Fenster von Fachwerkhäusern

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Nergal, 14. Mai 2017.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied


    Eine Frage für mein Modellbauprojekt:
    Hatten die Fachwerkhäuser im Mittelalter Fenster die sich in einer hellen Farbe vom dunklen hölzernen Fachwerk abhoben, oder war Alles mehr oder weniger im Selben Farbton gehalten?
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Schau Dir entsprechendes Bildmaterial an. Es wird vermutlich regionale Unterschiede gegeben haben, aber grundsätzlich gab es damals kaum Farben die im Aussenbereich haltbar oder gar verwendbar waren.
     

    Anhänge:

  3. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied


    Die Quellenlage ist extrem schwierig.

    Peter Bruegel ist eigentlich schon ein Renaissance-Maler, also knapp am Mittelalter vorbei. Immerhin liegt es nahe, dass Bruegel Fachwerkhäuser gesehen hat, die im Mittelalter gebaut worden sind. Die original-mittelalterliche Außenbemalung wird aber seinerzeit längst nicht mehr erhalten sein.
    Holz im Außenbereich muss alle paar Jahre neu gestrichen werden - zumal moderne Acrylfarbe etc. nicht zur Verfügung stand.

    Fachwerkhäuser, die man heute in den Altstädten noch betrachten, stammen meistens nicht aus dem Mittelaltern, sondern stammen häufig aus dem 18. oder 19. Jahrhundert.
     
  4. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Die charakteristische rötliche und ziemlich wetterfeste Farbe erhielt das Fachwerk aus einer Mischung von Leinöl und Tonerde.
     
  5. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Zu bedenken wäre, dass es Fachwerkbauten (abgesehen von der Antike) ausschließlich ab dem Spätmittelalter gab. Und Fensterglas war nicht mal im Spätmittelalter selbstverständlich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Mai 2017
  6. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Es gibt Buchillustrationen bei Duc de Berry (14. Jahrhundert) und bei Brevarium Grimani. Bilder auch bei Pinterest (man muss sich da kostenlos registrieren) unter dem Titel "[FONT=&quot]Erkunde Mittelalter, Glas und noch mehr!": [/FONT][FONT=&quot]https://www.pinterest.com/pin/402720391657823529/[/FONT]
     
  7. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Nun, Umgangssprachlich würde sicher auch ein Pfostenhaus als Fachwerk bezeichnet und es gab auch unterschiedliche Definitionen. Die Ständerbauten des Hochmittelalters fallen jedoch schon ganz klar unter den standartsprachlichen Begriff Fachwerk.

    Charakteristisch 'rötlich' stimmt so nicht. Die Rezeptur und Farbe war regional unterschiedlich. Es gab vor allem auch schwarz, braun und grau. Dazu gab es so einigen Aberglauben. Weihwasser und Kräuter aus dem geweihten Kraurbund waren noch die gewöhnlicheren Zutaten.

    Abgesehen von diesen Färbungen, die durchaus eine Generation halten konnten, was bis zur Einführung von Steinfundamenten ja auch die durchschnittliche Lebensdauer eines Hauses war, sind schon für das Frühmittelalter farbig gemalte Verzierungen nachgewiesen.

    Ich kann allerdings auch nicht sagen, ob Türen und Fenster schon im Mittelalter im typischen grün oder blau oder rotbraun gehalten waren. Rotbraun nahm man in einigen Regionen nur für ärmere Bauten oder Ställe. In einigen Städten gab es das für unehrliche Berufe. Mitunter war es auch nach Meierqualität unterschiedlich. Da diese Unterscheidungen doch sehr nach früher Neuzeit klingen, mag man für das Mittelalter vielleicht an ein Rotbraun denken. Es gab aber auch andere Unterscheidungen. Hier kam es auch auf die Machart der Tür an. Generell waren nur die Deelentür ("Nuindür") und die Tür beim Fleet, aus dem die Pferde der Erntewagen hinausgeführt werden konnten grün. Die Seitentüren zu Ställen und Wirtschaftspädagogik, wenn es sie gab rotbraun. Wenn aber, z.B. als Provisorium, eine vereinfachte Tür eingesetzt wurde, nahm man rotbraun. Daher ist die obige Vermutung nicht ganz überzeugend. Gedanken zum Status der Tür selbst passen durchaus schon ins Mittelalter. Vielleicht hängt es auch mit dem Brauchtum um die beiden 'Haupttüren' zusammen. (Und wie es bei Hausformen außerhalb Westfalens mit der Bedeutung der Türen selbst bestellt war, kann ich nicht sagen.)

    Erwähnt wird in den Quellen ausdrücklich, dass es Verzierungen gab. Schnitzereien wurden selbst an den Nägeln gefunden. Abgesehen von Rähmteilen von den Kirchen aus Hörning in Dänemark und Humtrup, Kreis Nordfriesland, sind nur ganz geringe Farbreste nachgewiesen.

