Exzesse des Adels?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von Nergal, 31. Januar 2016.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied


    Beim Lesen des Artikels zu Elisabeth Bathory auf Wikipedia bin ich auf folgenden Abschnitt gestoßen:
    Was kann man daraus schließen?
    Konnte der Hochadel sich damals solche "Ausschweifungen" und Verbrechen am "Gemeinen" Volk erlauben ohne mit einer Strafe rechnen zu müßen?

    Kann man sagen das Bathory davon gekommen wäre wenn sie sich nur mit dem Ermorden von Bauernmädchen begüngt hätte?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was mich schon irgendwie stutzig macht, ist, dass der Artikel an sich gut mit Fußnoten und/oder der Nennung von Gewährsleuten belegt ist, ausgerechnet der hier zitierte Abschnitt aber so gar nicht.
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    Ein Fall umfangreicher Verbrechen, begangen durch Gilles de Rais, ist für das Mittelalter in Frankreich relativ gut dokumentiert. Es zeigte, dass der Hochadel bis zu einem gewissen Punkt, unter gewissen Umständen, sich bei Morden in einem rechtsfreien Raum bewegte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_de_Rais

    Durch Reliquet beschrieben:

    https://books.google.de/books?id=iudljgEACAAJ&dq=inauthor:%22Philippe+Reliquet%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwidp6ThzNTKAhVH7w4KHZSMAhwQ6AEILDAA
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Januar 2016
  4. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Hallo zusammen,

    zunächst einmal unterlagen Adlige und Hochadlige in der ständischen Gesellschaftsordnung anderer Gerichtsbarkeit als ihre Untertanen, für die sie selber die Richter waren. Dennoch gab es kodifiziertes Recht und/oder Gewohnheitsrecht.

    Adlige konnten sich -- begrenzt -- auch aufgrund ihrer sozialen Stellung und politischen Macht, gewissermaßen mehr erlauben. Ob sie allerdings deswegen besondere "Exzesse" in der Breite pflegten, bleibt fraglich.

    Auch Báthory und de Rais wurden schwer bestraft, sie starb in Haft, er wurde hingerichtet. Zu Báthory müsste man schauen, wie das zeitgenössische Recht aussah beim willkürlichen Töten von Leibeigenen, dann könnte man Deine Frage, Nergal, etwas substantiierter beantworten.

    Straffrei war die Misshandlung von Leibeigenen aber wohl auch in Ungarn (zumindest theoretisch) nicht.

    Grüße
    Peterchen
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Generell hatten die Adligen ja auch einen Lehensherrn und selbst Könige, die es mit der Grausamkeit oder ähnlichem übertrieben, fielen bisweilen einer Art Tyrannenmord zum Opfer. Allerdings muss man unterm Strich schon sagen, dass sich oftmals just Hochadlige mehr Freiheiten herausnehmen konnten, als andere Menschen ehe sie zur Rechenschaft gezogen wurden. Das ist allerdings stets in der Frühen Neuzeit so, dass es bei gleicher Gesetzgebung leider Menschen gab die eher Recht bekamen als andere. Geschlecht und gesellschaftlicher Stand waren da schon sehr wichtige Faktoren.
     
  6. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Gilles de Rais wurde dreier Vergehen angeklagt:
    Der Mißachtung der bestehenden Ordnung.
    Pakt mit dem Teufel.
    Widernatürlichen Handlungen der Sodomie.

    Gilles de Rais hat sich mit Alchimie beschäftigt und suchte den Stein der Weisen. Er empört sich über diese Anklage was zu seiner Exkommunikation führt. Er gesteht um die Aufhebung zu erreichen. Dies wird gewährt.
    Er und zwei seiner Diener werden wegen 140 Morden „oder mehr“ zum Tode durch Erhängen und anschließendem Verbrennen verurteilt. Man gewährt Gilles de Rais, daß sein Leichnam nicht vollständig verbrannt und bestattet wird.
    Man zieht seinen Leichnam von den brennenden Leichen aus dem Scheiterhaufen bevor er vollkommen verbrannt ist.
    Als Hauptverantwortlicher genießt er gegenüber seinen Dienern also eine besondere Behandlung.

