East India Company - Herrschaft in Indien

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von kisuki589, 25. September 2014.

  1. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied


    Hallo zusammen,

    im Rahmen einer mündlichen Prüfung im Geschichtsstudium befasse ich mich nun seit einigen Tagen mit der EIC und der Herrschaft in Indien + die Rolle des Opiumhandels.

    Mein Dozent gibt mir leider relativ wenig Resonanz was Rückfragen betrifft, sodass ich mir nicht ganz sicher bin, was er unter der o.g. Fragestellung tatsächlich erwartet.

    Vordergründig geht es natürlich um die Herrschaft in Indien. Damit ist wohl u.a. der Übergang der Handelspolitik zur kolonialen Territorialherrschaft gemeint, oder? Erst als Charles II. Bombay an die EIC verpachtet, wird die reine Handelspolitik der EIC ja revidiert. Dort entstand ja die erste befestigte Niederlassung in Indien. Obwohl immer noch keine Eroberung geplant war, verfolgte die EIC von Bombay aus Pläne der Militarisierung um u.a. gegen die VOC vorzugehen und gegen den neuen Mogul, der den Engländern ja nicht so positiv entgegen stand wie Jahangir. Wann entstand denn der koloniale Gedanke dann doch gebiete zu erobern?

    Welche Rolle spielen die Opium-Kriege denn in diesem Zusammenhang? Die EIC stellte im Machtbereich China nicht so hohe Ansprüche wie in Indien, oder? Weswegen waren die Opiumkriege denn so wichtig? Nun, dass aufgrund des Vertrags von Nanking die Kronkolonie Hongkong gegründet wurde, habe ich noch verstanden - auch, dass dieses Ereignis den Beginn der Einbeziehung Chinas in den imperialen Einflussbereich einläutete und einen weiteren territorialen Besitz der EIC. - Aber zu welchem Vorteil?

    Und wie und warum verlor die EIC alle ausgeübte Macht? Ich verstehe den Übergang nicht, weshalb die EIC plötzlich von der englischen Krone benachteiligt wird.

    Ich wäre sehr dankbar, wenn jemand etwas Licht ins Dunkle bringen könnte - ich verstehe bisher leider nur Fetzen von all dem Ganzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. September 2014
  2. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @kisuki589

    Das ist meinerseits natürlich ein "Stochern im Dunkeln", da ich auch nicht in den Kopf Deines Dozenten schauen kann.

    Als Studi würde ich so vorgehen:

    Opiumhandel, die Zuspitzung dieses Themas sind die beiden Opiumkriege, inkl. des gesamten wirtschaftshistorischen Hintergrundes des Opiumhandels.

    Parallel bzw. als eine Folge (Ursache) dieser Kriege verlor die EIC die formelle und tatsächliche Herrschaft über Indien, Indien wurde Kronkolonie (Gesetzestext) findest Du im i-net.

    Das also könnte ein Thema sein, der Übergang privatwirtschaftlich organisierter Kolonialherrschaft zu einer staatlich organisierten Form der Kolonialherrschaft.

    Wäre mein Ansatz.

    M.
     
  3. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied


    Vielen Dank für deine Antwort. Daraus ergibt sich meinerseits eine erste Rückfrage:

    Warum ist es ein Übergang privatwirtschaftlich organisierter Kolonialherrschaft? Die EIC war doch eine staatlich subventionierte Gesellschaft oder nicht? Sie wurde doch zunächst auf Basis der königlich Charter gegründet und erhielt doch Kredite um existieren zu können oder nicht?

    Ist wahrscheinlich eine ziemlich blöde Frage, aber mir ergibt sich der Sinn des "privatwirtschaftlichen" nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. September 2014
  4. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied

    Nach weiterer Überlegung stelle ich nun eher konkretere Fragen in den Vordergrund (ich bin gerade ganz verwirrt vom ganzen Lesen und recherchieren) und weiß gerade gar nix mehr.

    1. Frage: Warum entwickelt sich die EIC von einer Handelsgesellschaft zur Kolonialmacht und warum wird Indien zum sog. "Juwel"? Warum beginnt die EIC mit der Militarisierung?

    2. Frage: Weswegen übernimmt die britische Krone die Administration 1858 und warum verliert die EIC ihr Monopol 1813?

    Es tut mir vorab leid, dass ich hier so ein Wirrwarr schaffe. Aber dieses Thema übersteigt zeitweilig meine Logik und ich kann gewissen Ansätzen nicht mehr folgen...
     
