die spanische Inquisition

Dieses Thema im Forum "Die Inquisition" wurde erstellt von hellfish, 19. Oktober 2004.



  1. hellfish

    hellfish Neues Mitglied

    Ich finde dieses Thema sehr interessant und wollte eure Meinung dazu hören.

    Die spanische Inquisition unterschied sich doch deutlich von der Inquisition des Hochmittelalters.
    Sie wurde 1478 auf Wunsch des spanischen Königs Ferdinand V. und der Königin Isabella I.
    Nun stellt sich mir die Frage warum grade diese beiden? Dem LAnd war es nicht sonderlich dienlich, da sie fast alle Moslems und Juden im Land niedermetzelten und vertrieben, und somit "wirtschaftliche" Defizite in Kauf nahmen. Vorallem das eine Frau, Isabella I,:spinner:?, solch ein Morden fordert kommt mir "spanisch" vor. Bin gespannt, was ihr dazu sagt!
     
  2. Cassandra

    Cassandra Neues Mitglied

    Hi hellfisch



    Nun, die beiden haben sich mit den Papst geeinigt, das sie sich um die Konvertiten kümmern, Juden und Moslems die getauft wurden, sich aber heimlich mit ihren alten Glauben identifizierten.

    http://www.koeblergerhard.de/ZRG121Internetrezensionen/EdwardsJohn-DiespanischeInquisition.htm

    Schöne Grüße
    Cassandra
     
  3. Herold

    Herold Neues Mitglied

    Religiöse Disziplinierung ist in einem umfassenden Modernisierungsprozess im Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit von elementarer, grundsätzlicher Bedeutung. Das Anwachsen der Staatsgewalt von einem lockeren mittelalterlichen Lehensverbandes zum entscheidungsmächtigen Institutionenstaat der Moderne bedarf nahezu zwangsweise der Einschwörung aller Untertanen auf ein gleiches Modell von Normen und Werten und (zumindest anfänglich) der beständigen Kontrolle dieser Denkweisen.

    Standen alle europäischen Staaten vor diesem Problem und haben letztlich eine solche Sozialdisziplinierung erfolgreich vollzogen, so bestand in Spanien mit seinem hohen Anteil von Conversos (zwangschristianisierten Juden) und Moriscos (zwangschristianisierten Mauren) ein verschärfter Bedarf nach der Schaffung eines homogenisierten Untertanenverbandes. Die Antwort der spanischen Könige auf diese Herausforderung bestand in der Einsetzung der spanischen Inquisition.

    Die spanische Inquistion war somit ein unter den speziellen Bedingungen der iberischen Halbinsel geschaffenes Instrument zur religiösen und sozialen Disziplinierung, die einem fortschreitenden Wachsen der Staatsgewalt diente und stellte damit ein bedeutender Aspekt der Modernisierung des vormodernen spanischen Staatswesens dar. Daraus ergibt sich der Nutzen dieser Institution.
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied


    Das Thema ist zwar alt und dieser Teilnehmer wird wohl nicht mehr unter uns sein, die obige Aussage kann man jedoch so nicht stehen lassen.

    Fernando und Isabel "metzelten" keineswegs alle Moslems und Juden nieder.

    Um 1390 gab es eine grosse Pogromwelle, nach der ein Grossteil der jüdischen Bevölkerung konvertierte und einige schon damals auswanderten. dabei gab es auch zahlreiche Scheinkonvertierungen. Zu diesem Zeitpunkt verschwanden einige der grossen "Juderías" die bis dahin Bestand hatten.

    Die "Conversos" integrierten sich in die spanische "christliche" Gesellschaft und einige bekleideten hohe Ämter. So war der Beichtvater von Isabel Sohn von jüdischen Konvertiten so wie auch (angeblich) der Grossinquisitor Torquemada.

    Um 1492 erhielten die restlichen Juden in den Königreichen Kastilien und Aragon eine Frist um zu konvertieren oder das Land zu verlassen (ausnahme Mallorca). Dieser Rest bestand aus denen, die bis dahin allen zwängen widerstanden hatten und anscheinend wählten sie mehrheitlich das Exil. Der Auszug erfolgte geordnet und es bestand die Möglichkeit die beweglichen Güter mitzunehmen und die unbeweglichen zu veräussern (unter den gegebenen Umständen natürlich mit Verlust).

