Der letzte byzantinische Kaiser - Fragen

Dieses Thema im Forum "Das Byzantinische Reich" wurde erstellt von Bolgarin, 21. Januar 2008.



  1. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Also ich habe verschiedene Versionen gelesen:
    - Konstantin stürzte sich ins Handgemenge und ward nie mehr wieder gesehen; das hatten wir ja schon.
    - Konstantin ritt ins Handgemenge, metzelte Dutzende Feinde nieder bevor er vom Pferd fiel und ward nie mehr wieder gesehen.
    - Konstantin ritt ins Hangemenge, metzelte Dutzende Feinde nieder bevor er vom Pferd viel und dann im Stand Dutzende Feinde niedermetzelte bis er von einem osmanischen Soldaten tödlich verwundet wurde, mit letzter Kraft erschlug er diesen aber noch im Umfallen.
    - Konstantin wartete still auf seinem Thron sitzend auf die Osmanen.
    - Konstantin hing sich auf als die Osmanen in die Stadt strömten.

    Variante 3 scheint die bevorzugte zu sein. Auch in einer Chronik zur Geschichte der Sultane von einem Muhammad Sa'id ed-Din, die wohl im 18. Jahrhundert entstand, aber auf Chroniken aus dem 15. Jahrhundert basieren soll. Außerdem heißt es in der Geschichte "Konstantins, letzter Kaiser der Griechen" von 1892 das diese Variante die "offizielle" osmanische Variante vom Tod Konstantins gewesen sein soll. 1892 ist nun eine alte Kamelle, aber außer Runciman habe ich nichts neues.
    Es gibt aber eine neue Monographie von 1992 "Immortal Emperor", leider sind bei google.books die entscheidenen Kapitel über das Ende Konstantiopels und den Tod der Kaisers ausgeblendet:(. Werds mir aber morgen mal in der Bücherei anschauen.

    Deremilitari bietet hierzu wieder einiges, hier: The Siege of Constantinople (1453), according to Nicolo Barbaro und hier: The Siege of Constantinople
     
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Nö, ich hätte sonst nur vielleicht einen Text scannen können, der ein bischen aktueller ist.

    JetLeechan: Hast du
    R.-J. Lilie, Byzanz. Kaiser und Reich. 1994, und
    P. Schreiner, Byzanz. (Oldenbourg Grundriß der Geschichte 22) München 1992²,​

    Lilie schreibt ja in seinem Beck-Wissen Byzanz-Bändchen (1999):​

    "Das alte Handbuch von G. Ostrogorsky, Geschichte des byzantinischen Staates. (Byzantinisches Handbuch 1. 2) München 1963, das in erster Auflage 1940 erschienen und zuletzt 1963 überarbeitet worden ist, bietet bei aller Lesbarkeit keinen verläßlichen Leitfaden mehr."​

    (Auf Runciman wird schon gar nicht mehr hingewiesen...?)​

    Ich kann nachher auch mal die Seiten von Franz Babinger: "Mehmed der Eroberer" scannen.

    Letzlich müssen wir schauen, auf welche Originalquellen die Autoren setzen. Oder wer von wem abschreibt. Auch in historischer Zunft wird manchmal etwas wiedergegeben, ohne genauer zu schauen, auf welcher Grundlage einmal etwas geschrieben wurde, z.B. bei den Osmanen, dass angeblich der "Schattenkalif" nach der Eroberung von Ägypten den Kalifentitel dem Sultan übertragen habe, was quellenkritischer Quatsch ist (diese Story entstand erst vieeel später), aber selbst in Standardwerken bis heute wiedergegeben wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2008
  3. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    PS: Haben wir eigentlich keinen eigenen Thread "Eroberung Konstantinopels"?
    Ich habe nur diesen Thread gefunden:
    http://www.geschichtsforum.de/f40/untergang-des-byzantinischen-reiches-12943/index2.html
    wo wir einige Buchempfehlungen gaben, und ich den Runciman zitierte.
    Vielleicht Threads zusammenlegen? (Erst recht, wenn es einen besseren Thread á la "Eroberung Konstantinopels" geben sollte...)
    Oder sollte dieser Thread hier der erste explizit zur Eroberung sein? Dann bitte Titel ändern in "Eroberung Konstantinopels" evtl ergänzt durch den Zusatz: "durch die Osmanen"
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2008
  4. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Ich weiss nicht, ich dachte es geht nur um die genaueren Umstände von Konstantins Tot?

