Einfluss Südafrikas auf die Weltgeschichte.

Dieses Thema im Forum "Afrika" wurde erstellt von Minimus, 17. November 2013.



  1. Minimus

    Minimus Neues Mitglied

    Hallo zusammen

    Ich habe den Auftrag erhalten die Geschichte Südafrikas vor und um 1900 zu recherchieren, dies ist kein Problem, gibt es dazu doch genug Literatur. Eine Nebenfrage lautet jedoch:"Welchen Einfluss hat das Südafrika um 1900 auf die Weltgeschichte?" Nun habe ich dazu einige Vermutungen, finde jedoch keine Literatur die mir diese Vermutungen bestätigt. Kann mir vielleicht jemand von euch weiterhelfen?

    Danke, Minimus

    PS: Ich schreibe meine Vermutungen bewusst nicht, will euch ja nicht beeinflussen.
     
  2. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Und wir unsere nicht, damit wir Dich nicht beeinflussen. Ohne Input kein Output.

    Schönen Rest-Sonntag

    Apvar
     
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  3. Minimus

    Minimus Neues Mitglied

    Wenn es so besser ankommt, schreibe ich meine Vermutungen gerne.

    Vor 1900 fanden der erste und der zweite Burenkrieg statt, welcher schliesslich mit der Anerkennung der Britischen Souveränität 1902 endete. 1910 wurde die Union of South Africa gegründet, in welcher eine weisse Minderheit das Sagen hatte. Die schwarz Afrikaner, welche fast 70% der Bevölkerung ausmachten, hatten fast keine Rechte und wurden wie Sklaven behandelt. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass diese Ereignisse einen Zusammenhang mit der Entstehung des Faschismus hatten, welcher durch Mussolini begründet wurde und welcher sich unter anderem durch extremen Nationalismus auszeichnet.

    Was meint ihr?
     
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Dann solltest Du mal gucken was in den Burenkriegen vorgefallen ist, incl. der Vorgeschichte. Und wer aus dem Empire daran teilgenommen hat.

    Apvar
     
  5. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Ich denke, die Apartheid hat um 1900 niemanden interessiert, die anderen Kolonialmächte haben es genauso gemacht.
     
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  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Wir meinen, dass man Schüler auch nicht so radikal in die irre führen sollte, dadurch dass man ihnen solch abstrusen Thesen vorlegt.
     
  7. Minimus

    Minimus Neues Mitglied

    Danke

    Dann werde ich mich mal schlau machen, was in den Burenkriegen genau passiert ist, danke für den Hinweis.

    @Bdaian: Ich werde es an meinen Lehrer weiterleiten;).

    Gruss, Minimus
     
  8. Gubernator

    Gubernator Gesperrt

    Ich denke, du solltest nicht den Fehler deiner Lehrergeneration wiederholen und den Faschismus als den Fluchtpunkt der gesamten deutschen oder gar europäischen Geschichte betrachten oder behandeln.

    In dieser Interpretation steckt sehr viel selbst beweihräuchernder Zeitgeist drin (das bekannte Stichwort: "Je länger das Dritte Reich vorüber ist, desto stärker wächst der Widerstand dagegen an.") und sehr wenig, was die Zeit überdauern wird.

    Ich würde diese Nebenfrage auf die Spannungen zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich beziehen. Unter den Deutschen herrschte große Sympathie für den Freiheitskampf des burischen Brudervolks, in der auch Neid auf die erfolgreiche Kolonialpolitik und Welthegemonialstellung der Briten mitspielte. Gleichzeitig war man sich aber auch der eigenen Ohnmacht bewußt, den Buren mit Taten beizustehen. Die Folge war eine weitere Abkühlung des dt.-brit. Verhältnisses.
     
  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Also, das Dt.-Brit. Verhältnis wurde eher durch die verfehlte Bündnispolitik unseres letzten Kaiser, in Kombination mit der Tirpitz'schen Flottenpolitik getrübt.
    Das ganze war Hirnverbrannt.

    Burischem Brudervolk? Kannst Du mir das bitte mal erklären. Die Buren waren die Nachfahren der Niederländischen Siedler der Kapkolonie.
    Kapkolonie ? Wikipedia

    Apvar
     
  10. Gubernator

    Gubernator Gesperrt

    Eben. Eigentlich wollte ich "Brudervolk" in Anführungszeichen setzen, um anzuzeigen, daß es die öffentliche deutsche Meinung war, die das damals so sah. Aber wenn der Begriff nicht ganz abgelehnt wird, so trifft er auf das Verhältnis der Niederländer und Oberländer (=Deutschland) sicherlich noch mit am ehesten zu. Ist aber eh allenfalls periphär wichtig hier.
     
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  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich halte diese These für ausgemachten Blödsinn.

    Rassismus, Nationalismus und Faschismus sind drei verschiedene Paar Schuhe. Auch wenn sie häufig gemeinsam auftreten, heisst das nicht, dass sie immer und unbedingt zusammenhängen. Rassismus war damals sehr weit verbreitet und eher die Regel als die Ausnahme. Der Südafrikanische Fall war zwar extrem, aber keineswegs einzigartig. In den USA gab es damals die so genannten "Jim Crow"-Gesetze, die der Appartheid noch am nächsten kommen. Wo da eine Beziehung zu Mussolini und Italien konstruiert werden kann, ist mir ein Rätsel.

    Nicht nur Niederländer. Auch Hugenotten und nicht wenige deutsche Siedler. Der Kaiser hatte an den Buren aber einen Narren gefressen und die deutsche Presse unterstützte diese ebenfalls. Die Ausstattung der Kämpfer der Freistaaten Oranje und Natal mit Mausergewehren und Kruppgeschützen war nicht gerade förderlich für die deutsch-britischen Beziehungen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. November 2013
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  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

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  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Dass du auf dem Holzweg bist wenn du diese Ereignisse mit der Entstehung des Faschismus in Zusammenhang bringst.

