Fragen zu den Ursachen des Ersten Weltkrieges

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Katharinchen, 26. Oktober 2014.

  1. Katharinchen

    Katharinchen Neues Mitglied


    Hallo zusammen!:winke:
    Ich schreibe nächsten Mittwoch meine WPU ll-Arbeit,in meinem Falle ein gesellschaftswissentschaftlicher Kurs,in dem ich auch sehr gut bin,weil mich Geschichte einfach total interessiert.

    Die Kursarbeit wird über
    -den Ersten Weltkrieg (Ursachen, Auslöser,Leben an der (Heimat)front,der Erste Weltkrieg als ''moderner Krieg'',Kriegsphasen)
    -den Anfang der Weimarer Republick (Novemberrevolution,Versailler Vertrag,Dolchstoßlegende,politisches Klima derer --> Aufstände, Putschversuche,politische Spaltung der Gesellschaft) gehen.

    Nun habe ich heute angefangen zu lernen bzw. mir die Sachen nochmal durchzulesen. ;)
    Jetzt habe ich 2 Fragen zu dem Schaubild,dass uns unserer Lehrer am Anfang des Schuljahres an die Tafel zeichnete.Dort schrieb er als Ursachen des Ersten Weltkrieges unteranderem folgendes an:

    -Kriegsmetapher/undiplomatisches Verhalten --> Was ist genau damit gemeint?
    >Ich habe das so aufgefasst,dass mit dem Begriff ''Kriegsmetapher'' gemeint ist,dass die Deutschen siegessicher waren und glaubten den Krieg mit einem schnellen Sieg wie 1870/1871 zu gewinnen (--> Augusterlebnis) und das sich ''undiplomatisches Verhalten'' auf das Verhalten der Großmächte in der Julikrise bezieht. - Ist das richtig? - Könnte mir jemand kurz das Verhalten der Großmächte in der Julikrise bzw. warum der Krieg nicht verhindert werden wollte/konnte?

    -Imperalismus: Streben nach Kolonialbesitz
    -''Platz an der Sonne'' deutsche Großmachtpolitik/Streben nach Weltherrschaft
    >In diesen beiden Punkten verstehe ich den Unterschied nicht so ganz,meines Wissens war doch der Imperalismus das Streben nach der Weltherrschaft und beinhaltete somit das Streben nach Kolonialbesitz,den ''Platz an der Sonne''?! Könnte mir jemand die Unterschiede,falls es welche gibt,genauer erklären und den Begriff Imperalismus kurz definieren?

    P.S.:Ich bin in der 9. Klasse eines Gymnasiums

    Danke im Voraus und Liebe Grüße
    Katharinchen :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Oktober 2014
  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Richtig: der "Imperialismus" ist das "Streben nach Kolonialbesitz"
    (Wolfgang Reinhard - kleine Geschichte des Kolonialismus - Seite 1)
    Mehr ist es erstmal nicht, also auch nicht das "Streben nach der Weltherrschaft".
    Der "Platz an der Sonne" als Bild geht davon aus, dass der Kolonialismus segensreich, ja unverzichtbar, für das eigene nationale Wohlergehen sei.
    Ein Hauptproblem in der betrachteten Zeit besteht darin, dass nun schon fast alles Ferne unter den großen Mächten "verteilt" ist. Damit fallen Expansionsbestrebungen räumlich nahe zurück auf die europäischen Kolonialmächte selbst, und auch auf die Macht (DR), die eine solche werden will.
     
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Kurz ist schwierig, da das Thema recht komplex ist und ohne profunde Kenntnisse der Vorkriegszeit nur schwer zu verstehen ist.

    Ich versuche mich im Folgenden so knapp wir irgend möglich zu fassen.

    Österreich-Ungarn:
    In Wien wollte man den Krieg, nach dem man sich der deutschen Rückendeckung versichert hatte, unbedingt. Dementsprechend wurde das Ultimatum, welches unannehmbar sein sollte, tatsächlich aber annehmbar war, formuliert. An einem europäischen Krieg hatte man dabei aber nicht gedacht. Der Krieg sollte einer kurzer, lokaler gegen Serbien sein. Um die Haltung der Monarchie zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, das man am Ballhausplatz das Vertrauen in das Konzert der Großmächte verloren hatten. Dies hat einen Ursprung in den vorhergegangen Balkankriegen und die für Wien sehr unbefriedigend verlaufenen Botschafterkonferenzen.

