Einführung in die Geschichte des Papsttums

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von Imperator, 10. Juni 2004.

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    Das Papsttum

    Die Päpste gelten alle als Nachfolger des heiligen Petrus, der von Jesus von Nazareth zum Leiter der Kirche eingesetzt wurde und sind die Bischöfe von Rom. In den folgenden Jahrhunderten entstanden zahlreiche Bistümer, in denen Bischöfe als oberste Priester regierten. Auf ökumenischen Konzilen des 4. und 5. Jahrhundertes wurden fünf Bischöfen besondere Rechte zuerkannt; diese Bischöfe wurden seit Kaiser Justinian I. (Reg. 527-565) als Patriarchen bezeichnet und amtierten in Antiochia, Jerusalem, Alexandria, Konstantinopel und Rom. Papst Leo I. der Große (Reg. 440-461) trat als Erster für das Primat des Patriarchats Rom ein und bezeichnete sich als Stellvertreter Petri. Auf dem Konzil von Chalkedon 451 wurde dem Patriarchen von Konstantinopel allerdings ebenfalls ein Primat zuerkannt. Im Abendland war jedenfalls der Papst der mächtigste Kirchenfürst.

    Als die Langobarden in Italien einfielen, rief Papst Stephan II. den fränkischen König Pippin zu Hilfe. In zwei Feldzügen besiegte Pippin 754 bzw. 756 die Langobarden und übergab ein Gebiet in Mittelitalien, welches der Frankenkönig den Germanen abgenommen hatte, Stephan. Dieses Gebiet wurde zur Grundlage des Kirchenstaates. 781/787 bestätigte Pippins Sohn und Nachfolger Karl der Große die „Pippinsche Schenkung“ und wurde am 25. Dezember 800 von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt. Seitdem war es dem Papst vorbehalten, den römischen Kaiser zu krönen.

    Im 11. Jahrhundert kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Papst einerseits und den Kaisern andererseits. Im Jahre 1054 kam es zur Großen Kirchenspaltung, welcher auch als „Morgenländisches Schisma“ bezeichnet wird, als päpstliche Legaten und der Patriarch von Konstantinopel, der Hauptstadt des Byzantinischen Kaisers, sich gegenseitig exkommunizierten; seitdem bestehen die Römisch-Katholische und die Griechisch-Orthodoxe Kirche neben vielen anderen Gruppierungen, Sekten und Kirchen. Doch gab es auch im Abendland Streitigkeiten und zwar zwischen Papst Gregor VII. und dem deutschen König Heinrich IV. (ab 1084 Kaiser), die sich in der Frage der Investitur (der Bischofseinsetzung) uneinig waren. Die Exkommunikation Heinrichs durch Gregor 1076 führte zu einem Krieg, der als Investiturstreit bezeichnet wird. Der Krieg wurde erst 1122 beendet, als Heinrichs gleichnamiger Sohn und Nachfolger und Papst Kalixt II. das Wormser Konkordat schlossen, welcher dem Papst das Recht der Investitur zugestand; der Kaiser fiel im Fall der Uneinigkeit das Entscheidungsrecht zu.

    Im 12. und 13. Jahrhundert kam es allerdings zu weiteren Kriegen zwischen Päpsten und Kaisern. Waren die Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Heinrich VI. noch erfolgreich, begann nach dem Tod des Letzteren 1197 in Deutschland eine Zeit des Chaos. Im Jahr darauf wurde Innozenz III. Papst, der sich in die Angelegenheiten einmischte und dafür sorgte, dass Heinrichs Sohn Friedrich II. König wurde. Unter Innozenz erreichte das Papsttum seine größte Machtentfaltung; er war der Erste, der sich als Stellvertreter Christi bezeichnete. Nach seinem Tod 1216 brach wieder ein Krieg zwischen den Päpsten und Friedrichs Familie der Staufer aus, welcher mit der regelrechten Ausrottung der Letzteren endete.

    In Italien und Deutschland kam es danach wieder zu politischen Wirren, weswegen Papst Klemens V. im Jahre 1309 nach Avignon in Frankreich übersiedelte; den Standort hatte er deswegen ausgewählt, weil er Philipp IV. dem Schönen, dem König von Frankreich, sein Pontifikat verdankt. Dort befand Klemens voll und ganz in Abhängigkeit Philipps, der die Situation ausnutzte, um Kirchenämter mit Franzosen zu besetzen und den mächtigen Ritterorden der Templer 1312 auszurotten. Die Päpste blieben bis 1377 im Exil in Avignon; dann übersiedelte Papst Gregor XI. zurück nach Rom, wo er im Jahr darauf starb. Nachfolger wurde Urban VI., der nach wenigen Monaten jedoch wieder abgesetzt und durch Klemens VII. ersetzt wurde. Urban anerkannte ihn nicht und exkommunizierte ihn und seine Anhänger. Klemens kehrte daraufhin wieder nach Avignon zurück; die Folge war das Abendländische Schisma. Ein Konzil im Jahre 1409 in Pisa sollte das Schisma beenden, indem beide Päpste abgesetzt und ein dritter gewählt wurden. Das Konstanzer Konzil (1414-1418) löste schließlich das Problem: alle drei Päpste wurden abgesetzt und Martin V. in Rom zum neuen gewählt, welcher auch allgemein anerkannt wurde.

    Das Abendländische Schisma verstärkte den Ruf nach Reformen innerhalb der Kirche. Im 16. Jahrhundert unternahmen mehrere Kirchenmänner Versuche, sie zu reformieren, darunter Erasmus von Rotterdam, Ulrich Zwingli, Johannes Calvin und Martin Luther. Ihre Bemühungen fanden bei Kaiser und Papst nicht besonders viel Unzestützung; die Folgen waren mehrere Glaubenskriege, die zu einer weiteren Spaltung der Kirche in die Römisch-Katholische und die Protestantische führte, obwohl niemand die Spaltung wollte. Schließlich kam es doch dazu und deswegen ist das Christentum heute geteilt in zahlreiche Richtungen: neben den Katholiken, Orthodoxen und Protestanten (wobei diese drei untereinander auch noch gespalten sind) gibt es z. B. die Kopten, die Quäker, die Methodisten oder die Äthiopische Kirche. Außerdem gab es früher noch andere wie die Nestorianer, die Arianer oder die Monothelitisten.

    Literatur:

    Ehlers, Müller, Schneidmüller, „Die französischen Könige des Mittelalters“ (1996)
    Manfred Höfer, „Die Kaiser und Könige der Deutschen“ (1994)
    John Julius Nowich, „Byzanz“ (2000)
    Volker Reinhardt, „Die großen Familien Italiens“ (1992)
    Vera Schauber, Hans Michael Schindler, „Die Heiligen“ (1985)
    Hermann Schreiber, „Geschichte der Päpste“ (1995)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Februar 2005
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