    Ein interessantes Beispiel: In Vitoria-Gasteiz, im Baskenland, befand sich auf dem "Judizmendi" (dem "Judenberg") der jüdische Friedhof. Die abwandernden Juden schlossen mit der Stadt einen Vertrag ab, nach dem das Grundstück Eigentum der Stadt würde, dafür aber erst in 500 Jahren bebaut werden dürfte. In der tat hielt sich die Stadt daran und hat erst 1992 dieses Stück Land aufgeteilt und zur Bebauung freigegeben.

    Das Ganze ist zweifellos Unrecht gewesen, es war aber kein wahlloses Massaker.

    Bei den Mauren sah es etwas anders aus, sie wurden jedoch auch nicht "Niedergemetzelt". Gegen die Moslems herrschte Krieg in Granada. Als dieser 1492 zu Ende ging, gab es recht grosszügige Kapitulationsbedingungen die den Moslems erst einmal Religionsfreiheit garantierte.

    Diese wurden nicht lange eingehalten, so dass es immer wieder zu Aufständen kam, nach denen den Moriscos ( "Moriscos" waren Moslems unter christlicher Herrschaft und keine Konvertiten) mehr und mehr Rechte beschnitten wurden. Die Küstenbewohner wurden beschuldigt mit den nordafrikanischen Korsaren gemeinsame Sache zu machen, so dasss man vielerorts sie in das landesinnere verbannte und einen Mindestabstand zur Küste von vier oder fünf Leguas (ca. 20-25 km) festlegte .

    Diese Anschuldigung erfolgte nicht ganz zu Unrecht, da viele Korsarenkapitäne (Arraez) emigrierte spanische Mauren waren, die nach der Kapitulation Granadas sich nicht unterwerfen wollten und die an der spanischen Küste noch Freunde und Verwandte hatten die gerne halfen wo sie konnten. Um das zu vermeiden, wurde dann die Küste nach und nach entvölkert und zwischen Moriscos und Meer ein Sanitärkordon aus christlichen Siedlern angeordnet.

    Mit zunehmenden Druck auf die zurückgebliebenen kam es auch immer öfters vor, dass es richtige und von langer Hand geplante Fluchtaktionen gab, bei denen ganze Dörfer von den Korsaren herausgeholt wurden. Zu diesem Zeitpunkt wollte man sie nicht gehen lassen, da sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor waren.

    Erst am 4. April 1609 wurde durch Philip III das Ausweisungsdekret unterzeichnet. Auch dieses mal durften sie ihre beweglichen Güter mitnehmen (so weit sie diese tragen konnten) das ganze lief aber nicht so geordnet ab und es gab viele Übergriffe, Morde und Plünderungen. Einige Herren wie z.B. der Fürst von Maqueda begleiteten jedoch ihre Untertanen zum Schutz sogar bis zum Hafen oder gar bis nach Oran .
    Die Ausweisung betraf ca. 120.000 Menschen, in der region Valencia ca. 30% der Bevölkerung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2006
  5. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Hinüber sind alle Teinehmer aber nicht ;)

    zum Thema siehe : http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=397


    Detail am Rande: 1992 im Gedenken an die Eroberung Granadas und dem Fall der letzten islamischen Bastion in Spanien hat sich König Juan Carlos offiziell beim Staat Israel für das Unrecht entschuldigt, das den Juden während der Spanischen Inquisition widerfahren ist. Eine Entschuldigung für das Unrecht, das noch viel mehr Muslimen während der Inquisition zugefügt wurde, ist jedoch bis heute ausgeblieben !
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Streng genommen ist der Bezug zur Inquisition auch nicht korrekt. Diese hatte keinerlei Jurisdiktion weder über Moslems noch über Juden, sondern nur über Christen. Heretiker(echte oder falsche) und "Rückfaller" waren dessen Opfer. (Sogar "Hexen" wurden in Spanien sehr wenige verbrannt, als dieses im restlichen Europa im grossen Stil geschah).