    Frankreich:
    Die entscheidende Schlüsselfigur in der Staatsführung Frankreichs war Staatspräsident Poincare. Poincare mochte die Deutschen und Das Deutsche Reich schon gar nicht. Er war durchdrungen von der Überzeugung, das seinem Land, seiner Nation 1870/71 schweres Unrecht zugefügt worden sei. Er übersieht dabei allerdings großzügig, das es Frankreich war, welches im Juli 1870 den Krieg erklärte.
    Poincare war der felsenfesten Meinung, das gegen die Deutschen nur ein sehr festes, ja starkes Autreten letzten Endes zu Erfolg führen würde. Seine Haltung in der Julikrise war durch unbedingte Bündnistreue gegenüber Russland, auch über die Abmachungen der zwischen beiden Ländern vereinbarten Militärkonvention hinaus, gekennzeichnet. Er hatte bei seinem Besuch in Petersburg im Juli 1914 dem russischen Zaren seine unbedingte Unterstützung versichert. Das war übrigens nicht das erste Mal, das Poincare so großzügig war. Mit dieser Haltung und Versicherung gegenüber Russland nahm Poincare das Risiko einen großen europäischen Krieges billigend in Kauf.

    Großbritannien:
    Die britischen Staatsmänner haben das Ausmaß und die Schwere der Krise lange Zeit nicht wirklich realisiert. Als es denn schließlich soweit war, hat sich der Außenminister Grey um eine friedliche Beilegung der Krise bemüht, die einmal an dem Unwillen Russlands und einmal an dem des Deutsche Reiches gescheitert waren. Aber im Ernstfall war die britische Haltung unzweifelhaft und dies hatte auch der deutsche Botschafter in London Lichnowsky so nach Berlin kommuniziert.
    England würde im Ernstfall zu seinen Partnern Frankreich und Russland stehen. Schließlich hatte man mit Frankreich verabredet, das im Kriegsfall die Royal Navy einen Teil der französichen Küste schützen würde. Gegenüber Russland war immer die Angst und Sorge hinsichtlich Persien, Afghanistan und Indien präsent.

    Russland:

    Russland war nicht im Geringsten willens eine Demütigung Serbiens zu akzeptieren geschweige denn zu tolerien. Schließlich hatte man gerade durch die Balkankriege eine ausgezeichnete Stellung auf dem Balkan und die sollte nicht gefährdet werden. Wenn Petersburg es der Doppelmonarchie "gestatten" würde, gegen Serbien militärisch vorzugehen, dann war es um das Prestige der Vormacht der slawischen Völker geschehen. Entsprechend groß war auch der innenpolitische Druck. Auch die angebliche Demütigung von 1908 oder die noch nicht lange zurückliegende Liman von Sanders Krise spielte im Bewußtsein der Russen sicher eine nicht unbeträchtliche Rolle.
    Man war entschlossen nicht zurückzuweichen, obwohl Russland direkt gar nicht betroffen war. Durch die enorm wichtige und in ihrer Bedeutung und Tragweite nicht zu unterschätzende Versicherung der Bündnistreue Frankreichs durch Poincare, begannen die Russen als Erstes im Juli 14 mit der Mobilmachung. Das dies angeblich nur ein Bluff zur Abschreckung Österreich-Ungarns gewesen sein soll, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, denn wie soll der Kommunikationspartner eine Mobilmachung anders verstehen, als das was sie ist. Das wussten auch die Russen. Der russische Außenminister Sasonow war von der Unausweichlichkeit des Kriegs überzeugt und vereint mit dem Militärs gelang es dem Zaren zu überzeugen .Es ging Ende Juli darum, auch die Briten an Bord zu holen.

