Durchlässigkeit zwischen den Ständen

Bdn130671

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Hallo, ich falle dann direkt mal mit der Tür ins Haus.

In meinen Überlegungen wird aus einem zweitgeborenen Sohns einer adligen Familie (Ende des 13. Jahrhunderts durch Heirat) ein wohlhabender Kaufmann (Brügger Tuchhändler). Verlor er dadurch seinen Adelstitel? Konnten seine Kinder durch Erbe wieder in den Adelsstand kommen? Konnte sein Sohn Ritter werden?

Ich danke euch für eure Gedanken und Kommentare.
 
Da ist zunächst einiges zu klären. Wo residierte die Familie väterlicherseits des Mannes, handelte es sich um untitulierten Adel (einfaches Adelsprädikat), und wann im 13. Jahrhundert soll sich das Ganze denn abspielen – zu Anfang oder gegen Ende des Jahrhunderts?

Allgemein: In der Grafschaft Flandern war der Adelstand mit Familie und Besitz verbunden. Schon eine solche Heirat wäre im Hochmittelalter von der Familie des Mannes und seinen Standesgenossen als sozialer Abstieg empfunden worden – und erst recht die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit. Der Adel hatte nach damaligen Maßstäben sein Geld nicht durch eigener Hände Arbeit zu verdienen, sondern im Krieg zu Ansehen und Wohlstand zu gelangen.

Für Deinen Zweitgeborenen hätte zwar prinzipiell der Grundsatz "Jedes Kind behält seines Vaters Recht" gegolten (Sachsenspiegel, I Art. 16 § 2), dennoch wäre realistischerweise mit einem Abrutschen in den Bürgerstand zu rechnen, da sich der Mann ja in der Stadt niederließ. Spätestens bei seinen Söhnen wäre der Abstieg wohl als vollzogen anzusehen, besonders wenn sie ihrerseits ein Handwerk betrieben.

Hätten sie als Tuchhändler gutes Geld verdient und in der Gemeinde an politischem Einfluss gewonnen, wären sie in das Patriziat aufgestiegen. Was Du da schilderst, ist eigentlich die stereotype Familiengeschichte des städtischen "Stadtadels".

Freilich hätten der Mann oder seine Söhne noch zum Ritter geschlagen werden können – bei entsprechenden Verdiensten und vorhandenem Vermögen. Prinzipiell konnte der Landesherr jeden freien Mann, der sich im Kampf hervorgetan hatte, zum Ritter machen. In der Praxis waren es aber fast nur Adelige oder Patrizier; wer nicht reich war, verzichtete nicht selten auf die Ehre, weil er die mit dem neuen Status verbundenen Kosten scheute.
 
Zuletzt bearbeitet:
Erstmal vielen Dank für die Antwort.

Wir befinden uns zu dem Zeitpunkt, als der Vater seine Familie verlässt, so um 1270. Die (fiktive) Familie hat Grundbesitz und eine Burg. Als Zweitgeborener hat er es satt, ständig von den Heldentaten seines Bruders zu hören und in dessen Schatten zu stehen und heiratet in eine sehr wohlhabende Brügger Kaufmannsfamilie ein. Er gehört also schon zum "Stadtadel", zumal er die engen Geschäftsbeziehungen zu den Franzosen ausbaut.
Sein Sohn will, getriggert durch die Geschichten seines Onkels, aber unbedingt Ritter werden. Der kinderloser Onkel bietet sogar an, ihn als Pagen zu nehmen, auszubilden und als Erben einzusetzen. Allerdings willigt der Vater nicht ein, weil das für alles steht, was er hasst. Also flieht der Junge zu den Templern. Da er ja kein Ritter ist, hat er dort auch nur die Möglichkeit als Sergeant unterzukommen. Viel später, bei einem Einsatz in Outremer, rettet er Amalrich von Tyrus bei einem Hinterhalt das Leben und wird von ihm zum Ritter geschlagen. Dazu muss man auch noch sagen, dass der Name seiner Familie durch seinen Onkel einen gewissen Ruf hat.
Klingt das plausibel, oder doch zu sehr Fantasy?
 