    Juden und Moslems hatten auch (zynischerweise) die Möglichkeit die Konvertierung durch Auswanderung zu entgehen (im Gegensatz zu den Zwangskonvertierungen in Amerika). Wer jedoch konvertierte, fiel unter die Fuchtel der Inquisition.

    Der spanische Staat kann sich für Ausweisung und Misshandlungen dabei entschuldigen, die Inquisition betrifft es nur am Rande: Sie drangsalierte nur legitime "eigene" Kirchenmitglieder.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2006
  7. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Tröstlich zu wissen für die Betroffenen :confused:
    Zu erhellen wäre dann, was die Hierarchen der kath. Kirche als Stütze der Feudalordnung und die örtlichen Inquisitioren ihren "legitimen" Katholiken gepredigt haben. Toleranz gegen ehemals Andersgläubigen ?
    Das Gegenteil war der Fall, die Auswirkungen sind bekannt, daher gehört zum Thema Inquisition auch dieser Bereich der Kolateralschäden der Inquisition dazu !
    Als Reaktion auf das gewaltbereite Misstrauen großer Bevölkerungsgruppen gegenüber konvertierten Juden und Muslimen
    eingerichtet, diente die Inquisition dem katholischen Königspaar Ferdinand und Isabell auch der Festigung der staatlichen Einheit Kastiliens und Aragons,man hielt Conversos für keine richtigen Christen, sie wurden für eine Bedrohung des Staates gehalten.
    Umdenken auch hier :
    Papst Johannes Paul II.
    erwähnte ausdrücklich die spanische Inquisition als " eines der großen Traumata des jüdischen Volkes zwischen der
    zweifachen Zerstörung des Jerusalemer Tempels und dem Holocaust. "
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2006
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das sollte niemanden trösten sondern nur die Fakten richtig stellen. Die Inquisition diente der Homogeneisierung und Festigung des spanischen Staates, und nicht der willkürlichen Verfolgung irgendeiner Volksgruppe. Jüdische Konvertiten bekleideten hohe Staatsämter und wohlhabende Konvertitenfamilien heirateten oft in den Adel ein (nach dem Motto Geld gegen eine altchristlichen Namen). Das beweist, dass die Verfolgung nicht dem jüdischen Volk galt sondern deren Religion. Auf Konvertiten wurde oft herabgeschaut, sie wurden aber nicht grundsätzlich verfolgt.

    Die "Feudalordnung" war zu diesem Zeitpunkt in Spanien im Niedergang. Die Inquisition diente eher einer beginnenden zentralisierung des Staates und Festigung der königlichen Macht gegenüber der Adligen. Dieser Prozess wurde in Spanien zwar später unterbrochen, das betreffende Zeitalter zeichnet sich jedoch dadurch aus.

    Bezüglich dem, was die inquisitoren gepredigt haben, habe ich was anderes gelesen. Für die Kirche galten alle Christen als gleich. Egal ob "neu" oder "alt". Sie war schliesslich an Konvertierungen interessiert und hätte die Interessenten nicht im Vorfeld schon durch Diskriminierungen vergrault.

    Das so genannte "gesunde Volksempfinden" gab es jedoch auch schon damals. Und dieses wollte nicht akzeptieren, dass der gestern noch verabscheute "minderwertige" Jude, heute ein angesehenes Gemeindemitglied sein konnte (und womöglich dank besserer Bildung auch noch Berater beim Hofe, Beamter oder kirchlicher Würdeträger). Die Unterscheidungen zwischen neu- und Altchristen kamen aus dem Volk und dem niederen Adel, nicht von der Kirche.


    Die Gewaltbereitschaft galt in erster Linie nichtkonvertierten Juden und Moslems. Im späten Mittelalter namen Pogrome, Unruhen und Aufstände laufend zu. Die schwersten Ereignisse passierten um 1390 wie ich oben erwähnte. Die Inquisition wurde 1471 eingeführt, in Aragon erst 1483.
    Es wurde bei der Einführung durch die Könige ausdrücklich auf die Notwendigkeit der Herstellung des inneren Friedens hingewiesen. Man könnte sagen, der Staat riss das Gewaltmonopol an sich und kanalisierte die Feindseligkeit. In der Tat nahm die Gewalt danach deutlich ab.Es gab gewiss noch sehr viele Opfer, weniger jedoch als bei den unkontrollierten Ausbrüchen vorher.


