Dummheit oder Naivität? Warum bricht die Weimarer Republik zusammen?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Ferrari123, 15. Dezember 2014.

  1. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied


    Gut möglich, dass dieses Zugeständnis erst auf dt. "Drohungen" erfolgte - es ging auf der Konferenz wohl u.a. auch darum, nicht als Buhmann für ein Scheitern verantwortlich gemacht zu werden.
    Hitler wollte das vermeiden und gab Anweisung, den Vorschlägen der anderen Länder ohne großen Widerstand zu folgen (er hatte ja nicht vor, sich länger als nötig daran zu halten) ... das Auswärtige Amt fuhr hier aber seine eigene Linie und - in der durchaus richtigen Annahme, dass F eben auch nicht als Verantwortlicher für ein Scheitern da stehen wollte - gab sich weit weniger kompromissbereit. Mir ging es hier weniger um das Verhältnis Frankreich - Deutschland, als um den für mich sehr interessanten Punkt, dass Hitler nicht von Anfang an sein Auswärtiges Amt unter Kontrolle hatte - ein Anzeichen dafür, dass die anderen dachten, man könne eine eigene Politik fahren und Hitler an die Leine nehmen.
     
  2. Cliomara

    Cliomara Aktives Mitglied

    Hitler wurde vom Reichspräsidenten legal zum Reichskanzler ernannt. Bei den letzten halbwegs freien Wahlen zum Deutschen Reichstag am 05. März 1933 wurde die NSDAP mit Abstand stärkste Partei, war aber auf einen Koalitionspartner angewiesen. Ob "man" die Nationalsozialisten an die Macht "gelassen hat", ist schon eine fragwürdige Formulierung.

    Hitler macht keinen Hehl daraus, dass er das "System von Weimar" abschaffen wollte. Wer bewusst für ihn stimmte, entschied sich für ein autoritäres Regierungssystem und traute der Weimarer Republik nicht mehr zu, die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

    Die NSDAP profitierte von der Weltwirtschaftskrise und den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der hohen Arbeitslosigkeit. Noch 1928 schafften lediglich 12 nationalsozialistische Kandidaten den Sprung in den Reichstag; 1930 waren es 107 (nach meiner Erinnerung).

    Die Wählerschaft der NSDAP bestand - wie bei anderen großen Parteien auch - nicht nur aus Menschen, die das Parteiprogramm gelesen hatten. Die Nationalsozialisten präsentierten sich auch als Anti-Partei und spekulierten so erfolgreich auf das Misstrauen, das nicht wenige Deutsche den Parteien entgegen brachten.

    Seymour M. Lipset, ein amerikanischer Soziologe und Parteiforscher, hat in Zusammenhang mit der Wählerschaft der NSDAP von einem "Faschismus der Mitte" gesprochen. Wobei es vor allem um den Mittelstand in protestantischen Landesteilen ging. Die katholische Zentrumspartei konnte ihre Wählerschaft weitgehend halten.

    Bei den Reichstagwahlen im März 1933 soll es Wählerbewegungen von der KPD zur NSDAP gegeben haben. Das lässt für mich nur den Schluss zu, dass diese Wähler in erster Linie an einer diktatorischen Staatsführung interessiert waren.

    Ich vermute, dass viele Wähler der NSDAP ihren Protest gegen die Weimarer Republik zum Ausdruck bringen wollten. Die Fragestellung "dumm oder naiv" hilft da in meinen Augen nicht weiter. Verzweifelt, desillusioniert, politikverdrossen - vielleicht sind diese Begriffe zutreffender.

    Oder wie sagte mal ein kluger Mensch: Die Geschichte des Nationalsozialismus ist die Geschichte seiner Unterschätzung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Januar 2015
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Silesia hat ja in die Richtung gewiesen, worauf ich mich bezog. Konkret: Ich bezog mich auf die deutsch-sowjetische Zusammenarbeit im Gefolge des Vertrags von Rapallo.

