Die Freimaurerei im Kontext der Amerikanischen und der Französischen Revolution

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Chan, 17. Oktober 2017.

  1. Chan

    Chan Aktives Mitglied


    Die Theorie der Entstehung der modernen Freimaurerei (im folgenden auch: FM) aus dem Templerorden wurde im Jahr 1737 durch den schottischen Freimaurer Andrew Michael Ramsay in Umlauf gesetzt und hat sich bis heute hartnäckig gehalten, kann nach aktuellem Wissensstand aber nicht zweifelsfrei belegt werden. Bekanntlich war der wohlhabende und hochangesehene Templerorden, entstanden im frühen 12. Jahrhundert als militärische Schutztruppe für das eroberte Jerusalem, zu Beginn des 14. Jahrhunderts beim französischen König Philip IV., genannt "der Schöne", in Ungnade gefallen, weil ihm die Aufnahme versagt worden war und, nicht minder motivierend, die Reichtümer des Ordens eine Verlockung darstellten, welcher "der Schöne" nicht widerstehen konnte.

    In Kooperation mit Papst Clemens V. unterdrückte und verbot der König den Orden und ließ zahlreiche Mitglieder, darunter ihr Oberhaupt Jacques de Molay, durch Folter zu grotesken ´satanistischen´ Geständnissen zwingen und, nachdem die meisten, auch Molay, ihr Geständnis unter Hinweis auf die Folter widerrufen hatten, in Paris verbrennen. Der Legende nach flohen viele Templer als Freimaurer (jener Zeit, wohlgemerkt) getarnt nach Schottland, wo der Templerorden in den folgenden vier Jahrhunderten als Teil von Freimaurerbünden und unter dem Schutz der schottischen Könige zu überleben vermochte und die FM zunehmend templerisch prägte, was aber, wie gesagt, nicht konkret belegbar ist, auch wenn für die behauptete Schutzhaltung der schottischen Könige die faktische traditionelle Wertschätzung der FM durch die Stuart-Dynastie spricht. Auch die Theorie, dass das Ordensverbot mit einem angeblich im Orient erworbenen ´esoterischen´ und also häretischen Wissen zusammenhängt, ist unbelegbar. Nichts spricht dafür, dass die Templer eine vom orthodoxen Katholizismus abweichende Lehre vertraten.

    Eine anders gelagerte Entstehungstheorie, von Robert Freke Gould, einem Mitbegründer der englischen Forschungsloge Quator Coronati in den 1880ern vorgebracht, unterscheidet zwischen einer mittelalterlichen ´operativen´ und einer von Jean-Theopile Desaguliers und James Anderson (zu beiden später noch mehr) im Jahr 1717 ins Leben gerufenen ´spekulativen´ Freimaurerei. Erstere sei die Erscheinungsform der FM bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts gewesen und habe keinerlei ´spekulative´, also religiös-symbolisierende Elemente enthalten. Letztere dagegen habe, wie der Name schon sagt, im Zuge der Logenaufnahme vieler gebildeter Aristokraten das spekulative Moment in die Freimaurerei eingeführt, d.h. das Maurerhandwerk und seine Werkzeuge religiös-symbolisch interpretiert.

    Die Gould´sche Unterscheidung war noch bis vor wenigen Jahrzehnten unumstritten, wird heute auch von freimaurerischen Historikern aber als übermäßige Vereinfachung angesehen. Es war wohl genau umgekehrt: Gerade weil die FM vom Start weg spekulative Elemente enthielt (aber nicht nur deswegen), zog sie im 18. Jahrhundert zahlreiche Aristokraten und auch einige Monarchen an, z.B. Friedrich II. von Preußen und Kaiser Joseph II.. So oder so - die Aktivitäten von Desaguliers und Anderson ab 1717 bedeuteten eine wesentliche Zäsur in der Freimaurergeschichte.

    Die FM ab dieser Zäsur nenne ich also nicht ´spekulative´, sondern ´moderne Freimaurerei´.