    Mit einem gewissen Erfolg. Spanien hatte danach ein für die Epoche bedeutende Homogeneität. Spanien ist auch das einzige grössere Land Westeuropas, in dem es keine Religionskriege gab. Bei aller Brutalität und Menschenverachtung der Inquisition, war diese weitaus unblutiger als jeder andere Religionskonflikt dieser Zeit.


    Falsch so weit es die Kirche betrifft. Nicht die Konvertiten wurden als "keine richtigen Christen" gehalten sondern die Scheinkonvertiten die es auch wirklich gab (dafür gibt es bis heute Belege jenseits der Inquisition). Im Falle der Moslems stimmte es teilweise auch, dass sie eine Bedrohung des Staates waren, da sie oft genug rebellierten (wenn auch mit Grund, dass ist jedoch Ansichtsache) und mit äusseren Feinden kooperierten.


    Naja! ein schlechtes Gewissen ist auch ein Gewissen.

    Die Inquisition ist aber nachweislich nie gegen die Juden oder nicht einmal hauptsächlich gegen diese gerichtet gewesen sondern gegen innere Bedrohungen der Kirche. Und dazu zählten in erster Linie Ketzer (der Protestantismus in seinen verschiedenen Ausprägungen verbreitete sich damals rasant) und erst in zweiter (wenn auch in Spanien zahlreicheren) echten oder falschen Scheinkonvertiten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2006
  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Eine kleine Korrektur bzw. Klarstellung:

    Herold hat mich darauf hingewiesen, dass die Moriscos die konvertierten Moslems auf christlicher Seite waren, im Gegensatz zu den Mudejares, die dort als Moslems lebten.

    Das ist grundsätzlich (und laut Wörterbuch) korrekt und ich habe es oben falsch dargestellt.

    Es ist jedoch nicht vollständig, da nach der Eroberung Granadas der Begriff verschwimmt:Auch die Bewohner der Alpujarras und des valencianischen Küstenlandes werden so genannt , obwohl diese sich immer der Chistianisierung widersetzten und letzendlich aus diesem Grund ausgewiesen werden.
    Nach 1492 (genauer nach einem Dekret von 1502) taucht m.W. der Begriff "mudejares" nicht mehr auf und man spricht allgemein von "Moriscos", egal ob konvertiert oder nicht (theoretisch sollten es alle sein, in der praxis war es nicht so).
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Januar 2006
  10. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Der innere Friede, der durch das Säen von Mißtrauen und Haß gegen die in vorher friedlicher Koexistenz lebenden Religionsgemeinschaften zerstört worden ist, abgesehen von dem kulturellen Verfall , der ohne Not die großartigen Errungenschaften der arabischen und jüdischen Kultur in geistesgeschichtlicher- wie in naturwissenschaftl. Hinsicht zum eigenen Schaden
    vergessen machte, wie z.B. die Bewässerungstechik, die, nachdem das Know-how vertrieben war , gerade in Andalusien zu Rückschritt und Krisen in der agrar. Versorgung der Landbevölkerung beitrug. :grübel:
     
  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Arcimboldo,

    persönlich bin ich ein grosser Bewunderer der spanischen-islamischen Kultur. Ich hatte schon als Kind das Glück die noch glanzvollen architektonischen Schätze in Granada, Córdoba und Sevilla zu bestaunen und sie beeindruckten mich nachhaltig.

    Man sollte jedoch nicht in historische Vereinfachungen und Fälschungen fallen. Wenn es auch in Spanien im Mittelalter Perioden der Toleranz und des Zusamenlebens gab, waren es doch überwiegend Jahrhunderte des Krieges und der Gewalt. Nicht nur auf Christlicher Seite.

    Almoraviden und Almohaden, die beide zeitweilig die Waage auf muslimische Seite neigen liessen, waren wilde Fanatiker vergleichbar mit den Taliban. Es gab auch spanische Moslems die seinerzeit die christliche Herrschaft dem Fanatismus dieser Bewegungen vorzogen.