  5. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ein Royal Charter war eine art Erlaubnis oder Patent, erteilt in diesem Falle an eine Gruppe privater Unternehmer. Dass bedeutet noch lange nicht, dass es ein staatliches Unterfangen war. Die Initiative ging von den Privatleuten und nicht von der Krone aus.

    Die East India Company war eindeutig eine privatwirtschaftliche Unternehmung, ähnlich einer Aktiengesellschaft. Der britische Staat hatte m.W. keine Anteile daran und es ist mir nicht bekannt, dass es zu seinen hochzeiten Kredite von diesem benötigte oder bekam. Eher im Gegenteil, die EIC lieh 1708 dem britischen Schatz über 3 Millionen Pfund im Gegenzug zu weitreichenden Rechten und weitere Beträge zu späteren Zeitpunkten.

    Die Gesellschaft war irgendwann so groß und mächtig, dass sie praktisch einen Staat im Staat darstellte, bzw. zum Teil ausserhalb dieses, da Indien noch keine Kolonie des britischen Staates war. Der Zweck dieses Gebildes war jedoch stets der wirtschaftliche Gewinn und nicht die Machterweiterung der britischen Krone.

    Um 1757, als man schon größere Territorien "erworben" hatte, musste das Verhältnis zur Krone geklärt werden und man kam zu dem Schluss, dass die privaten, durch Verträge erworbenen überseischen Besitze, zwar unter der Souveranität der Krone standen, jedoch nicht in deren Besitz waren, im Gegenzug zu Kronkolonien die durch Eroberung in Besitz genommen wurden. Man stellte sich damit unter den Schutz der Krone (in gewissen Maße als notwendig erachtet während des 7-Jährigen Krieges, auch wenn die Armee der Companie die Franzosen letzendlich ohne Hilfe schlagen konnte) aber agierte weiterhin selbständig und profitorientiert.

    Ein sehr gutes Buch zum Thema ist "The Honourable Company" von John Keay.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. September 2014
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Darauf müsstest Du selber kommen können. Ich würde dir empfehlen die Fragen einzeln anzugehen....

    ...und in Chronolischer Reihenfolge.

    Was ging der EIC Act von 1813 voraus und was für Folgen hatte es?

    Was passierte 1857 und warum?
     
  7. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Zur HEIC hatten wir schon mal einen Diskussionsthread. Dazu hier der Link.

    http://www.geschichtsforum.de/f57/verst-ndnis-eic-45824/

    Zum anderen wird gerade auf dem Indischen Festland die französische Ostindienkompanie übersehen, obwohl sie für das entstehen des Machtblockes in Indien wichtiger ist als die VOC, die sich sehr rasch aus Indien zurück gezogen hat und auf Batavia und den Molukken konzentriert hat.

    Apvar
     
  8. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied

    Ich wickle die Frage warum sich die EIC von einer Handelsgesellschaft zur Kolonialgesellschaft entwickelt hat mal von vorne auf.

    Also, die europäischen Handelsstationen wurde in Indien zunächst errichtet, um Produkte wie Baumwolle, Tee, Seide usw. nach Europa zu exportieren, wo die Nachfrage sehr groß war. Die EIC unterhielt ihre Handelsstützpunkte dabei in Madras, Kalkutta und Bombay.

