Die Frauen im Hause Borgia

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von Venezia Borgia, 25. Dezember 2012.

  1. Venezia Borgia

    Venezia Borgia Neues Mitglied


    Hallo,

    im Moment laufen ja mehrer Serien zu den Borgias, daher möchte ich hier mal eine Frage aufwerfen!
    Kann es sein, dass die Frauen (Vanozza, Guilia und Lukrezia) von Anfang an bessere Chancen auf ein langes Leben und etwas Glück hatten, als ihr männlichen Gegenstücke?

    Alle drei überlebten nicht nur den Tod Alexanders VI und die Entmachtung der Borgias in Italien. Sie entgingen sogar dem Mob in Rom und waren später angesehene Bürgerinnen. Natürlich hat, dass oft mit ihren neuen Ehemännern zutun. Aber wenn man ihre Vergangenheiten und die Gerüchte um Mord, Sex und Inzest bedenkt, hatten sie doch eigentlich schlechte Karten in dem damaligen Gesellschaftsgefüge!
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ob sie wirklich "Chancen auf ... etwas Glück hatten", wage ich zu bezweifeln. Letztlich verliefen ihre Leben recht fremdbestimmt.
    Lucrezias Verlobungen und Ehen dienten den Interessen ihres Vaters. Ihr zweiter Ehemann wurde sogar auf Befehl des Papstes oder Cesares gegen Lucrezias ausdrücklichen Willen ermordet.
    Wie begeistert Giulia wirklich von ihrem mehr als vierzig Jahre älteren Liebhaber war, sei auch einmal dahingestellt. Ein Adonis war Alexander zumindest in seiner Zeit als Papst nicht gerade. Hingegen kam ihrer Familie, vor allem ihrem Bruder, die Liaison durchaus nicht ungelegen, sie wird Giulia also durchaus "motiviert" haben, es mit dem alten Mann auszuhalten. Aber auch unabhängig davon wäre es wohl nicht ratsam gewesen, einen einflussreichen Kardinal und später Papst abblitzen zu lassen, weder für sie noch für ihre Familie.
    Lediglich Vanozza hat ganz gut abgeschnitten.
    Chancen auf Selbstbestimmung und somit Glück hatte eine Frau vor allem dann, wenn es ihr gelang, wirtschaftlich und familiär unabhängig zu werden, wenn sie also z. B. eine reiche Witwe wurde oder - weniger realistisch - aus einer Liebschaft genug für sich selbst herausschlagen konnte. Aber auch dann drohten ihr Gefahren von Personen, die an ihr Vermögen wollten.

    Die Länge des Lebens war für Frauen oft schon durch die Gefahren des Gebärens begrenzt. Eine Frau zu sein, schützte auch nicht unbedingt vor einem unnatürlichen Tod.

    (Anmerkung: Ich habe das geschrieben, ohne die beiden Serien gesehen zu haben. Ich weiß also nicht, wie die Leben der drei Frauen im Fernsehen dargestellt werden.)
     
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  3. Decurion

    Decurion Neues Mitglied


    Ich habe die beiden Serien gesehen (ZDF und Pro7), wobei in beiden die Rollen der Frauen recht unterschiedlich dargestellt wurden.
    In der ZDF-Serie wird Lucrezia als die boshafte Giftmörderin dargstellt, als welche man sie oft bezeichnet hatte und bezeichnet. In der anderen Serie mit Jeremy Irons als Alexander VI. wird sie eher als divenhaft, aber nicht verrucht dargestellt, eher als Opfer ihrer Zeit und ihrer Familie.
    Es muss sehr schwer für sie gewesen sein, dass sie die Männer ehelichen musste, die ihr Vater als pater familias für sie ausgesucht hatte und nicht selbst entscheiden durfte. Allerdings war das bis ins 19./20. Jahrhundert gang und gäbe.

    Vanozza de' Cattanei war – bevor Kardinal Rodrigo Borja (Borgia) auf sie aufmerksam wurde – lediglich eine Kurtisane. In Rodrigo fand sie einen Gönner, der mit ihr unter anderem Cesare, Juan und Lucrezia gezeugt hatte. Somit war ihr ein gewisses Einkommen gesichert, auch als sie Giulia Farnese den Platz räumen musste.
    Ich denke, sie hatte eigentlich ein ganz passables Leben geführt, nachdem sie keine Mätresse mehr war, ihr eigenes Haus mit Dienerschaft hatte etc.