    Deutsches Reich:
    In Berlin war man reichlich schnell und unbedacht willig auf das Begehren der Österreicher nach Unterstützung nachgekommen. Man hat Wien sogar einen Blankoscheck ausgestellt. Allerdings mit der Auflage schnell gegen Serbien militärisch vorzugehen. Die Österreicher kamen dem aber nicht nach. Man ließ sich vier lange Wochen Zeit. Der deutsche Reichskanzler meinte auch einen lokalen Krieg zu billigen und zu unterstützen, da er, trotz gegenteiliger Auskunft von eigenen Botschafter aus London, die irrige Hoffnung hatte, Großbritannien neutral zu halten. Zu Russland meinte man, sie seien noch nicht so weit, einen großen Krieg zu führen. So sollte das Risiko eingegrenzt werden.
    Aber auch militärische Überlegungen spielten eine nicht unerhebliche Rolle. Zum einem stand das Gespenst der gewaltigen russischen Rüstungsanstrengungen, die 1917 vollendet sein sollten, im Raume, ebenso wie die nicht unerheblichen franzsösischen Bemühungen. Aber es gab auch nicht zu verachtende Strömungen lieber doch früher, wo noch eine Chance bestünde, "loszuschlagen" als in ein paar Jahren, wo denn gar keine Chance mehr bestünde.

    Im Deuschen Reich herrschte eine Art Festungsmentalität vor, da man sich von "Feindstaaten" eingekreist fühlte und das war schon fast eine Phobie. Man muss aber auch fairerweise anerkenngen, das die Phobie nicht so ganz unberechtig war, denn die Triple Entente hatte Berlin und Wien immer mehr eingeengt.

    Allgemein:
    Das Wettrüsten der Großmächte trug ganz sicher zu der Überzeugung bei, das der große Krieg, früher oder später, kommen musste. Das war damals eine Binsenweisheit. Dieses enorme Rüsten brachte die Großmächte alle, mal mehr, mal weniger, in finanzielle Bedrängnis, aber man hielt verrückterweise trotzdem daran fest. Mögen die Rüstungen auch als Abschreckung gedacht gewesen sein, so haben Rüstungsprogramme doch seiner Zeit nicht zur Verhinderung von Kriegen geführt. Ein Beispiel ist der deutsche Admiral Tirpitz, der Architekt der Hochseeflotte. Er meinte, vereinfacht ausgedrückt, das keine englische Regierung mehr einen Angriff auf das Deutsche Reich wagen würde, das es britische Staatsräson war die Seherrschaft um jeden Preis zu erhalten. Das Ende vom Lied ist ja bekannt. Es gibt eine große Bandbreite von Ursachen für diese Urkatastrophe schlechthin und der Raum hier ist einfach zu begrenzt, um auf alle Faktoren näher einzugehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Oktober 2014
    hatl und flavius-sterius gefällt das.
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich möchte ein "von Bismarck provoziert" einfügen.
     
  5. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Darüber wurde, auch von meiner Wenigkeit, hier schon so einiges geschrieben. Niemand behauptet, das Preussen und Bismarck gewiss nicht unschuldig waren. Aber das gilt ebenso für Napoleon und Frankreich.
     
  6. Iceman

    Iceman Mitglied

    Ich finde das Problem war, dass man am Ende einen Krieg hatte der nicht zu gewinnen war für die Europäische Mächte.
     
  7. Katharinchen

    Katharinchen Neues Mitglied

    Vielen Dank!

    Wäre es richtig wenn ich das in der Arbeit so definieren würde:

    -Imperalismus, d.h. das Streben nach Kolonialbesitz,dass größte Ziel der Großmächte bzgl. dieses Punktes war,ihre politischen und wirtschaftlichen Einfluss in der Welt zu erweitern.

    -Der ''Platz an der Sonne'':deutsche Großmachtpolitik bzw. Streben nach der Weltherrschaft.Ende des 19. Jht.,nach dem Thronbestieg von Wilhelm ll am 15.6.1888 und der damit verbundenen Entlassung Bismarcks 1890 wollte nun auch Deutschland im Spiel der europ. Großmächte um die Vormachtstellung in Europa mitspielen.Nach Wilhelm ll war dies ohne den "Platz an der Sonne" nicht möglich,da seiner Meinung nach,der Kolonialismus segensreich, ja unverzichtbar, für das eigene nationale Wohlergehen sei.Das Problem dabei war,dass schon fast alles Ferne unter den großen Mächten "verteilt" war,u.a. dies führte zu Konflickten zwischen den Mächten.