    Zu dem Ostrogorsky kann ich nicht sagen, als der geboren wurde war der Chedomil Mijatovich von meinem Büchlein schon tot:cool:. Ist also älter als alt.

    Die zeitgenössischen Quellen widersprechen sich halt oft bzw. auch die Schreiber dieser, zB. der Nicolo Barbaro, sagen ja selbst, sie haben gar nicht gesehen wie der Kaiser letztendlich starb.

    Ich hab' hier als neueres Werk nur God's War von Tyerman (Tyerman: God's War, Cambridge 2006) der auf S. 864 schreibt: "Konstantin wurde "in the press" getötet, sein Körper geschändet und sein Kopf dem siegreichen Sultan als Trophäe überreicht." Er stützt sich allerdings insgesamt auf die Klassiker Runciman und Setton sowie die Reihe Byzantinische Forschung aus den 80ern.

    Ich hätte jetzt eben erstmal den "Immortal Emperor" von '93 angeschaut, da dass das neueste Werk allein zum Kaiser zu sein scheint, oder zumindest das am meisten zitierte ist in diversen Artikeln. Ich hoffe mal darin Quelleneditionen verwiesen zu sehen, die auch zugänglich sind. EDIT: Ich meinte mir verständliche, Franzosen können versuchen den Jaques Malherbe: Constantin XI, Louvain-la-Neuve 2001, ausfindig zu machen. Ich werd auch da mal reinschauen, vllt. versteh ich ja was :D.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2008
  5. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Zu den Umständen der Eroberung Konstantinopels könnten wir ja einen neuen Thread öffnen, ich denke da besteht noch Diskussionsbedarf, vor allem in Hinsicht der Massaker (oder eben nicht) an der Zivilbevölkerung und dem Wiederaufbau der Stadt bzw. den letzten Reichsteilen. Es wird oft diskutiert das die Osmanen Byzanz und Anatolien heruntergewirtschaftet hätten, dass sie besonders agressiv gegen Andersglaubige gewesen wären etc.
    Ich hatte in einem anderen Forum darüber einen Artikel verfasst, indem ich den Standpunkt vertrat das es gerade umgekehrt gewesen sein muss, was sich ja anhand der Einwohnerzahlen und den Handelsumfangs beweisen lässt oder auch an der Verehrung Sultan Mehmehts durch die armenische Kirche, noch heute! Usw.:)
     
  6. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Bitte nicht noch einen neuen Thread. Diesen hier ausbauen und durch Mod neuen Titel geben. Oder mit anderen Verschmelzen. Hat denn niemand einen anderen "Eroberung Konstantinopels"-Thread gesehen? Ich meine, wir hatten in diversen Threads schon einiges zusammengetragen, und müssen uns nicht wiederholen?
     
  7. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Wieso denn keinen neuen Thread? Wenn ich auf die Übericht schaue sehe ich "Europäische Infantrie", "Die Axtgarde" und "Truppengattungen", die hätte man ohne weiteres ebenfalls in einem Thread unterbringen können, wie "Militär und Söldner im byzantinischen Reich".
    Dieser Thread hier handelt doch nur vom Kaiser bzw. des Kaisers Tod. Mir ist kein anderer Thread über die Eroberung Konstantinopels bekannt. Hier und da wurde was im Osmanischen Reich Forum geschrieben. Aber von mir aus nennt den hier halt um.
     