    Ich bin militärgeschichtlich nicht sonderlich interessiert und weiß daher nicht, welche Militärdoktrin in den 1920er Jahren bei der Reichswehr gerade en vogue war (Stellungskrieg vs. Bewegungskrieg). Ggf. war aber die Entfestigung einfach auch deshalb so viel leichter zu bewerkstelligen, weil man im Oberkommando der Reichswehr längst den Bewegungskrieg als sinnvoller erachtete? 1940 jedenfalls setzte man ja auf eine schnelle und bewegliche Panzerwaffe, wohingegen die Franzosen, wenn ich richtig informiert bin, in der Summe zwar über mehr Panzer verfügten, als die Deutschen, aber diese strategisch völlig anders konszipiert eher zur Unterstützung der - langsameren - Infanterie einsetzten und damit den Summenvorteil verloren. Aber wie gesagt, auf diese Info sollte man sich nicht stützen, solang das keiner von den militärhistorisch besser bewanderten bestätigt.

    Nachdem etliche Kommunisten und Sozialdemokraten bereits im KZ waren und alle Nicht-Nationalsozialisten wie im Spießrutenlauf zwischen sie beschimpfenden, sie teilweise auch schlagenden, SA- und SS-Leuten in Krolloper einliefen.
    Man muss jedem, der unter diesen Bedingungen gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte, eine fast übermenschliche Courage attestieren.

    Das eigentlich demokratische Zentrum, welches dem Gesetz zustimmte, war offenbar im Vorfeld durch Versprechen an den Parteivorsitzenden Kaas, die am Ende nie eingehalten wurden, geködert worden.
     
  4. Cliomara

    Cliomara Aktives Mitglied

    Jetzt sind wir bei der Frage, welche Strategie die Reichswehr verfolgte. Mitte der zwanziger Jahre legte General Otto von Stülpnagel eine Denkschrift vor und vertrat die Ansicht, Deutschland könne in den nächsten zwanzig Jahren keinen Krieg führen (vgl. Walter Görlitz, Der deutsche Generalstab. Geschichte und Gestalt 1657 - 1945, Frankfurt/M. 1950, S. 368, im folgenden mit Görlitz, Generalstab zitiert). Görlitz schreibt an anderer Stelle, dass General von Seeckt eine bewegliches, motorisiertes, mit starker Kavallerie ausgestattetes "Eliteheer als Operationsinstrument" angestrebt hätte (Görlitz, Generalstab, S. 373). Seine Nachfolger hätten ebenfalls diese Ansicht vertreten.

    Zum Ermächtigungsgesetz: Selbst die Führung der Sozialdemokratie rechnete im Frühjahr 1933 "nur" mit Unterdrückungsmaßnahmen, die es im Kaiserreich schon einmal mit dem Sozialistengesetz gegeben hatte. Da wurden Sozialdemokraten schikaniert und ausgegrenzt, aber die Partei wurde nicht verboten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Januar 2015
  5. Waterpolo

    Waterpolo Neues Mitglied

    Im September 1939 war die Ausrüstung der französischen Armee zwar ungleichmäßig, konnte aber zu Illusionen verleiten, zumal der in München erzwungene Aufschub relativ gut genutzt worden war. Ein starker Pluspunkt war immer die Marine, leistungsfähig und von Darlan geführt, ein anderer die Artillerie (die Franzosen besaßen die dreifache Anzahl an Geschützen wie ihre Gegner) und die Maschinengewehre. Noch eine Waffe war besser als man zugeben will, die Panzer: Franzosen und Deutsche besaßen davon ungefähr gleich viele.

    Auf einem anderen Sektor hatte man dagegen Sorgen: bei der Luftwaffe. Dabei machten weniger die Jäger Probleme als vielmehr die Bomber (175 gegen 1140) und besonders Sturzkampfbomber.

