Erster Weltkrieg: Beziehung Österreich-Ungarns und Serbiens

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Schoko-Keks, 9. März 2011.

Schlagworte:
  1. Schoko-Keks

    Schoko-Keks Neues Mitglied


    Hallo.


    Ich habe eine Frage zum ersten Weltkrieg:

    Wieso war Serbien so sauer, als ÖsterreichUngarn Bosnien und Herzegowina annektierten?


    Hoffe auf schnelle Hilfe, lg
     
  2. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Bosnische Annexionskrise

    Daraus zitiert:
     
  3. Turgot

    Turgot Neues Mitglied


    Die Einverleibung Bosniens und der Herzegowina geschah vor dem Ersten Weltkreig, nämlich im Jahre 1908.

    Österreich-Ungarns wollte auf der einen Seite sicher den serbischen Drang nach Expansion durchkreuzen und auf der anderen Seite den Jungtürken und damit eine Restauration der türkischen Herrschaft auf dem Balkan zuvorkommen. (1) Die Jungtürken hatten nämlich im gesamten osmanischen reich Parlamentswahlen ausgeschrieben. Serbien war in der Vergangenheit gegenüber Österreich-Ungarn durchaus positiv gegenüber eingestellt, doch ds hat sich mit der Beseitigung der Dynastie Obrenovic`geändert. Die Dynastie Karadjordgovic`orientierte sich an Russland und steuerte damit latent auch einen Antiösterreichischen Kurs.(2)

    Die Serben jedenfalls fühlten sich durch die Annektion prvoziert und verlangten entsprechend Kompensation und wurden dabei von den Russen unterstützt.

    (1) Neitzel, Kriegsausbruch, S.96ff

    (2) Röhl, Wilhelm II. Der Weg in dem Abgrund, S. 745
     
  4. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Interessant ist, das Reichskanzler Bülow es für richtig und wichtig erachtete, Aehrenthal zu Beginn der Krise nicht zu ermöglichen sich mit Petersburg namentlich mit Iswolsky zu einigen. Aus seiner Sicht alt es dies zu verhindern. Zu jener Zeit hat Kiderlen mit Bülow die Fäden im AA gezogen. Auch das die Abmachungen von Buchlau ggf. der Weltöffentlichkeit prässentiert werden können um Iswolsky "auf Kurs zu bringen" geht auf eine Idee von Kiderlen zurück und nicht auf die von Aehrenthal. Das wird bis heute fast immer vollkommen falsch in der Geschichtsschreibung dargestellt!!

    Ein gewisser Graf von Berchthold, in der Julikrise 14 der verantwortliche Minister für die auswärtige Politik Österreich-Ungarns, Botschafter der k.u.k. Monarchie in Petersburg machte von dieser Idee Gebrauch. Iswolsky verschlug es die Sprache. Die Grundlage für die spätere deutsche Erpressung war gelegt und für die dauerhafte russische Feindseligkeit auch. Aber das ist auch wichtig: Berlin war sich sicher, das es nicht zum Kriege käme, da die russischen Rüstungen längst noch nicht abgeschlossen waren. Es wurde schlicht eine sehr harte Sprache gewählt, aber von einem Kriegswillen würde ich hier noch nicht sprechen wollen.

    Besuche des Zaren in Berlin, die durchaus in einer freundlichen Atmosshäre verliefen, konnten an diesem gravierenden Umstand aber nicht das geringste ändern. Überhaupt war 1908/09 in einem gewissem Sinne eine Blaupause für den Juli 1914, denn auch hier gab Wilhelm II. den Österreichern einen Blankoscheck in die Hand.
     
  5. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Die ganze Angelegenheit ist für Iswolsky äußerst unglücklich gelaufen. Aehrenthal hatte sich, bevor er mit Iswolsky die Vereinbarung, Meerengendurchfahrt gegen Annexion Bosniens abschloß, bei den Bündnispartnern ein entsprechendes grundsätzliches Einverständnis eingeholt. Dies hatte Iswolsky leichtfertig unterlassen. Als er dann bei Grey anklopfte, wies dieser das Ansinnen, moderat im Ton, aber bestimmt in der Sache, zurück. Grey machte geltend, dann müsse diese für alle Mächte gelten. Iswolsky war bereit die Sache wieder auf Eis zu legen.

    Nun wollte er natürlich nichts mehr von der Vereinbarung mit Aehrenthal wissen; verständlich, denn das wäre und wurde ja eine Blamage für ihm.

    In Deutschland war man aber auch nicht gerade begeistert von Aehrenthals Vorgehen. Bülow ließ den Kaiser wissen, das er von dieser Aktion überrascht worden sei. (1)

    Auf der anderen Seite meinte Bülow, wieder einmal eine Chance zu sehen, die Mächtekonstellation zu Gunsten des Deutschen Reiches zu verändern.

    "Wenn wir uns fest neben österreich-Ungarn stellen, würden wir Falle eines großen europäischen Krieges mit guten Chancen fechten." Doch zum Krieg werde es nicht kommen, die Entente vielmehr einen diplomatischen Echec zum Vorteile Deutschlands erleiden. Der feste deutsch-österreichische Block, könne zur Abkühlung zwischen Rußland und den Westmächten beitragen; Italien werde wieder näher an uns heranrücken; die Bande zwischen uns und Österreich würden innerlich gestärkt; Frankreich und England uns gegenüber vorsichtiger werden und endlich Rußland werde sich davon überzeugen lassen, dass es besser wäre unser Freund als unser Gegner zu sein. Gerade die Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen sähe ich als nächste Folge einer solchen erfolgreich durchgeführten Aktion voraus. So Bülow in seinen Aufzeichnungen.(2)

    Bülow hatte sich bekanntermaßen gründlich verkalkuliert, in der Sache war Bosnien nur Mittel zum Zwecke. Die Einkreisungsängste waren im Deutschen Reich sehr real und wurden von den anderen Mächten einfach nicht hinreichend in Rechnung gestellt bzw. schlicht ignoriert aufgrund eigener übergeordneter Interessen. Ganz offenkundig war man sich nicht darüber klar, wo das längerfristig hinführen konnte.


    (1)BA Koblenz, NL Bülow, Nr.1016, Nr.34 Denkschrift Bülows über die Novemberereignisse 1908

    (2) Canis, Weg in den Abgrund, S.294
     
  6. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Im August 1909 führte Aehrenthal gegenüber dem Historiker Heinrich Friedjung aus, "auch wenn es nicht gelungen sei Frankreich aus der Entente herauszubrechen," meinte der Außenminister doch, "dem Zweibund wieder erhöhte Geltung verschafft zu haben."

    Ein Nebenzweck war also, zumindest gemäß dieser Quelle, die Entente Cordiale aufzulösen. das war mir noch nicht bekannt.

    Was Aehrenthal in seiner Bewertung wohl übersieht, ist, das die Beziehungen zum Zarenreich schwer beschädigt waren und man in Petersburg sich bei passender Gelegenheit und entsprechenden Rüstungsstand revanchieren würde. Italien war sicher alles andere als begeistert. In London hat das Prestige Wiens erheblich gelitten.
    Serbien gehörte noch mehr als bisher zu den unversöhnlichen Nachbarn.

    In Wien hatte man nichts anderes als ein Pyrrhussieg errungen, denn die außenpolitische Manövrierfähigkeit tendierte nunmehr gegen null und das wußte man auch am Ballhausplatz nur zu gut.

    Friedjung: Geschichte in Gesprächen Band 2, S.230
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Mai 2016
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