  8. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Hier nun der versprochene Scan von Franz Babinger: "Mehmed der Eroberer" 1953.
    Ebenso hoffnungslos veraltet wie Runciman, aber wenigstens ein sehr quellenkundiger Autor, der sogar auch osmanisch kann. (Leider habe ich nicht den separaten Band mit den Fußnoten, um auch hier näheres zu erfahren, worauf er seine Schilderung stützt)
    Er schreibt auch nicht ganz so aus der byzantinischen Perspektive wie Runciman, ist aber trotzdem fern von heutigen ausgewogenen historischen Schilderungen. Also Obacht! ;)

    Neben den letzten Augenblicken des Kaisers, ist noch ein Auzug von den Gelehrten, die in den Westen flohen, den ich interessant fand:

    "Neuer Schrecken griff um sich, als wirre Gerüchte über die schon erfolgte Einnahme vom Hafen her drangen, in den gelichteten Reihen um Kaiser Konstantin. Als er erkannte, daß gegen die Übermacht des Gegners weiterer Widerstand unmöglich sei, warf er sich den andringenden Osmanen entgegen. Von den Seinigen verlassen, brach er in die Worte aus: ,Ist denn kein Christ da, der mir den Kopf nehme ?' Rief's und fiel unter den Schwertstreichen zweier Türken, deren einer ihm ins Gesicht, deren andrer vom Rücken auf ihn einhieb.
    So endete der Letzte der Kaiser von Byzanz, kämpfend und wie ein einfacher Krieger fechtend."

    "Die dortigen [italienischen] Höfe füllten sich mit diesen gelehrten [byzantinischen] Flüchtlingen, die anfänglich begeistert aufgenommen wurden, im Laufe der Zeit aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, beträchtlich an Ansehen und Achtung verloren, so daß sie in ihr Stammland zurückkehrten und lieber das Joch [sic!] der türkischen Herrschaft dulden lernten als das Leben mißachteter Schulmeister unter den Lateinern."

    Mehr im Anhang.
     

    Anhänge:

  9. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Lynxxx, gibt es Beschreibungen der Einnahme Konstantinopels von türkischer bzw. muslimischer Seite ?

    Ich dachte nur (?) Sphrantzes hätte darüber geschrieben und um das zu lesen braucht man kein osmanisch zu können.
     
  10. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Keine Ahnung. Ich weiß aber, dass die Deutungen der Chronisten durch Historiker unterschiedlich ausfallen. Vor 50 Jahren anders als heute. Dies mag damit zusammenhängen, dass inzwischen die Quellenlage insgesamt sich verbessert hat, so dass man besser beurteilen kann, inwieweit man den Schilderungen vertraut oder welche Teile davon man als Übertreibungen ansieht oder nicht. Man erhält also vielleicht ein Profil des Chronisten und kann besser beurteilen, welchen Schreibstil er hat, welche Postition er einnimmt, wie glaubwürdig oder wortwörtlich man seine Schilderungen nehmen kann. Nicht nur auf dieses Ereignis bezogen, sondern im Vergleich mit anderen Schilderungen. Und da sind osmanische Schilderungen praktisch, damit man eben durch so viele Quellen wie möglich die Ereignisse aus verschiedenen Ansichten beleuchten kann, und dann zu einem möglichst logischen Schluss kommt.

    Vor allem ist es wohl wichtig darauf hinzuweisen, dass es heute unzulässig ist alles schwarz-weiß zu sehen, es war damals alles sehr viel "grauer" mit fließenden und äußerst komplexen Übergängen von Interessen, Seitenwechseln, späteren Rechtfertigungen, Glorifizierungen, Legitimationen und Schilderungen durch Chronisten, etc.
    Und einige oder viele "blutrünstige geifernde wölfische schwertschwingende Osmanen" wird es durchaus gegeben haben, darum geht es nicht, es geht darum, dass auf byzantinischer Seite in einer Schlacht wohl diese Attribute ebenso vergeben werden könnten. Schlachten, Belagerungen, Plünderungen waren immer recht grausam. Zumal wenn auf osm. Seite noch viele Christen mitkämpften, und auf byz. Seite viele gegen die Verteidiger der Stadt integrierten, verwischt das klare Feind-Freund-Bild, welches man gerne in historischen Romanen zwecks Identifizierung lesen mag.
     