    Aber insgesamt war das Ungleichgewicht - wenn es ein solches gab - viel geringer, als allgemein behauptet wird. Beide Länder unterschieden sich letztendlich im taktischen Niveau. Die Wehrmacht hat ihre Gegner praktisch in allen taktischen Bereichen übertroffen.

    Zusammengefasst: Franzosen vertrauten einfach den alten Lehrern und haben sich geweigert ihre militärischen Taktiken zu modernisieren und mussten letztendlich damit ihren Sieg von 1918 bezahlen.

    Literatur: Benz, Wolfgang und Graml, Herrmann (Hrsg.): Sommer 1939. Die Großmächte und der europäische Krieg, Stuttgart 1979.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Januar 2015
  6. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Nie eingehalten? Das kann man so generell nicht sagen, denn die wichtigsten, um die es dem Prälaten Kaas ging, wurden erfüllt – Zitat aus Wikipedia:
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das enthält den Fehler, die Hitlerschen Garantien ausschließlich nach der formellen Rechtslage, sozusagen nach der Papierlage, zu bewerten. Empfehlenswert wären hier mal ein paar Studien zur Rechtshistorie im NS.

    Materiellrechtlich blieb von diesen zugesicherten rechtsstaatlichen Verhältnissen nämlich nichts erhalten. Das muss man wohl nicht ernsthaft anhand der Einzelfragen von gleichgeschalteter Justiz, Verfassungsorganen, etc. durchdeklinieren.

    Übrig blieben wertlose "formale Kontinuitäten" und die Wahrung des Anscheins von Rechtsstaatlichkeit in der NS-Diktatur, übrigens bis in die letzten Tage des Untergangs.
     
  8. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Das kann man nur sagen, wenn man das Reichskonkordat ? Wikipedia, das die Hitler-Regierung schon im Juli 1933 mit dem Heiligen Stuhl abschloss, und das bis heute gilt, ignoriert. Alle Weimarer Regierungen zuvor waren zu so weitgehenden Zugeständnissen, die die Hitler-Regierung im Konkordat der Kirche machte, nicht bereit. Hitler kaufte sich mit diesem Konkordat das Stillhalten der Kirche zu seinem geplanten und teilweise schon in der Ausführung (Dachau) befindlichen verbrecherischen Tun.
     
  9. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Und hätte sich - bei gewonnenen Krieg - einen feuchten Kehricht um dieses Konkordat gekümmert. Man braucht sich nur mit den Quellen beschäftigen und wird klar sehen, dass eine Beseitigung des Christentums durchaus angedacht war. Man war sich aber auch klar, dass dies so große innere Unruhe auslösen würde, dass es erst in Zukunft, vor allem erst nach dem "Endsieg", erfolgen könnte.

    In der Praxis kann ich nämlich auch während der NS-Zeit nicht viel "Sicherung des christlichen Einflusses in Schule und Erziehung" erkennen. Und auch bzgl. Reichstag, Reichsrat und Reichspräsident muss man wohl feststellen, dass dies leere Hülsen waren oder wurden (klar wird die Rolle des Reichspräsidenten nicht angetastet, schließlich vereinigt man ja Kanzler und Präsidenten in einer Person ... und nach Verbot von Parteien und dem Gesetz gegen die Neugründung von Parteien gab es nur noch eine Partei im Reichstag ... und nach der Gleichschaltung waren die Länderparlamente entsprechend der Verhältnisse im Reichstag angepasst. Die Länder wurden von Reichsstatthaltern regiert ... wie spielt der Reichsrat noch eine Rolle?).

    Und noch ein Zitat aus dem von Dir verlinkten Wiki-Artikel: "Erst als die Nationalsozialisten immer mehr Teile der Konkordatsvereinbarungen brachen oder schlicht ignorierten, kam es im deutschen Episkopat zu offener Kritik."

    Um Missverständnisse auszuschließen: Es blieb im Nationalsozialismus von den Zugeständnissen nicht viel erhalten ... in der BRD sah das dann anders aus.
     
