Die Ainu

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von rolo, 14. Juli 2004.

  1. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied


    viele ist tatsächlich stark übertrieben:(, ansonsten habe ich nur noch gelesen, dass ihre Hautfarbe relativ hell ist. Der Text aus dem ich das habe enthielt leider keine Fotos(das einzige Fotovon Ainus, welches ich bisher sah war schwarzweiß).
     
  2. beorna

    beorna Neues Mitglied

    In der "Rassenlehre" galten die Ainu aufgrund ihrer "Rassemerkmale" als europid. Das heißt aber nicht europäisch, sondern lediglich, daß sie keine oder geringere mongolide oder negroide Merkmale aufwiesen. Die ganze Rassenlehre ist aber, zum Teil mit Recht, in Verruf geraten.

    Wichtig ist nur, daß die Ainu nicht zum mongoliden Typus gehören. Vielmehr entstanden die Ainu aus älteren Populationen, die erst später, Neolithikum, vom mongoliden Einfluß betroffen wurden. Diese Ur-Ainu wanderten möglicherweise zu einer Zeit ein, als auch die Aboriginies in Australien einwanderten. Ebenso soll ein weiterer Vorstöß bis nach Amerika geführt haben. Dies geschah in einer Zeitspanne irgendwann vor 60.000 bis 25.000 Jahren. Erst hiernach trifft man Menschen mit protomongolidem Habitus an, beziehungsweise schließt dies aus Schädelfunden.
    In Japan selbst trifft man die unterschiedlichsten Typen. Diese reichen von einem malaio-polynesischem Typus, über eindeutig mongolide Typen bis hin zu stark behaarten Ainu-artigen. Genetisch unterscheiden sich diese Populationen aber wohl nicht mehr.

    Daher komme ich noch einmal auf die ganz zu Anfang angesprochenen "Rassen". Sie existieren in Japan und eben auch bei den Ainu, wie überhaupt generell, nicht.
     
  3. askan

    askan Neues Mitglied

  4. hugahuga

    hugahuga Gesperrt

  5. askan

    askan Neues Mitglied

    so manche Details der Ainu-kultur erinnert mich persönlich irgendwie an die Nordwestpazifikstämme N-Amerikas, an Kwiatjutel *odr wie die geschrieben werden!*
     
  6. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Kwakiutl. Aber du hast mich neugierig gemacht - welche Details sind das?
     
  7. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich finde die Ornamentik, die Alltagskultur und die Kleidung sieht sehr ähnlich aus. Nicht zu vergessen der Bärenkult.
     
  8. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    An der NW-Küste waren Adler, Rabe und Wal eher 'angesagt'.
    Ich habe mich mit den Ainu bisher nicht befaßt - hast du Links etc für mich?
     
  9. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Ich geb auch mal meinen Senf zum Thema Ainu:
    Ainu bedeutet übrigens Mensch. Heute leben schätzungsweise noch 23.000 Ainu, von denen aber nur weniger als 200 keine japanischen Vorfahen haben (Zahlen von 1980). Ainu als Sprache sprechen noch weniger. 1991 waren als gerade mal 40. Die meisten Ainu leben in den südlichen Distrikten Hidaka und Iburi auf der Insel Hokkaido. Die Bevölkerung hat einen internen ethn. Wechsel erlebt, da die meisten Ainu Mischehen mit Japanern eingegangen sind und/oder aus ihrem angestammten Gebiet emigrierten.
    Einige hundert Ainu leben heute noch auf der Halbinsel Sachalin. Genaue Zahlen sind von russischer Seite aus nicht bekannt. In historischen Zeiten (konnte nicht genau herausfinden, wann das gewesen sein soll) siedelten auf der südl. Kurileninsel, am Unterlauf des Amur und im südl. Teil der Halbinsel Kamtschatka. Auch der nördl. Teil der jap. Halbinsel Honshu war im 17. und 18. Jahrhundert Siedlungsgebiet der Ainu. Dies war der letzte Rest einer ehemals zahlenmäßig bedeutenden Bevölkerung. Nach modernen Erkenntnissen hatten die Ainu einen wesentlichen Anteil am der Ethnogenese der Japaner. Von den alten Völkern Japans sind alle bis auf die Ainu ausgestorben. Alle diese Völker standen in interethnischen Kontakten und gingen ethnisch, wie auch kulturell eine Fusion ein.
    Von den Sprachen der vorjapanischen Bevölkerung hat nur das Ainu bis in unsere Zeit überlebt. Das Ainu ist eine genet. isolierte Sprache, es ist mit keiner ausgestorbenen oder lebenden Sprache verwandt. Bei den Ainu haben sich animistische religiöse Traditionen erhalten. Wie viele Japaner sind sie Anhänger des Shinto. In der Mythologie findet man zahlreiche Anspielungen auf traditionelle Lebensweisen der Jägerkultur. Wie bei vielen Völkern Nordsibiriens ist auch bei den Ainu die Erinnerung an den Bärenkult bis heute lebendig. Die traditionelle Kleidung der Ainu in Hokkaido war ein halblanges Gewand (attush), das aus den weichen Innenfasern von Ulmborke gewebt wurde. Im Winter wurden Jacken aus Hirschfell getragen. Die Fußbekleidung waren Mokassins aus Lachshaut, Fell oder Wallnußrinde. Solche Bekleidungs-
    sitten sind schon vor langer Zeit aufgegeben worden.
    Ebenso wenig hat sich die Sitte des Tätowierens von Gesicht, Händen und Armen erhalten, die früher bei den Frauen üblich war. Tattoos wiesen junge Frauen als heiratsfähig aus.
    Die traditionelle Gesellschaftsordnung der Ainu war bipolar. Männer führten ihre Abstammung auf männl. Vorfahren zurück, Frauen dagegen auf weibliche. Ein Symbol der matrilinearen Ordnung waren Keuschheitsgürtel (ponkut), die über viele Generationen hidurch vererbt wurden.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    Bis ins Mittelalter war der Norden der Hauptinsel von den Emishi bewohnt. Es ist möglich, daß diese mit den Ainu verwandt waren, aber Genaues weiß man nicht.
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Hmm, ich habe gelesen mal die Bezeichnung Emishi gleichbedeutend mit AInu ist!