  11. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Muss mich übrigens selber berichtigen, nicht nur Sphranzes hat darüber geschrieben. Lt. Tante Wiki gibt es noch mehr Berichte, siehe weiter unten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine Osmanischen Berichte darüber gibt. Konstantinopel war DER Goldene Apfel, der gepflückt wurde, und da soll es nichts darüber geben ?

    Das die Fronten nicht so klar waren, wie allgemein angenommen, ist mir bewusst.



     
  12. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    ... und es dürften besonders viele dieser Art unter den Truppen gewesen sein, die als erste die Mauern stürmten und Gegenwehr wie die des Kaisers niederwarfen.

    Das Erstürmen einer Stadt (erst recht bei Befestigungen wie in Konstantinopel) ist immer eine extrem harte Sache, dafür werden die besten (und aggressivsten) Truppen eingesetzt, die der Belagerer aufbieten kann.
    Und angesichts der besonderen Risiken einer Erstürmung sind diese Truppen dann nicht sehr geneigt, Nachsicht mit den Besiegten zu üben - Greueltaten sind da fast die Norm.

    Nur mal zum Vergleich ein Beispiel aus fast schon "moderner, zivilisierter" Zeit, brave Christen selbstverständlich, die eine verbündete Stadt "befreien":
    Battle of Badajoz (1812) - Wikipedia, the free encyclopedia

    Daher würde ich zu den Beschreibungen à la "blutrünstige Wölfe" vermuten: Die ist weitgehend korrekt und die Wortwahl in gewisser Weise angemessen.

    Aber es kommt halt auf den Kontext an, in dem sie gebracht wird. Und da hat lynxxx natürlich völlig recht - so etwas gehört nicht (es sei denn als Quellenzitat) in eine historische Diskussion.
     
  13. Themistokles

    Themistokles Neues Mitglied

    Das Unterforum hat doch nur 3 Seiten. Die sind ratzfatz abgesucht und dann findet man

    http://www.geschichtsforum.de/f40/die-eroberung-von-konstantinopel-7888/
    (nicht sehr ergiebig)
    und http://www.geschichtsforum.de/f40/1453-der-krieg-vor-dem-fall-von-konstantinopel-6744/ (nicht ganz passend)
    Ist das genehm oder soll ich aus diesem ein wenig was abtrennen und vrselbstständigen oder an einen der genannten hängen?
     