    Der von Mashenka erwähnte Tonanteil legt eine Tradition seit dem Pfostenhaus nahe, da die unterirdischen Teile der Pfosten mitunter durch eine Schicht Lehm oder Ton geschützt wurden.

    Ob also das Holz von Türen und Fenstern anders behandelt wurde als das der Pfosten (in den Boden eingelassen) und Ständer (nicht in den Boden eingetieft), kann nur vermutet werden und die Grundlagen für eine Vermutung sind nicht gerade ausreichend. Ich habe versucht ein paar zu berücksichtigende Aspekte anzusprechen, aber da ich nicht so in dem Thema stehe, erhebt das keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    Ich würde mich eher zurückhalten. Bei einer Rekonstruktion ist ja auch immer möglich, dass Holz zu zeigen. Die Schutzfarbe der fraglichen Region für die Ständer würde ich schon im Mittelalter erwarten. Wenn es ästhetisch passt würde ich dem gegenüber Fenster und Türen farblich einfach als Holz gestalten. Geht es um das Spätmittelalter kann man vielleicht von der späteren Tradition ausgehen. Wenn es der Renaissance und der Region Bilder gibt, ist natürlich ein Anhalt vorhanden. Zu berücksichtigen ist auch der Unterschied Stadt - Land.

    Für die Klärung der Terminologie des Hausbaus in Holz (und für Westfalen) dürfte Angelika Speckmann, Ländlicher Hausbau in Westfalen vom 6./7. Jahrhundert bis zum 12./13. Jahrhundert (=Bodenaltertümer Westfalens 49), Mainz 2010 maßgeblich sein. (S. 48 wird darauf hingewiesen, dass zusammen mit Werkzeugen zum Hausbau auch Pinsel gefunden wurden.)

    Interessant für ein Modell dürfte sein, dass auch der Putz der Fächer farbig sein konnte. (Ich habe irgendwo sogar von Rosa gelesen. Aber ob das durch den Zahn der Zeit oder durch den Willen der Handwerker zustande kam? Gelb-, Grau- und Weißtönd sind jedenfalls durch das Material leicht zu erreichen. Wo kein Lehm zur Verfügung stand, nahm man übrigens Dung.
     
  8. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

  9. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Der Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber kann mir jemand mal sagen, ab wann Fensterglas allgemein zur Verfügung stand, also erschwinglich für durchschnittliche Einkommen?
     
  10. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    1688 wurde erstmals Glas im Walzverfahren hergestellt. Das dürfte die Produktionskosten erheblich gemindert haben. Ab wann das wirklich "für den Durchschnitt" erschwinglich wurde kann ich auch nicht sagen, aber wirklich billig wurde es mWn erst mit der Indstrialisierung.
     
  11. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Was hatte man bei Otto Normal statt Glas verwendet?
     
  12. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Guck mal hier rein, dass scheint mir eine recht glaubwürdige Übersicht zu bieten:

    Geschichte des klimagerechten Bauens: Verglaste Fenster

    EDIT
    Hier hatten wir vor Jahren schon mal einen Thread zum Thema "Glasfenster", wenn auch mehr mit Fokus auf die Antike:

    Cato die Scheiben einwerfen ...?
     
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  13. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    In der Regel wurde geölte Leinwand in die Fensterrahmen gespannt. Durch den Firnis wurde das Gewebe wasserabweisend und lichtdurchlässiger. Der Effekt ist bei einem Fettfleck auf Papier zu sehen . Auch das wird dadurch transparenter. Es gab auch Scheiben aus Unschlitt (Rinder-oder Schafstalg ). Solche Fenster- und Laternenscheiben waren auch lange Zeit auf Schiffen üblich, weil echtes Glas durch die Erschütterungen beim Abschuss der Kanonen schnell zersplitterte.
     
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  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sieht man eigentlich ganz schön an Gebäuderekonstruktionen in Freilichtmuseen. Die Bauernhäuser hatten offenbar in der Renaissance Fensterscheiben für repräsentativere Räume wie die gute Stube, aber eben wie im Mittelalter einfache Fensterläden z.B. im Stallbereich oder auf dem Dachboden, wo es eh nicht so sehr auf die Helligkeit ankam. Die Bauern waren tagsüber auf dem Feld. Gelebt wurde in der Küche oder in der Stube (gab auch den Fall, dass Stuben nur für spezielle Anlässe verwendet wurden und der Rest sich in der Küche oder einer Art Halle abspielte, wo Tiere und Menschen zusammen lebten). Tageslicht war also in vielen Räumen eh unnötig und die Option durch ein zu öffnender Fensterladen scheint genügt zu haben. Das gibt den Häusern auch einen recht wehrhaften Charakter.
    Die Fensterläden waren nach meinem Eindruck oftmals naturfarben auch wenn das Fachwerk (also Streben, Balken etc. aus Holz) farbig war.
     
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