Klingt das plausibel, oder doch zu sehr Fantasy?
Mir kommt es unplausibel vor.
Der Umweg des Zweitgeborenen, nämlich erst Kaufmann zu werden mit dem Ziel, es als Rittersmann zu was zu bringen, wirkt unbeholfen und historisch eher fragwürdig.
Aber niemand hier kann wissen, mit welcher Intention du diese Handlung entwirfst:
- soll das eine "Aufstiegs"karriere im Mittelalterkostüm sein? (Wozu dann erst der kuriose "Abstieg"?)
- willst du mittelalterliche gesellschaftliche Problematik partout an einer einzigen Figur darstellen?
Bzgl Plausibilität: dein Protagonist benötigt den Umweg nicht, er hätte sich einfach nur auf Kreuzfahrerkarrieren kaprizieren können; dann aber wäre die Spätzeit der gescheiterten Kreuzzüge die zentrale historische Folie.
 
Der Kaufmann will ja nicht Ritter werden. Ganz im Gegenteil. Es ist sein Sohn, der seinen Onkel als Vorbild hat.
Der Kaufmann ist der Antagonist der ganzen Geschichte, der seinem Sohn die Steine in den Weg legt.
Letztlich ist es die Geschichte, dass man es trotz aller Widrigkeiten schaffen kann, aber auch, dass vieles nicht so toll ist, wie es den Anschein hat. Ritterlicher Ruhm vs. Schrecken des Krieges, die er z. B. beim Fall Akkons erlebt. Der Familienkonflikt gipfelt letztendlich mit der "Goldenen Sporen"-Schlacht.
Aber vielen Dank für Deine Antwort.
 
Es gibt da ein Werk aus dem 13.Jh., welches das Thema behandelt.

Hervis von Metz, Sohn der Tochter eines Herzogs und eines Kaufmanns aus Metz.
Sein Vater will ihn zum Kaufmann erziehen, doch Hervis will lieber Ritter spielen, was ihm dann auch gelingt. Er wird von seinem Opa zum Ritter geschlagen.
Es ist nur ein Roman, dürfte aber, weil er im 13. Jh. geschrieben wurde, zum Thema Durchlässigkeit und Verhältnisse im betreffenden Raum etwas beitragen.
Geschichtsquellen: Werk/2801

Leider ist mir keine deutsche Übersetzung bekannt, nur eine deutsche Ausgabe des altfranzösischen Textes.

Hervis von Metz : Vorgedicht der lothringer Geste... / nach allen Handschriften zum erstenmal vollständig hrsg. von E. Stengel
 
Ein Ritter aus der Ministerialität wurde damals noch von seinem Herrn auf seinen Platz gestellt, ob als Burgherr oder als Patrizier. Wenn die Familie keine Burg besaß, konnte das ritterliche Leben als Patrizier schwierig werden.

(Einige Dienstrechte unterteilten die hohe Ministerialität nochmal in eine adlige und eine nicht adelige Ministerialität. Das hatte aber mit der Herkunft zu tun. Darunter kamen dann die mittlere und niedrige Ministerialen, z.B. Köche, Handwerker und Stallburschen. Fernkaufleute und hohe Funktionen in der Stadt wurden aber eher aus der hohen Ministerialität gewählt. Und es gibt Beispiele von hin- und herwechselnden Familien. Irgendwann entschied sich dann, ob ein Familienzweig städtisch oder ritterlich blieb, Allerdings hätte der Herr in deinem Fall sicher auf ritterliche Ausbildung bestanden, um alle Verwendungsmöglichkeiten offen zu halten.)

Vielleicht war es aber freier Adel und der zweite Sohn hätte sich für ein auskömmliches Leben in die Unfreiheit der Ministerialität begeben müssen, weshalb er schließlich auch die Dienstethik des Rittertums ablehnte?

