eine Anleihe bei Fritz langs Film, um "den Juden" Peter Lorre und generell "den Juden" verächtlich zu machen.

    Filme wie "Jud Süß" und der "Ewige Jude" waren Pflichtpogramm der Einsatzgruppen, bevor sie losgelassen wurden. Für "Der "Ewige Jude" wurden zwei Varianten gezeigt, wobei man BDM- Mädels und Frauen besonders blutrünstige Schächtungsszenen nicht zumuten wollte, antisemitische Hetze aber sehr wohl. sieht man sich die Übergriffe auf jüdische Zivilisten durch Angehörige der Wehrmacht, der SS und verschiedenen Polizeiformationen an, scheint die Propaganda jedenfalls im gewünschten Sinne gwirkt zu haben.
     
  10. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Der Film hat eine Aussage: Kampf, Sieg oder Tod. Das ganze Drumherum, wie die brennende Mühle und der weinende König soll dem annähernd menschliche Züge verleihen.
    Auf der anderen Seite, handwerkllich ist der Film nicht übel gemacht.
     
  11. Sugar

    Sugar Neues Mitglied

    Ich habe gestern eine interessante Arbeit von Imbert Schenk gelesen, da wurde u.a. aus den "Meldungen aus dem Reich" zitiert. Alles in allem hat das Publikum den Film wohl sehr gut aufgenommen und -natürlich- auf die aktuelle politische Lage bezogen. Auch die Parallelen zwischen Friedrich und Hitler sind dem Publikum nicht verborgen geblieben, trotz Goebbels Wunsch, das Ganze subtil zu behandeln :O

    Frauen fanden den Film übrigens tendenziell viel zu "kriegslastig" :pfeif:
     

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