    Die Inquisition setzte den brutalen Schlusspunkt unter eine gewalttätige Geschichte, die nur durch einige glanzvolle Perioden unterbrochen wurde. Sie beendete jedoch selber keine davon und führte auch keine gewalt ein die nicht schon vorher da war. Wie ich schon sagte: Die schlimsten und blutigsten Pogrome waren fast hundert jahre vor Einführung der Inquisition. Die arabische Hochkultur in Spanien war zu diesem Zeitpunkt schon längst Geschichte.
     
  12. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Noch etwas dazu: Entgegen der gängigen Klischees, wurde die jüdische Bevölkerung nicht komplett vertrieben und ausgelöscht. Man kann davon ausgehen, dass in den letzten hundert jahren vor dem Ausweisungsdekret ein bedeutender Teil der spanischen Juden schon den Assimilationsdruck nachgegeben und konvertiert hatte.

    Von "kulturellem Verfall" kann man wohl im Spanien der Austrias angesichts Cervantes, Quevedos, Góngoras, Murillo, Velasquez, El Greco, etc etc., dem sogenannten "siglo de oro" (goldenen Jahrhundert) kaum sprechen.

    Im wissenschaftlichen gab es damals einen eindeutigen Rückschritt in bestimmten Feldern wie der Medizin, in der eindeutig die Juden eine dominante Rolle hatten und deren Ausübung immer zumindest einen Verdachtsmoment beinhaltete.

    Der wirtschaftliche Schaden war bedeutend, besonders bei der Ausweisung der Moriscos. Das war jedoch besonders Regional zu spüren und es betraf konkret besondere Wirtschaftszweige wie die Zucker und Seidenproduktion.

    Wie oben erwähnt betraf es ca. 1/3 der Bevölkerung des Reiches von Valencia. In Aragon und Kastilien deutlich weniger. Dort waren die wirtschaftlichen Auswirkungen auch bedeutend geringer.

    Verglichen mit derm allgemeinen Bevölkerungsverlust wegen Abwanderung nach Amerika und der Pest zwischen 1596 und 1601 ist es sowieso eher untergeordnet.

    Was die Bewässerungstechnik betrifft, handelt es sich dabei um ein Mithos. Die Gegenden mit intensiver Bewässerung wurden ununterbrochen von der Römerzeit bis heute bewirtschaftet. Die ältesten dieser Anlagen stammen in der Tat noch aus der Römerzeit. Von einer Agrarkrise in Andalusien habe ich in dem Zusammenhang nichts gelesen. Die Abwanderung aus dieser Gegend war untergeordnet und eher aus einem gebirgigen Randgebiet (Alpujarras).
    Die Ausweisung der Rebellen der Alpujarras (in diesem Falle eher ein verhandelter Abzug) erfolgte 1501. das war als knapp 9 Jahre nach dem Fall von Granada und Jahrzehntelangem Kriegszustand. Es ist kaum anzunehmen, dass die rebellischen Bewohner eines gebirgigen Randgebietes wesentlich zur Versorgung Andalusiens beitrugen. Bei der letzten Ausweisung 1609, war in Andalusien und dem restlichen Königreich Kastilien ein sehr geringer Anteil der Bevölkerung betroffen.