    Ob Giulia Farnese ihre Verbidnung mit Alexander genossen hatte oder ob es für sie bloß ein Mittel zum Zweck darstellte, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber auch ihr schien es recht gut gegangen zu sein und wie mein Vorposter bereits bemerkte, profitierte vor allem Alessandro Farnese, der spätere Paul III., von dieser Liaison.

    Ich frage mich, warum sie "schlechte Karten in dem damaligen Gesellschaftsgefüge" hätten haben sollen. Bis auf Vanozza de' Cattanei waren die beiden Damen von hoher Geburt, finanziell abgesichert. Die eine war Tochter Alexanders, die andere Schwester Pauls. Natürlich konnte man vor Giftanschlägen und nächtlichen Meuchelmorden niemals ganz sicher sein. Aber die Herren werden wohl für ihre Damen gesorgt haben. Ich denke, es ist wahrscheinlicher, dass sie hätten sterben können, wenn sie auf der Straße gelebt hätten und nicht in einem Palazzo oder im Vatikanischen Palast.

    Wer sind denn ihre männlichen Pendants? Wenn du damit Cesare und Juan meinst (die in den Serien ja auch fokussiert wurden), dann würde ich die Frage etwas anders formulieren: Nicht, ob die Frauen von Anfang an eine größere Chance auf Glück hatten, sondern ab wann dies zur Tatsache wurde. Denn Juan wurde ja bereits zu Lebzeiten Alexanders ermordet und Cesare wurde unter dem Pontifikat Julius' II. getötet. Somit hatten sie schon mal kein Glück gehabt.
    Das hängt aber wahrscheinlich nicht mit ihrem Geschlecht und der Reihenfolge ihrer Geburt zusammen, sondern eher mit der Politik ihres Vaters, dem Tod desselben und einigen Ereignissen, auf die man als Borgia wohl keinen Einfluss hatte (z. B. Papstwahl Giuliano della Roveres).
    Du verallgemeinerst die Frage etwas zu sehr, denn nicht jeder Sohn einer einflussreichen Familie (die fast immer Feinde hatten) war automatisch zum Tode oder zum persönlichen Unglück verurteilt.
     
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  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Über Vanozzas Zeit vor ihrer Liaison mit Kardinal Rodrigo Borgia ist mW außer dem Namen der Eltern praktisch nichts bekannt, auch nicht, wann und wie sie sich kennengelernt haben.
     
  5. Decurion

    Decurion Neues Mitglied

    Ich muss gestehen, ich hatte mich da eher auf die Sendung bezogen. Über Vanozza weiß ich ansonsten auch eigentlich nix ^^

    Das hat natürlich mit historischen Fakten nichts zu tun, ich dachte nur, dass es vielleicht zu der Fragenstellung passen könnte.
     
  6. Axel Schudak

    Axel Schudak Neues Mitglied

    Zumindest war sie mit ihrem Leben nach Rodrigo wohl nicht völlig zufrieden...

    Ihre Gesellschaft hat Alexander mit der Erhebung ihres Bruders in den Kardinalsstand vergütet. Nach seinem Tode musste sie auf Geheiss ihres Bruders von der Bildfläche verschinden, um die Öffentlichkeit nicht immer an seine "Verdienste" die zur Erhebung geführt hatten, zu erinnern.

    Er wurde später Papst und hat massgeblich die Gegenreformation geprägt. Julia hat ihm, von all ihren Besitztümern, ausgerechnet das Bett vermacht, dem er den Titel verdankte :)
     
  7. Venezia Borgia

    Venezia Borgia Neues Mitglied

    Ich habe nicht nur die Serien gemeint, sondern auch die historischen Fakten!
    Und Fakt ist, dass alle drei länger gelebt haben, als alle Männer ihrer Familie und zumind. Vanozza in Rom eine angesehene Bürgerin wurde und auch finanziell noch ´ne Weile von Rodrigo provitierte! Auch Lucrezia war mit ihrem späteren Leben erfolgreich. Sie war eine beliebte "Landesmutter" und Kunstförderin! Auch gilt ihre letzte Ehe als glücklich und dass ist mehr als ihre Brüder erreicht haben!
    Nur Guilia verschwand nach dem Tod des Papstes und doch brachte sie es fertig, dass sie noch heute im Vatikan "verblieben" ist! Den nicht nur das Bett, dass sie ihrem Bruder vermachte, steht in Rom, sondern auch eine Statue von ihr schmückt das Grab ihres Bruders!
     

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