    Zu der Zeit war ja das Mogulreich die beherrschende Macht auf dem indischen Subkontinent, welches jedoch bereits im 17. Jh. dem Niedergang geweiht war, was sich im 18. Jh. noch deutlicher zeigte, als das Mogulreich in mehrere sich teilweise bekriegende Staaten zerfallen war. Dadurch (und auch durch die Konkurrenz der VOC und der frz. Handelsgesellschaft) begann die Kompanie, wahrscheinlich um ihren Handel in dieser "Umbruchszeit" zu schützen, neben ihrer eigenen Armee auch einheimische Soldaten zu rekrutieren und wandelte sich in dem Zuge von einer Handelsgesellschaft in eine politische Macht. Zusätzlich erhielt die EIC durch Charles II Rechte der Zivilgerichtsbarkeit und der Militärgewalt und direkten Eingriff in die inneren Angelegenheiten Indiens durch das englische Parlament.
    Der Wohlstand, den die Kompanie durch erfolgreiche Exporte genoß, führte dazu, dass ihre Angestellten große Reichtümer entwickeln konnten und sich wieder im Heimatland niederließen, wo sie ihr Vermögen umsetzten und auch an politischer Macht gewannen und innerhalb des Parlaments eine eigene Lobby entwickelten.Sie gerieten jedoch unter Druck ehemaliger Mitglieder und privater Geschäftsleute, die ebenfalls private Handelsfirmen in Indien etablieren wollten, als sie von dem lukrativen Geschäft erfuhren. Dies führte zur Einführung des Deregulierungsgesetztes 1694: es erlaubte jeder englischen Firma, mit Indien zu handeln, sofern es nicht ausdrücklich durch ein Parlamentsgesetz verboten war. Eine neue Kompanie wurde 1698 gegründet, die jedoch von der alten Kompanie "aufgekauft wurde" bzw. diese soviel Anteile erkaufte, dass sie diese neue Gesellschaft quasi beherrschte. Beide Gesellschaften fusionierten im Jahr 1702.
    Die Beziehungen zu Frankreich verschlechterten sich zu der Zeit und es kam zu häufigen Gefechten um die Kontrolle ihrer kolonialen Erwerbungen. Die englische Regierung fürchtete die finanziellen Konsequenzen einer militärischen Auseinandersetzung und stimmte der Ausweitung des Handelsmonopols der Ostindien-Kompanie mit Indien bis 1783 zu. Im Gegenzug erhielt sich weitere Kredite, diesmal im Rahmen von 1 Mio. Pfund.
    Die Gefechte führten zum Krieg, und zwischen 1756 und 1763 lenkte der Siebenjährige Krieg die staatliche Aufmerksamkeit auf die Verstärkung und Verteidigung ihrer Territorien in Europa und Nordamerika. Allerdings fand der Krieg auch auf dem indischen Subkontinent statt, zwischen den Truppen der Ostindien-Kompanie und französischen Streitkräften.
    Der Krieg endete mit einer Niederlage der Franzosen, die im weiteren Verlauf (durch den Vertrag von Paris 1763) ihren Handel nur noch ohne militärische Präsenz abwickeln durften und ihren Handel auf indischem Gebiet in dem Zuge "aufgeben" mussten. Dadurch wurde ein Wettbewerber der EIC ausgeschaltet und die EIC konnte ihren Einfluss weiter ausbauen und wurde so zum Kolonialmonopol (Frankreich und Niederlange nicht aktiv in Indien)

    Um es noch einmal kurz zu fassen: Zwei grundlegende Faktoren führten also zu der Expansionspolitik. Zunächst die Absicherung des Handels und zweitens die Sicherung der Vormachtstellung gegen die Franzosen.

    Stimmt das in etwa so, oder erzähle ich da Bockmist?
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. September 2014
  9. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied

    Damit würde sich auch die Frage der beginnenden Militarisierung klären.
     
  10. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied

    Und nun zum Ende des Handelsmonopols 1813:

    Die Kompanie hat als wichtigste Ware Stoff, bzw Tuch aus Indien exportiert, welches so preiswert wurde, dass auch Europäer mittleren Einkommens es sich leisten konnten. So war das 18. Jh. in England durch eine rapide Entwicklung der Textilindustrie gekennzeichnet. Damit aber diese importierten Produkte, dem heimischen Gewerbe keine Konkurrenz machten, verbot die Regierung der Kompanie, ihre Tuche auf den Inseln zu verkaufen. So wurde es zu einem klassischen Re-Export Produkt.
    Geschützt von der indischen Konkurrenz wurde die Tuchindustrie in England zum Leitsektor der industriellen Revolution und der Verbrauch von Rohbaumwolle stieg im 18. Jh. auf mehr als das 30-fache.
    Der Wendepunkt wurde auch durch die napoleonischen Kriege eingeleitet: während der Kriegskonjunktur fand das englische Tuch auch im Inland günstigen Absatz und brauchte keine ausländischen Märkte. Allerdings drängte die Industrie nach dem Friedensschluss und der zunehmenden Rezession in die Exporte. Die Exportquote der britischen Textilproduktion lag nach 1815 bei über 50%.
    Gegenüber dieser britischen Exportoffensive schlossen sich die europäischen Märkte durch Zölle ab. Indien konnte dies nicht und wurde zum Hauptabsatzmarkt der britischen Tuchindustrie. Allerdings mussten dafür die politischen Verhältnisse geändert werden und die EIC verlor so 1813 das Aussenhandelsmonopol für Indien und so wurde Indien dann zum freien Markt für Engländer.
    Das wichtigste Exportgut war demnach Tuch und es war dadurch, dass es industriell erzeugt wurde sehr billig und nahm dem heimischen Gewerbe den Absatz und ruinierte die städtischen und dörflichen Weber. --> Das Dorfhandwerk verlor seine Kunden und die Bauern mussten auf andere Produkte umsteigen und bauten daher andere Produkte wie Indigo, Baumwolle, Tee, Kaffee und Opium an.