    Wie für das Mittelalter nicht anders zu erwarten, hatte die ursprüngliche freimaurerische Weltanschauung eine strikt christliche Orientierung. Weil aber nur Texte aus dem Alten Testament (vor allem aus ´Könige´ und ´Chroniken´) explizit zugrunde gelegt wurden, kam es im frühen 19. Jahrhundert zu der irrigen Annahme, die weltanschauliche Basis der Freimaurerei sei in Wahrheit jüdisch und nicht christlich und die FM somit ein Produkt des Judentums. Daher bildete sich um 1830 im Anschluss an Napoleons - vom freimaurerischen Kaiser Joseph II. mit seinem ´Toleranzpatent´ von 1782 vorbereitete - emanzipierende Aufwertung des Judentums (1807) in anti-revolutionären Kreisen die Theorie einer jüdisch-freimaurerischen Weltverschwörung und in deren Folge schließlich die Judenparanoia des Nationalsozialismus. Gegen einen freimaurerischen Judaismus im 18. Jahrhundert spricht aber folgendes: Es gab in der FM keine Beziehungen, auch keine literarischen, zum rabbinischen Judentum dieser Zeit, und es wurde nicht aus dem Tanach, sondern aus dem AT der King-James-Bibel zitiert. Auf die jüdischen Kernmythen Exodus und Sinai-Offenbarung wurde nie angespielt. Die schwache soziale Stellung der Juden bis zu Napoleons Intervention hätte es ohnehin nicht zugelassen, eine kulturell und politisch so einflussreiche Institution wie die FM des 18. Jahrhunderts hervorzubringen oder zumindest entscheidend zu prägen.

    (Unbestätigten Gerüchten zufolge soll Napoleon ein Freimaurer gewesen sein; bei mindestens drei von seinen vier Brüdern war dies der Fall; auch seine Gattin Josephine – ihr erster Ehemann war Freimaurer - trat höchstwahrscheinlich einer Straßburger (Frauen-)Loge bei. Der Anteil der Freimaurer unter Napoleons Marschällen und Offizieren war sehr hoch.)

    Ein freimaurerischer Kernbegriff ist der ´Great Architect of the Universe´ (G.A.O.T.U.), den Jean-Theopile Desaguliers, ein Mitarbeiter Isaac Newtons, angeregt durch Thomas von Aquin, Johannes Calvin und Newton, geprägt hat. Er umschreibt allegorisch ein ´höchstes Wesen´ in seiner Funktion als Baumeister des Universums. Eskalierende Konflikte zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem französischen Freimaurertum im 19. Jahrhundert veranlassten 1877 die französische Großloge ´Grand Orient de France´ aber dazu, das rituelle Bekenntnis zu einem GAOTU (und zur Unsterblichkeit der Seele) als Bedingung für einen Logenbeitritt abzuschaffen, um auch Atheisten die Aufnahme zu ermöglichen, was wiederum einen Bruch mit der in diesem Punkt konservativen englischen Großloge ´United Grand Lodge of England´ herbeiführte. Die Allegorie des ´Architekten´ verdankt sich natürlich der Herkunft der FM aus dem Bauwesen.

    Ein weiteres zentrales freimaurerisches Symbol ist der in ´Könige´ beschriebene mythische ´Tempel Salomos´ als Allegorie für die Freimaurergemeinschaft oder, umgreifender, für eine kosmopolitische Menschheit, die aus lebenden Steinen gebaut ist und das utopische Ziel jeder FM-Aktivität darstellt. Das Bild geht implizit auf paulinische Ideen zurück, wie sie z.B. in 1 Kor 3,16 ausgeführt werden (Rede an die Gemeinde: “Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?”).

    Zwei wesentliche Voraussetzungen für die Herausbildung der modernen FM waren (1) die europäische Aufklärung und (2) der Exodus der französischen Calvinisten (= Hugenotten).