    Die anderen Punkte,könntet ihr euch vielleicht mal durchlesen,evtl. korrigieren und mir sagen,ob ich das so (meiner Meinung nach schon) in der Arbeit scheiben kann?
    !:red:

    -Aufgabe der bisherigen defensiven Bündnispolitik Bismarcks
    D.h. kurz gesagt: Bismarck versuchte mit Erfolg,dass 18.1.1871 neu gegründete dt. Reich sanft in das Mächtegleichgewicht Europas einzufügen.Dies und die pol. Isolation Frankreich,welches seit dem verlorenen Krieg 1871 auf Revanche gesinnt war,gelang ihm durch seine geschickte Bündnispolitik (1873 Dreikaiserbündnis DEU/RUS/Ö-U;1879 Zweibund DEU/Ö-U;1882 Dreibund DEU/O-Ü/IT;1887 Rückversicherungsvertrag DEU/RUS),dessen Ziel die Verhinderung einer ''Einkreisung'' des dt. Reichs bzw. eines europ. Krieges war.
    Nach dem Thronbestieg Wilhelm ll am 15.6.1888 und der damit verbundenen Entlassung Bismarcks 1890 verfolgte Wilhelm der ll diese Politik nicht weiter und ebnete u.a. so den Weg für eine 'Einkreisung'' des dt. Reichs,vor welcher Bismarck immer gewarnt hatte.(1894 Zweibund FRA/RUS;1904 Entente Cordiale FRA/GB; 1907 Triple-Entente FRA/GB/RUS).

    -Wettrüsten/Flottenbau DEU vs. GB
    Unter dem ''marinefanatischen'' Kaiser Wilhelm ll begann ab 1898 die großspürige Aufrüstung der dt. Flotte (auch Kriegsschiffe),da ''Deutschlands Zukunft'' seiner Meinung nach auf dem Meer läge: ''Ohne Seemacht bleibt die deutsche Weltgeltung wie ein Weichtier ohne Schale'' (Admiral Alfred von Tripitz,seit 1897 Staatssekretär der kaiserlichen Marine).Laut Deutschland sollte die Flotte dazu dienen,dass Deutschland fähig sei,im Rennen der modernen Staaten um Märkte und Einfluß in der Welt Schritt zu halten,ihre Küsten zu verteidigen,ihre Handels- und Überseeverbindungen bei internationalen Krisen oder im Verteidigungsfall aufrecht zu erhalten bzw. schützen und nicht zuletzt eine neue Position gegenüber England aufzubauen.
    In Großbritannien und bei den anderen Großmächten wurde das dt. Aufrüsten kritisch beäugt,besonders Großbritannien fühlte sich in seiner Stellung als führende (See) bzw. Weltmacht bedroht.Verhandlungen über eine Begrenzung der Flotttenrüstung lehnte die Regierung in Berlin mehrfach ab.Folge davon war ein gefährliches kostenspieliges Wettrüsten zur See.

    -Millitärismus
    Unter "Militarismus" versteht man eine Denkweise, die militärische Verhaltensweisen und Vorgehensweisen zur Grundlage des Staates und der Gesellschaft machen will.Besonders ausgeprägt war dieser im Kaiserreich.Millitärische Stärke galt als Garantie für die Sicherung der neuen Vormachtstellung.Wer beim Millitär war galt als etwas,sie hatten besondere Privilegien und Lebensformen,außerdem wurden sie von der anderen Bevölkerung nachgeahmt.

    -Kriegsmetapher(hohe Kriegsbereitschaft)/undiplomatisches verhalten
    Das Wort ''Kriegsmetapher'' bezieht sich auf die Siegesbewusstheit der Deutschen am Anfang des Krieges,sie gingen davon aus den Krieg schnell zu gewinnen,wie 1871.(->Augusterlebnis,Kriegseuphorie)
    Das ''undiplomatische Verhalten'' bezieht sich auf das Verhalten der Großmächte in der Julikrise,hier hatte der Krieg evtl. noch verhindert werden können,wenn diese nur mal miteinander geredet hätten,beziehungsweise bedachter gehandelt hätten->z.B. der Blankoscheck DEUs an O-Ü.