    Das habe ich zumindest dem Werk "Weltgeschichte" von Hans-Heinrich Nolte entnommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. September 2014
  11. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @kisuki589

    Nach überfliegen des Textes, nein, kein Bockmist. Du hast u.a. die Hilfestellungen meiner Mitdiskutanten gut aufgefangen.

    Ich spiele jetzt aber advocatus diaboli.

    Dein Dozent fragt: "...Herrschaft in Indien"?

    Du stellst die Situation schön für das 18. Jh. dar, also den Abschnitt der Geschichte der EIC, die die Erfolgsstory war. Fehlt der "Niedergang" der in 1858 mehr oder weniger das Ende der Herrschaft der EIC fand, der kommt etwas kurz, insbesondere wirtschaftshistorisch, nur Tuche und Tee reicht da nicht.

    Ich würde Dich in der Prüfung nach Deiner Darstellung fragen: "Warum unterstützt der britische Staat im 18. Jh. die EIC, im 19. Jh. aber offensichtlich nicht mehr, sondern übernimmt selbst die direkte Herrschaft in Indien?"

    M.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. September 2014
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  12. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied

    Da hast du natürlich Recht, ich habe mich allerdings bewusst erstmal auf den Übergang von Handelsgesellschaft zu Kolonialmacht konzentriert. Und im 2. Beitrag auf das Ende des Handelsmonopols.

    Nun habe ich noch alles zusammen getragen, was mir noch sinnvoll erschien. Allerdings glaube ich, dass es ziemlich verwirrend sein könnte:

    Nach der genannten Auseinandersetzung mit Frankreich, also einer militärisch ausgetragenen Rivalität, mündete die territoriale Expansionspolitik Englands und einer unaufhaltsamen Ausbreitung Englands in Indien.
    Die Schlüsselrolle für den ersten großen Expansionsschub und die britische Kolonialstaatswerdung spielte Bengalen. Hier beteiligte sich die EIC 1757 an einem Staatsstreich, der längst von reichen Kaufleuten und von dem Nawab von Bengalen unterstellten rajas vorbereitet war. Der Grund war u.a. dass der Nawab von Bengalen mit der Eroberung Kalkuttas im Zuge der Auseinandersetzung um den Salpeterhandel die Kriegsverhandlungen eröffnet. Der sich anschließende Bengalenkrieg, der 1764 mit dem Sieg britischer Truppen endete, führte zur Entmachtung des Nawab, und 1765 musste der Mogul der übermächtigen EIC den Diwan zugestehen = also die vollständige Steuerhochheit einschließlich der relevanten Rechtsprechung.
    Bengalen wurde zum Modellfall für ganz Indien, denn die Erwerbung der Steuerrechte bildete für die EIC die ideale Grundlage um ihre macht- und wirtschaftspolitischen Interessen vor Ort durchzusetzen.
    Die Herrschaftsform der EIC in Indien zeichnete sich durch indirekte Einflussnahme auf einheimische Herrscher aus, die so weit ausgebaut wurden, dass sie den lokalen Herrschern faktisch die Souveränität raubte. Wie o.g. gerät Indien nach und nach unter britische Kolonialherrschaft.