    (1)

    Um die Mitte des 17. Jahrhunderts setzte in Europa eine philosophische Entwicklung ein, die als ´Aufklärung´ bekannt ist und zunächst in den Schriften von Thomas Hobbes und Herbert von Cherbury (beide England) und Baruch Spinoza (Holland) zum Ausdruck kam. Ihren im einzelnen sehr unterschiedlichen Ansätzen ist die Kritik an den ´abergläubischen´ Aspekten des Christenglaubens gemeinsam, die in einem Jahrhundert, das die Naturwissenschaft wiederentdeckt hat, den Ansprüchen einer rationalen, d.h. auf Begründbarkeit basierenden Vernunft nicht mehr genügen konnten. Zu akzeptieren war aus Sicht dieser Denker und ihrer Anhänger in der Bibel nur, was für die Vernunft einsichtig und von keiner mysteriösen ´Offenbarung´ abhängig ist. Auf dieser Grundlage bildete sich der Deismus heraus, dem einige Protagonisten der Aufklärung anhingen (z.B. Collins und die Freimaurer Voltaire und Montesquieu), sowie ein an Spinoza anknüpfender Pantheismus (z.B. Toland, de Missy) und ein durch Newtons ´Principia´ (1687) inspirierter vitalistisch-materialistischer Atheismus (z.B. der Freimaurer-nahe Diderot und der Freimaurer d´Holbach).

    (2)

    Die zweite Voraussetzung ergab sich aus der Entscheidung von Louis XIV., das 1598 erlassene Edikt von Nantes, welches den Hugenotten (= französische Calvinisten) zumindest auf dem Papier eine eingeschränkte Glaubensfreiheit zubilligte, auf Drängen des Papstes im Jahr 1685 durch das Edikt von Fontainebleau zu widerrufen und die Hugenotten, sofern sie nicht zum Katholizismus konvertierten, auf diese Weise zu kriminalisieren. Sich dem Religionsverbot durch Emigration zu entziehen, war bei Strafe von Galeere oder Exekution untersagt, was mehrere 100.000 Hugenotten nicht davon abhielt, sich in die Nachbarländer Schweiz, Deutschland, Holland, England/Schottland sowie nach Amerika und Südafrika abzusetzen. Der Grund für das Emigrationsverbot waren befürchtete wirtschaftliche Einbußen durch einen Verlust der für ihre Geschäftstüchtigkeit bekannten Hugenotten.

    Der von Max Weber in seiner "Protestantischen Ethik" postulierte Zusammenhang zwischen Protestantismus und Kapitalismus ist, worauf Weber unmissverständlich hinweist, nicht unmittelbar in der protestantischen Lehre angelegt, sondern rein äußerlicher Natur: Durch ihre Forderung nach Verzicht auf weltlichen Luxus begünstigt diese Ethik das Investment erwirtschafteter Gewinne in das Unternehmen statt in ´verschwenderische´ Lebensführung und optimiert so die ökonomische Effektivität. Die Ethik der ´harten Arbeit´ hat sich auch in dem von Protestanten entworfenen freimaurerischen Ritual und dessen Forderung nach Disziplin, Zielstrebigkeit, Ausdauer, Gewissenhaftigkeit und zwischenmenschlichem Anstand niedergeschlagen.

    (Fortsetzung im folgenden Beitrag)​
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2017
  2. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    (Fortsetzung des vorigen Beitrags)​

    Der schon erwähnte Jean-Theophile Desaguliers (1683-1744, gesprochen: Däs-agül-jee) ist die wichtigste Gründungsfigur der modernen Freimaurerei. Sein Vater, ein hugenottischer Pastor, war mit seiner Familie von Frankreich nach England emigriert, wo Jean-Theophile eine steile Karriere hinlegte: 1709 Studium der Newton´schen Naturphilosophie in Oxford und Übernahme der dortigen Newton-Dozentur noch im gleichen Jahr. Zurück in London gab er erfolgreiche Vorlesungen über Experimentelle Physik. 1714, mit 31 Jahren, wurde Desaguliers auf Newtons Wunsch dessen Assistent sowie Mitglied der von Hugenotten-Freund Newton geleiteten Royal Academy. Desaguliers´ Untersuchungen über Elektrizität beeinflussten später die physikalische Forschung des ´Declaration of Independence´-Mitverfassers Benjamin Franklin (1706-1790), der mit Desaguliers´ Assistent Greenwood befreundet war und 1731 in Philadelphia selbst den Freimaurern beitrat.

