Erziehung im 19.Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Gast399, 9. November 2007.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Wenn man bedenkt: Erst in den 60er Jahren wurde den Lehrern das Züchtigungsrecht genommen, davor: Rohrstock (Bambus). Wisst ihr, wie der Pandabär heißt? Eisenfresser(!), weil Bambus so hart ist.
    Seit wann es den Eltern verboten ist ihre Kinder zu schlagen - häufig genug wird's wohl noch vorkommen, weiß ich gar nicht.
     
  2. Franziska P.

    Franziska P. Neues Mitglied

    Vielen, vielen Dank Lili und auch allen anderen!!!

    Hat mir sehr geholfen!:)
    lg Franziska
     
  3. Lili

    Lili Neues Mitglied


    Wunderts dich wenn ich dir sage, dass Bayern da mal wieder aus der Reihe tanzt... Bei uns noch bis 1980.

    Seit 2000, noch gar nicht mal so lang.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Rohrstöcke wurden/ werden aus Rattan, nicht aus Bambus gefertigt. Bambus ist zu gefährlich, weil es splittert und wenig flexibel ist. Im alten China wurden allerdings Delinquenten mit Bambusstöcken geschlagen, die halbiert sehr scharfe Kanten haben, die entsprechende Schnittwunden verursachten.
     
  5. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Das Züchtigungsverbot kam schon spät genug, aber was heute so stattfindet, ist häufig auch nicht besser. Ich habe zwei schulpflichtige Kinder und sehe, welcher subtilen, auf psychischer Ebene stattfindenden "Gewalt" Kinder heute häufig ausgesetzt sind und glaube mir - die verkraften Kinder noch weitaus schlechter als Schläge.

    Sorry für dieses OT

    LG KeineAhnung
     
  6. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Dem kann ich nur zustimmen. Statt der körperlichen Züchtigung werden verbale Entgleisungen der Lehrer häufiger, oft genug beginnt das Mobbing in der Schule unter den Kids damit, dass ein Lehrer einen bestimmten Schüler härter behandelt als seine Klassenkameraden. Ob da nicht die frühere Watschn manchmal besser wäre... ich weiß es nicht.
     
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  7. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Definitiv nicht. Körperverletzung bleibt Körperverletzung und zum Glück hat sich die Gesellschaft in dieser Hinsicht geändert. Was aber fehlt ist eine weitere Sensibilisierung gegenüber Gewalt in all ihren Ausprägungen, eben auch der nicht-physischen Gewalt.

    LG
    KeineAhnung
     
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Bambusrohrstöcke gab es durchaus auch, sogar mit längerer "Tradition" als Rattan, das gibts als Rohrstock erst seit dem 19. Jahrhundert. Ganz so ungefährlich ist Rattan im übrigen auch nicht, durch das flexible Material kann man nämlich fester zuschlagen, ohne dass der Stock kaputt geht, zudem sorgt Rattan durch die Leichtigkeit des Materials und die Flexibilität für rote Striemen (wie bei Peitschen konnten bei entsprechender Gewaltanwendung sogar Hautteile herausgelöst werden), die ggf. sogar aufplatzen können und zu schweren Entzündungen führen können. Neben diesen Importmaterialien, waren aber insbesondere Schilf, sowie Weiden- und Birkenruten verbreitet (deren Anwendung aber auch nicht gesünder waren).
     
  9. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Welche Methoden zur Züchtigung der Schüler wurden in Schulen denn so üblicherweise angewandt?
    Mir fallen Hosenspanner (Rohrstock auf das Hinterteil), Datzen (Rohrstock auf die Fingerspitzen), Karzer (Einsperren in der Treppenkammer) und Kopfnüsse ein.

    Hermann Hesse beschreibt Lateinschullehrer, die den Schülern mit eisernen Hausschlüsseln auf den Kopf gehauen hätten.
    Kurz nach dem II. WK gab es wohl auch einzelne Lehrer, die es für pädagogisch besonders sinnvoll hielten, den Kindern die Knöpfe an den Hemden abzudrehen und einzubehalten. Diese Kinder bekamen dann Zuhause größte Probleme, weil neue Knöpfe teuer und rar waren.
    Das sind zwar wohl eher Einzelbeispiele aber mich würde schon interessieren, welcher Methoden sich die Lehrer damals noch so bedienten.

    Hintergrund: Ich habe sehr häufig Schülergruppen bei meinen Führungen und das ist dann schon immer ein Thema, bei dem sie aufmerken. Ich finde es auch gar nicht so verkehrt, den Jugendlichen mal aufzuzeigen, was sich geändert hat und wie wenig selbstverständlich manches in Wirklichkeit ist.

    Liebe Grüße
    KeineAhnung
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wie es braven Lehrern ohne Rute oder Rohrstock, nur mit dem Zeigefinger ergehen würde, zeigt Wilhelm Busch: Lehrer Lämpel.