    Der Rückgang der Wirtschaftskraft ging einher mit der Umstrukturierung der Kompanie und der Bemühung der Regierung, ihren Einfluss zu verstärken. Der wirtschaftliche Niedergang begann mit der Entscheidung des Parlaments 1767, Teile der Steuer- und Zolleinnahmen aus Indien abzuschöpfen --> dieser Zugriff auf Steuereinnahmen schwächte eine auf Handel ausgerichtete Kompanie und ist ein deutlicher Hinweis auf den Übergang zur Kolonialherrschaft.
    Die Kompanie wurde durch den Regulating Act for India 1773 gezwungen, sich einer Abfolge von Reformen der Verwaltung und der Wirtschaftlichkeit zu unterziehen. (Staatliche Verwaltungsübernahme aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten der EIC
    --> hohe Kriegskosten in Bengalen, niedrige Verkaufserlöse im Mutterland;Misstrauen der englischen Regierung gegenüber „zu selbstständigen men-on-the-spot“, die ohne Zustimmung der Krone ihre Herrschaft in Indien ausweiten) Zur Verbesserung der Rentabilität wurden Eigengeschäfte der Mitarbeiter eingeschränkt und verantwortungsvolleres Verhalten wurde abverlangt. Die Verwaltungsstruktur wurde durch die Einrichtung des Postens eines Generalgouverneurs und durch eine übergeordnete presidency in Kalkutta zentralisiert. Die Krone behielt sich das Recht auf die Ernennung der Gouverneure in Übersee vor. --> staatliche Privilegierung
    Warren Hastings wurde zum ersten Generalgouverneur von Indien. Die EIC konnte ihr Handelsmonopol behalten, musste im Gegenzug alle zwei Jahre einen Betrag an die Krone leisten und sich verpflichten, ein Minimum an Waren nach Großbritannien zu exportieren. Auch die Verwaltungskosten mussten durch die Kompanie aufgebracht werden. Nachteil: der Kompanie waren jährliche Lasten auferlegt, und ihre finanzielle Situation verschlechterte sich anhaltend. Eigentlich wurde der EIC schon zu diesem Zeitpunkt der Einfluss genommen.

    Die Opiumkriege und der Sepoy-Aufstand tun da ihr übriges und führen dazu, dass der Government of India Act 1858 nur noch ein formaler Akt ist, der alle von der EIC ausgeübte Macht und alle von ihr beherrschten Territorien auf den Staat überträgt.
     
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  13. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied

    Hat dies mit dem Regulation Act von 1773 zu tun und mit den von mir beschriebenen Motiven?

    Momentan fällt mir keine Alternative ein.:confused:
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Nur eine kleine Ergänzung zu den detaillierten Darstellungen, es gab "Restaktivitäten", zB

    Puducherry ? Wikipedia

    Die überdauerten sogar ein paar Jahre die britische Kolonialzeit. :winke:
     
  15. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Was nicht übersehen werden darf ist, das Grossbritannien sehr stark verschuldet war zu diesem Zeitpunkt (1773) und dringend Geld haben musste. Das Vereinigte Königreich hatte sehr hohe Kosten durch den 7-jährigen Krieg und auch noch durch den Franzosen und Indianerkrieg in Amerika gehabt. Gleichzeitig wurde unter Robert Clive das Gebiet in Indien deutlich vergrössert, durch Vertreibung der Franzosen. Was auch nicht preiswert war.
    Zum anderen viel ab etwa 1770 ein wichtiger Absatzmarkt für die HEIC weg, die Kolonien in Amerika. Stichwort Boston Tea Party.
    Boston Tea Party ? Wikipedia
    Ein weiteres Problem der HEIC scheint auch Korruption gewesen zu sein.
    Die Militarisierung der HEIC begann schon relativ früh, unter James II. Sie hatte übrigens auch eine eigene Kriegsflotte, die sogenannte Bombay-Marine.

    Apvar
     
  16. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Die Opium-Kriege sind wichtig, weil sie Europäern und Ostasiaten zeigten, dasssich das Kräfteverhältnis endgültig geändert hatte. Die Geschichte EIC in Ostasien war geprägt von ihrer relativen Schwäche gegenüber nicht nur der VOC und dem Estado da India, sondern vor allem von ihrer absoluten Abhängigkeit der dortigen Herrscher. Der EIC gelang es bis Ende des 17. Jahrhunderts nicht, ökonomisch oder diplomatisch, in einem der Länder Ostasiens Fuß zu fassen, trotz zahlreicher Versuche. Das ist ja auch ein Grund, weshalb sie sich auf Südasien konzentrierte.

