Der Islam und die Welt der Araber

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von Alexandros, 4. November 2004.

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  1. Alexandros

    Alexandros Neues Mitglied


    Um 570-8. Jahrhundert

    Das Ursprungsland

    Der Islam, die jüngste der Weltreligionen, entstand erst im frühen 7. Jahrhundert in einem Gebiet, das zu den unwirtlichsten der Erde zählt: In einer heißen, ausgedörrten Landschaft, die sich eine Million Quadratkilometer weit zwischen Asien und Afrika erstreckt. Im 6.und 7.Jahrhundert lebten dort überwiegend nomadisierende Beduinen, die sich notdürftig von Milch und Datteln ernährten und in Zelten aus Tierhaaren hausten. Oft herrschte Blutfehde zwischen den Stämmen, Kinder wurden häufiggleich nach der Geburt getötet, um die ohnehin kärgliche Nahrung eines Stammes nicht durch weitere Esser zu verknappen. Als die höchsten menschlichen Tugenden galten bei den Beduinen Großzügigkeit, Loyalität und Mut. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts gab es in Nordarabien drei bedeutende Städte, alle im gebirgigen Landstrich Hedschas gelegen, den im Westen das Rote Meer, im Osten die große Wüste begrenzt. In der Mitte des Hedschas lag Jasrib, das spätere Medina, in einem kleinen, fruchtbaren Oasengebiet. 400 km weiter südlich befand sich - in den kühleren Bergen - die Stadt Taif, und nordwestlich davon in einer Senke das von vegetationslosen Bergen umgebene Mekka.
    Mekka war damals wegen seiner verkehrsgünstigen Lage die blühendste dieser drei Städte und bezog hohe Einnahmen von reich beladenen Kamelzügen, die diesen Knotenpunkt des Karawanenhandels zahlreich durchquerten. Führende Bürger der Stadt gehörten der Koreischiten-Sippe an, die mit finanzieller und militärischer Macht in Mekka regierten. Zu ihrem Wohlstand trugen u. a. die Pilger bei, die zur Kaaba in Mekka, der heiligsten Stätte der Araber, reisten. In der Kaaba wird noch heute der Schwarze Stein (ein Meteorit) von den Moslems als heilig verehrt. Allah, später einziger Gott der Moslems, war damals eine der Hauptgottheiten Mekkas; dort wurden noch etwa 300 weitere Götter und Göttinnen angebetet.