    Immerhin kam man im Burenkrieg auf eine Idee, die im 20. Jahrhundert weiter entwickelt wurde: Um den Widerstand der Buren zu brechen, ging Lord Kitchner dazu über, Zivilisten in Gefangenlagern zu konzentrieren. Die sanitären Bedingungen in diesen "Concentration Camps" waren katastrophal, und es kam zu vielen Todesfällen durch Krankheiten wie Ruhr. Zu ähnlichen Maßnahmen griffen auch die Deutschen im Hererokrieg.

    Der Burenkrieg erschütterte das britische Empire. Nicht nur militärisch musste Großbritannien Niederlagen gegen die Buren hinnehmen, es wurde das Selbstverständnis des Britischen Weltreichs als Zivilisationsmacht erschüttert. GB sah sich nach dem Burenkrieg zu Zugeständnissen an die Besiegten gezwungen, und die Südafrikanische Union zu der nun die Burenrepubliken Transval und Oranje Freistaat gehörten, erhielt 1910 die volle Souveranität wie sie die Dominion Kanada, Australien und Neuseeland. Einige Burengenerale wie Botha und Smuts, die im Burenkrieg gegen GB kämpften, stellten sich im 1. Weltkrieg auf die Seite GB gegen Deutschland.

    Nach dem Krieg wurde Deutsch- Südwest als Mandatsgebiet von Südafrika verwaltet, was bedeutete, dass dort bis in die 1980er Jahre eine strikte Apartheid nach dem Vorbild Südafrikas bedeutete, bis Namibia unabhängig wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2013
  14. Apvar

    Apvar Premiummitglied

  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich würde mich an deiner Stelle auf das Thema Apartheid, Kolonialismus vorbereiten, denn dabei wirst du noch am ehesten einen Bogen zur Weltgeschichte schlagen können. Je mehr du an eigenen Gedankengängen in den thread einbringen kannst, umso zuverlässiger und detailreicher können dir andere Forianer mit Tipps und Anregungen helfen und umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du mit deiner Präsentation Erfolg hast.
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Erfahrungen, die Gandhi als junger Anwalt in Südafrika machte, dürften für ihn tatsächlich eine Art Schlüsselerlebnis gewesen sein. Er wurde mit Gewalt genötigt, ein Zugabteil 1. Klasse zu verlassen, obwohl er eine gültige Fahrkarte besaß.
     
  17. Minimus

    Minimus Neues Mitglied

    Zuerst möchte ich mich bei euch allen für eure hilfreichen Beiträge bedanken. Wie ich feststellen musste, fehlt mir hier einiges an Wissen.

    Nun habe ich mich etwas genauer mit den Burenkriegen beschäftigt, dabei bin ich auf den Zusammenhang mit dem Flottenwettrüsten zwischen Deutschland und Gross Britannien gestossen. Im März 1897 nach der Britischen Invasion in Transval, soll der Britische Aussenminister gedroht haben, dass eine Einmischung von Deutschland in den Konflikt mit einer Belagerung der deutschen Küste geahndet würde. Dies um der deutschen Wirtschaft zu schaden und damit im Wettrüsten einen finanziellen Vorteil zu erlangen. Der Deutsch-Britischen Beziehung war dies mit Sicherheit nicht zuträglich und in verschiedenen Quellen wird das Flottenwettrüsten als einer der Gründe für den Ausbruch des 1. Weltkrieges erwähnt.

    Ich glaube, dass ich damit eine Antwort auf die Frage habe, werde mir aber auch noch bezüglich Gandhi und Südafrika schlau machen.
     
  18. AndreasMeyer

    AndreasMeyer Mitglied

    Kurz zur Frage:
    Um 1900 gab es eine Staat Suedafrika noch gar nicht. Das waren britische Kolonien, zwei Burenrepubliken + Stammesgebiete. Als Staat wurde Suedafrik erst 1910 gegruendet. Weil es mit der Niederlage der Burenrepubliken endete haben die selbst auch keinen Einfluss ausgeuebt. Von Geltung sind allerdings Ereignisse drum herum.
    1.) Krugerdepesche wurde bereits benannt. Dazu gehoert auch die verbreitete Sympathie fuer die Sache der Buren.
    2.) Jan Smuts hat jedoch spaeter noch Einfluss auf das Britische Weltreich und die Charter der Vereinten Nationen genommen.
    Der Burenkrieg endete nicht mit "Anerkennung" der Britischen Souveraenitaet, sondern mit der Besetzung der Burenrepublik durch Grossbritanien.

    Dass die Schwarzafikaner "fast keine Rechte" hatten und "wie Sklaven behandelt" wurden ist kompletter Schmarn. Sie waren lediglich den Weissen rechtlich nicht gleichgestellt und auf dem Arbeitsmarkt erfuellten sie vorwiegend ungelernte ausfuehrende Funktionen.

    Wie da ein Einfluss auf den "Faschismus" bestehen soll, ist mir ein Raetsel.
    Der Einfluss ist da wohl eher umgekehrt gewesen. In Suedafrika gab es Organisationen wie die Ossewa Brandwag, deren Uniformierung und Vereinskultur ein wenig an die Faschisten erinnert. Die Organisation war aber eher deutschfreundlich und gegen den zweiten Weltkrieg.

    Wenn Bedarf besteht, kann ich mal ausfuehrlicher zur Geschichte Suedafrikas und das auch mit Primaerquellen belegen.
     

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