Und ja, es kam trotz aller Gesetze vor, dass Bürgerliche zu Rittern geschlagen wurden.

Das kommt aber auch auf die Verhältnisse in und um Brügge an.Galt das Brügger Patriziat damals als adelig?
 
Der kinderloser Onkel bietet sogar an, ihn als Pagen zu nehmen, auszubilden und als Erben einzusetzen. Allerdings willigt der Vater nicht ein, weil das für alles steht, was er hasst.

Das wäre in meinen Augen ein gewaltiger Logikfehler.
Und zwar deswegen, weil es absolut unplausibel ist, dass ein Kaufmann, also jemand, der weniger in ständischen, als in wirtschaftlichen Kategorien denkt, seine eigene Familie um die Erbschaft eines größeren Vermögens, samt laufenden Grundrenten etc. bringt.
Welcher Kaufmannn tut so etwas?

An dieser Stelle würde ich dir vorschlagen den Plot zu modifizieren und zwar entweder dahin das entweder keine Aussicht auf das Erbe des Onkels besteht oder diese Aussicht schlecht ist oder aber dass der ritterliche Besitz so gering und unrentabel ist, dass der Sohn Schwierigkeiten haben würde, den entsprechenden Lebensstil aufrecht zu erhalten.

Wäre keine oder nur eine geringe Chance auf das Erbe gegeben oder dieses unrentabel, wäre das für einen Kaufmann auch ein wesentlich plausiblerer und rationalerer Grund das zu unterbinden, denn offen gesagt, eine Person, die nur aus persönlicher Gefühlslage (nicht einmal wegen moralischer Bedenken oder so etwas) ein Vermögen rundheraus ausschlägt, ist einfach kein guter Kaufmann, das wirkt dann einfach wie das Überstülpen einer Rolle, die nnicht wirklich passt.


Ohne dir deinen Plot verbiegen zu wollen, vielleicht wäre es hilfreich wenn der Onkel z.B. nicht kinderlos wäre, sondern ein oder zwei Töchter hätte, für deren standesgemäße Verheiratung er substanzielle Teile des Familienbesitzes aufgeben muss (Mitgift etc.), so dass er seinem Neffen zwar die Ausbildung zum Ritter, nicht aber die Erbschaft des eigenen Besitzes oder nur einen Teil davon anbieten kann.

Also flieht der Junge zu den Templern. Da er ja kein Ritter ist, hat er dort auch nur die Möglichkeit als Sergeant unterzukommen.

Da wäre das Problem, dass er so ohne weiteres ohne den Segen des Vaters auch bei den Templern wahrscheinlich nicht untergekommen wäre, denn die hätten ihn als von zu Hause entlaufenen Jungen, den sie als solches identifizieren konnten, nicht mal eben aufgenommen.

Warum hätte der Vater seinem Sohn aber verwehren sollen, in die Fußstapfen von dessen Onkel zu treten um ihm dann aber den Eintritt bei den Templern in einer viel geringeren Stellung ohne Aufstigesmöglichkeiten zu erlauben?
Auch das erscheint mir nicht einleuchtend.

Auch verstehe ich nicht so ganz, welche Probleme der Vater eigentlich hat, die ihn persönlich dazu veranlassen, seinen Sohn in die Fußstapfen seines Bruders treten zu lassen.
Ist das eine generelle Aversion gegen den ritterlichen Lebensstil (dann allerdings würde er seien Sohn kaum in den Templerorden eintreten lassen), oder ist das ein persöliches Problem mit seinem Bruder?

Viel später, bei einem Einsatz in Outremer, rettet er Amalrich von Tyrus bei einem Hinterhalt das Leben und wird von ihm zum Ritter geschlagen.

Wäre mir persönlich zu steriotyp, aber das ist sicherlich eine Geschmacksfrage.