  14. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Den Kontext mal in einer aktuellen Sicht aus Goffman: The Ottoman Empire and Early Modern Europe. 2004 (Siehe Literaturtipps im Osm. Reich Subforum)​
    S. 51 ff.:
    "Creating an imperial center: the winning of Constantinople
    The new sultan, however, had no shortage of problems in 1451. A pretender to the throne – Orhan – lived ensconced and menacing in the “Turkish” quarter of Constantinople. Even worse, Çandarlı Halil, the high Ottoman official whom Mehmed held responsible for recalling his father in 1444 and staging the janissary revolt that had deposed him in 1446, five years later remained in power as grand vizier, as representative of powerful frontier lords and the religious elite (ulema), and as the principal advocate for peace with the Byzantines and other European powers. For Mehmed, it seems, Halil was also a reminder of his shameful deposition and the almost universal perception that he would be an ineffective and unthreatening ruler. The opportunity simultaneously to remove the danger of Orhan, to show himself an effective and devout commander, and to bring down a powerful and intimidating Ottoman statesman (as well as the pseudo-aristocracy that he represented) decided Mehmed finally to realize for Islam the conquest of Constantinople.
    The story of Byzantium’s fall has been told many times,25 for it, more than any other event in Ottoman history, was also a major episode in European history. Indeed, it is even considered by many a pivotal event, as the moment when the medieval European world ended and the modern one began. There is a certain irony in this assessment. First, the city had been taken and pillaged before, by the Fourth Crusaders in 1204, when the blind Venetian doge Dandolo led a zealous and brutal army against it. It was then and not in 1453 that most of the artwork and wealth of Constantinople vanished – into Venetian and other palaces and public buildings – and that most cultural artifacts were destroyed; it was in 1204 and not in 1453 that the Great Library was destroyed. Second, little of the fabulous wealth for which Byzantium was known remained in 1453. Not only had the city already been ransacked two and a half centuries earlier, but also the Byzantines had never regained a hinterland that could have financed a significant renaissance. Latin and Turkic lords held most Byzantine lands, and those that remained were swallowed up by the Ottomans during the fourteenth and early fifteenth centuries. The fact that there were only some 8,500 men to defend the city against an Ottoman army of some 50,000 reveals not only the self-sacrificing futility of the effort, but also how inconsequential the Byzantine entity had become. In other words, Constantinople was significant to Christendom mainly as an emblematic bulwark against Islam and various hordes – whether Mongol or Turkic. The immediate consequences of its fall were symbolic. Its practical significance lay in the future rather than in the present, for control of the city was eventually to bring the Ottoman dynasty enormous wealth, prestige, and power.
    Although Mehmed II certainly was aware of the symbolic centrality of the city for Europe, his motivation for its conquest was as much domestic as international. Factionalism divided his administration. On one hand, a “peace party,” represented by Çandarlı Halil and other ulema officials and inherited by Mehmed from his father, advised caution and consolidation; on the other, a “war party” led by the sultan’s warriortutor Zaganos [soll aus altem ehrwürdigen griechischen Geschlecht kommen], advocated conflict. Mehmed’s intimacy with his tutor as well as his bitterness against the man who had engineered his ousting in 1446 must have influenced his decision to act aggressively. Nevertheless, the attack upon the grand but weakened city also made political and ideological sense, especially for a sultan who was almost universally perceived as indecisive and ineffective.
    The young sultan’s principal threat came not from the Byzantines themselves, but from potential allies, and especially the Genoese and Venetians whose powerful navies could relieve the siege by sea. So, his first move was to build a castle just across the Bosphorus Straits from Anadoluhisar, which his great-grandfather Bayezid had constructed half a century before. Within a year after his succession, Rumelihisar had been completed, and cannons placed in the two fortresses effectively sealed the sea passage from the Black Sea. This maneuver diminished the likelihood of reinforcements; moreover, the declared neutrality of the Genoese colony in Galata, the capacity to shift a fleet over land and launch it into the Golden Horn, the casting and deployment of massive cannon against the city’s land walls, the doggedness especially of the janissary corps, and a dispirited sense of inescapability among the defenders – heightened perhaps by the preference of a large segment of the city’s Greek population for Ottoman over Latin government – secured Constantinople for the Ottomans in May 1453 after a 54-day siege. With news arriving that same month that Venetian and Hungarian troops were on their way, the defenders probably never learned how nearly the Ottomans, fearing an attack from their rear, came to raising the siege just before the final assault.
    As the city had been taken by assault, Mehmed was legally obliged to let his troops seize Constantinople’s goods and enslave its inhabitants, and a good deal of plundering occurred. Nevertheless, perhaps because the population of the city was already destitute and many of its districts virtually abandoned, the scale of destruction paled in comparison to the sack of 1204. Furthermore, Mehmed II intended to turn this city into his capital and did not want to inherit an empty husk. Consequently, he limited the plundering to one day, protected several important structures from it (including the great church Hagia Sofia, which he consecrated as a mosque), and immediately proclaimed the city his new capital. With the capture of Constantinople the Ottoman Empire gained a hub.
    Ideologically, the monarchy now considered itself a great conquering Islamic dynasty that by reducing Byzantium inherited also the legacy of Rome. Militarily, the city’s formidable defenses at the center of an enormous territory granted the state a sense of security and a launching point for further conquests. Economically, the new capital’s control of extensive hinterlands in the Balkans and western Anatolia, as well as seaborne access to the goods of the known world, would turn it into a principal financial and commercial gathering place and bring great wealth to its inhabitants and the imperial treasury. Socially, the city’s depopulated state in 1453 provided an opportunity for the Ottomans to re-form it in their image, and, at first by force and then by preference, Armenian, Greek, Jewish, foreign, and MuslimTurkish settlers soon had constructed a polylingual, polyethnic, and polyreligious metropolis that existed and thrived in striking contrast to non-Ottoman cities in the Mediterranean and European worlds."