    Ganz lieben Dank erstmal für das durchlesen und hoffentlich ein Antwort!:)

    Katharinchen :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Oktober 2014
  8. Katharinchen

    Katharinchen Neues Mitglied

    Ihnen auch vielen Dank!-Sie könnten ja vielleicht auch mal oben schauen :scheinheilig:

    Katharinchen :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Oktober 2014
  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    Katharinchen,
    -Imperialismus
    ich wäre mal vorsichtig mit der Aussage "dass [es das ] größte Ziel der Großmächte bzgl. dieses Punktes war,ihre politischen und wirtschaftlichen Einfluss in der Welt zu erweitern".
    Es war ein wesentliches Ziel unter anderen Zielen.
    Neben dem Wirtschaftsimperialismus, der darauf zielt materielle Vorteile aus Kolonien zu ziehen, gibt es auch noch den Sozialimperialismus.
    Dieser will innere gesellschaftliche Spannungen nach aussen lenken und sie damit entschärfen.

    -Platz an der Sonne
    Die "deutsche Großmachtpolitik" sollte besser "Weltpolitik heißen.
    D. h. das DR will (verspätet) an der Verteilung ferner Gebiete (Asien und Afrika) teilhaben. Es geht nicht darum, dass das DR sich eine "um die Vormachtstellung in Europa" bemühte. Denn diese war bereits erreicht.
    Mit der Gründung des DR und der folgenden dynamischen Entwicklung entstand eben diese.
    Der Einsicht Bismarcks, dass man mit dem entstanden Übergewicht des neugegründeten DR vorsichtig hantieren müsse, konnte Wilhelm II aufgrund seines überzogenen Selbstbegriffs (Gottesgnadentum) nicht folgen. (ehrlich gesagt, ein selten großer Depp - aber das kannst Du natürlich nicht schreiben =))
    -Militarismus war insgesamt eine weitverbreitete europäische Erscheinung.
    Eine vergleichende Studie hierzu steht m W. noch aus.

    Viel Erfolg für Mittwoch..

    hatl
     
  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Das Mächtegleichgewicht war mit der Begründung des Deutschen Reiches ohnehin aus den Fugen geraten und das wußte Bismarck. Seit der schweren diplomatischen Niederlange im Zuge der Krieg in Sicht Krise war auch Bismarck klar, das die Mäche Russland und Großbritannien eine weitere Verschiebung der Machtverhältnisse zu ungunsten Frankreichs nicht hinnehmen würden.
    Auch bin ich mir nicht sicher, ob Frankreich tatsächlich auf Revanche aus war? Unstrittig ist jedenfalls das Ziel der Rückgewinnung der verlorenen Provinzen, aber m.W. nach sollte das friedlich geschehen.

    Der Weg zu Spaltung des Mächtekonzerts in zwei Blöcke ist ein sehr komplexer Vorgang und läßt sich nicht einfach allein mit der Person Wilhelms II. erklären. Da gab es noch ganz andere bdeutende Prozesse.
     
  11. Katharinchen

    Katharinchen Neues Mitglied

    Dankeschön,für die Verbesserungen
    -aber das mit der ''deutschen Großmachtpolitik'' stammt genau so von meinem Lehrer und der ist eigentlich einer der wenigen von den Geschichtslehrern,an meiner Schule,der wirklich Ahnung von seinem Fach hat und den Stoff auch gut/''spannend'' zu vermitteln weiß.:red:
    -Bezüglich der anderen ''Imperalismusformen''-Haben wir weder im Kurs,noch im Geschiunterricht durchgenommen,wir haben riesige Lücken in dem Fach-aber was will man machen-ist eben G8. Wenn jemanden,wie mich Geschichte interessiert,muss man sich so einiges selbst ''aneignen''.