Was die Durchlässigkeit des Ständesystems angeht, wäre das, wie andere bereits aufgeführt haben durchaus möglich, wenn auch nicht unbedingt typisch gewesen, aber Geschichten leben ja gerade davon, dass sie mit Konstellationen spielen, die nicht unbedingt alltäglich sind.

Was ich für wesentlich problematischer weil unplausibler halte ist, dass bei deinem Plot das Verhalten des Vaters vollkommen gefühlsbetont und absolut nicht rational ist und ich sehe da ein Problem, wie der Protagonist am Ende tatsächlich zu einer militärischen Laufbahn kommen soll.

Wie gesagt, die Templer hätten ihn kaum einfach so ohne Einwilligung von Vater oder Vormund aufgenommen und die eigene Zustimmung zu geben hätte vom Vater entweder verlangt seine Prinzipien über den Haufen zu werfen (wenn er von einer militärische Laufbahn selbst nichts hält) und/oder seinem Sohn mit voller Absicht eine viel bessere Zukunft zu verbauen die er als Kaufmann oder Ritter und Nachfolger seines Onkels hätte haben können und dafür noch zu bezahlen denn neben dem Umstand, dass der Templerorden ihn ohne Zustimmung nicht aufgenommen hätte, wäre da natürlich noch die Frage der Verpflegung und Ausrüstung.
Ich kenne da zwar die Statuten nicht im Einzelnen aber wahrscheinlich wird der Orden auch seinen nichtadeligen Gefolgsleuten abverlangt haben mindestens einen Teil ihrer Ausrüsung selbst zu stellen, ansonsten wäre er, nämlich von verarmten Interessenten, ins Besondere aus den städtischen Unterschichten mehr oder minder überrant worden.

Das würde ich meinen entspricht weder der Handlungsweise eines Vaters (es sei denn er ist dem eigenen Kind gegenüber abgrundtief gehässig, aber sicherlich nicht blos, weil er vom ritterlichen Leben nichts hält oder seinen Bruder beneidet), noch der eines Kaufmanns.


Abermals ohne dir den Plot verbiegen zu wollen, warum eine Stereotype Ordenslaufbahn?

Warum nicht z.B. der Versuch dem Onkel dadurch nachzueifern (offenbar geht es dem Protagonisten ja in erster Linie um Schlachtenruhm), vom Kaufmannstand auf auf den Aufbau einer eigenen Söldnertruppe umzurüsten und sich als deren Chef in den europäischen Auseinandersetzungen in irgendeiner Weise zu etablieren und den Weg in den Ritterstand zu finden, zumal Brabant und Flandern in der Zeit durchaus bekannt dafür waren, Söldnerbanden ("Brabanzonen") hervorzubringen und mehr oder weniger zu expotireren?


Im Hinblick auf die Durchlässigkeit der sozialen Schichten wird dein Plot funktionieren, aber wenn du ihn einigermaßen plausibel haben möchtest, würde ich sagen müsstest du daran arbeiten ein paar Widersprüche auszuräumen.
 