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  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Bezüglich Reichskonkordat hat Papa_Leo schon geantwortet.

    Mein Hinweis war auf dieses bezogen:

    Auf den Unterschied zwischen formaler Rechtslage im Dritten Reich (man könnte es auch als "Papierlage" bezeichnen) und einem materiellen Verständnis dieser rechtsstaatlichen Aspekte habe ich hingewiesen. Sofern man etwas in die Rechtsgeschichte des Dritten Reiches einsteigt, würde man den oben verwendeten Begriff "erfüllen" nicht mehr verwenden.
     
  11. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Nicht? Ich schon: Der Religionsunterricht in den Schulen blieb weitgehend erhalten. Die Nazis hätten ohne Konkordat diesen Unterricht abschaffen können.


    Das waren auch nicht die Hauptanliegen der Kirche, die sich nur um ihre eigenen Schäfchen sorgte. So blieb z.B. die Kirchensteuer erhalten – erst im Dezember 1941 zog der Staat seine Mithilfe bei der Erhebung dieser Steuer zurück. Auch blieb die katholische Presse erhalten, d.h. sie wurde – im Gegensatz zu anderen Presseorganen -, nicht gleichgeschaltet.


    Ja, aber das war reichlich spät.

    Kardinal Faulhaber – Zitat:

    "Der Staat hat das Recht, gegen Auswüchse des Judentums in seinem Bereich vorzugehen, im besonderen, wenn die Juden als Bolschewisten und Kommunisten die staatliche Ordnung gefährden."


    Quelle: Schreiben Faulhabers vom 23.10.1936 an Kardinal Bertram (Breslau).


    Kardinal Faulhaber lobte auch das Konkordat in einer Predigt im Jahre 1937 - Zitat:

    "Zu einer Zeit, da die Oberhäupter der Weltreiche in kühler Reserve und mehr oder minder voll Mißtrauen dem neuen Deutschen Reich gegenüberstehen, hat die Katholische Kirche, die höchste sittliche Macht auf Erden, mit dem Konkordat der neuen deutschen Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen. Für das Ansehen der neuen Regierung im Ausland war das eine Tat von unschätzbarer Tragweite."


    Beides verfasst 1 bzw. 2 Jahre nach den Nürnberger Rassengesetzen!

    Und schon zuvor, gleich zu Beginn der NS-Diktatur sagte er, dass sich Juden selbst helfen sollen - Zitat:

    „Dieses Vorgehen gegen die Juden ist derart unchristlich, daß jeder Christ, nicht bloß jeder Priester, dagegen auftreten müßte. Für die kirchlichen Oberbehörden bestehen weit wichtigere Gegenwartsfragen; denn Schule, der Weiterbestand der katholischen Vereine, Sterilisierung sind für das Christentum in unserer Heimat noch wichtiger, zumal man annehmen darf, und zum Teil schon erlebte, daß die Juden sich selber helfen können, daß wir also keinen Grund haben, der Regierung einen Grund zu geben, um die Judenhetze in eine Jesuitenhetze umzubiegen. Ich bekomme von verschiedenen Seiten die Anfrage, warum die Kirche nichts gegen die Judenverfolgung tue. Ich bin darüber befremdet; denn bei einer Hetze gegen die Katholiken oder gegen den Bischof hat kein Mensch gefragt, was man gegen diese Hetze tun könne. Das ist und bleibt das Geheimnis der Passion.“


    Erst später im Krieg dämmerte es dem Kardinal, dass er auf falsches Pferd gesetzt hatte und kritisierte das Regime. Aber da war es schon zu spät, denn die deutschen Katholiken haben im Glauben, Vatikan mache keine Verträge mit Verbrechern, und wenn doch, dann würde er das revidieren, zu lange schweigend beiseite gestanden oder sogar mitgemacht bei diesen Verbrechen.

