East India Company - Herrschaft in Indien

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von kisuki589, 25. September 2014.



  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Du kannst bei der Beschreibung starten. Das Thema hat die Blickrichtung auf die Auswirkungen der kolonialen Herrschaft, unter Berücksichtigung des Opiumanbaus und Opiumhandels.

    Tee dürfte vor 1850 in Bengalen keine große Rolle spielen, insbesondere bzgl. Nordbengalen (Höhenlagen >1200 Meter wegen Teeanbau).
    Bengal famine of 1770 - Wikipedia, the free encyclopedia
    North Bengal Tea Industry - Wikipedia, the free encyclopedia

    Eine gute Einführung in die Auswirkungen gibt Cambridge History of India, III.2. - Peasant Labor amd Colonial Capital, Rural Bengal since 1770. Dort sind weiterführende Literatur, populationshistorische Analysen und auch Hinweise zur ökonomischen kolonialen Umgestaltung enthalten.

    Wie immer, gibt es multikausale Gründe, wenn man für die Bevölkerung und Wirtschaft bei dem famine 1770 ansetzt. So auch als wesentliche Ursache die Einflüsse und Auswirkungen von Umgestaltungen durch die EIC. Das kombiniert sich mit anderen Einflüssen, so die große Dürre von 1869, und seit ca. 1750 einer Bevölkerungsexplosion.
    Ergänzung: CHoI II.2.: Bengal - The British Bridgehead in Eastern India 1740-1828.
    Schließlich die Aufsätze von Rajat Kanta Ray (Indian Society and the establishment of British Supremacy 1765-1818) und Bowen (British India 1765-1813 - The Metropolitan Context), beide in der Oxford History of the British Empire II erschienen, hinzuweisen.

    Für die Darstellung der Außenbeziehungen (um überhaupt die Auswirkungen von Opium und Tee zu beschreiben, also auf Mengengerüste abzustellen, von denen man auf das Ausmaß der Umwälzungen schließen kann) ist Tirhankar Roy, India in the World Economy - from antiquity to present, empfehlenswert.

    Auf der Basis lassen sich die Umwälzungen durch die EIC, mit Blickrichtung auf Opium, mit den weiteren innerindischen Faktoren zusammenführen.
     
  2. kisuki589

    kisuki589 Neues Mitglied

    Ich habe nun frei eine kurze Zusammenfassung verfasst:

    Am 31.12.1600 wurde die EIC als Handelsgesellschaft auf Basis königlicher Charta begründet, die ihr das Handelsmonopol in Indien, sowie Zollfreiheit und Ausfuhr von Silber in bestimmter Summe zusprach.

    Zunächst fungierte die EIC als Re-Exporteur indischer Waren über das Zentrum London nach Europa.

    Durch den Niedergang des Mogulreichs zerfiel das Großreich in mehrere vereinzelte Staaten, also quasi in ein Mehrstaaten-System. Dieses bestand aus großen (z.b. Marathenreich), mittleren (z.B. Bengalen) und kleinen Staaten (Surat). Diese Staaten bekriegten sich permanent und dies führte dazu, dass sich die europäischen Mächte auch in diese Angelegenheiten einmischten, da die geschwächte Stellung eine lukrative Ausgangssituation war, Handelsstützpunkte auszubauen.

    Zum Schutz der bereits vorhandenen Stützpunkte und durch den Konflikt mit Frankreich, der eine Konkurrenz auf dem indischen Subkontinent darstellte, begann die Kompanie sich von einer reinen Handelsgesellschaft zu einer Territorialmacht zu wandeln.

    Dieser Prozess begann mit dem Sieg über Bengalen 1757 und dem zugesprochenen Diwani 1764 (Recht auf Steuereintreibung).

    In Großbritannien erhoffte man sich durch die Ausbeutung und durch die Steuereinnahmen wirtschaftliche Profite. Allerdings blieben diese aus, da auch eine einsetzende Hungersnot ab 1770 in Bengalen zu katastrophalen Bedingungen führte und ganze Landstriche ausgerottet wurden. Außerdem hatte die EIC einen großen Haufen Schulden durch weitere Expansionen angehäuft, sodass sie in den beginnenden 70er Jahren fast Insolvenz anmelden musste.