    -Bezüglich des Millitarismus: Ja stimmt natürlich schon,dass es ihn in ganz Europa gab,aber ich habe das speziell auf das dt. Kaiserreich bezogen,da wir es in dem Kurs letzes Schuljahr kurz durchgenommen haben,es (offiziel) zwar nicht in der Arbeit vorkommt,aber wer weiß...:D

    Aber trotzdem Danke-Bezüglich Mittwoch ich werde das Beste draus machen :)

    @Turgot: Es ist bestimmt richtig,was Sie sagen,aber ich denke die ''Form''
    ist angemessen für die 9.Klasse,ich werde so oder so während der Arbeit unter Zeitdruck stehen,weil ich z.B. über eine Fragestellung die andere in 5 Sätzen beantworten,2-3 Seiten schreiben könnte.:rotwerd:
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Oktober 2014
  12. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ich dachte immer, es geht um Inhalte; war zumindest während meiner Zeit auf dem Gymnasium so.
     
  13. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Bismarck ist ganz sicher nicht unschuldig, aber auch nicht alleinschuldig. Ich habe dazu schon viel geschrieben. Und zur Provokation. Der französische Außenminister Gramont hat am 06.Juli 1870 vor der Nationalversammlung unter anderem ausgeführt:

    "„Frankreich würde nicht dulden, dass der Prinz von Hohenzollern oder sonst irgendein preußischer Prinz den spanischen Thron besteigt. Um diesen möglichen Fall zu verhindern, zählte die Regierung zugleich auf die Klugheit des deutschen Volkes und auf die Freundschaft des spanischen Volkes. Sollte es jedoch anders kommen, so wüssten wir kraft Ihrer (der Abgeordneten) Unterstützung und derjenigen der Nation ohne Zögern und ohne Schwäche unsere Pflicht zu tun.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Emser_Depesche

    Na, wenn das keine handfeste Provokation ist.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nun, ich kann da die Franzosen verstehen. Sie haben sich jahrhundertelang von Habsburg eingekreist gefühlt und mit dem Spanischen Erbfolgekrieg waren sie 1714 endlich die - ob reale oder eingebildete ist egal - habsburgische Einkreisung losgeworden. Jetzt waren die Bourbonen in Spanien (vorerst) gestürzt und es drohte eine erneute Einkreisung, nicht mehr durch Habsburg natürlich, aber durch Hohenzollern. Zumal man ja, die Unbeliebtheit bourbonischer Herrscher im eigenen Land hin oder her, wahrscheinlich lieber ein französischstämmiges Herrrscherhaus auf dem spanischen Thron gesehen hätte, als ein preußischstämmiges. (Letzteres wäre freilich ein irrationales Moment gewesen, aber so sind wir Menschen ja, Rationales mit Irrationalem vermischend, der Dusel bestimmt unser Handeln manchmal mehr als die Vernunft).

    Ja, Frankreich war es, welches 1870 Deutschland den Krieg erklärte. Aber Bismarck war es, der einen irreführenden Text über die Ereignisse in Bad Ems durchstieß, welcher Frankreich wenig Handlungsspielraum ließ. Insofern hat Bismarck die Kriegserklärung Frankreichs provoziert. Und Bismarck wird schon gewusst haben, warum er vor Veröffentlichung der textlich verschärfend manipulierten Depesche das Militär konsultierte und dessen Einsatzbereitschaft nachfragte.
     
  15. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ja, die Sorgen Frankreichs waren sicher nicht ohne Berechtigung. Aber das Vorgehen, war nun nicht gerade diplomatisch geschickt.
    Frankreich hatte geradezu panische Sorge, das der Norddeutsche Bund sich unter der Führung Preußens will heissen Bismarcks mit dem Süddeutschen Staaten vereinigen könnte. Es war nämlich klar, das dadurch Frankreich seine halbhegiomoniale Position in Europa verlieren würde. Es ging also darum das werdende Deutschland zu verhindern. Die Franzosen fühlten sich von noch immer von Bismarck, Stichwort 1866 und die ausgebliebene Kompensation (Luxemburg) für Frankreich, über den Tisch gezogen. Bismarck hatte dies zwar nicht explizit zugesagt, aber im Prinzip zu verstehen gegeben, das dies wohl kein Problem darstellen würde. Bekanntermaßen ist es denn ganz anders gekommen. Die Franzosen verlangten "Rache für Sadowa." Wofür Rache, ist eigentlich nicht klar. Sie haben es ihrem Kaiser Napolen III. nicht so recht verziehen, dass er bei dem deutschen Bruderkrieg tatenlos zugesehen hat. Ein Regime, wie das Napoleons war auf außenploitische Erfolge und den damit verbundenen Prestig aber angewiesen, damit sein Kaisertum vom Volke mitgetragen wird. Und 1870 sah es nicht gerade rosig um die Monarchie Napoleons aus.