    Dem Bockelmannwar war dies gewahr
    er fasste härter seine Schar ;)

    "Flugs hervor aus seinem Kleide,
    Wie den Säbel aus der Scheide,
    Zieht er seine harte, gute,
    Schlanke, schwanke Haselrute,
    Faßt mit kund`ger Hand im Nacken
    Paul und Peter bei den Jacken
    Und verklopft sie so vereint,
    Bis es ihm genügend scheint."

    Datei:Busch Werke v3 p 502.jpg ? Wikipedia
     
  11. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Eckestehen hast du vergessen. Karzer gab es aber nur auf weiterführenden Schulen und auf Universitäten (Karzer ? Wikipedia). Was die Schläge betrifft gibt es auch dort noch einige feine Unterschiede. Hosenspanner mit oder ohne Hose, oder Datzen auf die Finger oder die Hand selbst sowie Handrücken oder Handfläche. Meine Mutter hat es in einem Schulmuseum mal geschafft sich mit einem Rattanstock unfreiwillig selbst auf die Handfläche zu schlagen. Sie hatte fast drei Wochen lang einen aufgeplatzten roten Striemen, der bei jeder Bewegung der Hand ordentlich weh getan hat. Die klassischen Watschn, an den Ohren oder an den Haaren ziehen, in katholischen Gegenden noch das Holzscheitknien (dabei kniet der Delinquent auf einem stinkenormalen Holzscheit, also kein Brett, sondern dieses durchaus kantige Ding), in aller Regel parallel zu einer Gebetsstrafe. Schau doch mal, ob es in deiner Nähe nicht ein Schulmuseum gibt, da bekommst du entsprechende Infos.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wenn ich da noch aus eigener Erfahrung ergänzen darf: ich mußte in der Grundschule nicht nur neben die Tafel, sondern häufiger vor die Tür, wegen Stören des Unterrichts. Die Lehrerin war allerdings nmE recht nett, und sah mir auch offensichtliche Fälschung der Unterschriften unter Hefteinträgen nach. =)
     
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  13. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Mein erster Musiklehrer warf manchmal mit dem Schlüsselbund nach dem "Übeltäter" (ganz altes Semester, stand kurz vor der Rente), mein Mathelehrer (selber Jahrgang) verwendete mit Vorliebe die Tafelkreide als Wurfgeschoss...


    Danach gabs dann eher die langweiligen Sachen... Aufsätze usw.
     
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  14. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Und meiner hatte eine enorm feuchte Aussprache (aus gleichen Gründen, wie silesias Zimmerverweise war bei ihm die beliebteste Strafe direkt vorm Pult sitzen zu müssen). Die Gelegenheit habe ich mal zum Einkreisen seiner Spucke auf der Tischplatte genutzt. Als es ihm auffiel kam ernsthaft der Zeigestab auf die Tischplatte gedonnert :nono: (und ein Verweis wegen "Vandalismus" kam noch hinter, aber meine Eltern haben Humor, der Anpfiff hielt sich in Grenzen)
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. November 2010
  15. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Super! :lol:

    Ich musste in der 1. Klasse auch mal vor die Tür, weil ich im Unterricht vor Langeweile mein Pausenbrot ausgepackt hatte. Die Bestrafung fand ich schon seeeehr schlimm, vor allem weil ich mein Pausenbrot NICHT mitnehmen durfte. ::rofl:
    Das habe ich der Lehrerin bis zum Ende der Grundschule nicht verzeihen können...
     
  16. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Neben den hier bereits genannten Strafen, gab es bei uns noch das "an dem Ohr aus der Bank ziehen", insbesondere beim Schwatzen und als "Kollektivstrafe" gesamte Klasse hatte Unterricht im stehen.

    M.
     
  17. Franziska P.

    Franziska P. Neues Mitglied

    Hallo. Das hat sicher weh getan und auch genervt. Zum Glück gibt es das heute nicht mehr. :)

    Lg Franziska
     
  18. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Franziska P.

    Das physische war nicht das Schlimme, sondern ab einem gewissen Alter, das Gefühl der Erniedrigung.

    M.
     
  19. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Kollekivstrafe - immer wieder gern genommen :S
    Da macht man sich natürlich seehr beliebt in der Klasse! :still:
    LG KeineAhnung
     
  20. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Mein Vater hat mir mal erzählt, dass er, als er in der Abschlussklasse war, von seinem Englischlehrer ne Watschn bekommen hat (damals war das noch üblich).

    Er war allerdings der Ansicht, dass diese unfair war und hat direkt zurückgehauen. Er bekam zwar einen Verweis dafür in schriftlicher Form, aber seither hat ihn dann kein Lehrer mehr angefasst :D :yes:

    Ich könnte mir vorstellen, er war ab dem Zeitpunkt der Held der Klasse :D
     

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