Wow, ich bin wirklich geflasht, von den ganzen wertvollen Hinweise.
Erst einmal vielen Dank an alle.
Der Idee mit dem Patriziertum finde ich ganz charmant.
Die Familie ist tief gespalten. Der Kaufmann steht auf Seite der "Lilien", also den frankophilen Flamen. Das passt zu den Patriziern in Brügge, die auf Grund der Geschäftsbeziehungen zu Frankreich auf deren Seite standen. Er ist durch die Heirat wirklich steinreich geworden, was in meinen Augen auch passt, weil wir ja in Zeiten des Umbruchs sind, in der das Bürgertum reicher und mächtiger wird und selbst versucht in die Adelsschicht aufzusteigen. Brügge war seinerzeit die Handelsmetropole Europas und der Tuchhandel eine Goldgrube. Er soll auch politischen Einfluss im Sinne der französischen Machthaber besitzen. In meiner Vorstellung ist er mächtiger und wohlhabender als sein Bruder (Paul), der auf Seiten der "(Löwen)Klauen" um den flämischen Widerstand und den Grafen von Flandern. Dem Kaufmann (Luc) ist Rittertum, allein wegen seines Bruders, verhasst. Er will, dass sein Sohn das lukrative Geschäft weiterführt. Luc ist der große Antagonist dieser Geschichte. Narzisstisch, machtbesessen und manipulativ.
Mein Prota (Jean) wird natürlich erstmal bei den Templern abgelehnt (eben aus dem Grund eines fehlenden Empfehlungsschreiben). Er findet allerdings in einem flämischen Templer einen Mentor. Auch hilft ihm der Ruf seines Onkels als ehemaligen Kreuzfahrers, einen Fuß in die Tür zu bekommen und wird zunächst als Stallbursche aufgenommen. Zu der Zeit lagen die Kreuzfahrerstaaten in arger Bedrängnis und konnten doch eigentlich jeden Mann brauchen?
Im Grunde ist es auch eine Geschichte des aufstrebenden Bürgertums und des Niedergangs des Rittertums.
Ich versuche die Geschichte aus einer Vielzahl von Perspektiven zu erzählen.
Ritter, Kaufleute, Beginen, Fischer, Handwerker spielen eine Rolle.
Die Spaltung Flanderns in einer Familie finde ich durch einen Kaufmann und einem Ritter eigentlich ganz anschaulich dargestellt. Wenn es denn so möglich war.
 
Wir befinden uns zu dem Zeitpunkt, als der Vater seine Familie verlässt, so um 1270. Die (fiktive) Familie hat Grundbesitz und eine Burg. Als Zweitgeborener hat er es satt, ständig von den Heldentaten seines Bruders zu hören und in dessen Schatten zu stehen und heiratet in eine sehr wohlhabende Brügger Kaufmannsfamilie ein.
Dass der Zweitgeborene deswegen in eine Kaufmannsfamilie einheiratet, ist reichlich kurios. Zweitgeborene, die sich selbst etwas aufbauen wollten, traten (sofern sie nicht Kleriker wurden) üblicherweise in fremde Dienste, in der Hoffnung, so einigermaßen standesgemäß* leben zu können und vielleicht irgendwann zu ihrem eigenen Land zu kommen.

*Darüber, dass er in eine Kaufmannsfamilie einheiratet und Krämer (wenn auch ein reicher) wird, würden seine (ehemaligen) Standesgenossen nur die Nase rümpfen.
 
Ich versuche die Geschichte aus einer Vielzahl von Perspektiven zu erzählen.
Ritter, Kaufleute, Beginen, Fischer, Handwerker spielen eine Rolle.
genau das stelle ich mir für einen historischen Roman sehr schwierig bis unübersichtlich vor, denn es bedeutet wörtlich genommen, dass aus der Perspektive von mindestens fünf verschiedenen Protagonisten die jeweilige Handlung erzählt wird, und dazu müssen diese samt ihrer Lebensumstände etc charakterisiert sein - - oder meinst du einfach nur, dass in der (auktorial erzählten) Handlung allerlei Figuren vom Ritters- bis zum Bettelmann auftauchen?
 
Das mit dem Stallburschen ist übertrieben. Wenn er Fechten und Reiten kann, findet er eine passende Stelle.

Wenn nicht, ist er zu alt, es zu lernen. Er muss die Grundlagen gelernt haben. Schau mal, ob Brügge schon einen Fechtlehrer hatte. Und seine Reitübungen können Streitpunkt mit dem Vater sein.

Und der war sicher kein Krämer. Das waren kleine, arme Händler. Mach einen Kaufmann, der auch mal in die Ferne handelt draus. Die mussten sich auch wehren konnten und führten legal Schwerter mit.
 
Dem Kaufmann (Luc) ist Rittertum, allein wegen seines Bruders, verhasst. Er will, dass sein Sohn das lukrative Geschäft weiterführt.

