Dreifunktionalität und Indo-Europäer?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Sepiola, 13. Oktober 2016.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Das kann man so nicht sagen. Tacitus sagt, dass die Germanen Herkules und Mars mit Tieropfern zufriedenstellen und dem Merkur auch Menschenopfer bringen. Wodan/Odin kommt namentlich nicht vor. Man kann allenfalls deduzieren, dass es sich um Wodan/Odin handeln muss. Etwa weil Merkur und Odin sich den Tag teilen (Miercoles, Mercredi, Wednesday, Woensdag) oder weil wir wissen, dass insbesondere Odin Menschenopfer gebracht wurden, was hier für den "germanischen Merkur" beschrieben wird und vielleicht, dass Merkur der Gotte der Händler und Diebe ist und außerdem als Götterbote ein stetig Reisender, was ja auch eines der Attribute von Odin ist: Odin der Wanderer.
     
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  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich denke, das kann man so nicht sagen.

    So haben die Germanen z.B. keinen Priesterstand ausgebildet, im übrigen finden sich Priester auch bei zahlreichen nichtindogermanischen Völkern. Die von Dumézil postulierte dreiteilige Ständegesellschaft ist in dieser absoluten Form nicht aufrecht zu erhalten.
     
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  3. AndreasMeyer

    AndreasMeyer Mitglied


    Wer behandelte denn Fragen der Religion und Weisheit bei den Germanen? Ich nehme an Du meinst, dass es das nicht als Berufstand gab, also als Leute die sich ausschliesslich damit befassten und keinen anderen Taetigkeit nachgingen.

    Priester gab/gibt es ungezweifelt bei vielen Voelkern. Wenn nicht, dann aber doch so etwas wie Schamanen. Bei den Bantuvoelkern weiss ich z.B. von den Sangoma, was aber wohl eher so etwas wie eine Priesterin ist. Die haben auch so etwas wie Schulen.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das pikante war ja, dass Dumézil besonders die Römer, Germanen und Arier - also die Indoeuropäer - als Vollender der gesellschaftlichen Dreiheit von Königen, Priestern und Bauern betrachtete, die einer straffen Hierarchie unterworfen waren.

    Das Dumme war nur, dass diese Thesen weniger Anklang bei der Fachwelt fanden, dafür aber die französische Neue Rechte begeisterten.

    Also Applaus von der falschen Seite. :D
     
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  6. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied

    Gerechterweise muss festgestellt werden, dass die angebliche Spezialität der "Dreifunktionalität" der "Indogermanen" nicht nur bei Rechten und Rechtsextremen beliebt ist sondern auch bei Esoterikern und ganz allgemein auch bei Leuten, die mit den Rechten nichts am Hut haben.
    Die Dreifunktionalität wird dabei nicht nur als Ständelehre sondern auch als Bestandteil einer "indoeuropäischen Ur-Religion" behauptet - wobei u.a. die keltischen Matronen, die hinduistische Trintität (Brahma/Vishnu/Shiva oder Indra/Agni/Varuna), die Moiren (Klotho/Lachesis/Atropos), die Nornen (Urd/ Verdandi/Skuld) etc. etc. als Beispiele resp. Beweise herhalten müssen. Auch die christliche Trinität von Vater, Sohn und heiliger Geist wird als indoeuropäisches Erbe definiert.

    Wieso die "Trinität" ein spezielles Merkmal indoeuropäischer Kultur oder Mythologie sein soll, erschliesst sich überhaupt nicht - das Ganze kommt mir eigentlich - in Form der Lebensalter - völlig trivial vor. Die "natürliche" Trinität von Kind, Erwachsene/r, Greis/in oder von Geburt, Existenz, Tod, poetischer ausgedrückt mit "Werden", "Sein", "Vergehen", dürfte sich wohl praktisch jeder Ethnie nicht nur erschlossen sondern sogar aufgedrängt haben. Oder noch trivialer: die Trinität von Vater, Mutter, Kind. Der Gedanke, dass ausser den Indoeuropäern niemand über diese Trinität gefallen sein soll, ist, politisch korrekt ausgedrückt, zum Mindesten seltsam. Die ägyptische Trinität von Isis, Osiris und Horus muss dann wohl mit einer indoeuropäischen Beeinflussung der Pharaonen erklärt werden ...
     
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  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Man kann Dumézil sicher nicht absprechen, dass er das Thema geistig tief durchdrungen hat und der Fachwelt im Hinblick auf Mysterien und Götterwelten starke Anstöße gab. Dass manches davon weniger akzeptiert wurde, ist das Schicksal der Fachwissenschaftler, besomders wenn sie viel publizieren und neue Hypothesen aufstellen.
     

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