    Am 24. Juni 1717 vereinigten sich vier englische Freimaurerlogen zur ersten Großloge, der ´Grand Lodge of England and Westminster´, wobei Desaguliers als Mitglied einer der Logen die treibende Kraft war. Ein Viertel der Mitglieder der Grand Lodge bestand aus nur oberflächlich anglikanisierten Hugenotten. 1723 verfasste Desaguliers - mittlerweile als anglikanischer Pastor ordiniert - zusammen mit dem Presbyterianer (= schottischer Calvinist) John Anderson "The Constitutions of the Free-Masons", die lange Zeit das Standardregelwerk für die englische FM bildeten. In der Forschung wird Desaguliers als möglicher Hauptautor der ´Constitutions´ angesehen. Die darin festgelegten Rituale leiteten die Autoren weitgehend aus der calvinistischen Genfer Bibel ab.

    Wie in Anbetracht des Autoren-Backgrounds nicht anders zu erwarten, verwerfen die ´Constitutions´ jede Form von Atheismus und verpflichten die Logenmitglieder zu einem grundsätzlichen Monotheismus, aber auch zur Toleranz gegenüber allen spezifischen Ausformungen des Monotheismus, wie sie im Katholizismus, im Protestantismus (mit seinen Unterformen), im Judentum und im Islam zum Ausdruck kommen (Constitutions, Charge I).

    Die Toleranzregel geht zum einen auf ethische Forderungen des Philosophen John Locke zurück, ist zum andern aber auch in den historischen Verfolgungserfahrungen des Protestantismus begründet, dem die Verfasser der ´Constitutions´, insbesondere Desaguliers, angehören. Beide Herleitungen hängen insofern zusammen, als der wegen einer angeblichen antimonarchischen Komplott-Beteiligung verfolgte Whig-Anhänger Locke während seines fünfjährigen Aufenthaltes in Holland 1683-88 mit emigrierten Hugenotten befreundet war und durch sie zu seinem Toleranzkonzept angeregt wurde. Einige dieser Hugenotten hatten zum Kreis von Baruch Spinoza (1632-1677) gehört, dessen Ideen der religiösen Toleranz und der vernunftgesteuerten Religion (siehe Teil 1) vermittelt über seinen hugenottischen Freundeskreis nun auch Lockes Denken prägten. Unübersehbar ist, dass alle drei involvierten Parteien (der Jude Spinoza, die Calvinisten und der Monarchie-Kritiker Locke) ihre Toleranzideen aus ihrer Unterdrückungssituation heraus entwickelten.

    Im nächsten Artikel der ´Constitutions´ (Charge II) wird jeglicher Verzicht auf Teilnahme an politisch-revolutionären Aktivitäten oder an Bürgerkriegen gefordert. Verstöße seien aber nicht mit Logenausschluss zu ahnden, sondern gemäß dem Prinzip der Loyalität intern abzuklären. Faktisch scheinen viele Freimaurer durch ihre Engagement in der amerikanischen und der französischen Revolution gegen diese Regel verstoßen zu haben, die allerdings nur "plots and conspiracies against the peace and welfare of the Nation" verbietet, was flexibel interpretierbar ist und zumindest auf die Französische Revolution nicht zwingend anwendbar ist, die - vom Anspruch her - den nicht wirklich bestehenden "Frieden und Wohlstand der Nation" erst einmal herzustellen beabsichtigte.

    Mit der Gründung der englischen Großloge im Jahr 1717 war der Startschuss für die Ausbreitung der Freimaurerei im großen Stil gefallen. 1723 entstand die erste irische Großloge und 1726 die ersten Logen in Frankreich, 1727/28 in Deutschland und Spanien, 1730 in Portugal und Nordamerika (Boston, Philadelphia), 1733 in Italien und 1734 in Holland.