    Mohammed verkündet die Lehre des Islam

    In Mekka wurde um 570 Mohammed als Sohn eines verarmten Koraischiten geboren. In jungen Jahren verdiente er seinen Lebensunterhalt als Angestellter der reichen, 15 Jahre älteren Witwe Chadidscha. Als Mohammed 25 Jahre alt war, heiratete sie ihn. Der Ehe entstammten mehrere Kinder. Im Jahr 610 erschien Mohammed auf dem Berg Hira der Erzengel Gabriel, der ihm verkündete, Mohammed sei der Apostel und Gesandte Gottes. Mohammed zweifelte jedoch an der Echtheit der Erscheinung. Doch schon bald offenbarte sich ihm Gabriel abermals und beauftragte ihn, die Menschen zu erwecken und sie vor dem drohenden Gericht Gottes zu warnen. So begann Mohammed im Jahr 613 in Mekka öffentlich zu predigen, was der Engel ihm als Glaubensgut verkündet hatte: Allah ist alleiniger Gott des Weltalls, neben ihm gibt es keine anderen Götter. Vor Allah sind alle Gläubigen gleich, und obwohl Allah das Schicksal der Menschen ohne ihr Zutun bestimmt, müssen sie sich vor ihm am Tag des Jüngsten Gerichtes verantworten. Reiche müssen ihr Vermögen mit den Armen teilen. Die Anhänger Mohammeds nannten diese neue Lehre "Islam", das bedeutet „Ergebung in den Willen Gottes“.
    Mit seinen Predigten gab Mohammed den Beduinen neue Verheißungen. Bis dahin galt den Arabern der Tod als das Ende jeglicher Existenz. Als einziger Maßstab für den persönlichen Erfolg galt der Reichtum, den ein Mensch während seines Lebens ansammelte. So waren viele der ersten Anhänger des Gesandten Arme, die Allahs Botschaft mit großer Hoffnung auf ein besseres dies- und jenseitiges Leben aufnahmen. Die reichen Koraischiten jedoch bekämpften Mohammed erbittert, stellte er doch durch die neuen Lehren ihre persönliche Lebensweise in Frage. Nachdem unter wachsendem Druck der Mächtigen in Mekka schon viele seiner Anhänge aus Mekka geflohen waren, verließ auch Mohammed im Jahr 622 heimlich die Stadt in Richtung Jasrib, die nun den Namen „Medinet al-Nabi“, kurz „Medina“ (Stadt des Gesandten) erhielt. Dieser Auszug Mohammeds, „Hedschra“ genannt, gilt als Beginn der islamischen Zeitrechnung. Mit der Predigt des wahren Glaubens und der Reinigung der alten Religion erwuchsen Mohammed zugleich politische Aufgaben. Er verkündete auch soziale und gesetzgeberische Richtlinien. So verbesserte er u. a. die Stellung der arabischen Frau. In vorislamischer Zeit konnte ein Mann so viele Frauen heiraten, wie er wollte. Mohammed ordnete zwar, ähnlich wie das Christentum, die Frau weiterhin dem Mann unter, reduzierte jedoch die Polygamie auf eine Ehe mit vier Frauen, die der Ehemann mit gleicher Güte zu behandeln hatte. Lediglich für ihn als Propheten galt eine Ausnahme, nach dem Tod Chadidschas heiratete er noch neun weitere Frauen.
    Lange Zeit versuchte Mohammed auch Juden und Christen zum Islam zu bekehren, denn der Islam verstand sich nicht als neue Religion, sondern als endgültige Offenbarung gegenüber den als Vorläufer anerkannten jüdisch-christlichen Propheten. So sind in vielen Aussagen des Koran, des heiligen Buches der Moslems, Entsprechungen zum Alten und Neuen Testament zu finden. Die christliche Vorstellung, Jesus sei der Sohn Gottes, wird im Koran allerdings ausdrücklich bestritten. Als es Mohammed nicht gelang, die Juden Medinas zu Allah zu bekehren, gab er seine Zugeständnisse an jüdische Rituale (wie das Fasten am Versöhnungstag und das Beten gen Jerusalem) auf. Er schuf neue Gebräuche, die nur dem Islam zu eigen sind. So forderte er nun anstelle der Glocken ein Gebetsrufer, der Muezzin, die Gläubigen zu festgesetzten Zeiten zum Gebet auf, das gen Mekka zu verrichten war. Das Fasten dehnte er auf einen Monat, den Ramadan aus. Schon bald gewann der Gesandte Anhänger unter kriegerischen Beduinenstämmen, die durch den gemeinsamen Glauben alte Stammesrivalitäten überwanden, so dass eine politische Einigung erfolgen konnte. Unter Mohammeds Führung entwickelte sich der Islam zur Grundlage eines theokratischen Gemeinwesens, das eine Sendungsbewusste Militanz entwickelte, die sich zunächst gegen die Koraischiten Mekkas richtete.
    Weil die Moslems eine Reihe von Siegen errangen, schlossen sich ihnen viele Gefolgsleute an, denn der Kampf für Allah bot den Kriegern zweifachen Anreiz: Bei einem Sieg fiel die Beute an die Soldaten, beim Tod in der Schlacht erwarteten die Gefallenen unmittelbar das Paradies. Um 630 eroberten die Moslems Mekka. Mohammed ließ in der Kaaba alle Götzenbilder vernichten, erklärte die Städte zum islamischen Heiligtum und schuf so der Religion ein geistiges Zentrum. Im Jahre 632 starb Mohammed. In den 22 Jahren seines Wirkens war es ihm zum einen gelungen, die jüdisch-christliche Tradition eines einzigen Gottes und ein unterschwellig vorhandenes arabisches Nationalgefühl zu einen; zum anderen schuf er mit dem heiligen Buch, dem Koran, in dem die Worte Allahs durch seinen Mund gesammelt sind, das praktisch-theologische Fundament des Islam, an dem auch heute noch die Moslems ihr Leben und ihre religiösen Pflichten ausrichten.

