Die Royal Navy, von 1588 bis 1688, ein Katalysator für die politische Entwicklung in England?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von Apvar, 1. Juli 2018.

  1. Apvar

    Apvar Premiummitglied


    Die Royal Navy war schon mehrmals starken Schwankungen ausgesetzt, sowohl von der stärke her als auch der Bekanntheit in England.
    1588, warum dieses Jahr? Da war die Englische Marine auf einem Höhepunkt ihrer Macht, nachdem mehr Glück als Verstand, die Invasion der Spanier verhindert hat. Danach ging es dramatisch mit der Kampfkraft der Marine zurück. Woran lag dies? Zum einen hat Elisabeth I. stark auf Freibeuter gesetzt und diese in die Flotte aufgenommen. Drake z.B. hat sich nach 1588 beurlauben lassen und ist wieder als Freibeuter unterwegs gewesen, nachdem seine Gegenarmada gescheitert war. Zum anderen haben die Schiffe und Besatzungen einen dicken Batzen Geld gekostet. Und das Parlament musste den Etat bewilligen. Und hier ist die Frage wieviel war das Parlament bereit zu zahlen, insbesondere wenn man weiß, das die Cinque Ports, in Kent, für die Krone auf eigene Kosten Kriegsschiffe bereit halten mußten, oder auf Zuruf ausrüsten. Das die Cinque Ports dafür Privilegien erhielten steht auf der anderen Seite der Medaille.

    Cinque Ports – Wikipedia
    Cinque Ports - Wikipedia

    Auf der anderen Seite wurden die Cinque Ports wohl nach 1600 mit der Gründung einer Vorgängergesellschaft der Englischen Ostindischen Gesellschaft geschwächt.
    James I. of England / VI of Scotland, als Nachfolger von Elisabeth I. hat wieder neue Schiffe bauen lassen. Das Haus Stuart war mehr an Seefahrt interessiert als die vorherigen Dynastien in England. Schottland konnte nur mit einer Flotte zusammen gehalten werden, wenn die vorgelagerten Inseln weiterhin zu Schottland gehören sollten und im Norden auf den Orkneys, quasi im Vorgarten, die Norweger lauerten.
    James I., wie gesagt, hat die Flotte verstärkt, sein Sohn Karl I. hat dies weiterhin gemacht. Wobei vielfach gesagt wird, das dies ihm den Kopf gekostet hat. Für den Bau der Sovereign of the Seas wurde eine Steuer eingeführt.

    HMS Sovereign of the Seas - Wikipedia

    Nur ist die Frage war es wirklich die Schiffssteuer? Oder war es das ungeschickte verhalten im Umgang mit dem Parlament und gleichzeitig die Angst der Cinque Ports langsam aber sicher in die Bedeutungslosigkeit zu versinken? Die Navy wurde mit jedem Schiff stärker, also war der Beitrag der Cinque Ports immer unwichtiger in der Verteidigung des Königreiches. Und damit drohte eventuell auch der Verlust der königlichen Privilegien. Zum anderen war James I. katholisch. Sein Sohn ebenso.

    Karl I. (England) – Wikipedia
    Charles I of England - Wikipedia

    Und die Reformation unter Heinrich VIII. war noch nicht so lange her und hatte das Land bis in die Grundfesten erschüttert. Von Bloody Mary und ihrer Politik ganz zu schweigen. Es kam also eins zum anderen.

    Was gegen die Einführung der Schiffssteuer als Hauptgrund spricht ist in meinen Augen, das in der Zeit des Commonwealth die Flotte weiter ausgebaut worden ist. Oder war der Ausbau der Flotte nur die Möglichkeit so die Artillerie der New Modell Army aus dem Land zu entfernen? Fragen über Fragen...
     
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  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das mit der Artillerie habe ich jetzt nicht verstanden.

    Prinzipiell ist es interessant wie sich die Royal Navy entwickelte und dann nach der Glorious Revolution zur erfolgreichsten Marine Europas avancierte, während sie gegen die Niederländer noch empfindliche Schlappen hinnehmen musste.

    Ich denke, dass zwischen 1588 und 1688 ein bedeutender Wandel in der Wahrnehmung der Marine stattgefunden haben muss. Zwar gab es schon zuvor unter Henry VIII. und Elizabeth I. bspw. amphibische Operationen nicht nur gegen Irland. Aber die Landnahmen in Amerika und die Zunahme des Überseehandels und -verkehrs muss einem Verständnis für die Notwendigkeit einer starken Marine den Weg geebnet haben, das so zuvor nicht vorhanden war.
     
  3. Apvar

    Apvar Premiummitglied


    Sowohl die Geschütze, aber vor allem die Mannschaften. Bin heute in einem Buch (*)über die beiden letzten Stuartkönige gestolpert. Nach 1649 wurde von Cromwell der Flottenausbau sogar noch verstärkt. In der Zeit des Commonwealth wurden 200 neue Schiffe gebaut. Hintergrund war wohl, das die "Exil-Navy" auf jeden Fall stärkenmäßig übertroffen werden sollte. Dabei ist ein großer Teil der Flotte zu Beginn des Bürgerkrieges zum Parlament übergelaufen ist. Später sind einige Schiffe und Mannschaften wieder zurück zu den Royalisten. Aber das hat die Verhältnisse nicht wirklich geändert.
    Das Blatt hat sich erst gewendet als der Sohn von Cromwell an der Macht war. Da hat sich die Flotte dem Rumpfparlament angeschlossen und die Themse blockiert, so das keine Kohle mehr nach London rein kam.
    Und sehr bald danach wurden die Stuarts mir der Naseby aus dem Exil in Den Haag abgeholt. Dabei hatten sich die Stuarts wohl gerade damit abgefunden im Exil zu bleiben. Deutlich über 10 Jahre im Exil.

    (*) J.D. Davies: Kings of the Sea. ISBN 978-1-8432-400-8
     

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