    Im Kontext der beiden großen Revolutionen ist die an die französische Großloge ´Grand Orient de France´ angegliederte Loge ´Les Neuf Soeurs´ (Die neun Schwestern, gegr. 1776) von größter Bedeutung aufgrund der Involvierung vieler ihrer Mitglieder und Gäste in revolutionäre Aktivitäten in Nordamerika und Frankreich. Um Missverständnissen vorzubeugen, ist zu unterscheiden zwischen der freimaurerischen Haltung zur Amerikanischen Revolution in England, in Amerika und in Frankreich. Nur in Frankreich unterstützte die FM diese Revolution ohne Dissens; in England stellte sie sich in den Dienst der Revolutionsgegner, also der Briten, was symptomatisch für die konservative Ausrichtung der englischen FM ist, siehe dazu auch Charge II der ´Constitutions´ und den in Teil 1 erwähnten Konflikt betr. G.A.O.T.U. mit der ´Grand Orient de France´; in Amerika bildeten die Freimaurer zwei Lager, eines pro und eines contra Revolution.

    Zu den namhafteren aktiv-pro-Amerika-revolutionären Mitgliedern der Neuf Soeurs gehörten Benjamin Franklin und der Marquis de La Fayette. Ein gelegentlicher Gast war der FM-nahe Thomas Jefferson, um die Unterstützung der Amerikanischen Revolution durch die Loge mitzuorganisieren. Im Kontext der Französischen Revolution sind, als Gäste und FM-Sympathisanten, vor allem die Enzyklopädisten Denis Diderot und Jean Baptiste d´Alembert, der Revolutionsführer Mirabeau sowie die Philosophen Condorcet und Condillac zu nennen. Der Comte de Mirabeau (1749-1791) gehörte seit den 1770ern einer Amsterdamer Loge auch unmittelbar als Freimaurer an. Als Verfechter einer konstitutionellen Monarchie zählte er zur gemäßigten revolutionären Fraktion und hätte die Exzesse der Schreckensherrschaft vielleicht verhindern können, wäre er nicht 1791 an einer Krankheit gestorben.

    Einige für die Französische Revolution relevante freimaurerische Mitglieder der Neuf Soeurs waren Voltaire (1694-1778, initiiert sieben Wochen vor seinem Tod in Gegenwart von 250 Freimaurern), der Revolutionspolitiker Abbé Emmanuel Joseph Sieyès, der Schriftsteller Nicolas de Chamfort und der für die Erfindung des Fallbeils berühmte Arzt Joseph-Ignace Guillotin. Weitere prominente Revolutionäre mit Freimaurer-Mitgliedschaft waren Georges Danton (´Neuf Soeurs´, Zugehörigkeit umstritten), Maximillien Robespierre (´Grand Orient´, ungesichert), Jean Paul Marat (´Grand Lodge of England´), der Chef der Nationalgarde, Santerre (´Loge du Contrat sociale´), und der Herzog Philipp d´Orléans (Cousin von Louis XVI., Großmeister der ´Grand Orient´ und ehrgeiziger Thron-Aspirant in einer nachrevolutionären konstitutionellen Monarchie). Marat wurde 1774 in London Mitglied der ´Grand Lodge´ und trat im gleichen Jahr entweder einer Amsterdamer Loge bei oder war dort Gast (ungeklärt).
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2017
  3. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied


    Das alles ist mir völlig neu, nicht einmal über Gerüchte habe ich gehört oder gelesen. Gibt es da irgendwelche Hinweise, Quellen, Namen (Welche der Marschälle z.B.?)
    Ich würde fast behaupten, die hatten alle überhaupt keine Zeit für so was.

    Gruss, muheijo
     
  4. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Bernadotte (bereits als Marschall) und Grouchy. Von den Bonapartes waren Joseph, Louis und Jérôme Freimaurerer. Unter den militärischen Gegnern waren Blücher und Wellington ebenfalls Logenmitglieder.
     
  5. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Hmm...Über Barnadotte habe ich eine Biografie gelesen, da war kein einziges Wort über Freimaurer...