    Die fünf Säulen des Islam

    Fünf rituelle Pflichten bestimmen das Lehen eines Gläubigen, die, von Allah Mohammed offenbart, bis zum heutigen Tagenichts von ihrer Gültigkeit für den Moslem verloren haben: Glaube, Gebet, Almosen, Fasten und die Pilgerfahrt; sie werden die „fünf Säulen des Islam“ genannt. Auf dem Satz „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter“ beruht der Glauben. Legt ein Gläubiger dieses Zeugnis ab, wird er selbst zum Moslem, ohne das - wie in anderen Religionen - besondere Aufnahmerituale erforderlich sind. Als höchste Tugend gilt der Gehorsam gegenüber Allah. Der Moslem glaubt, dass Mohammed der letzte der Gesandten ist und dass sein Wort die Gläubigen bis zum Jüngsten Gericht leiten wird. Die zweite Säule des Islam ist das Gebet, das fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten verrichtet werden muss. Dazu muss der Gläubige rituelle Waschungen vornehmen, ohne die seine Gebete keine Gültigkeit haben. Dritte Pflicht des Islam ist das Almosengeben, das sog. Sakat. Die Almosen wurden vom Staat eingezogen und zur Unterstützung Bedürftigen verwendet. Indem ein Moslem einen Teil seines Besitzes gibt, „reinigt“ er den ihm verbleibenden Rest. Das Fasten im Monat Ramadan ist die vierte Pflicht der Gläubigen. Im Ramadan offenbarte Allah seinem Propheten zum ersten Mal den Koran, und in diesem Monat errang Mohammed seinen ersten Sieg über die Koraischiten. Während der Stunden des Tageslichts muss der Moslem fasten; Essen und Trinken ist nur nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang gestattet. Letzte Pflicht der Gläubigen ist die Pilgerfahrt nach Mekka, die sog. Hadsch, die jeder Moslem mindestens einmal im Leben unternehmen soll. Dieser aus arabischer Tradition übernommene Brauch fand einmal im Jahr statt, im Monat Dsul-Hidscha. Weil zu dieser Zeit Gläubige aus den entferntesten Gebieten in Mekka zusammenströmten und gleich gekleidet die gleichen Andachtsübungen verrichteten, verlieh dieses Erlebnis den Moslems ein Gefühl der Einigkeit und Stärke ihres Glaubens. Dies trug wesentlich dazu bei, das arabische Reich zu einigen.
    Ein entscheidender Unterschied des Islam zum Christentum liegt in der Einstellung zum Krieg, die fast zu einer sechsten Säule des Islams herangewachsen wäre. Während Jesus Christus seine Jünger aussandte, um den wahren Glauben friedlich zu verkünden, forderte Mohammed seine Anhänger auf, den Islam mit dem Schwert zu verbreiten. In der Praxis ist dieser Unterschied jedoch kaum bedeutend: Die Unterwerfung fremder Völker unter das Christentum verlief häufig grausamer als die Bekehrung zum Islam.