    Man liest gelegentlich die Behauptung, die Ausweisung von Moriscos und Juden hätte den Niedergang Spaniens bewirkt. Das ist komplett unsinnig, da die Glanzzeiten und der Höhepunkt der Macht Spaniens erst deutlich später erfolgten. Imperiale Überdehnung, Bevölkerungsabwanderung nach Amerika, Misswirtschaft und vor allem generationenlange Kriege bieten Gründe genug für den späteren Niedergang.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Januar 2006
  13. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Kann mir jetzt noch einmal jemand helfen:
    Die spanische Inquistion wurde von der Krone eingeführt, um die Konvertierten zu schützen? Bis dahin waren die Konvertierten den Anwürfen der rechtmässigen Christen ausgesetzt (sei es aus Neid auf deren sozialen Status oder anderen Gründen). Mit der Inquistion wurde demnach ein Rechtsverfahren eingeführt, um die Vorwürfe, ob jemand ein Scheinkonvertit war, zu prüfen? Habe ich das jezt richtig verstanden?
    Eine gemeinsamer Glaube war nötig, um die Unruhe im Land zu beseitigen und den (jungen, christlichen) Staat zu festigen.
    Die Inquistion suchte dann auch später noch nach Abweichlern in den eigenen Reihen. (Warum?)
    Toleranz gegen andere Religionen gab es ohnehin nicht (war damals auch eher selten). Im Falle Spaniens zu dem Zeitpunkt auch nachvollziehbar, da ja gerade erst die moslemischen Herrscher vertrieben worden waren.
    Die Kirche hat mit dem schlechten Bild, das die Inquistion immer noch hat, eigentlich nichts zu tun, weil Todesurteile in den Bereich der weltlichen Herrschaft fielen.
    Die Aussage, dass den Ketzern (nennt man die damals schon so?) der Entzug von Freiheit, Besitz, körperliche Unversehrtheit und Leben drohte, kann nicht als Argument für die Unmenschlichkeit der Inquistion herangezogen werden, weil tatsächliche Enteignungen, Folter und Verbrennungen eher selten waren?
    Habe ich das jetzt soweit richtig verstanden? Ich habe lebe auch noch in dem Glauben, dass die Inquistion zunächst ein Instrument der Disziplinierung war, aber auch eines des Machterhaltes herrschaftlicher Strukturen.
    Allerdings gebe ich zu, dass Aufklärung und Religionstoleranz damals kein Allgemeingut waren.
     
  14. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Nein. Wer soll das behauptet haben?
    Die Inquisition diente ofiziell zum Schutze des "richtigen und wahren" Glaubens. In zweiter Instanz (erste für Spaniens Könige) zum Schutze des inneren Friedens, den man durch Abtrünnige und Scheinkonvertiten gefährdet sah. Die Andersgläubigen waren Angelegenheit der Krone.

    Korrekt ist jedoch, dass die Inquisition für damalige Verhältnisse ein relativ modernes Rechtsverfahren vorsah inklusive Recht auf Verteidigung. Zwar noch welten entfernt von modernen Standards aber ein gewisser Fortschritt gegenüber "Gottesurteilen" durch Duell oder ins Wasser werfen.


    Das war eigentlich Ihre Hauptaufgabe! Man darf nicht vergessen, dass es damals in der Kirche viele auflösende Tendenzen gab, von Jan Hus, zu Luther und Calvin.

    Das ist zwar ein altes Argument, ändert aber nichts daran, dass die Inquisition sagte wer gefoltert oder hingerichtet werden sollte. Die Kirche liess sich eindeutig als Machtinstrument missbrauchen. Und das mit wahrem Entusiasmus. Isabel und Fernando werden bis heute als Bewahrer und Beschützer des Glaubens geehrt.

    Die waren mitnichten selten. Die Inquisition liess einige Tausend Leute foltern und hinrichten. Nur was es nicht ausdrücklich gegen Bestimmte Volksgruppen gerichtet wie so oft behauptet, sondern gegen alles was man als Bedrohung der Einheit von Staat und Religion ansah.


    Das ist im wesentlichen korrekt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Januar 2006
  15. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Das die jüd. Bevölkerung komplett vertrieben wurde hatte ich allerdings auch nicht behauptet. Der von mir angesprochenen "kult.Niedergang " bezieht sich auf das span. MA in Hinblick auf die christl. Expansion nach dem Fall der Almohaden , als ein Zentrum des arab.-muslim. Lebens nach dem anderen
    ausgelöscht wurde.
    Das "siglo de oro " gründet natürlich auf der staatl. Einheit und relig. Zentrierung der span. Neuzeit und bringt die wunderbaren von Dir gen. Erscheinungen des kult. Lebens hervor, auch wenn es m.E. bedauerlich
    ist , daß die bemerkenswerte Koexistenz von drei Religionen im span. MA im zentralen Punkt der relig. Toleranz verloren ging. Die Einrichtung der span. Inquisition und die tridentinisch-konfessionelle Verengung mögen dies wohl befördert haben...oder ?

    im übrigen vielen Dank für deinen erhellenden Beitrag ! Bin ja nicht bildungsresistent :) und freue mich auf weitere Klarstellung meiner Unterstellungen :)
     