    Gruss, muheijo
     
  6. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

  7. ervie

    ervie Gast

    Schöner Artikel. Nur sind die Freimaurer nicht Steinmetzbünde, die in den Renaissancestädten die großen Monumente bauten? Zeichneten sie sich nicht als Spezialisten aus, welche die Fähigkeiten hatten, Kathedralen usw. zu bauen. Diese Steinmetze gaben ihr Wissen an speziell ausgewählte Lehrlinge weiter. Ihre Werkstätten hatten sie in sogenannten Logen und durch ihre Spezialfähigkeiten und deren Wichtigkeit in der Gesellschaft bewegten sie sich in ihren eigenen Kreisen. Für die Bewahrung ihrer Fähigkeiten bildeten sie einen Freimaurerbund.
    Es ist auch völlig richtig, dass die Gründung der Freimaurerloge 1717 ein Resultat der Aufklärung ist. Der Tempel Salomons bildet die Symbolik der Freimaurer. Er gilt als ein Meisterwerk der Steinmetzkunst.

    Im 18. Jahrhundert bildeten sich - neben den Freimaurern - viele neue diskursive Orte und Räume heraus. "Geheimgesellschaften" waren etwas für die Eliten. Aber auf dieser Ebene lässt sich der Ort der Freimaurer in der Geschichte der Amerikanischen Revolution ausmachen. Denn die Freimaurerlogen ermöglichten die Kommunikation zwischen der kolonialen Oligarchie und - indem sie ihnen Zugang gewährten - Bürgerlichen aus nichtelitären Kreisen. Die Geheimhaltung und deistische Mystik sorgten für ein gewissen Grundvertrauen unter den Mitgliedern. Wenn Diskretion und gegenseitiges Vertrauen Ehrensache waren, konnte man über Dinge sprechen, die man in der Öffentlichkeit womöglich nicht aufgebracht hätte.
    Ohne solche Zirkel sind Revolutionen nur schwer vorstellbar.
    Für mich ist das irgendwie trivial, da die Freimaurerloge ein elitärer Zirkel war und die politische Auseinandersetzung auch dort präsent war - nur in einem anderen Klima. Aber da die Freimaurer ein geheimer Zirkel sind, erwartet man von ihnen keine öffentliche Stellungnahme?! Die Freimaurer waren kein Geheimbund, der zur Unterstützung irgendwelcher Aktionen diente, sondern sie stellten meines Erachtens mehr einen modernen Raum zur Kommunikation dar.
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Mir ist das Thema Freimaurerei völlig fremd, und wenn man sich google-mässig damit befasst, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass, jedenfalls oberflächig gesehen, nichts bewiesen und alles kritisch zu hinterfragen ist:
    Schnell stößt man auf verschwörerisch-rechtslastige Quellen, z.B. "Weltfreimaurerei – Weltrevolution – Weltrepublik" von einem gewissen Friedrich Wichtl, und auch bei dem o.g. "Internationalen Freimaurer Lexikon" weiß man nicht, was man für bare Münze nehmen soll. Einer der beiden Hauptverfasser, Eugen Lennhoff, hat der Freimaurerei irgendwann entsagt. Welche Absichten hatte er dann mit diesem Lexikon? Immerhin arbeitet das Lexikon oft mit "soll", "nicht bewiesen" usw.
    Mir fehlen da allzu oft, eigentlich immer, die Nachweise, genaueren Daten usw.
    Mag sein, dass Bernadotte und div. Marschälle Freimaurer waren, aber wodurch das bewiesen ist, ist mir derzeit völlig schleierhaft.
     
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  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Vielen Dank für die kritische und zutreffende Sicht.
     
  10. ervie

    ervie Gast

    Nun ja, ganz unbekannt sind die Freimaurer nicht und mittlerweile öffnen sie sich auch nach außen. Sicher gibt es gewisse Rituale, die nicht an die Öffentlichkeit dringen. Doch die Zugehörigkeit einiger bedeutender Personen zu dem Geheimbund sind unbestritten. Von Bernadotte, einiger Marschälle und dann deren Einfluss auf bestimmte Personen, dazu möchte ich nichts geben - das sind Gerüchte. Es sollen mehr die Personen in Betracht kommen, deren Mitwirken auch bewiesen sind.
    Zu Verschwörungstheorien wie der von Wichtl wurde glaube ich schon genug gesagt. Wer diese nicht einordnen kann, dem soll ein Zitat von Himmler dazu zu Herzen gelegt werden, der nach der Lektüre dieses Buches vermerkte: "Ein Buch, das über alles aufklärt und uns sagt, gegen wen wir zu kämpfen haben."

