Der Name der Germanen

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Aragorn, 14. Mai 2004.



  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Catull, Gedicht 84.
    bibliotheca Augustana
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Mehr als auf die Möglichkeit hinweisen, wollte ich ja auch nicht.

    Und zur korrekten klassischen Aussprache gehörte das H sehr wohl. Plinius und Tacitus schrieben ja nicht den Straßenslang. Die Oberschicht definierte sich ja gerade über das korrekte Latein. Und dabei müssen Cicero und Caesar als Standard gelten. Man denke an Clodius und Claudius.

    Der Rubenbauer-Hofmann betont hierzu den Unterschied Hochsprache zu Volkssprache ausdrücklich. Wer an die falsche Stelle ein H setzte, zeigte damals nicht nur mangelnde Bildung, sondern auch niedrige Herkunft.

    @ Nordwestblock: Es kam mir auf die 'Kontaktgruppe' oder 'Kontaktzone' an. Kuhn ist erwähnt, da seine Theorie bekannter ist. Im Sinne einer leichteren Zugänglichkeit des Forums. Und ich habe in dem Post die Nordwestblocktheorie auch abgelehnt, wie man erfährt, wenn man es liest. :p Ja, ich hätte da deutlicher differenzieren können. Aber das wurde im Thread, wenn ich mich recht erinnere schon durchgekaut.

    Die 'Kontaktzone' ist nicht zu leugnen. Auch inhaltlich sollte klar sein, dass ich mich auf jene beziehe.
     
  3. beorna

    beorna Neues Mitglied

    ...schließlich ist das Germanische ja nicht vom Himmel gefallen.Wenn es sich ausgebreitet hat, dann müssen manche Regionen später als andere das Germanische übernommen haben bzw. die Lautverschiebung mitgemacht haben.
     
  4. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Danke, Carolus! Die Verbindung zum ungarischen Begriff zu verwerfen, weil jene ursprünglich eine völlig andere Sprache hatten, und zu spät kamen, überzeugt mich zwar nicht 100%-ig, aber der Spagat wäre sicherlich sehr groß.



    Phuiii… Was für eine soziale Erscheinung? Das germanische Kind? Blöder Witz natürlich, denn die Frage ist eigentlich sehr gut!! Wenn das ungarische Kind also und der kindliche Knappe schon im Spätmittelalter gyermek hießen, dann käme auch die Möglichkeit einer mittelalterlichen Verballhornung (hier anachronistisch übrigens) des Nachbarn in Frage, d.h. die Germanenverulkung. Dies würde aber nicht das Verständnis ›der gekommen ist‹ erklären. Außer: diese Deutung kam später… (?) :grübel:
     
  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Gibt es denn eine Entsprechung zwischen keltisch k/g und germanisch h?
     
  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ja, da gab es was. Ich hatte das schon mal erwähnt. Ich meine es stände keltisch/italisches iugum gegen lateinisches Joch. Das ist aber im Wortinnern. Und wenn keltisch involviert ist, beschwöre ich es nicht, bevor ich nicht nochmal nachgeschaut habe. Als ich das schon mal postete, hatte ich jedenfalls etwas passendes gefunden. Soweit hatten wir das damals aber dann nicht diskutiert, wenn ich mich recht erinnere.

    Darüberhinaus ist dann auch noch die Frage, ob ein eventuelles 'ch' von den einen als 'g' und von den anderen als 'h' verstanden werden konnte. Und was es an Verballhornungsmöglichkeiten noch gibt.
     
  7. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Auf die Schnelle habe ich folgende Wörter, die aufgrund gemeinsamer indoeuropäischer Wurzel eine Entsprechung haben könnten, die man nachschlagen könnte: Hund, Horn, Hirsch, Heer.
     
  8. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Eines der germanischen Worte für Kampf war ‚hadu‘ (Hathumar = der im Kampf berühmte, Wikipedia: Hathumar). Das keltische Wort für Kampf war 'catu' (Wikipedia: Caen) und die Abgrenzung zwischen germanischen und keltischen Dialekten war anscheinend fließend, ersichtlich an den germanischen Namen des markomannischen Adeligen Catuwald und des chattischen Adeligen Catumar.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Canis, cornu, cervus.

    Bei canis/'Hund' würde ich allerdings die gemeinsame erbwörtl. Herkunft zur Sicherheit noch mal nachschlagen. Bei den anderen beiden ist sie unzweifelhaft.

    Wobei der Artikelabschnitt unfreiwillig komisch ist.
     
