Festlandsachsen

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von vodnik, 7. März 2018.

  1. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied


    Das könnte auch mit einer lokalen Tradition des Giebelschmuckes an Hausdächern zusammenhängen. Ob sich diese Symbolik auf frühmittelalterliche/völkerwanderungszeitliche Sachsen zurückführen lässt, ist sehr fraglich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. März 2018
  2. vodnik

    vodnik Mitglied

    ...an Giebelschmuck habe ich gar nicht gedacht, eher an Pferde. An Heraldik auch nicht, die ist noch zu lung für Altsachsen. Da müsste ja Mähren in Tschechien irgendwie zu Kroatien gehören oder umgekehrt...
     
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied


    Exakt genau so geht es mir nach der Lektüre des lesenswerten Buchs von Springer auch! Hierzu ist am Rande anzumerken, dass die Sachsen nicht die einzigen "Völker" sind, deren Entstehung bzw Ethnogenese erst in der Völkerwanderungszeit einsetzte: man denke nur an die Bayern, die gerne als Findelkinder der Völkerwanderungszeit bezeichnet werden.

    Wie Springer überzeugend darstellt, war der spätantike Litus Saxonicus eine aufwändige militärische Massnahme gegen Seeräuber, über deren Herkunft man den Quellen nichts entnehmen kann. Als nachweisliches Ethnonym tauchen Sachsen erst im 4./5.Jh. auf.

    Und laut Springer sind es unzweifelhaft Sachsen, Angeln und Jüten sowie evtl weitere Nordgermanen, die sich in Britannien ansiedelten.
    Man kann halt leider den Quellen nicht entnehmen, ob und wo vorher Sachsen vorhanden waren oder nicht - und genau hier spukt dann viel nationalistisch-germanistische 19. Jh. hinein ((a la da muss es eine Urheimat der Abstammungsgemeinschaft gegeben haben - hierbei ist schon "Abstammungsgemeinschaft" eine Vorstellung des 19. Jhs.)

    Unzweifelhaft sind sprachhistorisch Beowulf und Heliand eng verwandt, unzweifelhaft gibt es altenglische und altsächsische Quellen.
    Diese stammen aus dem Frühmittelalter 8. -10. Jh.

    Man kann eine Herkunft der Sachsen aus den Quellen und aus den archäologischen Funden für die Zeit vor dem 4. Jh. nicht nachweisen - das bedeutet aber nicht, dass es ab dem 4. Jh. keine Sachsen gegeben hätte.

    Nichts anderes teilt der akribisch quellenkritische Springer mit.
     
    Dieter und Sepiola gefällt das.
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die ausführlichste Quelle - die sogenannten Einhardsannalen - beschreibt die Schlacht folgendermaßen:

    "Als er (König Karl) nach Schluß des Reichstags über den Rhein nach Gallien zurückgekehrt war, kam Widukind, der sich zu den Normannen geflüchtet hatte, wieder heim in sein Vaterland und reizte die Sachsen mit eiteln Hoffnungen zum Aufruhr. Unterdessen wurde dem König gemeldet, daß die slavischen Soraben, welche das Land zwischen Elbe und Saale bewohnen, ins Gebiet der ihnen benachbarten Thüringer und Sachsen eingebrochen seien und mehrere Orte mit Raub und Brand verwüstet hätten. Sogleich berief er drei seiner Beamten, den Kämmerer Adalgis, den Marschall Geilo und den Pfalzgrafen Worad und befahl ihnen, mit dem Heerbann der Ostfranken und Sachsen die Vermessenheit der störrischen Slaven möglichst schnell zu bestrafen. Als sie jedoch, um den ihnen erteilten Auftrag auszuführen, in das sächsische Gebiet kamen, hörten sie, daß die Sachsen nach dem Rate Widukinds sich zum Kriege gegen die Franken gerüstet hatten: sie gaben also den Zug gegen die Slaven auf und rückten mit den Ostfranken dahin, wo die Sachsen sich versammelt hatten. Schon auf sächsischem Boden begegnete ihnen der Graf Theoderich, ein Anverwandter des Königs, mit den Truppen, die er bei der Nachricht von dem Abfall der Sachsen in der Eile hatte aus Ribuarien zusammenbringen können. Er gab ihnen den Rat, zuerst, trotz ihrer Eile, durch Kundschafter möglichst rasch in Erfahrung zu bringen, wo die Sachsen seien und was bei ihnen vorgehe, und alsdann, falls die Beschaffenheit des Ortes es zulasse, zu gleicher Zeit sie anzugreifen. Dieser Rat fand Beifall bei ihnen und sie rückten nun mit jenem vereint zum Süntelgebirge, auf dessen Nordseite sich die Sachsen gelagert hatten. Nachdem hier der Graf Theoderich sein Lager aufgeschlagen hatte, setzten sie der Verabredung gemäß, um so den Berg leichter umgehen zu können, über die Weser und lagerten sich am Ufer des Flusses. Wie sie sich nun aber untereinander besprachen, fürchteten sie, die Ehre des Sieges möchte dem Theoderich allein zufallen, wenn er in der Schlacht bei ihnen wäre, und beschlossen ohne ihn mit den Sachsen anzubinden, nahmen also die Waffen zur Hand und rückten, als ob sie es nicht mit einem zur Schlacht geordneten Feinde zu tun, sondern Fliehende zu verfolgen und Beute zu machen hätten, so schnell als jeden sein Roß tragen mochte, dahin vor, wo die Sachsen vor ihrem Lager in Schlachtreihe standen. So übel der Anmarsch, so übel war auch der Kampf selbst; sobald das Treffen begann, wurden sie von den Sachsen umringt und fast bis auf den letzten Mann niedergehauen. Wer sich jedoch retten konnte, floh nicht in das eigene Lager, von dem sie ausgezogen waren, sondern in das Theoderichs, welches über dem Berg drüben lag. Der Verlust der Franken war noch größer, als es der Zahl nach schien. denn die zwei Sendboten Adalgis und Geilo, vier Grafen, und von andern erlauchten und vornehmen Männern an die zwanzig wurden getötet, und die anderen, die ihnen gefolgt waren und lieber mit ihnen sterben, als sie überleben wollten."

    Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte, Erster Teil, neubearbeitet von Reinhold Rau, Darmstadt 1955
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2018
  5. vodnik

    vodnik Mitglied

    ...so etwas kann mir sehr weiterhelfen. Gibt es diesen Text auch in englischer Sprache?..
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2018
  7. vodnik

    vodnik Mitglied

    ...OK, ich werde mich bei den Amis auf diesen Titel berufen, danke...
     

Diese Seite empfehlen