    Mir fehlt eine Fragestellung hier in diesem Thread ...
     
  11. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Wohl wahr! Da war zum Beispiel zu lesen, das Bernadotte jüdische Eltern haben soll. Hat er aber nicht, es sind nicht einmal fernere jüdische Ahnen nachweisbar. (Übrigens auch keine maurischen Ahnen, wie Napoleon gerne behauptete.)

    Das ist für mich die Fragestellung: Bei wem ist es erwiesen, bei wem nicht, und aufgrund welcher Quellen?
    Das o.g. Lexikon hält Napoleons Mitgliedschaft für möglich/fraglich, bei seiner Frau Josephine, Ney und Bernadotte allerdings nicht. Also sollte es für letztere doch brauchbare Quellen geben?
    Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass es zu "bestimmten Zeiten" oder von "bestimmten Autoren" einfach hipp war, alle möglichen und unmöglichen Namen mit dem Freimaurertum in Verbindung zu bringen.

    Der Einfluss der Freimaurer scheint sich auch arg in Grenzen gehalten zu haben, jedenfalls kann es keine übernationalen, gar heimliche Beeinflussungen gegeben haben, wie es uns VT gerne glauben machen.
    Ney wurde erschossen, Bernadotte u.a. durch simple Bestechung König.
    Falls z.B. Blücher, Napoleon und Nelson tatsächlich Freimaurer waren, ist das anscheinend so bedeutsam als wenn alle Mitglieder eines örtlichen Kleingartenvereins waren.

    Gruss, muheijo
     
  12. ervie

    ervie Gast

    Das Freimaurertum ist eigtl ganz gut erforscht und die Logen sind im Vereinsregister aufgezeichnet mit Mitgliederlisten usw.
    Und selbst in der Forschung ist es anerkannt, dass die Freimaurerei eine Rolle bei der Aufklärung, Säkularisierung oder aber bei bürgerlichen Revolutionen, insbesondere bei der französischen Revolution spielten - aber keine tragende oder führende Funktion. (vgl. Reinalter, H.: Die Freimaurer, München 2006. In der Literatur sind auch viele Quellen, Archive aufgelistet)
    Die Rolle der Freimaurer in der französischen Revolution war dann nicht irgendeine Spionage oder Küngelei hinter verschlossenen Türen von irgendwelchen Generälen, sondern (und wie ich es auch bei der amerikanischen Unabhängigkeit angesprochen habe), sie waren in erster Linie Treffpunkte, Diskussionsrunden und Kommunikationszentren, quasi Orte des persönlichen Kontaktes und des Austausches von Ideen und Schriften der Aufklärung und Revolution, wie es damals Gang und Gäbe waren. Man kann sich dass als Intellektuellenclub vorstellen, die sich austauschten.
     
    muheijo gefällt das.
  13. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    bei der Betrachtung der freimaurerischen Geschichte sollte man sich nicht von dem Histo-Fake täuschen lassen,den die Freimaurer wie andere "geheime " Gesellschaften (Rosenkreutzer,Illuminaten ,usw.) zur eigenen Mystifizierung (und Mitgliederwerbung ) aufgebaut haben und die sich so verselbständigt haben , dass sie als subjektive Wahrheiten Eingang in die Logengeschichte gefunden haben.
    Due Freimaurer hatten weder historisch nachgewiesene Verbindungen zu den ägyptischen Pyramidenbauern oder zu den Templern noch sind sie aus den Bauhütten und Steinmetzzünften der Gotik hervorgegangen.
    Das ganze ist purer Histo-Fake für den es keinerlei tragfähigen Belege gibt.
    Die Freimaurer sind vielmehr,wie andere Gruppierungen gleicher Art entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts in der Zeit der Aufklärung als ursprünglich aufklärerische "Geheim"-Gesellschaften,wobei "geheim" im Sinne von privat,nicht öffentlich-staatlich anzuwenden ist (in Mainz gab es in der Zeit auch eine "geheime Lesegesellschaft")
    Mit der Legendenbildung um eine vermeintliche historisch begründete Tradition versuchte man sich zu legitimieren und gleichzeitig für potentielle Mitglieder attraktiv zu machen,wobei dies bei konservativen Logen wie der englischen Grossloge stärker in Richtung Mystifizierung ging als bei dem Grand Orient de France der eher die ursprüngliche rationalistisch-aufklärerischen Haltung beibehielt.
    Das erklärt auch, warum die führenden Köpfe der amerikanischen und französischen Revolution
    ( und auch der Mainzer Republik) Verbindungen zum Grand Orient de France hatten,
     
