Deutsches Interesse an Kolonien

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von choco, 27. Oktober 2009.

  1. choco

    choco Neues Mitglied


    Halloo
    meine Frage ist, welches Interesse Deutschland an Kolonien hatte..

    In meinem Geschichtsbuch finde ich dazu nur folgenden Satz: Deutschland verfolgte nicht wie England das Interesse zu einer Weltmacht aufzusteigen, sondern viel mehr ökonomische und innenpolitische Ziele.



    Näher wird darauf nicht eingegangen, könnt ihr mir vielleicht ein paar Denkanstöße geben?



    Vielen Dank
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vorab eine Frage:

    Um welches Geschichtsbuch handelt es sich?
     
  3. Melchior

    Melchior Neues Mitglied


    @choco

    Als Einstieg:

    Kolonialpolitik

    Bismarck und die deutschen Kolonien

    Deutsche Kolonialpolitik: Fatale Gier nach Weltgeltung

    Chronologie zur Deutschen Kolonialgeschichte - Geschichte

    Ich denke, dass Bismarck voraus sah, dass für das Deutsche Reich die Kosten für die Kolonialpolitik höher waren als der Ertrag und das darüber hinaus Deutschland, gleichsam via der Kolonien, in Konflikte mit den anderen Kolonialmächten geraten könnte.

    M.

    P.S.: Meiner trüben Erinnerung nach, erwirtschaftete nur der Haushalt der Kolonie Togo einen Überschuss, alle anderen Kolonien waren "Zuschussgebiete" (leider kann ich das jetzt auf die Schnelle nicht belegen, daher nur als post scriptum).
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Oktober 2009
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  4. Rheinländer

    Rheinländer Neues Mitglied

    Dürfte für den Ersteller jetzt nicht mehr relevant sein, aber weitere Gründe wären noch:

    Die Hoffnung, innenpolitische Probleme wie die soziale Frage in die Kolonien zu "transferieren".

    Die große Kolonialbewegung, die ihre Interessen in zahlreichen Verbänden artikulierte.

    Der allgemeine Trend hin zu Kolonien, es erschien vielen Zeitgenossen als Statusfrage, auch Kolonien zu haben, wenn alle relevanten Mächte danach strebten.
     
  5. Amiel

    Amiel Neues Mitglied

    Es stimmt doch das "erst" unter Wilhelm 2. verstärkt Imperialismus betrieben wurde?
     
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  6. Rheinländer

    Rheinländer Neues Mitglied

    Nun ja, man ist unter ihm die Sache "offensiver" angegangen ist und auch stärker den "Platz an der Sonne" postuliert hat.

    Aber bereits Bismarck hat doch gegen Ende seiner "Herrschaft", wenn auch widerwillig, die Kolonialisierung vorangetrieben.

    Unter Wilhelm II. kam es dann natürlich erst zu verstärkten Konflikten a la Panther vor Agadir.
     
  7. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    Stimme dir voll zu!

    Bismarck hat versucht Deutschland geschickt zu positionieren, also Streitigkeiten z.B. um Kolonien zu vermeiden, und viele Verträge und Rücksicherungen geschlossen.

    Wilhelm hingegen passte das Konzept Bismarcks nicht.
    Er proklamierte sich und hatte die Auffassung, den sogenannten Platz an der Sonne (also in Afrika) einnehmen zu müssen.
    Er entliess kurzerhand Bismarck, erhob mehrere genauso fähige, aber nicht genauso geschickte Leute, in des alten Bismarcks Amt und steuerte durch z.B. das Flottenrüsten gegen England mitten in sein Verderben nämlich den WK1.
     
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  8. Hannah

    Hannah Neues Mitglied

    Moment mal, ich dachte, der erste Weltkrieg wäre durch die Ermordung vom österreichischen Thronfolger verursacht worden?
     
  9. Rheinländer

    Rheinländer Neues Mitglied

    so einfach sind die dinge nicht... das war nur der auslöser.
     
  10. SackZement

    SackZement Neues Mitglied

    jeder Krieg hat Ursachen und einen Auslöser

    Ursachen sind tieferliegende Gründe, die meist schon länger zurückliegen (aber Einfluss auf die Gegenwart haben) und den eskalierenden Konflikt "vorprogrammieren".