    Erst Ende des 18. Jahrhunderts änderte sich dies. Die wirtschaftliche und innenpolitische Schwäche der Qing-Dynastie, sowie der europäischen Konkurrenz, führte dazu, dass die Engländer an den Küsten Chinas zunehmen tun und lassen konnten, was sie wollten. Als China diesen Einhalt zu gebieten versuchte, kam es zum Krieg. Zu Beginn des krieges war es jedoch alles andere als klar, dass die Briten den Sieg davon tragen würden. Doch der Zerfall der Kaiserreiches, zahlreiche Aufstände und das nicht vollständige "commitment" zum Krieg ließen die EIC die Oberhand behalten. Hier hatte sich nun gezeigt, wenn auch Dank glücklicher Umstände, dass selbst ein gigantisches Reich wie das chinesische, durch europäische Mächte gezwungen werden konnte, sich die Kräfteverhältnisse, wie oben angedeutet, verlagert hatten.

    Zudem war der Opiumkrieg Ausdruck einer weiteren Verlagerung, nämlich der der weltweiten Handelsströme. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts war das Ziel weltweiter Silberflüsse das Reich der Mitte, dass im Gegenzug die Welt mit seinen stark nachgefragten handwerklichen Erzeugnissen beliefert hatte. Sei dem frühen 19. Jahrhundert hatte sich dies aufgrund der starken Position der Engländer in Indien und vor allem der industriellen Revolution geändert. Auf einmal waren es die Chinesen, die Silber für ein europäisches (eigentlich: indisches) Produkt aufwenden mussten. An diesem Punkt, kann man sagen, verlor der Welthandel seinen"asiatischen Charakter" und wurde von Europa dominiert.
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Schau mal hier, so auch detailliert beschrieben bei Keay, The Honourable Company:
    East India Company - Wikipedia, the free encyclopedia

    Die Teilschritte 1773 und 1813 kann man den Finanzproblemen, auch durch die Kriege getrieben, zuordnen. Den Regulating Act 1833 kann man einer längerfristigen politisch-ökonomischen Entwicklung (ab Ende des 18. Jhdt bis 1833) zuordnen: der Industrialisierung und der Bevorzugung britischer Arbeitsplätze und Produktion der Textilindustrie.

    So beschreibt das auch Keay:

    "The challenge came not from the country traders but from that other prong of the free trade lobby, Britain’s manufacturing industries. Giving the Company’s monopoly a stern drubbing in the process, Adam Smith’s The Wealth of Nations had first urged the logic of free trade back in the 1770s. But it was not until the turn of the century that British manufacturers, and in particular the cotton kings of Lancashire, were sufficiently confident of their products’ quality and price structure to adopt the cause of deregulation. Until then their attacks on the Company had focused on restricting the quantity and quality of Indian piece goods entering Britain and so posing an ‘unfair’ competition for the domestic product. Now, thanks to greater mechanization and better supply arrangements for raw cotton, the Manchester Chamber of Commerce welcomed competition as eagerly as the country traders.
    Throughout the new industrial heartlands of England and Scotland petitions were drawn up and Members of Parliament were lobbied. Since the Company was signally failing to sell British manufactured goods in the largest markets known to man, it was only common sense to let others try. Other ports, went the argument, must be free to compete for the trade with London and other shippers free to compete with the Company. British jobs depended Throughout the new industrial heartlands of England and Scotland petitions were drawn up and Members of Parliament were lobbied. Since the Company was signally failing to sell British manufactured goods in the largest markets known to man, it was only common sense to let others try. Other ports, went the argument, must be free to compete for the trade with London and other shippers free to compete with the Company. British jobs depended on it; and so, more decisively, did votes. Once the movement had gathered momentum there was no stopping it. However eloquent the Company’s defence of its loyal Indian artisans, there was no political mileage in protecting Bengali weavers from being overwhelmed by a continuous roll of mass-produced, duty-free prints. Against the need for full employment in Manchester, Midnapur stood not a chance. After all, what was the use of subject territories if they did not afford a market for the imperial manufacturer? Especially when their only other promised return, revenue, was being so readily absorbed in maintenance costs."


    Mit dem Verlust politischer Macht blieb der EIC das Opium- und Teegeschäft. Diese Opiumfrage bis zu den Opiumkriegen kann man nicht ohne Weiteres mit dem Verlust der politischen Macht in Indien zusammen sehen. Das sind mE zwei unterschiedliche Entwicklungsstränge.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. September 2014
  18. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Zudem wenige Jahre nach dem der Zufluss von Amerikanischen Silber über den transpazifischen spanischen Handel wegfiel.
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu 1.: Hast Du dazu Daten? Das würde mich interessieren.

    Zu 2.: von der Korruption liest man viel. Es scheint sich mit Missmanagement und finanziellen Schieflagen der EIC zu vermengen.
     

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