  14. ervie

    ervie Gast

    Ganz so einfach ist das dann doch nicht. Denn der Begriff "freemason" taucht zum ersten mal in einer Londoner Urkunde 1376 auf. Ein "freemason" ist ein qualifziert ausgebildeter Maurer oder Steinmetz. Das Wort "lodge" wird 1278 erwähnt und bezeichnet ein Holzgebäude, das für Bauhandwerker Werkstatt wie auch Aufenthaltsraum war. (Reinalter, H.: Die Freimaurer, S. 8.)
    Zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert trat in den englischen und schottischen Logen eine Entwicklung ein, indem immer häufiger Nichtangehörige des Bauhandwerks als Mitglieder aufgenommen wurden. Diese wurden dann als "Gentleman masons" oder "accepted masons" bezeichnet. Das Datum der Gründung ist nicht durch ein Protokoll belegt, doch der Ursprung im Steinmetzhandwerk schon.
    Immer mehr Mitglieder des Bürgertums schlossen sich ihnen an und während des Zeitalters der Aufklärung entwickelten sich Interessen, die über die des Berufs hinaus gingen. Die Logen entwickelten sich zu "Wissenslogen" wo über Ideen und Vorstellungen diskutiert wurde.
    Diese Verschwörungstheorien entstanden größtenteils von den Gegnern der Freimaurer. À la "Geheime Gesellschaften machen Weltpolitik."
    Solche Sätze kommen von Publikationen, welche die Hintergrundkräfte der Geschichte seit der Französischen Revolution aufzeigen wollen und ihr Wirken verdeutlichen wollen. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass geheime Drahtzieher am Werk sind, welche die Politik gestalten und bestimmen, und dass die Welt von konspirativen Gruppen gelenkt und gesteuert wird. Diese traumatische Erfahrung von militärischer Niederlage und Revolution, Bürgerkriegen oder Inflation im 20. Jh. riefen ein allgemeines Gefühl von Unsicherheit hervor und dafür mussten Sündenböcke her.
     
  15. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nee,da bist Du genau dem Gründungsmythos aufgesessen,den die Freimaurer für sich konzipiert haben und für die es keinerlei historisch haltbare Belege gibt-Histo-Fake eben . Selbst wenn in irgendeiner ominösen Urkunde des 14.Jahrhunderts mal der Begriff "freemason" aufgetaucht sein sollte so ist das noch lange kein Beweis von einer Kontinuität zu den Freimaurerlogen der Neuzeit -dazwischen lägen stolze 400 Jahre voll sozialer,ökonomischer und politischer Veränderungen ohne einen Beleg für eine Kontinuität oder Verbindung und auch die Protagonisten waren völlig andere und kamen aus völlig anderen Schichten.Bauhandwerker dürften in den Logen des 18.Jahrhunderts falls überhaupt vorhanden eher Exoten gewesen sein.

    der Begriff der geheimen Gesellschaft als die sich die Freimaurer des 18.Jahrhunderts auch selbst bezeichneten hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun ,sondern liegt wie ich oben bereits ausgeführt habe an der völlig anderen Bedeutung die der Zusatz "geheim" im 18.Jahrhundert in diesem Zusammenhang hatte. Ähnlich wie bei der geheimen Lesegesellschaft oder dem geheimen Rat war da nix geheim sondern beschrieb lediglich ,dass es sich nicht um eine staatlich-öffentliche Institution sondern um eine mit privatem Charakter handelte.
     

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