  16. Penseo

    Penseo Neues Mitglied

    Ich habe demnach diese Quelle:
    http://www.koeblergerhard.de/ZRG121Internetrezensionen/EdwardsJohn-Diespa

    mit diesem Absatz überinterpretiert:

    "Die Zwangstaufen hatten vielfach nicht zu einer Bekehrung geführt. Viele der getauften „Neuchristen“ unterhielten weiterhin Verbindungen zu ihren alten Religionsgenossen, so daß sich unter konservativen „Altchristen“ die Ansicht bildete, daß das Blut auf eine bestimmte Religion prädestiniere. Diese einflußreiche Gruppe sah letztlich nur in der Abstammung einen Garant für den „reinen Glauben“ und versuchte, die „Reinheit des Blutes“ ( limpieza de sangre ) mit Hilfe von Statuten zu sichern, die die öffentlichen Ämter den „Altchristen“ vorbehielten. Diese Ansicht, für die Edwards den Franziskaner Alonso de Espina nennt, wurde freilich von der Krone, die aus den Privilegien der Conversos erhebliche Einkünfte bezog, nicht geteilt. Dennoch bewirkten die Statuten, daß eine Vielzahl fähiger und loyaler Untertanen aus den öffentlichen Ämtern ausgeschlossen wurde, was später als Grund für den wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang Spaniens angeführt wurde (S. 160ff).
    .
    .
    .
    .
    *
    Die Lehre vom „verdorbenen Blut“, die eine Mission der Juden konsequenterweise für zwecklos hätte halten müssen, widersprach im Grunde dem Selbstverständnis der Inquisition. "

    In diesem Zusammenhang wollte es mir scheinen, dass die Krone quasi ein objektives Verfahren einführte, um den rechten Glauben zu ermitteln.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Januar 2006
  17. Angelika

    Angelika Neues Mitglied

    Das pragmatische Zusammenleben von Christen, Juden und Moslems hatte ein Ende. Die Koexistenz der verschiedenen Kulturen geriet immer mehr aus den Fugen, so dass Juden und Moslems zum Übertritt zum katholischen Glauben gezwungen wurden. Aufgabe der Inquisition war es, solche Juden und Moslems, so genannte "Conversos" und "Moriscos" aufzuspüren, die sich zwar nominell Christen nannten, in Wirklichkeit aber immer noch ihre alte Religion praktizierten. Von 1478 bis 1530 waren 91 % der Angeklagten "Conversos". In der Hälfte aller Fälle (ca. 900 allein in Toledo) wurden sie beim so genannten "Autodafe" zum Tode verurteilt.
    Mehr könnt ihr hier nachlesen - ist ganz interessant geschrieben: Die spanische Inquisition | Hexenglaube und Hexenwahn Ausarbeitung zum Thema ?Die spanische Iquisition in der Neuzeit." | GRIN | Katharina Sagebaum | Essay 

    Viele Grüße Angela
     
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  18. Mundschuk

    Mundschuk Neues Mitglied

    Tomás de Torquemada und der Beichtvater von Isabella sind nicht
    zu unterscheiden, Tomás war nämlich selbst ihr Beichtvater.

    Des Weiteren waren nicht seine Eltern jüdischer Abstammung,
    sondern man vermutet aus einem Brief des Onkels de Torquemadas,
    dass einer seiner Großväter eine Conversa geheiratet hatte.

    Sicher belegen lässt sich das aber bis heute nicht.
     
  19. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das Torquemada auch Beichtvater Isabels war stimmt, hatte ich übersehen. Es war aber nicht der einzige: Kardinal Cisneros war es z.B. auch zeitweilig.

    Ich meinte konkret Fray Hernando de Talavera: ( Hernando de Talavera - Wikipedia, la enciclopedia libre ) der angeblich Sohn einer Jüdin bzw. einer Konvertitin sei.

    Über Torquemadas Onkel schrieb der Historiker und Humanist Fernando del Pulgar wörtlich, dass seine Grosseltern Konvertiten gewesen seien.
     
  20. Mundschuk

    Mundschuk Neues Mitglied

    Tatsache - interessant, wie lief so etwas damals ab?
    Man hatte mehrere Beichtväter über die Jahre hinweg?
    Wurde ein Beichtvater via Rom ernannt oder durch die Beichter selbst bestimmt?
     

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