    25 For Ottoman policies toward the city immediately after the conquest, see Halil ˙Inalcık, “The policy of Mehmed II toward the Greek population of Istanbul and the Byzantine buildings of the city,” Dumbarton Oaks Papers 23(1970): 213–49.


    Ich könnte auch noch was aus S. Yerasimos: Konstantinopel. Istanbuls historisches Erbe. 2000 auf deutsch scannen, um die Umstände kurz vor und nach der Eroberung zu beleuchten, falls Interesse. Übrigens steht darin, dass nach 1350 keine Ikonen mehr in Konstantinopel hergestellt wurden. Interessant...
    Und natürlich ist es grausam an vorderster Linie zu kämpfen. Ob nun das Schwert in den Bauch gestoßen wird, oder der Kopf abgehackt wird, ist eh egal. Und dann glauben im Blutrausch leider oft auch Frauen und Kinder dran, alles schon dagewesen. Jedenfalls waren die Osmanen insgesamt (!) nicht besonders grausamer, als andere Zeitgenossen in anderen Teilen der Welt, das wollte ich nur sagen. (Beispiele von besonders "grausamen" Gouverneuren, Sultanen, etc. gibt es natürlich, aber die gab es auch bei christl. Reichen).
    @Themi: Ne, lass mal diesen Thread zum Eroberung von Konstantinopel-Thread ausbauen. Vielleicht ist ja im Subforum Osm. Reich noch einer? Wenn nicht, kannste hier ja den Titel ändern. THX! :winke:
     
  15. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Ein gewisser R.:rotwerd: hat seinem Werk eigens eine Übersicht der "Hauptquellen" beigefügt (S. 200-206, Literaturverzeichnis S. 239-249), worin er unterscheidet nach griechischen (Phrantzes, Dukas, Chalkokondyles. Kritobulos usw.), slawischen (Tagebuch eines polnischen Janitscharen, Slawische Chronik), westeuropäischen (Barbaro, Leonhard von Chios, Tetaldi, Cambini), und schreibt dann, die türkischen Quellen seien "sind eigentümlich enttäuschend", insofern sie die historische Leistung des Sultans, den er (R.) für den größten überhaupt hält, nur zum Teil darstellen. Zur Erläuterung verweist R. auf Babinger, der noch weitere osmanische Schriftsteller angebe sowie auf das Sammelwerk "Historians of the Middle East" (ed. Lewis/Holt).
    (Das Literaturverzeichnis enthält übrigens 5 Werke von Babinger und noch einzelne Werke aus den 60er Jahren; R. ist erst im Jahre 2000, 97-jährig, gestorben.)
     
  16. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    R.=Runciman? ;) Welche Edition hast du? Steht da auch was drin, von wann die "Chroniken" sind, wie viele Jahre nach der Belagerung oder welche von Augenzeugen? Standen die tatsächlichen oder vermeintlichen Augenzeugen hinter dem Kaiser, und sahen ihn und hörten von seinen Aussprüchen? Oder zweite Hand? Stille Post?
    Auch wenn Runciman veraltet ist, und zahlreiche seiner Thesen inzwischen widersprochen werden, so kann man doch reinschauen, welche Quellen es gibt? :)

    PS: Hab grad gesehen, dass Donald M. Nicol fast wortwörtlich von Babinger abschreibt... Plagiatsvorwurf kann nicht mehr gemacht werden, Babinger ist schon tot... Vielleicht aber auch nur dieselbe Quelle...