    Laut Wiki gab es noch die : Ezo, Ulita und Ebisu.
     
  13. hyokkose

    hyokkose Gast

    Gelesen habe ich das auch, aber mehr als eine Vermutung ist das nicht, Genaues weiß man eben nicht.



    "Ulita" habe ich noch nie gelesen. Eine japanische Bezeichnung ist das nicht (im Japanischen gibt es kein "l").
     
  14. askan

    askan Neues Mitglied

    Die Ulita sind (oder waren?) eine kleine Volksgruppe von den Kurilen und Sachalin. Der Name soll "Hirschreiter" bedeuten.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das gehört zu den Punkten die ich generell nicht glauben kann. Das sind doch schwülstige Fantasien des 19. Jahrhunderts.

    Grüße Repo
     
  16. hyokkose

    hyokkose Gast

    Mich erinnert der Name an die Ulchi, die leben aber im Amurgebiet auf dem Festland.

    Auf Sachalin gibt es die Oroken (die wie die Ulchi eine tungusische Sprache sprechen) und die Giljaken, die zu den "paläoasiatischen" Völkern zählen.

    Gibt es irgendeine Quelle zu den "Ulita"?
     
  17. askan

    askan Neues Mitglied

    nur bei Wiki und dieses hier : http://www.d2.dion.ne.jp/~bunkt/ kann man mit dem Babalfish ins englische übersetzen.

    habe mich leicht verschrieben das Volk heisst: Uilta
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Dezember 2006
  18. hyokkose

    hyokkose Gast

    Auf Japanisch: Wirita.

    Es handelt sich um Oroken. Ihre Zahl belief sich 2002 auf 346, von denen allerdings nicht einmal mehr zehn ihre alte tungusische Sprache beherrschen:

    http://lingsib.unesco.ru/en/languages/uilta.shtml.htm
     
  19. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    Eine interessante Einzelheit: ein der wichtigsten Ainu-Forscher war Bronisław Piłsudski, der Bruder von Marshall Józef Piłsudski. Bronisław wurde von den Russen nach Sachalin in 1886 geschickt, weil er hat versucht, um Tsar Alexandr III zu morden. Sachalin Insel wurde von den Ainu, Gilaker und Niwcher besiedelt. Bronisław Piłsudski hat ihren Sprachen untergesucht. Seine Arbeit : "Materials for the Study of the Ainu Language and Folklore" (Kraków 1912) war die erste ernste Synteze der Ainu-Informazionen und ist aktuell bis heute. Piłsudski hat auch um 80 phonographische Wachs-Rollen, auf denen er die Ainu-Gesange, ihre Legenden und Gebeten aufgenommen hat. Diese Rollen wurden in 1983 von den Forscher aus Universitat Sapporo renowiert und mit Laser-Technik gelesen. Sie sind heute unschatzbar. Die Japaner haben selbst ein Musichall auf dem Grund der Ainu-Musik geschrieben.
    Was ist am traurigsten in Ainu-Geschichte - die Regierung Japans hat erst in 1998 (!!!) ein spezieles Gesetz beschliest, um ihre sterbende Kultur zu retten.
     
  20. hyokkose

    hyokkose Gast

    "Giljaken" und "Niwch" sind nur zwei verschiedene Namen für dasselbe Volk. Die dritte Gruppe sind, wie erwähnt, die Oroken.
     

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