    Als dann die Thronkandidatur Leopolds durchsickerte, haben im Frankreich sämtlich Glocken Sturm geläutet. Es galt zu verhindern, das ein Prinz der Hohenzollern auf dem Thron Karl V. Platz nimmt. Die französische Diplomatie ist dabei gleich sehr agressiv zu Werke gegangen, was nicht zuletzt am dem französischen Außenminister Gramont, ein ausgesprochener Preussenhasser, gelgen hat. Es ist aber auch zu berücksichtigen, das natürlich er auch unter dem Druck der Öffentlichkeit stand. Gramont ist es im Prinzip darum gegangen, Preussen zu demütigen und hat dabei kräftig mit Feuer, hier eben dem Krieg, gespielt. Des Weiteren hatte Gramont aber auch die internationalen Absichten und Reaktionen kolossal falsch eingescshätzt bzw. hatte aus den Berichten seiner Botschafter das herausgelesen, was er lesen wollte.

    In den Jahren 1867/68 hatte Frankreich mit Österreich und Italien Verhandlungen über ein formelles Bündnis geführt, die damit endeten, das die Monarchen gegenseitig Briefe austauschten, aber hinter den französischen Wünschen zurückblieben und vor allem entgegen französischer Interpretation keine Zusage zur Teilnahme am Krieg vorsahen. Noch im Juni 1870 war General Lebrun in Wien, um den Feldzugsplan gegen Preußen zu besprechen und seine Vorstellungen mit denen des Erzherzogs Albrecht abzustimmen.

    Des Weiteren stand man im engen Kontakt mit Dänemark hinsichtlich gemeinsamer militärischer Operationen gegen Preußen.. Auch mit dem exilierten König von Hannover war man in Verhandlungen. Gramont, als dieser noch Botschafter in Wien war, hatte dessen Vertreter in Paris mitgeteilt, dass die Politik Napoleons auf einem Krieg mit Preußen hinauslaufe, aber dafür die Armee aufgerüstet werden müsse.

    Es ging Paris darum, nicht als Aggressor dazustehen, um nicht gegen das ganze Deutschland fechten zu müssen.

    Auch Russland wollte man ins Boot holen, nur erhielt man von Gortschakow eine Abfuhr. Dieser war wohl überzeugt, dass Preußen gegen Frankreich ohnehin unterliegen werde.

    Frankreich hatte also für die Zukunft einen Krieg mit Preußen fest ins Auge gefasst, um die Macht Preußens zu brechen und Deutschland wieder den französischen Einfluss zu öffnen.

    Als Quelle diente unter anderem: Radewahn, Französische Außenpolitik vor dem Krieg von 1870
     
  16. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Bzgl der Rache von Sadowa haben wir bereits in einem anderen Thread diskutiert. Ich meine mich erinnern zu können.
     
  17. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Am Ende war das wohl eine Machtfrage. Und da konnte Gramont mit dem Erreichten eigentlich sehr zufrieden sein. Preußen war gedemütigt. Aus einen Bericht von Saint-Vallier, französicsher Gesandter in Stuttgart, konnte Gramont unmissverständlich entnehmen, wenn jetzt noch mehr gefordert werden würde, gemeint war die Garantie Wilhelms, würde die französische Position schlecht werden. Die Neutralität Süddeutschlands wäre nicht mehr gegeben. Aber Gramont wollte mehr.
    Der österreichische Botschafter schrieb an Beust, "Die Hoffnung auf die Neutralität Süddeutschlands war der Trumpf in Gramonts Spiel. Der Konflikt war an den Haaren herbeigezogen, um einen diplomatischen Triumpf zu erringen. Er hatte geglaubt, es ohne Gefahr für den Frieden tun zu können, weil die dynastische Frage nicht die deutsche Frage berühre". Dabei überspannte Gramont die Forderungen.
     

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