    PPS: Hier mal eine christl. Originalquelle, 100 Jahre nach dem Fall:
    http://www.tuerkenbeute.de/res/pdf/forschung/nachweise/quellen/GeburtWeltmacht.pdf
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2008
  17. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Deutsche Ausgabe 1966 (inzw. 5. Aufl. 2005 bei Beck, der sich was schämen soll für die ollen Kamellen), als DTV-Taschenbuch 1977; Grundlage ist die bei Cambridge Univ. Pr. 1965 erschienene Ausgabe (übersetzt von P. de Mendelsohn).

    Zur "Slawischen Chronik" die Anmerkung (S. 236): "siehe Ungebaun, 'Les relation vieux-russe de la prise de Constantinopel', Revue des Etudes Slave, IX, und Jorga [das ist der mit der mehrbändigen Osmanischen Geschichte], 'Une source negligée de la prise de Constantinople', Académie Roumaine, Section Historique, XIII". [Da das Buch ab 4 € noch erhältlich ist, beschränke ich mich hierauf.]

    Aussprüche? Kommen bei R. nicht vor. Wörtliche Reden in Werken über lang zurückliegende historische Begebenheiten betrachte ich immer sehr skeptisch. Vielleicht hat Konstantin ja auch nur "Merde" (auf Griechisch) gerufen...:)

    Ich trage mich - bestärkt durch diese Diskussion, aber auch durch andere - mit dem Gedanken, ein neues Thema "Gütekriterien historischer Literatur" zu kreieren.
     
  18. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Die drei wichtigsten zeitgenössischen Quellen gibts ja hier:
    The Siege of Constantinople Sphrantzes
    The Siege of Constantinople (1453), according to Nicolo Barbaro Barbaro
    The Siege of Constantinople Kritovoulos

    Und die repräsentieren jeweils eine Sicht der Dinge, der erste ist Byzantiner, der zweite Lateiner und der dritte schrieb ja ein paar Jährchen später für Mehmet seine Chronik gewissermassen aus osmanischer Sicht.

    In der Patrologia Graeca von Migne befinden sich die griechischen Texte nebst lateinischer Übersetzung, da wir den noch nicht haben; Michael Dukas, er schrieb eine Geschichte Byzanz, oder wie mir scheint viel mehr eine Geschichte des Untergangs Byzanz und des Aufstiegs der Osmanen und beginnt Anno Christi 1341, verfasst hat er diese 1462. Wo er 1453 war steht leider nicht dabei. PG, Bd. 157, S. 739 - 1166.
    Eine Übersetzung gibts bei Decline and Fall of Byzantium to the Ottoman Turks, by Harry J. Magoulias, (Detroit: Wayne State University Press, 1975)
    Der vierte wichtige byzantinische zeitgenössische Chronist ist Laonikos Chalkokondyles , den gibts bei Europa im XV. Jahrhundert von Byzantinern gesehen, (Graz: Styria 1954) Byzantinische Geschichtsschreiber Vol 2.

    Damit haben wir die Byzantiner und den wichtigsten Lateiner, fehlen noch osmanische Quellen.
     
  19. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich meine, wichtiger als jede zeitgenössische Quelle, oder jede hunderte Jahre später geschriebene Quelle, sind aktuelle Standardwerke der Byzantinistik und Osmanistik. Ich vertraue da lieber auf angesehene Leute, die ihr Leben lang Quellenstudien betreiben und die Entwicklungen ihrer Zunft verfolgen, und deren Einschätzung und Beschreibung der Ereignisse. Besser, als wenn ich die Originale lese und mir meinen Teil denke... ;) Von den aktuell renommierten Autoren könnten wir noch Zitate bringen, die würden mich zumindestens im Moment mehr interessieren.
     
  20. Mike Hammer

    Mike Hammer Neues Mitglied

    Wäre prima !
     

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