    Der Auslöser ist ein konkreterer Anlass, der sozusagen das Fass zum Überlaufen bringt. Er ist diese vorprammierte Eskalation

    Im Falle des 1.WKs waren die Gründe:
    - aggressiver Imperialismus des deutschen Reiches (Platz ander Sonne, Kolonialbestrebungen etc.)
    - expansive Flottenpolitik (Aufrüstung und somit Konkurrenz zur Royal Navy)
    - ungeschickte Diplomatie (England, Frankreich und Russland zum Feind gemacht)

    Der Auslöser war, wie du richtig gesagt hast, die Ermordung von Franz Ferdinand.
     
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  11. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Mit den Machtpolitischen Gründen gebe ich euch recht. Von englischer Seite kam aus meiner Sicht auch die Angst wegen der im Kaiserreich deutlich fortschritlicheren Industrie hinzu.

    Bis Neulich

    Apvar
     
  12. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Willst du damit sagen ,

    - dass andere imperialistische Mächte weniger aggressiv gewesen sind ?
    - das andere imperialistische Mächte weniger Flottenrüstung betrieben ?
    - das andere eine realistischere Diplomatie zur selben Zeit betrieben ?

    MMn unzutreffend .
     
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  13. Rheinländer

    Rheinländer Neues Mitglied

    stimmt dir zu, dass ist zu einseitig. Das Kaiserreich hat sich sicherlich ziemlich ungeschickt verhalten, aber die anderen Länder waren jetzt auch keine Pazifisten.

    Die haben sich ja auch schon unterneinander bekriegt gehabt. Krimkrieg usw.
     
  14. SackZement

    SackZement Neues Mitglied

    nicht direkt Angst vor der deutschen Industrie, aber Angst vor einer deutschen Vormachtstellung. DURCH die fortschrittlichere Industire war Deutschland stärker als Frankreich und Russland. Das wusste England und konnte deshalb einer völligen Entmachtung Frankreichs nicht tatenlos zusehen, da sich damit das europäische Gleichgewicht massiv zu Gunsten Deutschlands verschoben hätte.
     
  15. SackZement

    SackZement Neues Mitglied

    natürlich waren die Gründe arg deutschlandfeindlich, aber das wirft die Kriegsschuldfrage neu auf und die lag meiner Meinung nach eher bei Deutschland.

    Hätte sich Deutschland weniger imperialistisch verhalten und wäre Deutschland "im Sinne Bismarcks" außenpolitisch weniger aggressiv vorgegangen, wäre es zumindest so schnell nicht zum 1. WK gekommen.
     
  16. Rheinländer

    Rheinländer Neues Mitglied

    man könnte provokativ fragen, wieso sich Deutschland aus damaliger Sicht in Zeiten des Imperialismus gegenüber massiv imperialistischen Mächten nicht genauso imperialistisch hätte verhalten sollen?

    Ich glaube, dass waren einfach keine Zeiten für Zurückhaltung. Auf allen Seiten.
     
  17. SackZement

    SackZement Neues Mitglied

    aber durch das Verhalten Deutschalnds musste es unweigerlich zu einem Konflikt zwischen der alten europäischen Mächte und Deutschland kommen, da die nationalen Interessen sich eindutig zuwiderliefen und Deutschland sich in der Weltpolitik zu offensiv "hineingedrängelt" hat.
     
  18. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied


    Irgendwie ist es wohl angebracht nachzufragen , warum andere imperialistische Mächte " alte Mächte " waren und warum deren Interessen höher gewichtet werden müssen , als deutsche Interessen .

    Da wirds spannend.

    Ich würde ja zustimmen , das die deutsche Politik unkontrolliert war , was die Übersicht und Abgewogenheit in der Zeit nach Rudolfs Ermordung betraf, aber selbst das war wohl nicht weniger dümmlich , als andere handelten (zB. Mobilmachungen).

    Das wars aber schon.
     
  19. SackZement

    SackZement Neues Mitglied

    Diskutieren wir jetzt die Gründe für den Ersten Weltkrieg oder die Kriegsschuldfrage?
     
  20. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Weder noch. Der Titel des Threads lautet "Deutsches Interesse an Kolonien"
     

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