  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied



    En effet=):

    Der keltische Name *Catumagos ist übrigens ein rekonstruierter Name. Die ältesten Namensformen von Caen sind aus dem 11. Jahrhundert (s. die frz. Wiki: https://fr.wikipedia.org/wiki/Caen#Toponymie). Die Deutung mit Kampf ist aber auch in der frz. Wikipedia enthalten. Ich war vor Jahren in Caen und mußte übrigens auch mit den Wetterunbillen kämpfen: es war tierisch am schiffen.:motz:

    Unabhängig von der Etymologie von Caen hat die erste Lautverschiebung von einem indogermanischen *k→χ→h. Der oben erwähnte Hund/canis wird in der Wiki auch als Beispiel aufgeführt: https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Lautverschiebung#Ausnahmen

    Es gibt den Wechsel von indogermanischen *k nach germanischen h, wobei der k-Laut in anderen idg. Sprachen erhalten geblieben ist. Angenommen es gab einen Stamm *Kermanen oder *Kerminonen, deren Name sich während der ersten Lautverschiebung in Hermanen oder Herminonen geändert haben mag, warum sollten dann die Römer dann Germanen schreiben. Der k-Laut würde im Latein vor der Zeitenwende mit c wiedergegeben. Dann würde ich Cermani erwarten. Oder gab es in der Frühzeit des Kontaktes einen Abschreibfehler mit C/G, der seitdem immer tradiert wird? Im übrigen müßte man unterstellen, dass ein alter Stammesname bei den Kelten über Jahrhunderte in der Form vor der Lautverschiebung erhalten hätte. Ich würde eher erwarten, dass die Kelten die Eigenbezeichnung mit h übernehmen würden statt eines uralten Stammesnamen, von dem keiner weiß, ob es ihn überhaupt gegeben hat und wie er lautete.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. August 2016
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  11. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  12. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das -ch beim deutschen Joch ist spät und geht auf die 2. Lautverschiebung zurück.
    Im Englischen hat sich das germanische -k erhalten.

    cook = Koch
    yoke = Joch
    to make = machen
    to poke = pochen
     
  13. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Dobesch geht nicht auf die Etymologie des Namens ein, er beschäftigt sich nur mit der Ausbreitung des Germanennamens. Er betont jedenfalls:

     
  14. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wahrscheinlicher ist, dass es mit Tschuwaschisch śarmъk (jung) in Verbindung steht:

    Turkic etymology : Query result

    Dann käme eine Entlehnung aus dem Protobulgarischen in Frage.
     
  15. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Wäre auf jeden Fall einleuchtender als die befremdende Vorstellung, dass die ihr Kind liebende ungarische Mutter für »Kind« generell plötzlich z.B. ›gyermán‹ (und später »gyermek«) gesagt hätte, nur um sich über die Germanen lustig zu machen.
     
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  16. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Mal abgesehen davon, dass das grammatikalisch nicht passt: Deine Übersetzung würde doch bedeuten, dass die Tungrer erst zur Zeit von Tacitus den Rhein überschritten hätten.
     
  17. beorna

    beorna Neues Mitglied

    1.) wieso paßt es nicht?

    2.) die Tungrer erscheinen nicht bei Cäsar. Wieso sollten also jetzt die Germani Tungrer genannt werden, wurden sie doch erst unter Augustus dort angesiedelt. dazu Timpe, Der Namenssatz der taciteischen Germania 70f, in: Timpe, D., Romano-Germanica. Gesammelte Studien zur Germania des Tacitus, 1995
     
  18. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Ich bin gerade auf der Suche nach dem alt-irischen gair, das laut dem o. g. Wiki-Eintrag "Nachbar" heißen soll. Germane im Sinne von Nachbarn als Fremdbezeichnung durch Kelten wäre ja möglich. Indes kann ich gair im Sinne von Nachbarn nicht finden: weder hier https://en.wiktionary.org/wiki/gáir noch hier Foclóir Gaeilge?Béarla (Ó Dónaill): gáir läßt es sich finden. Als Nachbar (neighbour) wird hingegen Foclóir Gaeilge?Béarla (Ó Dónaill): comharsa angezeigt.

    Ist das alt-irische gair (Nachbar) und die mögliche Wortherkunft von Germanen als keltische Fremdbezeichnung für Nachbarn ein Hoax?

    Nachtrag: zumindest ein alt-irisches gar (Nähe) läßt sich finden: Foclóir Gaeilge?Béarla (Ó Dónaill): gar
     
  19. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Das Oxford Dictionary of English hat ebenfalls den Hinweis auf OIr. gair für Nachbar.
     
  20. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Alexander Macbain, An Etymological Dictionary of the Gaelic Language (1911), S. 189:
    "gar, gair, gaire, near proximity, Ir. gar, near (adj. and adv.), M. Ir. gar, shortly, W. ger, gar, near. See goirid for root."
    https://archive.org/details/etymologicaldict00macbuoft
    siehe auch:
    MacBain's Dictionary - Section 19
     

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