    Der Islam als Weltmacht

    Nach dem Tod des Propheten entwickelt sich die religiöse Gemeinschaft des Islam durch Eroberungen zu einem machtvollen politischen Reich. Weil Mohammed es versäumt hatte, einen Nachfolger zu benennen, kam es nach seinem Tod bis zur Mitte des 8. Jahrhundert allerdings zu blutigen Kämpfen um das Amt des »Nachfolgers«, des Kalifen, des religiösen und politischen Führers an der Spitze des Islam. Der erste der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen, die das Goldene Zeitalter des Islam begründeten, war der Koraischite Abu Bakr, der Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa. Er führte siegreiche Kämpfe gegen vom Islam abgefallene Araberstämme und einte die Gläubigen wieder. Zugleich vergrößerte er den Machtbereich des Islam um große Gebiete Persiens und des Byzantinischen Reichs. Als Abu Bakr im Jahr 634 an Fieber starb, wurde Omar I., ein enger Berater Mohammeds, zum Nachfolger erhoben. Während der zehnjährigen Herrschaft dieses Kalifen gelangen dem Islam die größten Eroberungen. So gliederten die Moslems Palästina, Syrien, Ägypten und fast ganz Persien dem islamischen Reich an. Die einheimische Bevölkerung in diesen Gebieten empfingen die Eroberer als Befreier von der byzantinischen und persischen Herrschaft. Die Araber ließen die bestehenden Verwaltungsorganisationen in den eroberten Gebieten weitgehend unangetastet. Angehörigen der „Schriftreligionen“ (Juden, Christen, Zarathustra-Anhänger) wurde gegen eine Kopfsteuer Religionsfreiheit gewährt. Durch Übertritt zum Islam erwarb man den Status des „Mawali“ (Verbundenen). Araber jedoch konnte man nicht werden.

    Spaltungen und Machtkämpfe unter den Moslems

    Nach der Ermordung Omars durch einen christlichen Sklaven ging das Kalifat auf Mohammeds Schwiegersohn Othman über, der der Sippe der Omaijaden angehörte. Othman zog sich den Hass vieler Araber zu, weil er wichtige Regierungsposten mit Angehörigen seiner Familie besetzte und fähigere Männer benachteiligte. Nach nur zwölfjähriger Regierungszeit starb auch er durch Mord. Als vierten Kalifen wählte die islamische Oberschicht Ali, einen Vetter und Schwiegersohn Mohammeds. Ali stellte sich jedoch ein Gegenkalif entgegen: Muawija I., der Statthalter von Damaskus und ein Neffe des Kalifen Othman war. Er warf Ali vor, den Mord an Othman nicht ausreichend gesühnt zu haben. Während der Vorbereitungen auf den Kampf gegen Muawija wurde Ali ermordet. Seine Anhänger aber, die Schiiten, spalteten sich auch theologisch vom Islam ab: Diese Konfession des Islam ist heute vor allem im Iran beheimatet. Muawija begründete das erbliche Omaijaden-Kalifat (661-750), eine Art erblicher Herrschaft (was den Prinzipien des Islam widersprach). Die Hauptstadt des Reiches verlegte er von Medina nach Damaskus. Unter den Omaijaden breitete sich der Islam nach Nordafrika aus. 711 setzten die Araber bei Gibraltar nach Europa über, eroberten fast die gesamte iberische Halbinsel und setzten dem Westgotenreich ein Ende. Im selben Jahr erreichten sie im Osten Indien. Im Lauf der Jahrzehnte schwächten innere Konflikte die Macht der Omaijaden-Dynastie. Unter der Führung von Abul Abbas, dem Nachfahren eines Onkels des Propheten, revoltierten die Abbasiden gegen die Omaijaden. 749 erhob sich Abbas zum Kalifen; später ließ er die Familie Omaijaden systematisch ausrotten. Die Abbasiden regierten das islamische Reich 500 Jahre lang. Unter ihnen ebbten die Eroberungskriege ab, und das Reich lebte in relativem inneren und äußeren Frieden. Der Islam hatte sich als religiöse und politische Macht durchgesetzt.


    Quelle: Chronik der Menschheit (Chronik Verlag)
     
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