Ich würde sagen, das widerspricht sich ein wenig.
Wenn er will, dass der Sohn das Geschäft weiterführt, beruht es offenbar nicht allein auf der Abneigung gegenüber seinem Bruder.

Zumahl, wenn er von Anfang an für seinen Sohn die Laufbahn eines Kaufmanns vorgesehen hat, es mit dem rechtzeitigen Erlernen der Basics, die @Riothamus angesprochen hat, etwas kompliziert wird.

Zu der Zeit lagen die Kreuzfahrerstaaten in arger Bedrängnis und konnten doch eigentlich jeden Mann brauchen?
Ja, aber nicht als Stallburschen oder als Person ohne jede militärische Ausbildung und Erfahrung, in die man erstmal Jahre an Ausbildung investieren muss um einen halbwegs brauchbaren Krieger daraus zu machen.

Ich denke, da muss man sich auch vor Augen führen, dass es wirklich nur in sehr begrenztem Maße möglich war überhaupt einigermaßen zeitlich Nachschub in die Levante zu bringen und dementsprechend ökonomisch wahrscheinlich wesentlich sinnvoller einen großen Teil des, nennen wir es mal "unterstützenden Personals" für die Ritterbrüder direkt vor Ort in der Levante zu rekrutieren.
Unabhängig davon ob eine Tätigkeit als Stallbursche o.ä. jetzt in diesem Zusammenhang sinnvoll ist, hätte es in der Regel überhaupt keinen Sinn ergeben Leute die einer solchen, mehr oder minder allerwelts-Tätigkeit nachgingen aus Europa in die Levante zu importieren, Stallbruschen gab es da zu genüge ohne weiteres bezahlbaren Platz auf Schiffen, der für nichts andeeres benötigt wurde hingegen nicht.

Die Vorstellung, das die Auseinandersetzungen in der Levante die Templer jetzt dazu genötigt hätten Stallburschen am anderen Ende der bekannten Welt in Flandern zu rekrutieren, geht so nicht auf.
Wenn wegen sich zuspitzenden Situationen in den Kreuzfahrerstaaten die Ritterorden bei sich erhöhten Personalbedarf registrierten, betraf das vor allem ad hoc einsatzfähige Kräfte, nicht Halbwüchsige, deren erster denkbarer effektiver militärischer Einsatz noch Jahre in der Zukunft lag, wenn die sich anbahnenden Auseinandersetzungen längst gelaufen sein konnten.

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Anderer Gedanke:

Insofern die Templer ja durchaus rege wirtschaftliche Aktivitäten entfalteten und sich zunehmend auch in Finanzgeschäfte einließen, wäre es vielleicht denkbar darüber eine Verbindung zwischen dem Kaufmannssohn und den Templern zu konstruieren.
Wenn wir mal annehmen, dass wenn der Vater deinen Protagonisten auf eine Lehre als Kaufmann vorbereiten wollte, dann wird dieser ja lesen und schreiben können und möglicherweise einen ganz anderen potentiellen Nutzen z.B. für den Templerorden haben.
 