    Quellen: "Ossietzky" Nr. 16/201 und das Begleitbuch einer Ausstellung zum 50. Todestag des Kardinal Faulhabers ISBN 3-921635-67-5


    Das stimmt, der Begriff „erfüllen“ ist zu stark. Wie wäre es mit „teilerfüllt bis gar nicht erfüllt“?
     
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  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wenn man materielle Aspekte der Rechtstaatlichkeit rechtshistorisch diskutiert, gibt es kein "bißchen schwanger", schon gar nicht "ein bißchen rechtstaatlich schwanger" beim Fall des NS. Das "teilerfüllt" ist eine leere formale Hülle und bedeutungslos.

    Die "Vertragsbrecherqualitäten", dass alle Zusagen nicht ihr Papier wert seien, wurde übrigens als Befürchtung direkt in den kirchlichen Akten festgehalten. Bevor nun solcherlei Eigenschaften zur Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Verträgen mit dem NS-Deutschen Reich 1933/39 aufflammen, sei daran erinnert, dass der Vatikan nicht allein stand, sondern von Pilsudski bis zum Appeasement ähnliche Versuche reichen.
     
  13. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Das andere ähnlich dachten und handelten, macht das, was Vatikan dachte und tat, nicht besser. In jener Zeit war die katholische Kirche die moralische Instanz, aber anstatt auf Abstand zu einem verbrecherischen Regime zu gehen, wertete sie ihn als erste durch das Konkordat auf.
     
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    @Dion: Dein Urteil ist ein retrospektives, aber kein immanentes. Eine beachtete Stimme, die immanent eine Einschätzung des 3. Reichs vornahm, war Werner. In seinem Buch wurde vor allem die konzentrierte Leistungsfähigkeit des Staatsapparats in den Vordergrund gerückt. Und als Ergebnis die überlegene militärische Leistungsfähigkeit - fast bewundernd - konstatiert.

    Eine Sicht, dass das 3. Reich zu dem Zeitpunkt "verbrecherisch" gewesen sein können, lag nur punktuell vor und entsprach eher "normalen" Auswüchsen autokratischer Regierungen.

    Insofern ist das Urteil über die katholische Kirche m.E. zu hart und wird ihr immanent nicht gerecht. Zudem ist darauf hin zu weisen, dass die katholische Kirche in Deutschland durchaus bedroht war, nach dem WW2 ihrerseits aktiv verfolgt zu werden

    Werner, Max (1941): Battle for the world. The strategy and the diplomacy of the second world War. Unter Mitarbeit von Translated by Heinz and Ruth Norden. London: V. Gollancz Ltd.
     
  15. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Im Vatikan saßen und sitzen keine Dummen. „Mein Kampf“ und das Programm der NSDAP war bekannt, schließlich war Pacelli, der spätere Papst Pius XII., lange Jahre apostolischer Nuntius in Deutschland und somit ein guter Kenner der Verhältnisse. Er hat nachweislich „Mein Kampf“ gelesen und wusste somit, was man von Hitler erwarten konnte.

    Trotz der Ereignisse in den Monaten nach dem 30. Januar 1933, die bereits einen Vorgeschmack auf das Kommende gaben, hat er als Kardinalsstaatsekretär und wichtigster Mitarbeiter des Papstes das Reichskonkordat gebilligt, in dem die Kirche das neue Regime anerkannte und sich zum Stillhalten verpflichtete. Ähnliches war 3 Jahre später auch in Spanien zu beobachten: Die Kirche hofierte somit Diktaturen, war gegen republikanische Verfassungen.

    Und jetzt hat ein Bischof die Stirn zu behaupten, das Christentum, das die meiste Zeit seines Bestehens ein katholisches war, wäre der Wegbereiter der Demokratie. Dabei ist das Gegenteil wahr: Wenn es heute demokratische Staaten im christlichen Einflussbereich gibt, dann sind sie gegen den Willen der katholischen Kirche entstanden.
     

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