    Auch die Gräfin Báthory ist als Hauptverantwortliche besser gestellt als ihre Bediensteten und Mitangeklagten. Verschiedene Zeugen berichten von 36, 37, 100 oder 200 Mordopfern. Ein Zeuge berichtet dem Tribunal von einem von Báthory selbst geführten Heft mit ganzen 650 Opfern.
    Báthory, eine geborene Calvinistin, wurde nicht einmal im Prozeß gehört. Dorothea und Helena wurden die Finger abgerissen und beide lebendig verbrannt. Johannes wurde geköpft und die Leiche verbrannt.

    Báthory selbst wurde 1611 in ihrem Schloß mit einer kleinen Essensdurchreiche eingemauert. Elizabeth Bathory starb am 21. August nach vier Jahren Haft in ihrer Zelle und wurde am 25. November in der Kirche zu Čachtice beigesetzt.
     
  7. J-M-K

    J-M-K Neues Mitglied

    Hallo liebe Geschichtsfreunde,
    ich hab mich vor einiger Zeit intensiv mit dem Habsburger Bruderzwist beschäftigt, der ja genau in die Zeit von Bathory fällt.
    Unter Kaiser Rudolf scheint es in Ungarn ziemlich drunter und drüber gegangen zu sein. Wichtige Ämter waren an Ortsfremde Ausländer vergeben worden, die Position des Palatin war, meine ich, für mehr als vierzig Jahre nicht besetzt. Kaiser Rudolf, König Ungarns, glänzte durch Abwesenheit. (Er hat das Land nie besucht) Zu dem die Wirren des Türkenkrieges. Feldherren die sich als Landesherren aufspielen und das Land ausnehmen. (Beispiel: Georgio Basta)
    Wenn Adelige hemmungslos morden konnten, dann zu dieser Zeit in Ungarn. Ich nehme an das es im Land keine Rechtsprechung oberhalb der Landesherren gab die noch funktionierte oder nicht käuflich gewesen währe. Selbst der Kaiserhof in Prag war korrupt. (Bsp.: Phillip Lang)
    Ich wage einmal zu behaupten dass Bathory nur angeklagt wurde weil sie in Ungnade gefallen ist, oder weil Turzo es auf ihre Ländereien abgesehen hatte.
    um so etwas sicher beurteilen zu könne, müsste ich mich noch mehr mit der Person der E. Barthory beschäftigen. Die Familiennamen Bathory und Nadasdy begegnen einem bei den Ungarischen Aufständen auf jeden Fall immer wieder, nur weiß ich jetzt nicht auf welcher Seite sie Agierten.
     
    1 Person gefällt das.
  8. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Das seh ich ähnlich-Es deutet vieles auf einen politisch motivierten Prozess hin, bei dem die Mordgeschichten untergeschoben wurden
    Die Bathory waren in Ungarn durchaus ernsthafte Konkurrenten der Habsburgerund durch den Prozess gelang die Entmachtung, Enteignung und Diskreditierung der Familie gleichermassen. Stichhaltige Beweise wurden eigentlich im Prozess nie vorgelegt-dee Beweisführung beruhte mehr oder weniger auf erpressten und erfolterten Geständnissen derBediensteten und die Aussagen von Turzo und seiner Entourage, die ja Vollstrecker und Nutznießer in dieser Sache waren.-erinnert stark an das Vorgehen und die "Wahrheitsfindung" der französischen Krone in den Templerprozessen.
    Auch bei Gilles de Rais gibt es zahlreichen Prozessunregelmäßigkeiten und die Tatsache, dass seine angeblichen Mittäter,darunter der Nekromant Francesco Prelati und andere ungestraft davonkamen. . Dazu kam das finanzielle Interesse Herzog Johanns VI. an seinem Ruin, Anlass seiner Verhaftung waren auch nicht die später kolportierten Morde sondern dass er die Immunität des Klerus verletzt hatte und daher mit der Kirche in Konflikt geriet. Er hatte Saint Étienne de Malemort an Geffroi le Ferron, den Schatzmeister des Herzogs Johann VI., verkauft. Aufgrund einer Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Übergabe des Eigentums an Geffrois Bruder Jean le Ferron, der Priester war, lies er letzteren in der Messe überfallen und gefangennehmen
    Daher bleiben auch hier gewisse Zweifel und der Verdacht eines politisch motivierten Prozesses ,bei dem die angeblichen Untaten nur vorgeschoben worden sein könnten,
     
    1 Person gefällt das.

Diese Seite empfehlen