Hallo zusammen,
dieses Wochenende waren meine Gedanken ganz schön am rotieren.
OK, verabschieden wir uns mal davon, dass es sich um Brüder handelt.
Indes wäre entferntere Verwandtschaft, z. B. Vettern, schon möglich, oder?
Quasi eine andere Linie des Stammbaums?
Problem ist, ich muss den Ritter irgendwie in das Haus des Kaufmanns kriegen.
Angedacht war halt, dass er ihn, wegen einer Verletzung bei einem Turnier in Brügge, widerwillig für kurze Zeit aufnimmt.
So soll der Junge nämlich einen engen Kontakt zu seinem Onkel (oder was auch immer) bilden und den Wunsch hegen, selber Ritter zu werden.
Eine erste Ausbildung soll er dann erhalten, nachdem er das erste mal "ausbüchst" zu eben jenem. Wird aber dann von seinem Vater unter sehr schmerzhaften Umständen zurückgeholt.
Weitere militärische Ausbildung erlangt er dann durch seinen Mentor bei den Templern.
Sein Mentor ist auch derjenige, der nach Akkon versetzt wird. Mein Prota folgt ihm heimlich und versteckt sich auf dem Schiff nach Outremer.
Ich habe mir auch schon alternativ überlegt, ob ich aus ihm nicht den mysteriösen "Templer von Tyrus" mache. Der ist namentlich nicht bekannt, war Sekretär des Großmeisters (Lesen und Schreiben kann mein Prota auf Grund der kaufmännischen Ausbildung) und hat den Fall Akkons minutiös beschrieben.
Ich weiß, dass die Story eine nicht übliche Karriere im Mittelalter darstellt. Aber deshalb ist es ja ein Roman und keine Doku. Im letzten Buch von Rebecca Gablé kam z. B. auch ein ehemaliger unfreier Bauer in das engste Umfeld von Simon de Montfort.
Bei der Frage nach den Perspektiven habe ich mich unklar ausgedrückt. Protagonist ist Jean, der angehende Ritter. Alles weitere sind prominente Nebenrollen. Seine Schwester, eine Begine. Den Fischer lernt er bei einem französischen Angriff auf ein Fischerdorf kennen. Sein Vater, der Antagonist, ist Kaufmann. Und die Handwerker Jan Breydel und Pieter de Coninck sind bei der Geschichte des flämischen Aufstands unumgänglich.
 
Ich habe mir auch schon alternativ überlegt, ob ich aus ihm nicht den mysteriösen "Templer von Tyrus" mache. Der ist namentlich nicht bekannt, war Sekretär des Großmeisters (Lesen und Schreiben kann mein Prota auf Grund der kaufmännischen Ausbildung) und hat den Fall Akkons minutiös beschrieben.

Der "Templer von Tyrus" war ursprünglich ein Page einer Prinzessin des zypriotischen Königshauses.

Auch musst Du dabei berücksichtigen, dass der Templer für den Großmeister die Korrespondenz des ägyptischen Sultans vom Arabischen ins Lateinische übersetzt hat. Dein aus Flandern stammender Abenteurer muss also irgendwann auch noch Arabisch lernen.
 
Vielen Dank, @Joinville . Ich war bisher davon ausgegangen, dass die Biographie weitgehend im Dunkeln liegt.

"Kein Problem" würde ich jetzt nicht sagen, @El Quijote ... Sicher wird er es mit der Zeit rudimentär können, aber mit Sicherheit nicht "verhandlungssicher". ;)
 
Mein Prota (Jean) wird natürlich erstmal bei den Templern abgelehnt (eben aus dem Grund eines fehlenden Empfehlungsschreiben). Er findet allerdings in einem flämischen Templer einen Mentor. Auch hilft ihm der Ruf seines Onkels als ehemaligen Kreuzfahrers, einen Fuß in die Tür zu bekommen und wird zunächst als Stallbursche aufgenommen. Zu der Zeit lagen die Kreuzfahrerstaaten in arger Bedrängnis und konnten doch eigentlich jeden Mann brauchen?
Im Grunde ist es auch eine Geschichte des aufstrebenden Bürgertums und des Niedergangs des Rittertums.
Ich versuche die Geschichte aus einer Vielzahl von Perspektiven zu erzählen.
Ritter, Kaufleute, Beginen, Fischer, Handwerker spielen eine Rolle.
Die Spaltung Flanderns in einer Familie finde ich durch einen Kaufmann und einem Ritter eigentlich ganz anschaulich dargestellt. Wenn es denn so möglich war.
Die Experten hier sagen: Das war so möglich. Damit hat’s sich – schreibe weiter. :cool:

PS: Eine Burg konnte man nicht so ohne weiteres bauen: Man musste zum Ritter geschlagen werden und eine Genehmigung zum Bau einer Burg bekommen. Kaiser Friedrich II. (HRR) hat z.B. Burgen schleifen lassen, die ohne seine Genehmigung gebaut wurden.
 
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