    Mit diesem Zeitpunkt begann die Regulierung durch die Regierung in England: 1773 Regulation Act, 1784 India Act und 1786 Amendment --> Die EIC wurde zunehmend unter staatliche Aufsicht gestellt.
    Folgen waren u.a., dass dem court of directors ein staatlich kontrolliertes board of control gegenübergestellt wurde und vor allem 1784 das System der doppelten Kontrolle: Regierung übernahm Leitlinien für Politik, Verwaltung und Verteidigung, die EIC durfte ihren Handel weiter selbst organisieren.
    Zudem wurde ein Verbot von Aggressionskriegen verhängt, das v.a. von Hastings und Wellesley unberücksichtigt blieb.

    Die sog. "men on the spot", die eigentlich der Kontrolle Londons unterstellt waren, waren aufgrund der Entfernung usw. nicht wirklich kontrollierbar und handelten in eigener Willkür. Sie trachteten mehr nach Ehre, Auszeichnung und Beute, da in der EIC Aufstiegschancen eher gering waren und man nur im Falle von Auszeichnung durch Kriege steigern konnte --> Hastings und Wellesley waren Verfechter der Expansion

    1813 verlor die EIC ihr Handelsmonopol in Indien, da die Freihandelslobby in London immer lauter wurde und sich an Geschäften in Indien ebenfalls beteiligen wollte und dies nur ging, indem ein Freihandelsabkommen geschlossen würde.

    Durch die industrielle Entwicklung in Europa und billigere und maschinell gefertigte Produkte, wurde die Textilwirtschaft Indiens völlig zerschlagen und Bauern mussten sich neue Nischen zur Erwirtschaftung suchen, bzw. wurden dazu veranlasst --> Opiumanbau in Bengalen. Somit wandelte sich Indien von einem Produzenten handgefertigter Waren zu einem Produzenten von Rohstoffen (Opium, Indigo, Jute...)

    (Zum Opiumhandel bereits im Vorfeld Text verfasst).

    1833 verlot die EIC ihr gesamtes Handelsmonopol (auch in China) und wurde als Handelsgesellschaft abgeschafft.
    Bis zum Sepoy Aufstand 1857/58 verlief die Expansion im wesentlichen in nordwestliche Richtung (man nahm Malwas ins Herrschaftsgebiet mit ein, welches zuvor der große Konkurrent im Opiumhandel war).

    Der Sepoyaufstand selbst kam dadurch zustande, dass sich indische Soldaten zunehmend gegen die Regulierung und "Europäisierung" wehrten. Zudem wollte die EIC die Truppen (auch finanztechnisch) verkleinern und somit fielen Soldaten in finanzielle Not.
    Am 10. Mai 1857 entzündete sich der offene Konflikt, als die Sepoys gezwungen wurden Patronen zu benutzen, die mit Tierfett hergestellt bzw eingerieben wurden, was ihren ethischen und religiösen Ansichten widersprach.

    Die Niederschlagung des Sepoy Aufstands führte zu deutlichen Veränderungen: Die Grundlage für das "britische Raj" = britische Herrschaft war der Government of India Act. Alle Rechte der EIC gingen auf die Krone über, es gab eine völlige Neuorganisation der britisch-indischen Armee.

    So, ich weiß, dass das sehr viel Input ist. Darin können auch seeehr viele Fehler vorhanden sein, bzw. wichtige Infos fehlen.
    Falls euch irgendwas auffällt, wäre ich sehr dankbar für Feedback.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dazu Fragen zur Anregung:

    1. Was charakterisiert den Übergang von einer Handelsgesellschaft zu einer "Territorialmacht"?
    2. Was beschreibt die "Hoffnungen" in Großbritannien auf koloniale Ausbeutung? - Verständnis des Empire? Fokuswechsel West->Ost?
    3. Beschreibung des Zusammenhangs zwischen Aktivitäten der EIC und der Hungerstnot 1770?
    4. Wenn einerseits Kontrollen beschrieben werden, andererseits die men on the spot nicht kontrollierbar gewesen sein sollen, wie belegt man diesesn (scheinbaren?) Widerspruch?
    5. "Ehre und Auszeichnungen" als Motiv, oder Bereicherung?
    6. Beschreibung der "völligen Zerschlagung" der indischen Textilwirtschaft? Bedeutung der Importe, Problem der indischen Exporte (s.o.), Unterscheidung zwischen Inlandsproduktion und Exporte (Opium, Indigo, Tee)
    7. Beschreibung der Tendenzen zur Reduktion der Armee?
    8. eigentliche Ursachen der Unruhen 1857?
     

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